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Gott als der Erschaffer und Begleiter der Menschheit

Haiiimam
Haiiimam

    Koran ist voll von dem, was das Leben an sich angeht und das in vielfacher Form. Er spricht alle Lebensumstände der Pflanzen- und Tierwelt an, alle Begleitformen, alles, was erst das Leben auf Erden ermöglicht.

    Wir erfahren vom Werden und Vergehen alles Lebens und selbst vom Verändern der Erde. Gott weist an vielen Stellen im Koran daraufhin. Ja, Gott beschäftigt sich auch intensiv mit dem Menschen und zeigt ihm, wie er sich mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen hat. Alle Gebiete der Wissenschaften legt er ihnen dar, damit sie sie erforschen können. Und Er lässt unter anderem anklingen, was erst heute so nach und nach begriffen wird, wie z.B. die Expansion des Universums.

   Der Koran ist zu den Menschen gesandt worden und nicht nur der Koran, sondern das Alte Testament und viele andere Schriften, von denen wir kaum oder gar nichts wissen, weil die Verschriftlichung noch gar nicht so alt ist. Die frühesten schriftlichen Mitteilungen über Gott oder das, was als religiös eingestuft werden kann, stammen aus den sumerischen Gebieten, aus dem alten Ägypten oder aus dem indischen Raum.

   Aber Gott war nicht erst in dieser Zeit für die Menschen da. Funde von kleinen Skulpturen oder Höhlenmalereien aus der Steinzeit deuten auf eine frühe spirituelle Gedankenwelt mit Jenseitsvorstellungen hin, die durch kultische Rituale oder durch besonders veranlagte Menschen charakterisiert sind.  Die damaligen Menschen beobachteten sicher ihre Umwelt, ordneten vielleicht alles was sie sahen in ‚bekannt und nicht gefährlich‘ oder ‚unbekannt, nicht begreifbar, darum gefährlich‘ ein.

     Der Mensch merkt schon früh, dass er nicht alles erklären kann. Vor diesen Blitzen und Donner muss man sich in Acht nehmen, sie sind unerklärlich und deshalb muss man sich gutstellen mit ihnen.

      Und noch etwas muss ihnen aufgefallen sein, nämlich das sterbliche Sein. Wie sind sie damit umgegangen? Vielleicht verglichen sie die absterbenden Pflanzen und ihr Wiedererwachen mit ihrem eigenen Tod und dachten, dass sie irgendwo wiedererwachen, neu geboren werden. Aus dem Grund haben vielleicht die Neandertaler ihre Toten in Gräber gelegt und so in gewisser Weise das Jenseits entdeckt. Sie begannen Dinge, die sie nicht verstehen konnten, begreiflich zu machen durch Höhlenmalereien und Schnitzereien. Durch einfache rituelle Handlungen sollte etwas Überirdisches, nicht Erklärbares, nicht Sichtbares freundlich gesinnt gemacht werden. Sie bedankten sich in einer bestimmten Form, die wir heute nur erahnen können.

    Das Feuer konnte vernichten, aber es spendete auch Wärme und Sicherheit vor wilden Tieren. Und es gab ihnen in der Dunkelheit Licht. Es war für sie allmächtig. Also begannen sie es zu verehren, wie genau, das wissen wir nicht.

     Die ersten Allmächtigen oder Gottheiten waren wahrscheinlich natürliche Dinge wie die Sonne, der Mond, Wind, die Natur. Solche Dinge, Gegenstände oder Erscheinungen erachtete man als heilig. Es war kein großer Sprung, z. B. die Erneuerung der Natur, das Wachsen von Früchten einer nicht sichtbaren Person, einem Gott zuzuordnen oder einer Göttin, da manches eine Ähnlichkeit mit einer Geburt eines neuen Erdenbürgers hat.

     Aber auch wenn sie kaum etwas verstanden haben, Gott ließ sie nicht allein. Von Anfang an war Er ihr Begleiter, auch wenn sie noch nichts von ihm wussten. Im Vers 36 der Sure 16 klingt es an: „In jedem Volk erweckten Wir einen Gesandten…“Er war wahrscheinlich ein spirituell empfindsamer Mensch, der seine Gruppe anführte.

