Muhammad- Gottes Prophet

Datum: 03.06.2020

   Muhammad soll gesagt haben: „Ich bin nur ein Mensch. Was ich euch von Allah her übermittele, das ist die Wahrheit. Was ich darüber aus mir selber heraus sage, muss nicht stimmen, denn ich bin nur ein Mensch; einmal irre ich, ein anderes Mal treffe ich das Richtige.“

     Bis heute glauben die meisten Muslime an die Unfehlbarkeit und Sündlosigkeit des Propheten, an einen überirdischen Menschen. Sein Leben wurde im Laufe der Zeit so umfangreich und mit vielen Erzählungen ausgeschmückt und verschönert. Aber die erste und bis heute annehmbare und mögliche schriftliche Lebensbeschreibung Muhammads stammt erst von Ibn Ishaq, geboren 704 in Medina und war der Mittelteil eines umfangreichen historischen Werkes, die ihm der Kalif Al-Mansur aufgetragen hatte. Der Anfang und das Ende sind verloren gegangen und der ägyptische Gelehrte Ibn Hisam, gestorben um 830, soll alles aus dem Mittelteil, was nicht mit dem Leben des Propheten zu tun hatte, gestrichen haben. Das heißt, es gab wohl kaum etwas schriftlich Überliefertes der ersten islamischen Jahrhunderte, was den Propheten betraf und von dem wenigen von Ibn Ishaq Gesammeltes ist vieles auch noch verschwunden.

   Ich besitze mehrere Bücher über die Lebensgeschichte Muhammads, z.B. „Muhammad- sein Leben nach den frühesten Quellen“ von Martin Lings und weitere. Darin kann man fast minutiös nachverfolgen, was der Prophet tat, wie er lebte, und was er sagte. Ich frage mich da, wie kommt man zu solch einer lebendigen Vita, wenn es kaum bestätigte schriftliche Mitteilungen gibt. Kann man sich wirklich fast nur auf mündliches Weitergeben verlassen? Ich glaube schon, dass manches davon annehmbar ist, wenn mehrere Personen zur Zeit des Propheten dabei waren und genau das Geschehen weitergaben. Aber das meiste halte ich einfach für Wundergeschichten. Wie kann eine Ziege, die noch nicht tragend war, eine große Anzahl von Personen mit Milch versorgt haben. Wollte sich da jemand mit seiner großen Liebe zum Propheten einfach hervortun? Ein anderer hat es vielleicht gehört und weitergegeben. So kann schnell etwas Gesagtes zur Wirklichkeit werden.

    Aber was ist wirklich nachvollziehbar vom Leben Muhammads?

    Was sagt der Koran über ihn?

„Trage vor im Namen deines Herrn, der erschaffen hat, den Menschen aus einem Embryo erschaffen hat. Trage vor, denn Dein Herr ist allgütig, Der mit dem Schreibrohr den Menschen lehrt, was er nicht wusste.“ Das waren die allerersten Verse, die Muhammad übermittelt wurden.

   Wie sehr muss sich Muhammad erschrocken haben, egal, wohin er blicken mochte, er sah sicherlich immer wieder etwas Übernatürliches, Furchteinflößendes. Eigentlich wollte er in der Höhle nur meditieren, abschalten vom Alltäglichen, an Gott denken. Und nun soll er etwas vortragen! Was eigentlich soll er vortragen? Vor Angst hat er vielleicht gesagt, dass er es nicht könne. Wie erleichtert mag er gewesen sein, als dieser Unerklärbare schließlich ihm etwas vortrug, was er dann nachsprach. Vielleicht hat er es zuerst nicht einmal verstanden. Erst viel später, als er sich bei seiner Frau beruhigen konnte, dachte er darüber nach und muss wohl tief in seinem Inneren über die Bedeutung und Schwere des Rezitierten wieder in Angst und Schrecken versetzt worden sein. Erst in einem Gespräch mit Khadidscha und ihrem Vetter, dem Christen Waraqa, begriff er ihre Bedeutung. Er kannte die Propheten der Juden und Christen, denn er kam ja auf seinen Reisen und auch in seiner Stadt Mekka immer wieder mit ihnen in Berührung.

    Aber diese eindrucksvollen Verse können nichts anderes bedeuten, als dass er geradewegs ebenfalls eine Botschaft erhalten hat und seinem Volk etwas von Gott, seinem Herrn vortragen soll. Wie muss es ihn gequält haben, dieser Mission eventuell nicht gerecht zu werden.

