Aicha Manoubiya’s beeindruckender Lebensweg – eine Muslimin engagiert sich für Unabhängigkei

Pang Yuhao

Aicha Manoubiya, bekannt auch als Lella Saida, war eine herausragende Persönlichkeit in Tunesien des 13. Jahrhunderts, da sie sich gesellschaftlichen Normen ihrer Zeit widersetzte, wie z.B. dem Ausüben bestimmter (religiöser) Berufe, die insbesondere Männern vorbehalten waren. Da ihr Vater Koranlehrer war und sein Wissen sowie Kenntnisse nutzte, um Aicha Manoubiya zu unterrichten, legte er den Grundbaustein ihrer Aus – und Fortbildung. In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass nur wenige Frauen an Bildung teilhaben durften, da die Gesellschaft sehr patriarchal strukturiert war, sie wurden stattdessen auf häusliche Tätigkeiten reduziert und daher verwehrte man ihnen seitens der Gesellschaft weitgehend Bildungschancen. Daher ist es beachtenswert, dass der Vater Manoubiyas sich dafür entschied, seine Tochter in Koranlehre zu unterrichten.
Für nicht wenige Menschen ihrer Zeit erschien sie suspekt, weil sie sich für Freiheit und Bildung einsetzte und das nicht nur eigennützig für sich selbst, sondern auch für die eigenen Geschlechtsgenossinnen. Ihr Engagement machte sich vor allem durch ihre finanzielle Unterstützung für arme Frauen bemerkbar. Bildung war ein Privileg, was nur Frauen genießen durften, wenn sie aus einem bestimmten islamischen Gebiet stammten, wie z.B. Al-Andalus oder auch Maschrek. Aicha Manoubiya selbst kam aus keinem der Gebiete, aber setzte sich vehement für die Bildung von Frauen ein. Aufgrund ihrer Bildung und damit einhergehenden progressiven Ansichten hatte sie auch andere Vorstellungen (als damalige Zeitgenossen) was die Heirat betraf, da sie sich dagegen entschied, einen Verwandten zu heiraten. Stattdessen zog sie in Richtung Tunis weg und widmete sich weiter ihrem Bildungsweg. Außerdem soll sie tunesische Sklaven befreit haben, indem sie sie kaufte und ins europäische Ausland schickte, damit diese dort aus der Sklaverei entlassen und ein anderes Leben beginnen konnten.
Weiterhin setzte sie sich mit dem Koran auseinander, um einen eigenen Weg der Interpretation zu finden, der nicht von Männern bestimmt werden sollte. Große Begeisterung fand sie im islamischen Sufismus, den sie bei ihrem Mentor Hassan al-Chadli kennenlernte, der zugleich ihr spiritueller Mentor wurde. In den Kreisen al-Chadlis war sie auch als Gelehrte tätig, die Islamwissenschaft sowie den Sufismus unterrichtete. Über Hassan al-Chadli ist dazu bekannt, dass er ein Anhänger der Sufi-Lehre des bekannten Sufi-Lehrers Ibn Arabi war. Die Aufgabe auch vor Männern zu predigen, nahm sie nicht nur vor den männlichen Zeitgenossen wahr, sondern brachte zugleich auch Frauen aus städtischen sowie ländlichen Gebieten mit, um sie an der von ihr vermittelten (islamisch-theologischen) Bildung zu beteiligen. Dies missfiel männlichen Gelehrten, die drakonische Strafen für Manoubiya forderten. Auffällig war zudem ihre ausdrucksstarke Rhetorik im Unterrichten, eine Eigenschaft, die vor allem von männlichen Islam-Lehrern bekannt war.

In Tunesien gibt es heute einen Schrein in der Nähe von Tunis, der an Manoubiya erinnert und mehrheitlich von Frauen besucht wird. Sie gehen dahin, um beispielsweise an religiösen Gesängen oder Sufi-Tänzen teilzunehmen. Er wurde wieder eröffnet, nachdem radikale Salafisten ihn im Jahr 2012 in Brand setzten, was große Empörung in der tunesischen Bevölkerung auslöste. Ruft man sich letztlich alle erwähnten Lebensaspekte von Manoubiya in Erinnerung, lässt sich summa summarum sagen, dass es sich bei Aicha Manoubiya um eine starke Frau handelte, die sich von vielen ihrer Zeitgenossen in puncto Bildung oder auch finanzielle Unabhängigkeit absetzen konnte.

Quellen:

https://de.qantara.de/inhalt/aicha-lella-saida-manoubiya-tunesiens-sufi-ikone-als-fr%C3%BChe-frauenrechtlerin?nopaging=1

https://en.wikipedia.org/wiki/Aisha_Al-Manoubya

https://thearabweekly.com/saida-manoubia-tunisias-only-female-sufi-saint-attracts-followers

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