     Es entstand also die Rolle eines Vermittlers, der zwischen den Menschen und dem Angebeteten vermittelte, und der erste Vermittler war Adam selbst.

       Die früheren Menschen entwickelten verschiedene Rituale, um Gott in seinen spezifischen Eigenschaften anzubeten, als Wettergott, als Fruchtbarkeitsgöttin und sicher noch in vielen anderen Funktionen. Diese uralten Riten dienten höchstwahrscheinlich dazu, das Angstmachende, Geheimnisvolle für sie zugänglich zu machen, um diese Angst vor diesem Unbekannten zu verringern. Mit der Zeit gab die immer gleichbleibende Durchführung diesen Menschen eine gewisse Sicherheit. Aber immer war es eine uns heute durch das Alte und Neue Testament und den Koran bekannte Eigenschaft des Einen Gottes. Und egal, wo und wie die Menschen um eine gute Ernte, um gutes Wetter, bei Krankheit um Gesundheit, um eine gute Reise usw.  baten. Immer war es Gott, Allah oder wie Er in anderen Muttersprachen heute heißt, zu dem sie sich gewendet haben. Beim Anbeten des Feuers war es an-Nur, Gottes Eigenschaft als Licht, Wärme, Schutz.

    Es begann wahrscheinlich die Zeit einer spirituellen Religiosität mit Jenseitsvorstellungen, erste Mythen entstanden, vielleicht auch schon eine erste gottähnliche Vorstellung eines Bewahrers oder Beschützers der Tiere und Menschen, erste Vorstellungen einer Beschützerin der Fruchtbarkeit, eines Bewahrers des Feuers. Kultische Rituale entstanden. Wenn wir sie aber heute näher betrachten, dann sind es immer Eigenschaften des Einen Gottes, des Erschaffers, des Schöpfers, des Bewahrers, die hier angebetet werden.

     Ihr fragt euch, warum ich das erzähle? Also meine Meinung: Die Juden, Christen und auch die Muslime betrachten Gott als ihren Gott. Alles, was vorher war, das war Vielgötterei in ihren Augen. Und das muss falsch sein. Nein, ich meine, dieses Denken ist falsch. Das Gottesbewusstsein musste sich, so wie der Mensch sich erst entwickeln musste, ebenfalls erst entfalten. Selbst heute ist das noch so, meiner Meinung nach.

     Von Anfang an, als die Menschen zu denken begannen und ihre Umwelt wahrnahmen, war Gott an ihrer Seite. Auch als sie das Feuer zu nutzen begannen, war Er in ihrer Nähe. Ich denke, vielleicht sahen sie im Feuer eine Gestalt, die sie in ihrer Sprache Gott nannten, um fortan ihn zu preisen und zu danken. Und als sie die ersten Körner selbst aussäten, betrachteten sie Gott als jemand, der für die Fruchtbarkeit verantwortlich war, den man gut stimmen muss, um gute Ernten zu bekommen. Fortan ehrten sie ihn mit besonderen Ritualen. Aber wenn ich so bedenke: Es ist doch nichts anderes, als wenn ich das Lichtspiel einer Kerze bewundere und dabei an Gottes Attribut, an Gott als An-Nur denke. Nur, dass ich heute viel mehr weiß. Was ist da der Unterschied? Doch nur dachten die einen mit Furcht an den Feuergott und ich an Gottes Licht mit seiner Wärme und Liebe.

    Die Menschen konnten Gott immer nur nach ihrem jeweiligen Wissensstand betrachten, sahen ihn vielleicht als einen Baum, eine Pflanze oder Tier in einem seiner Attribute verkörpert. Und sie stellten sich ein Leben nach ihrem Tod in Gottes Welt vor.

    Im Gilgamesch, vor rund 4000 Jahren auf Tontafeln in der ersten Schrift, der Keilschrift aufgeschrieben, ist Gott für die damaligen Menschen derjenige, der das viele Wasser brachte, um die Erde zu reinigen und einen Neubeginn der Menschheit zu ermöglichen.

