Al-Fatiha

Wir beten 5x am Tag und jedes Mal ist die Al -Fatiha dabei. Sie begleitet uns sozusagen durch den Tag, durch das Jahr, durch unser ganzes Leben als Muslim. Sie ist also sehr wichtig. Aber es kann passieren, wenn man etwas sehr oft sagt, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt. Aus dem Grund möchte ich einfach mal genauer betrachten.

Al-Fatiha bedeutet im Arabischen: „Anfang einer Sache, Einleitung oder Vorwort“.

Sie eröffnet als erste Sure (Kapitel) nicht nur den gesamten Koran-Text, sondern wird auch im rituellen Gebet (as-Salat) am Anfang jeder Rak’a, einem Gebetsabschnitt rezitiert. Ohne die Al-Fatiha ist das rituelle Gebet ungültig.

Diese Anfangssure hat noch andere Namen, in der ihre Wichtigkeit betont wird. „Umm al-Quran“ – Mutter des Buches, „Fatiha al-Koran“ – Eröffnende des Buches, weil sie die erste Sure ist, wenn man den Koran aufschlägt. Es gibt noch viel andere Namen.

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen mit ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sagte: „Wer ein Gebet verrichtet und dabei nicht die „Mutter des Korans“ rezitiert hat, so ist es gekürzt, unvollständig.“ Und der Prophet wiederholte dies dreimal.

Nach der überwiegenden Auffassung der Gelehrten wurden die sieben Verse der Al-Fatiha in Mekka, also vor der Hijra offenbart.

Neben dieser funktionellen Bedeutung hat die Al-Fatiha aber auch noch besondere Bedeutung. Sie berührt den Kern des Glaubens. Sie lehrt den Tauhid, den Glauben an den ‚Einen Gott‘ und legt das Verhältnis Gottes zu den Menschen in seinen Grundzügen dar. Und in ihr werden auch einige der wichtigsten einige Eigenschaften bzw. Namen Gottes genannt.

Was steht nun in der Fatiha: Als erster Vers steht die Basmala: „Im Namen Allahs des Allerbarmers, des Barmherzigen – Bismi-llahi-r-rahmanir-rahim“.

Dieses steht am Anfang jeder Sure außer der 9. Sure. Die Gelehrten streiten darüber, ob die Basmala ein eigeständiger Vers der Suren ist oder nicht. Diejenigen Quran-Gelehrten, die meinen, die Basmala sei kein eigener Vers, führen u.a. einen Hadith an, worin der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Rezitation “der bedeutendsten Sure des Koran“ mit der Al-Hamdala – dem zweiten Vers also- und nicht mit der Basmala beginnt, das auch A’isha, die Ehefrau des Propheten bestätigt. Darum sagen viele Rezitatoren die Basmala leise auf, so wie ich es tue.

Der Prophetengefährte Ibn Abbas sagte in einem Hadith: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wusste keine Einleitung der Suren, bis ihm Bismi-llahi-r-rahmani-r-rahim“ offenbart wurde.“ Wir sehen also, wenn wir die Überlieferung ernst nehmen, dass die Basmala zu Beginn der Suren nicht als Bestandteil, sondern als eine nicht unbedingte Einleitung anzusehen ist. In der ersten Sure, der Al-Fatiha bekommt sie dennoch die Versnummer 1, sie ist ja der erste Bestandteil der gesamten, durch Verszählung gekennzeichneten Offenbarung, in den anderen ist sie als eine Einleitung zu sehen.

Die Basmala lautet: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“.

Der Name Allah gehört nur unserem Schöpfer allein; er setzt sich zusammen aus dem Artikel „Al-“ und dem arabischen Wort „llah“. Al-llah bedeutet demnach „der Gott“, dh. der alleinige Gott, neben Dem es keine anderen Götter gibt. Dieser Name „Allah“ ist nicht übersetzbar, denn er ist ein Eigenname unseres Schöpfers, der zugleich alle Attribute umfasst, die Ihm zustehen, und zu diesen 99 Attributen oder „Namen“ Allahs, die im Koran genannt werden, gehören auch „der Allerbarmer“ und „der Barmherzige“- „Ar-rahman“ und „Ar-rahim“.

