Sure Al-Ikhlas

Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers, den wir verehren und bei Dem wir Schutz und Hilfe suchen. Er ist der absolute Eigentümer des Allwissens und alles Erschaffenen und Er ist über alle Definitionen oder Gleichnissen erhaben und von ihnen unabhängig. Er ist nicht von dieser Welt, unabhängig von Raum und Zeit und dennoch uns so nahe.

Meine Worte sind nur begrenzt, um über Gott zu sprechen. Und dennoch drückt die Sure Al-Ikhlas die Quintessenz aus, was wir von Ihm sagen können. Viellicht ist sie deshalb die meist rezitierte Sure neben der Eröffnenden“, der Al-Fatiha:

Sprich: ‘Er ist Allah, ein Einziger,

Allah, der Absolute (Ewige Unabhängige, von Dem alles abhängt).

Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden,

und Ihm ebenbürtig ist keiner.’“

Al-Ichlas steht an drittletzter Stelle im Koran und ist eine der kürzesten. Sie besteht aus vier Versen, arabisch ‚ayat‘ und behandelt das Konzept des Tauhīd, d.h. der Einheit Gottes. Wegen ihres Inhalts benennt man diese Sure auch „at-Tauhīd“.

Die kleine Sure trägt den Namen ‚Al-Ikhlas‘, obwohl dieses Wort dort nicht vorkommt. Ikhlas bedeutet so viel wie ‚Der Glaube ohne Vorbehalt‘, oder Ergebenheit, Treue, Aufrichtigkeit. Es dient als eine Art Inhaltsangabe.

Aber ehe ich mich auf weitere Erklärungen einlasse, möchte ich die poetische Übersetzung vom Dichter Friedrich Rückert vortragen:

„Sprich: Gott ist Einer, (1)

ein ewig reiner, (2)

hat nicht gezeugt und ihn gezeugt hat keiner, (3)

und nicht ihm gleich ist einer. (4)“

Ich bringe jetzt einige Auszüge aus dem Tafsir von Ibn Dschuzaij Al-Kalbi (1294-1341) „At-Tashil fi’Ulum At-Tanzil“) über die Sure Al-Ikhlas. Ibn Dschuzaij stammte aus dem andalusischen Granada und beschäftigte sich umfassend mit den Wissenschaften seiner Zeit: den Hadithen (prophetische Überlieferungen), Fiqh (Rechtswissenschaft) und der koranischen Rezitation und Deutung.

Er behauptet: „Die Einheitslehre, Tauhid, steht im Mittelpunkt des Islam und stellt den Anfang der muslimischen Existenz dar. Tauhīd bedeutet, Gott als den Einen erklären, sich zum Glauben an die Einheit Gottes bekennen. Mit diesem Bekenntnis wird bezeugt, dass es neben Gott keine anderen Götter gebe, dass er weder gezeugt noch geschaffen sei. Daher beginnt die erste Hälfte des doppelten Glaubensbekenntnisses mit der alles überragenden Aussage, dass es keinen Gott gibt außer Allah. In Seiner letztgültigen Offenbarung an den Menschen, dem Koran, hat Gott die notwendigen Elemente dieses Einheits-Wissens offenbart. Es findet seine Krönung unter anderem in der Sure Al-Ikhlas.“

Ibn Dschuzaij meint, dass der Grund für die Offenbarung dieser Sure darin bestand, dass einige Juden zum Propheten Muhammad, Friede und Segen seien auf ihn, kamen und fragten: „O Muhammad, beschreibe uns deinen Herrn und seine Abstammung, denn Er hat sich selbst und Seine Abstammung in der Thora beschrieben!“ Der Gesandte Allahs begann zu zittern und fiel bewusstlos zu Boden. Dann überbrachte Dschibril ihm diese Sure. Diese Sure müsste dann medinensischen Ursprungs sein, da die Frage von Juden in Medina gestellt wurde. Es wurde aber auch gesagt, dass die mekkanischen Götzenanbeter den Gesandten Allahs fragten: „Beschreibe uns die Abstammung deines Herrn!“ Daraufhin sei diese Sure offenbart worden. Im zweiten Fall stammt sie aus Mekka, was man auch allgemein annimmt.

Er stimmt darin mit anderen Kommentatoren überein, wenn er behauptet, dass der Koran aus drei Wissensgebieten besteht: dem Tauhid, der Gesetze der Scharia und der Geschichten vergangener Völker.

Diese Sure Al-Ikhlas umfasst alle Aspekte des Tauhid, welche dementsprechend ein Drittel des Koran ausmachen. Also jedes Mal, wenn wir die „Al-Ikhlas“ rezitieren, zuhause für sich oder hier beim gemeinsamen Gebet, bekommen wir den Lohn, als hätten wir ein Drittel des ganzen Korans gelesen.

Etwas Ähnliches finden wir bei Muslim in einem Hadith, in dem berichtet wird, dass der Gesandte Allahs einen Mann mit auf eine Expedition schickte und dieser ausschließlich die Sure Al-Ikhlas im Gebet rezitierte. Als sie heimkehrten, berichteten sie dies dem Propheten, und er wies sie an: „Fragt ihn, warum er das gemacht hat.“ Sie gingen zu dem Mann und er erklärte: „Sie beschreibt das Wesen des All-Erbarmers und ich liebe es, sie zu rezitieren.“ Daraufhin sagte der Gesandte Allahs: „Sagt ihm, dass er von Allah geliebt wird.“

Aber sie wird nicht nur gern rezitiert, man findet sie oft auch an baulichen Objekten, so zum Beispiel in drei der vier erhaltenen Inschriften des von ʿAbd al-Malik errichteten Felsendoms. Auf der vom umayyadischen Kalifen ʿAbd al-Malik  697 geprägten Münze finden wir ebenfalls als Aufschrift den Text.

