Mit einem offenen Brief hat sich die Anwältin und Moschee-Gründerin Seyran Ateş an die Berliner Politik gewandt. Anlass ist die Besetzung des Beirats des neu zu gründenden Instituts für Islamische Theologie der Humboldt Universität. Dieser soll einzig mit Vertretern der Islamverbände besetzt werden, die zum einen nur einen Bruchteil der Muslime in Deutschland repräsentieren und zum anderen alle einen konservativen Islam vertreten. „Sie ignorieren mit Ihrer Entscheidung, dass der Islam in Deutschland deutlich pluraler ist, als er von den Islamverbänden repräsentiert wird.“, schreibt Ateş. „Mit der Ausbildung von Islamischen Theologen in Deutschland sollte doch eigentlich erreicht werden, dass auch andere als die traditionell-konservativen Inhalte im Studium vermittelt werden können. Wir wollten uns unabhängig machen von Imamen, die in anderen Ländern ausgebildet wurden und von der Lebensrealität in Deutschland wenig mitbekommen haben. Indem Sie nun den massiv aus dem Ausland finanzierten Islamverbänden den einzigen Zugriff auf die Gestaltung und Besetzung der Professuren des Studiengangs geben, führen Sie diese Idee ad absurdum“, so Ateş weiter.

Neben den Islamverbänden solle die Politik auch darüber nachdenken, liberale Muslime und die Ahmadiyya Muslim Jamaat an dem Beirat zu beteiligen. Jahrelang habe die Politik sich gewünscht, dass sich die liberalen Muslime in Deutschland organisieren. Nun gibt es verschiedene Organisationen und keine von Ihnen werden von der Politik einbezogen. „Ich bin darüber sehr enttäuscht!“. Sie appelliert an den Regierenden Bürgermeister Müller und die Mitglieder des Wissenschaftsausschusses im Abgeordnetenhaus, jetzt umzudenken und den Beirat zu öffnen. „Handeln Sie jetzt – alles andere ist ein großes politisches Versagen, welches Sie durch Ihre Entscheidung mittragen!“.

Den Brief im Wortlaut finden Sie hier

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