     Hat er sich nun auf dem Marktplatz hingestellt und laut vorgetragen? Das glaube ich nicht, sicherlich aber einigen wenigen. Was sollte er auch sagen, er hatte ja nicht viel vorzutragen und es dauerte eine längere Zeit voller Ungewissheit und Bedrückung des Ausbleibens neuer Übermittlungen, bis Gott ihn wieder ansprach: Sure 74:1, Der Bedeckte- Al-Muddattir: „O du Bedeckter! Erhebe dich und warne und verherrliche deinen Herrn und reinige deine Kleider und meide den Götzendienst…“

    Diese höchstwahrscheinlich zweite Sure umreißt schon alle grundlegenden Konzepte: die Einheit und Einzigkeit Gottes, die Auferstehung und das letzte Gericht. Es wird von der Schwäche des Menschen gesprochen und seine Verantwortlichkeit für sein Verhalten und Handeln.

    Aber wie war die Reaktion seiner Zuhörer? Nur einige werden nachdenklich geworden sein, die meisten haben ihn mit Schmähworten betitelt. Gott antwortet darauf mit der Sure 68 „Das Schreibrohr, Al-Qalam: „Nun, und beim Schreibrohr und bei dem was sie niederschreiben! Wahrlich, du bist durch die Gnade deines Herrn kein Besessener. Und für dich ist gewiss ein Lohn bestimmt, der dir nicht vorenthalten wird.

Und du verfügst wahrlich über großartige Tugendeigenschaften. Also wirst du sehen und sie werden auch sehen, wer von euch der Besessene ist.“

    Ich denke, dass in dieser ganzen Sure nicht nur Muhammad angesprochen wird, sondern sie gilt vor allem Menschen, die ihre moralischen Wertungen auf ihren Glauben an Gott gründen.

     Immer wieder wird Muhammad von Gott direkt angesprochen, um das Gehörte weiterzusagen, wie in der Sure 38:65-70„Sag, ich bin nur ein Warner und es gibt keinerlei Gottheit außer Gott, dem Einen, der absolut herrscht über alles, was existiert, dem Herrn der Himmel und Erde und dessen, was zwischen beiden ist, dem Allmächtigen dem Allverzeihenden. Sag, dies ist eine gewaltige Botschaft: Wie könnt ihr euch davon abwenden? Sag: Ich hätte kein Wissen gehabt von dem, was unter der Schar hoch droben geschah, als sie gegen die Erschaffung des Menschen stritten, wäre es mir nicht von Gott offenbart worden, zu keinem anderen Zweck, als dass ich euch eine deutliche Warnung übermittele.“

      Ich denke, Muhammad verstand seinen Auftrag bei Weitem nicht so, als solle er eine neue Religion gründen. Bis zur Auswanderung stand vor allem noch die Gemeinsamkeit mit den Leuten der Schrift im Vordergrund, also mit den Juden und Christen und natürlich auch mit den Andersgläubigen, ich würde sogar meinen, bis zu seinem Lebensende. Schon aus dem Grund, weil in zahlreichen Versen des Korans  Gott immer wieder verdeutlicht, dass Muhammad ein Botschafter, der letzte, in einer ganzen Reihe von Botschaftern und Gesandten steht und eine Botschaft übermittelt, die vordem schon an die Juden und Christen gegangen war, dieses Mal aber an die Araber, auf ihre Situation neu interpretiert. Und sollte Muhammad Zweifel an seine Mission haben, so empfiehlt Gott ihm in der Sure 10:94, sich an die Juden und Christen zu halten.  „Und wenn du über das, was wir zu dir hinabsandten, im Zweifel bist, dann frage diejenigen, welche die Schrift vor dir lasen. Wahrlich, zu dir ist die Wahrheit von deinem Herrn gekommen, darum sei kein Zweifler.

     Als eine längere Zeit vergangen war und Allah sich nicht gemeldet hat, begannen wahrscheinlich seine Gegner ihn zu verspotten. Vielleicht verhöhnten sie ihn mit den Worten: Dein Herr hat dich verlassen und verabscheut und mag dich nicht! Als Antwort kam dann prompt die Sure 93, Ad-Duha- Der Vormittag: „Beim Vormittag und bei der Nacht, wenn alles still ist! Dein Herr hat dich weder verlassen noch verabscheut. Wahrlich, das Jenseits ist für dich besser als das Diesseits. Und wahrlich, dein Herr wird dir geben und du wirst zufrieden sein.  Hat er dich nicht als Waise gefunden und aufgenommen, und dich auf dem Irrweg gefunden und richtig geführt, und dich dürftig gefunden und reich gemacht? Was die Waise angeht, so unterdrücke sie nicht. Und was den Bittenden angeht, so fahre ihn nicht an, und sprich überall von der Gnade deines Herrn.“

