von Susanne Dawi

Heute ist Sonntag. Sonntag, der zweite Advent des Jahres 2018. Als Moschee, die im Gebäude einer Kirche wohnt, wurden wir herzlich eingeladen, einen eigenen Stand auf deren Adventsmarkt aufzubauen und so zu einem schönen Markttag beizutragen. Mosque meets Christmas.

Feiern wir dann auch zusammen Weihnachten? Manche Muslime meinen, man dürfe dies aus mindestens zwei Gründen nicht tun.

Erstens war Weihnachten ursprünglich das Fest des römischen Sonnengottes und ist damit ein heidnischer Brauch. Um das Fest als christliches Ereignis durchzusetzen, wurde das Geburtstagsfest Jesus’ pragmatischer Weise auf dieses Datum gelegt. Jesus tatsächlicher Geburtstag liegt stattdessen im Sommer.

Zweitens feiern die Christen nach der Ansicht so mancher Prediger „die Geburt von Gottes Sohn, der selbst als Gott bezeichnet wird“ und dagegen wehrt sich der Islam.

Zu beiden Argumenten gibt es ein paar Wörter zu sagen.

Zuerst einmal: Es ist schön, dass wir einmal im Jahr mit besonderer Hingabe eines Propheten gedenken, der uns gesagt hat, wir sollen unseren Nächsten lieben wie uns selbst. Ob das nun am korrekten Datum geschieht oder nicht, ist letztlich unerheblich. Wichtig ist, dass wir uns um seiner guten Worte und um seiner Selbst Willen an ihn erinnern.

Und zur zweiten Kritik? Als Jesus geboren wurde, glaubte noch keiner, er sei Gott. Dass die christliche Philosophie sich im zweiten Nicäischen Konzil dafür entschieden hat, ihn als Gott zu betrachten bedeutet nicht, dass wir diese Einstellung übernehmen müssen. Wir dürfen ihn dennoch als Propheten wertschätzen, besonders, wenn aus seiner Lehre ein Fest der Liebe folgt – echter Liebe.

Ich schlage vor, dass wir die Zeit gemeinsam genießen – Christen und Muslime – Glühwein schmeckt mit und ohne Alkohol, Lebkuchen naschen ist sicherlich keine Sünde, und wenn man sich eine kleine Aufmerksamkeit schenkt, dann ist daran nichts Verwerfliches zu finden. Wenn wir unseren Mitmenschen Wertschätzung entgegenbringen, ihnen Liebe zeigen, mit ihnen essen, trinken und lachen, weil ein Prophet geboren wurde, der sich wünscht, dass wir dankbar und behutsam mit Gottes Schöpfung umgehen, dann liegt hierin nichts Verwerfliches. Gerne darf dies einmal im Jahr geschehen, an irgend einem verbindlich festgelegten Datum, damit wir diese Liebe in unseren Herzen verankern und sie im Laufe des Jahres nicht vergessen; denn der Alltag wird uns auch im nächsten Jahr einholen, und wieder werden wir auch solche Dinge tun oder sagen, die nicht von Liebe zeugen. Lasst uns Weihnachten feiern, um sicher zu sein, dass es immer noch einer der höchsten Grundwerte ist, unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst. Schätzen wir die Menschen um uns herum, so wie es uns die Propheten Jesus und Mohamed gelehrt haben. Und wer möchte, darf gern in die Kirche gehen, denn Gott weiß, was in unseren Herzen ist.

Übrigens: Es darf auch geschenkt werden – eine Blume, eine Kerze, ein schönes Buch, ein kleines Spielzeug, ein Kettchen oder vielleicht ein Ring. Weihnachten ist ein schönes Fest! Auf welchen Aspekt wir die Betonung legen ist uns selbst überlassen. Ich schlage allen vor – Muslimen wie Christen und Atheisten – wir legen gemeinsam die Betonung auf das liebevolle Miteinander, denn so wird es ein wunderbares und für alle Menschen heilsames Fest, ein Fest der Hoffnung und der Zuversicht.

Frohe Weihnachten Euch Allen!

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