    Die alten Ägypter unter Echnaton sahen Gott als alleinigen Gott in Verkörperung der Sonne, die alles Leben erst ermöglichte und tagtäglich neu geboren wurde. Sie verehrten ihn als das Licht und den Neubeginn des Lebens. Die Griechen und später die Römer und Germanen gaben ihm Namen, z. B. Gott des Donners und der Blitze, des Wassers, also unter anderem zuständig für Naturgewalten, als Schöpfer, Gestalter, Bewahrer, Allmächtiger, als Vergebender und Wiedererweckender. Sie alle hatten Gott ihr Leben anvertraut und verehrten ihn. Hat sich da viel zu heute verändert? Gott war also schon immer anwesend, aber immer im Stand des Begreifens. 

     Das Religiös-Rituelle nimmt mit der Zeit eine neue Stellung ein, Kultplätze und deren Hüter entstehen. Das Rituelle wird professionell, aber immer noch fest mit dem alltäglichen Leben verankert. Es ist Teil ihres Lebens.

     Beim Schöpfungsakt des Menschen gab Gott Adam Namen ein. In der Sure Al-Baqara Vers 31 bis 33 heißt es: „Und Er brachte Adam alle Namen bei, dann brachte Er diese vor den Engeln und sagte: ‚Nennt mir diese Dinge, wenn ihr wahrhaftig seid!‘ Sie sprachen: ‚Gepriesen bist Du. Wir haben kein Wissen außer dem, was Du uns gelehrt hast, wahrlich, Du bist der Allwissende, der Allweise.‘ Und Er sprach: ‚O Adam, nenne ihnen ihre Namen!‘“ Für mich muss Gott Adam und damit der ganzen Menschheit ja nicht alle Namen mit einem Mal gegeben haben, sondern nach und nach, immer seinem Wissensstand entsprechend, wie z.B. die Namen des Getreides und seine Verarbeitung, als die Menschen begannen, sesshaft zu werden. Und Gott gibt uns als Stellvertreter für Adam bis heute neue Namen bekannt.

       Der Freiburger Neurobiologe Robert-Benjamin Illing ist überzeugt: Im Prinzip benötigte der Mensch in seiner Entwicklungsgeschichte die Religion: „Er braucht etwas, weil er mit dem Transzendenten, dem Übersinnlichen konfrontiert ist, mit großen Fragen, die ganz real sind, die aber keine offensichtlichen Antworten finden, und da muss er jetzt aktiv werden und das ist Religion im weitesten Sinne.“

     Wir unterscheiden zwischen Religiosität und Religionen. Das erste bezieht sich auf das subjektive Empfinden, eine tiefe Ehrfurcht vor einer Ordnung. Im Laufe der Entwicklung des Menschen erlangt er die Fähigkeit, sich der Vorstellung von einer Wirklichkeit im Jenseits bzw. des Transzendenten zuwenden zu können.  

     Wikipedia sagt zum Begriff Religion: Religion ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Weltanschauungen, die menschliches Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen prägen, die Wertvorstellungen normativ beeinflussen und deren Grundlage der jeweilige Glaube an bestimmte transzendente Kräfte und damit verbundene heilige Objekte ist.

    Und deshalb denke ich, egal, was die Menschen unterschiedlicher Religionen heute anbeten, es ist immer ein Teil von Gott, eine seiner Eigenschaften. Wir Muslime kennen nur 99 Namen Seiner Eigenschaften. Aber vielleicht sind es viel mehr, die sich in anderen Religionen wiederfinden? Gott betont ja, dass er der Alleinige Gott ist. Neben Ihm gibt es keinen, nichts. Wie können da noch andere existieren? Ich denke, Gott ist für alle Menschen da, egal, wie die Religion heißt, zu der sie sich hin fühlen. Die Menschen nach Adam haben viele Wege beschritten, viele Bräuche und Rituale angenommen und Religionen daraus geformt. Aber eines Tages werden wir wieder zusammengeführt. So steht es im Koran. In Sure Al-Anbiya (Die Propheten), Vers 93 heißt es: „Doch sie spalteten sich untereinander auf in ihrer Angelegenheit. Sie alle aber werden einst zu Uns zurückkehren.“ Oder in Sure Al-Hudschurat (Die inneren Gemächer), Vers 49 steht. „O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt.“ Gott spricht ganz allgemein von Menschen. Er allein hat sie alle erschaffen.