Jeder der beiden Namen hat eine bestimmte Bedeutung, die ihr eigen ist. Wie unterscheiden sie sich? Beide Begriffe haben denselben Ursprung. Dennoch, alle Gelehrten sind einig, dass der Begriff ar-rahman in seiner Bedeutung Allerbarmer eine umfassendere und allgemeinere Form von Barmherzigkeit bezeichnet. Sie umfasst das ganze Diesseits und Jenseits, während die Barmherzigkeit von ar-rahim der Barmherzige sich auf das Jenseits bzw. auf einen Teil Seiner Schöpfung bezieht. Den Gläubigen wurde ja schon im Diesseits Seine Güte gewährt, an ihn und an seine Gesandten zu glauben und seinen Geboten zu folgen, während die Barmherzigkeit von ar-rahman alle anderen Anders- und Nichtgläubigen im Diesseits mit seiner Güte umfasst. Er versorgt sie ja auch und hat ihnen Verstand gegeben. Ar-rahman umfasst jedes Geschöpf, also umfassender.

Sure 33:43: Er ist es, der euch segnet, und seine Engel bitten darum für euch, dass Er euch aus den Finsternissen zum Licht führe. Und Er ist Barmherzig gegen die Gläubigen. Es bedeutet, dass Gott den Gläubigen seine Güte im Diesseits durch den Glauben an Ihn Erfolg gab, während Er im Jenseits ihnen Wohltaten erweist.

Beginnen wir mit der eigentlichen Sure, dem

2. „al-ḥamdu li-llāhi rabbi l-ʿālamīn – Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten

Es ist der aufrichtige Dank für alle unendliche Wohlgaben an die Menschen, z.B. die Versorgung. Ohne dass wir etwas dafür tun müssen, Er versorgt uns, damit wir leben können.

Ibn Abbas, ein Gefährte des Propheten sagte über alhamdu: Es ist der Dank gegenüber Allah und die Unterwerfung ihm gegenüber. Es ist die Anerkennung seiner Wohlgaben, seine Rechtleitung und dass er uns aus dem Nichts erschaffen hat.

Er ist der Besitzer der ganzen Schöpfung, der Herr aller Welten, den Welten der Dschinn und die Welten der Menschen. Er regelt alle Angelegenheiten seiner Geschöpfe. Und dafür gebührt Ihm Dank.

3. „ar-raḥmāni r-raḥīm“ – dem Allerbarmer, dem Barmherzigen.

4 „Māliki yaumi d-dīn“ – dem König (Herrscher) des Gerichts

Din bedeutet Gericht oder Abrechnung. Es ist der Tag, an dem die ganze Schöpfung zur Rechenschaft gezogen wird, so auch die Menschen. Ibn Abbas sagte: Wenn ihre Taten gut waren, dann gut für sie; wenn sie schlecht waren, dann schlecht für sie, außer jenen, denen vergeben wird, denn die Befehlsgewalt gebührt Allah allein.

Wie oft maßen wir uns an, über Leute zu urteilen. Nein, das letzte Wort hat Gott allein. (Das Gleiche kann man auch über das sagen, was man mir und anderen jetzt öfter vorgehalten hat: dass ich zu einer der 72 islamischen Strömungen gehöre, die in die Hölle kommen werden, nur eine ist die richtige. So macht man den Menschen Angst. Nein, nicht die Menschen halten Gericht über die Seele, sondern ausschließlich Gott. Und Er ist der Barmherzige.

5. „Iyyāka naʿbudu wa-iyyāka nastaʿīn“ – Dir allein dienen wir, und Dich bitten wir um Hilfe.