    Ich denke, auch wenn diese Sure zwar direkt an den Propheten Muhammad gerichtet ist, übermittelt sie aber an all Diejenigen, die mit Schwierigkeiten und Härten in ihrem Leben zu kämpfen haben, die Hoffnung an das Gute und Gerechtigkeit. Das trifft für damals wie heute zu. Auch wenn Gott Muhammad an seine eigene Notlage als Waise erinnert, so kommt Er an vielen Stellen im Koran generell auf die schwierige Situation der Waisenkinder und ihre angemessene Versorgung zu sprechen, so wie Gott auch ein Fehlverhalten des Propheten anspricht als eine Lehre für ihn und alle anderen.

     Aber wie sah Muhammads Beziehungen zu seiner Umwelt, zu den Menschen aus? Auch da spricht Gott durch den Koran. Muhammad war ein überaus gefragter Mann. Immer wieder wollten wohl die Menschen Erläuterungen von ihm hören, oder etwas ganz Banales oder zu einem Geschehnis. Oft werden sie ihn bedrängt haben. So gibt Gott seinen Unmut für die Gemeinde kund und hält auch gleich Ratschläge für eine bessere Disziplin und Moral im Umgang mit ihm parat. Gleichzeitig stärkt er die Vorbildfunktion des Propheten. Gott weist also die Gemeinde von Muhammad zurecht, seine Privatsphäre besser zu achten. In Sure 33: 53 steht: „O die ihr glaubt, erhebt nicht eure Stimme über die Stimme des Propheten, und sprecht nicht so laut zu ihm, wie ihr laut zueinander sprecht, auf dass nicht eure Werke hinfällig werden, ohne dass ihr merkt… Gewiss, diejenigen, die dich hinter den Wänden der Gemächer rufen, die meisten von ihnen haben keinen Verstand. Wenn sie sich gedulden würden, bis du zu ihnen herauskommst, wäre es wahrlich besser für sie.

     Der Offenbarungsanlass war, dass sich Abu Bakr und Omar stritten, wahrscheinlich im Vorzimmer, zumindest in der Nähe der Wohnung des Propheten und sie dabei immer lauter wurden und ihn in seiner Privatsphäre störten.

     Es geht um Respekt, das allen gleichermaßen gebührt. Es handelt sich also um ein grundlegendes moralisches Prinzip, dass an die Gemeinde gesandt wurde. Im Islam bedeutet das: Verhalten ist eine Voraussetzung für Gottesbewusstsein und das gilt bis heute.

      Und in der gleichen Sure Vers 21 stellt Gott fest: „Wahrlich, im Gesandten Gottes habt ihr ein gutes Beispiel für jeden, der mit Hoffnung und Ehrfurcht dem Letzten Tag entgegensieht und unaufhörlich Gottes gedenkt.

     Dieser Vers bedeutet für mich im Grunde auch eine weitere Kritik an Muhammads Gemeinschaft. Sie richtet sich vor allem an jene, die sich während des Grabenkrieges, also in einer Zeit der Bedrohung, dem Propheten gegenüber illoyal, unsolidarisch verhalten haben. Dies geschah, als die Mekkaner und ihre Verbündeten Medina belagerten. Gott hebt deshalb Muhammads Vorbildfunktion hervor und würdigt jene, die während dieser Tage treu an seiner Seite gestanden und unabhängig von ihrem persönlichen Schicksal auf Gott und auf Muhammad vertraut haben. 

    Für Muhammad und seine Gemeinschaft muss die Belagerung eine außerordentlich große Herausforderung gewesen sein. Aus den Versen der gesamten Koran-Passage kann man herauslesen, dass während dieser Zeit der Zusammenhalt der Glaubenden aus verschiedenen Gründen gefährdet gewesen sei.

    Als ich diese Verse gelesen habe, dachte ich an unsere Moschee. Auch wenn sie von nicht wohl Gesinnten verbal, laut und unseriös angegriffen wird, und damit auch wir als ihre Gemeindemitglieder, möchte ich sagen: Wir stehen fest zu unserer Moschee, lassen uns nicht durch feindselige Aggressionen und Beleidigungen bedrängen und sehen uns als eine Herausforderung denen gegenüber, die uns als eine liberale Moscheegemeinde  nicht willkommen heißen.

Autorin: Manaar

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