Ibn-Rushd-Goethe-Moschee feiert ihren ersten Geburtstag

Vor einem Jahr wurde die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin eröffnet. Dort dürfen Frauen und Männer gemeinsam beten, Frauen dürfen auch als Imame tätig sein. Gründerin Seyran Ates steht deshalb unter Polizeischutz – nach wie vor.

Vor einem Jahr wurde in Berlin-Moabit die erste Moschee Deutschlands eröffnet, in der Männer und Frauen gemeinsam beten dürfen. Am Freitag wird dies vor Ort gefeiert. In der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee beten auch Sunniten, Schiiten und Aleviten zusammen. Frauen müssen kein Kopftuch tragen und dürfen sogar als Imamim tätig werden.

Doch so viel Liberalität hat ihren Preis: Die Gründerin der Moschee, die Anwältin und Publizistin Seyran Ates, steht seitdem unter Polizeischutz.

Moschee-Gründerin Ates erhält weiter Hass-Mails

Auch ein Jahr nach der Gründung kann Ates ihres Lebens nicht sicher sein. „Der Druck ist nicht weniger geworden, ich bekomme sogar noch mehr Drohungen“, sagte die 55-Jährige am Freitag vor Journalisten. Seitdem sie die Gemeinde in einem Nebengebäude der evangelischen St.-Johannis-Kirche im Stadtteil Moabit gegründet hat, erhält sie Hass-Mails und wird auf der Straße angepöbelt.

Immer wieder erreichten sie „Hilferufe“ von Muslimen und Musliminnen, die dem engen Glaubensverständnis der Traditionalisten entkommen wollten. Viele Frauen sagten ihr, dass sie nun endlich in die Moschee gehen könnten, ohne ein Kopftuch tragen zu müssen.

Etwa 700 Besucher jeden Monat

Doch für viele Besucher ist es nach wie vor nicht leicht, das Gotteshaus aufzusuchen: „Natürlich regiert auch die Angst als Hindernis, weil die Bedrohungen weiterhin massiv sind, und das ist sehr traurig zu sehen“, sagte die Sprecherin der Moschee, Marlene Löhr, am Freitag dem rbb.

Dennoch würde Ates ihr Projekt wieder so umsetzen: „Ich bin so traurig, dass wir das nicht schon viel früher gemacht haben“, sagte Ates in der vergangenen Woche dem ZDF. „Es wäre so gut gewesen für die gesamte Debatte um Integration, Migration und Flüchtlinge und Islam, wenn wir das sogar schon in den achtziger Jahren angegangen wären.“

Rund 35 Aktive hat Ates für ihr Projekt gewonnen, etwa 700 Besucher kommen den Angaben zufolge jeden Monat in die Moschee. „Wir können uns vor Anfragen kaum retten“, sagt die 55-Jährige. Schulen gehörten auch dazu, es seien schon Klassen mit muslimischen und jüdischen Jugendlichen da gewesen.

https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2018/06/berlin-tiergarten-moabit-ibn-rushd-goethe-moschee-wird-ein-jahr-alt.html

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