Nicht Tag der offenen Moscheen

Man mag darüber streiten, ob Deutschland einen solchen Nationalfeiertag braucht, man mag auch darüber streiten, ob das Datum gut gewählt ist, man mag zudem darüber streiten, ob es überhaupt etwas zum Feiern gibt. Aber, unstreitig ist, dass die allermeisten Menschen in Deutschland froh und glücklich darüber sind, dass die beiden Teile Deutschlands wiedervereint sind. Das darf ich im Namen der Ibn Rushd – Goethe Moschee ausdrücklich hervorheben. Wir sind glücklich, dass die Mauer zumindest physisch weg ist.

Lassen Sie uns gemeinsam die Wiedervereinigung feiern und uns der Tage der Wiedervereinigung erinnern.

Die Wiedervereinigung Deutschlands war und ist kein Spaziergang. Wie auch, nach so einer Geschichte und nach so langer Zeit der Trennung? Und sicher hätte sehr vieles besser gemacht werden können, wie auch heute noch vieles besser gemacht werden kann. Dennoch, die Wiedervereinigung Deutschlands war ein historischer Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte. Ich erinnere mich noch sehr gut, dass ich nahezu täglich stundenlang vor Freude geweint habe. Jeder Bericht im Fernseher, jedes Bild und jeder Spaziergang an der Mauer, die nach und nach fiel, ist mir in sehr guter Erinnerung und mir kommen wieder die Tränen, wenn ich an all die einzelnen Schicksale denke, an die Geschichten der Menschen, die unter der Teilung und vor allem unter dem Unrechtsstaat der DDR gelitten haben.

Mit Nachdruck will ich dennoch meinen Ost-Deutschen Freundinnen und Freunden sagen, dass ich nachempfinden kann, dass sie den Verlust ihrer Heimat betrauern. Die einseitige Übernahme durch den Westen war nicht die optimale Lösung. Auch aus diesem Grunde ist es sehr wichtig, dass wir heute über den historischen Moment reden, aber nicht vergessen, dass die Widervereinigung ein Prozess bleibt. Noch existieren zu viele Ungerechtigkeiten in unserem Land, noch existieren zu viele Ungleichbehandlungen der alten und neuen Bundesländer. Es ist z.B. nicht akzeptabel, dass Menschen in den neuen Bundesländer für die gleiche Arbeit weniger Lohn erhalten.

In dieser Situation aus dem Tag der deutschen Einheit einen Tag der offenen Moscheen zu machen empfinde ich als eine Form der Respektlosigkeit, Arroganz und zugleich Ignoranz der Bedeutung des Tages für Deutschland. Die Motive sind sicher vielfältig. Eines unterstelle ich aber ganz besonders. Wer den Tag der deutschen Einheit nicht feiern will, lenkt die Aufmerksamkeit auf sich und seine Prioritäten und beweist somit eher die Existenz von bestehenden islamischen Parallelgesellschaften. Der Islam oder die Moscheen haben in meinen Augen am Tag der deutschen Einheit keine Priorität. Aus diesem Grunde beteiligen wir uns nicht am sogenannten Tag der offenen Moscheen. Heute ist unsere Moschee geschlossen.

In unserer Moschee ist „jeden Tag“ – vor allem jeden Freitag – Tag der offenen Moschee. Wir empfangen jeden Freitag zum Gebet und zur Predigt Gäste und bilden nach dem Freitagsritual einen offenen Gesprächskreis. Wir vereinbaren aber auch an allen anderen Tagen individuelle oder Gruppengespräche.

ICH WÜNSCHE ALLEN MENSCHEN IN DEUTSCHLAND – auch im Namen der Ibn Rushd – Goethe Moschee – EINEN SCHÖNEN TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT.

Seyran Ateş

Geschäftsführerin

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