Ich finde, es ist immer wieder wichtig, sich die Aussagen des Textes zu vergegenwärtigen.

1. ‚qul huwa llāhu aḥad – „Sprich: ‚Er ist Allah, ein Einziger‘“

bedeutet, die Einzigkeit ist nur auf Ihn beschränkt, Er ist der Eine, Der die Vollkommenheit besitzt, Ihm gehören die schönsten Namen und die vollkommenen höchsten Eigenschaften und heiligen Taten. Er ist ohne Beispiel und unerreichbar.

Jetzt komme ich wieder auf Ibn Dschuzaij. Er schreibt: Das Pronomen „Huwa (arab. für ‘Er’) in „Sprich: Er ist Allah, ein Einziger“ verweist nach Ansicht der Grammatiker aus Basra auf Respekt und Anbetung. Das Wort „Ahad (arab. für ‘Absolute Einheit’)“ hat zwei Bedeutungen. Die erste steht für eine Negation und die zweite, in diesem Fall, für Einzigartigkeit. Die Beschreibung Allahs in Begriffen der Einzigartigkeit hat drei Bedeutungen, von denen alle in Bezug auf Allah, den Erhabenen, wahr sind. Die erste Aussage ist, dass Er Einer ist, ohne zweiten – und dies ist eine Negation der Vielzahl. Die zweite ist, dass Er einzigartig und ohne Partner ist und dass Er Einheit ist, das heißt, dass Er nicht in Teile gespalten werden kann.

Die offensichtlichste Bedeutung der Sure Al-Ikhlas ist hierbei die Leugnung jeglicher Partnerschaft – ihre Absicht für Allah, die Sure zu offenbaren war es, die Behauptung der Muschrikun (die Ihm Partner beigesellen) zurückzuweisen. Allah gibt schlüssige Beweise Seiner absoluten Einheit und die Zurückweisung eines jeglichen Anspruches von Partnerschaft.“

2. ‚allāhu ṣ-ṣamad – Allah, der Absolute (Ewige Unabhängige, von Dem alles abhängt)‘ –

Das Wort „Samad (arab. für den Ewigen Versorger von allem)“ bedeutet wörtlich der Eine, zu dem alles in der Schöpfung sich hinwendet und Zuflucht sucht. Die Menschen bitten Ihn, suchen Seine Hilfe. Er ist der Allwissende, der Geduldigste, der Barmehrzigste.

3. ‚lam yalid wa-lam yūlad – Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden‘ –

Es gehört auch zu Seiner Vollkommenheit des Freiseins von jeglichen Bedürfnissen. Nach Ibn Dschuzaij sind die Worte eine Zurückweisung jener, die Allah einen Sohn zuschreiben – darunter jene Christen, die behaupten „‘Isa ist der Sohn von Allah“ und jene Juden, die sagten „Uzair ist der Sohn von Allah“ oder jener Araber, die behaupteten, „die Engel sind die Töchter von Allah“. Der zweite Teile dieses kurzen Verses ‚wa lam julad‘ ‚und ist nicht gezeugt worden‘ ist eine Zurückweisung jener, die zum Propheten sagten: „Beschreibe uns die Abstammung deines Herren!“ Jedes geborene Ding ist abhängig und stammt aus dieser Welt, während Allah der Erste ist. Es gibt keinen Anfang Seiner Existenz und Er ist Al-Qadim, Der immer existierte. Vor der endlosen Zeit existierte nichts bei Ihm. Und so ist es unmöglich, dass es einen Sohn geben könnte.

4. ‚wa-lam yakun lahu kufuwan aḥad – und Ihm ebenbürtig ist keiner.’

Dieser Vers ist eine Intensivierung der vorhergehenden Worte der Sure, besonders ‚Er ist Allah und der Absolute‘ und bestätigen somit: Wenn Gott Einzigartig ist, dann kann Ihm nichts gleich sein. Daraus folgert: Wenn Ihm nichts gleich ist, dann ist nur Er allein einzigartig. Wenn Er alleine unabhängig ist und die gesamte Schöpfung ist von Ihm abhängig, kann nichts von der Schöpfung Ihm gleich sein. Wenn Er keine Nachkommen zeugt, kann Ihm nichts und niemand gleich oder ebenbürtig sein. Man kann also sagen: Nichts ist Ihm ähnlich in Seinen Eigenschaften, Seiner Herrschaft oder Seiner Göttlichkeit. Daher gebührt es nur Gott allein, von Seinen Geschöpfen in Ergebung und Aufrichtigkeit angebetet zu werden.

Und so bitte ich immer wieder bei Gott, mir Sein Hilfe angedeihen zu lassen, mich zu beschützen vor Ungemach, mich immer wieder auf den rechten Weg zu geleiten und nachsichtig, barmherzig mit mir zu sein. Amen

Manaar

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