       Aus dem Koran wissen wir, dass Abraham die Einzigartigkeit Gottes als Erster erkennt. Es war einfach die Zeit gekommen, in der die Menschen Gott als Einzigkeit, als der Eine mit all seinen Eigenschaften erkennen sollten.

     Erstmals sah Moses Gott als einen brennenden Dornbusch, als ‚Feuer, das brennt, aber nicht verbrennt‘ und Gott offenbarte ihm seinen Namen JHWH. Gott sprach zu Moses: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“

    Später kam die christliche und unsere Religion dazu. Wir nennen ihn ‚Gott‘ und ‚Allah‘. Und Er gab uns Bücher, um Ihn besser zu verstehen und als Richtschnur für unser Handeln.

      ‚Ishvara‘, eine Kombination der Sanskrit-Wörter ish und vara, bedeutet im Deutschen etwa: „Herr mit den besten Eigenschaften“ und  ist im Hinduismus eine Bezeichnung für den jeweils höchsten, persönlichen Gott, unabhängig von einer bestimmten Glaubensrichtung. Der Hinduismus beruht auf der Vorstellung der permanenten Wiedergeburt sowie dem ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen. Spätere indische Philosophen, Denker und Heilige verstehen unter ‚Ishvara‘ einen ewigen, einzigartigen, allmächtigen und allwissenden Herrn der Welt. Sie gehen davon aus, dass er die Welt erschaffen und zweckmäßig geordnet habe, sie ebenso erhält wie auch zerstört, dass er die natürlichen und sittlichen Gesetze der Welt ins Dasein gerufen und durch Offenbarungen verkündet habe. – Kommt uns das nicht bekannt vor? Gott ist eins, auch wenn er von Menschen in verschiedenen Religionen und verschiedenen Gestalten angesprochen wird.

    Gott lebt in einer anderen Dimension, bei Ihm spielt Zeit und Ort keine Rolle und ist für Menschen unerklärbar. Da der Mensch aber einzigartig ist, kann das nur aufgrund Gottes Wirken hinzielen. Er erhob ihn auf dem Tierreich empor, gab ihm immer wieder einen Stoß zur Weiterentwicklung und ein freies Denken.

      Ein Gedanke drängt sich auf: So wie sich die Menschen den Lebensbedingungen ihrer ganz unterschiedlichen Umgebung angepasst und unterschiedliche Kulturen hervorgebracht haben, so hat sich das Bild von dem einen Gott ebenfalls sehr unterschiedlich herausgebildet und auch mit der Zeit gewandelt.  Aber egal wie ihre Offenbarungen des Glaubens erfolgte, sie beinhaltete sicher die gleichen oder zumindest ähnliche Grundsätze des Zusammenlebens, Grundsätze der Ethik und Moral. Jede Menschengruppe oder Gesellschaft hat ihre eigene Vorstellung von dem einen Schöpfer und Gestalter, so wie wir Muslime, Christen und Juden unsere Vorstellung von Gott haben. So wie wir Gott sehen oder an ihn denken, begreifen wir ihn als eine Einheit mitsamt allen Eigenschaften und auch in einer Einzeleigenschaft z. B. als Beschützer, als Barmherziger, als Licht für uns. Die frühen oder auch viele jetzige Völker beten Gott vielleicht nicht in seiner Gesamtheit an, sondern nur in einer seiner Eigenschaften.

    Die Menschheit kann nur von einem Gott geschaffen worden sein, sonst würde ein heilloses Durcheinander herrschen. Jede Menschengruppierung stellt sich Ihn in ihrer Gedankenwelt sehr differenziert, aber immer im Rahmen seiner verschiedenen Eigenschaften vor.  

        Mir ist es eigentlich egal, welchen Namen ich Gott gebe. Ich versuche einfach Gott für mich begreifbar und fassbar zu machen und damit sein Wirken auf mich und meine Umwelt zu ergründen und als seine Stellvertreterin auf unserer Erde zu wirken.

            Manaar

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