Wir bedürfen Gottes Hilfe. Darum bitten wir Ihn in voller Aufrichtigkeit.

6. „Ihdinā ṣ-Ṣirāṭa l-mustaqīm“ – Führe uns den geraden Weg,

Ich würde zu Gott bitten: Hilf mir dabei, auf dem richtigen Weg zu bleiben und auch standhaft zu bleiben, allen Beschwernissen oder Hindernissen zu trotzen. Natürlich mit Seiner Hilfe! Der gerade Weg bedeutet soviel wie der deutliche oder richtige Weg, auch wenn er nicht ‚gradlinig‘ verläuft.

7. „Ṣirāṭa llaḏīna anʿamta ʿalayhim ġayri l-maġḍūbi ʿalayhim wa-lā ḍ-ḍāllīn“ – den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht (den Weg) derer, die D(ein)em Zorn verfallen sind und irregehen!

Ibn Abbas meint hier wieder: den Weg derjenigen, denen Gott die Gunst unter den Engeln, den Propheten, den Wahrhaftigen, den Rechtschaffenen erwiesen hat und Seinen Gebote Folge leisten und Ihn anbeten. Damit sind die Gläubigen gemeint,

nicht wie diejenigen, die Seinen Zorn erregen aufgrund ihrer Ablehnung Ihm gegenüber. Und Ibn Abbas meint weiter: Die Ungerechten, die den geraden Weg verlassen haben und die den Zorn Allahs erregt haben.

Dschabir b. Abdullah berichtet, und es ist überliefert von Muslim, dass der Prophet sagte: „Allah sagte: ‚Ich habe das Gebet zwischen Mir und Meinem Diener in zwei Teile geteilt, und Meinem Diener wird das zuteil sein, worum er bittet.‘ Wenn der Diener sagt: ‚Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten‘, sagt Allah, der Allmächtige und Majestätische: ‚Mein Diener hat Mich gelobt.‘ Und wenn er sagt: ‚Dem Allerbarmer, dem Barmherzigen‘, sagt Allah, der Allmächtige und Majestätische: ‚Mein Diener hat mich gepriesen.‘ Und wenn er sagt: ‚Herrscher am Tage des Gerichts‘, sagt Allah: ‚Mein Diener hat Mich gerühmt,‘ und manchmal sagt Er: ‚Mein Diener hat alles auf Mich zurückgeführt.‘ Und wenn er sagt: ‚Dir allein dienen wir und Dich allein flehen wir um Hilfe an‘, sagt Er: ‚Dies ist zwischen Mir und Meinem Diener, und Meinem Diener wird das zuteil sein, worum er bittet.‘ Und wenn er sagt: ‚Leite uns auf den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Gnädig bist, nicht derer, denen Du zürnst und nicht der Irrenden‘, sagt Er: ‚Dies ist für Meinen Diener, und Meinem Diener wird das zuteil sein, worum er bittet.‘

Zusammengefasst: Die Fatiha nimmt eine hervorragende Stellung im Koran ein, sie ist die Eröffnende. Sie eröffnet nicht nur den Koran, sondern auch das Gebet und beinhaltet wichtige Glaubensgrundsätze. Wir praktizieren Demut, sie stärkt den Glauben und das Wissen über Gott, es spricht das Diesseits durch unser Bitten und das Jenseits durch unsere Hoffnung an.

Die ganze Sure besteht aus zwei Teilen, sie teilt sich ein in eine Anrufung und Verehrung Gottes und es ist zugleich ein Bittgebet an Ihn. Wir rufen also Gott 17x in 5 Einheiten am Tag an und bitten Ihn jedes Mal um Vergebung und Rechtleitung.

Zum Abschluss bitte ich Gott, dass Er unsere Gebete annimmt und uns verzeiht und uns immer auf Seinen rechten Weg leitet. (Al-Fatiha)