Heilig und Unheilig

Eine Kritik der Reaktionen in Frankreich auf den schrecklichen Mord an Samuel Paty

(Übersetz aus dem Englischen: “Holy and Unholy, a critisim of the reactions in france for the terrible murder of Samuel Paty” von ALI OSMAN WADUD)

Das jüngst stattgefundene Attentat auf den Professor Samuel Paty in Frankreich hat nicht nur die Franzosen schockiert, sondern religionsübergreifend die ganze Welt. Patys Ermordung war ein ernsthafter Schlag für all jene, die daran glauben, dass Meinungsfreiheit, und im speziellen die Freiheit der Lehre, ein extrem wertvolles Gut sind. Andererseits hat dieser furchtbare Akt einmal wieder gezeigt, dass innerhalb des Islams Menschen sind, welche den heiligen Koran ignorieren, die Sunna des Propheten aberkennen und deren Taten aufzeigen, dass sie Allah verleugnen!
Im Koran gibt es folgende Aussage: ”Wenn einer einen Menschen tötet, so ist es, als töte er die ganze Menschheit” (Surah Al-Ma’ida, 32).

In Frankreich haben Präsident Macron, die Regierung und die Bürgermeister von Paris und anderen Städten extrem stark auf das entsetzliche Attentat an Samuel Paty reagiert. Könnte irgendwer, irgendjemand, all diesen Aussagen, adressiert an das französische Volk, ein Volk, zu dem auch französische MuslimInnen gehören, widersprechen? Wir würden hinzufügen, dass die Aussagen des französischen Präsidenten gegen den sogenannten “radikalen Islam”, der nur eine schlecht konzipierte und beleidigende Karikatur des Islam ist, von allen europäischen BürgerInnen und von allen MuslimInnen, besonders denen, die ein europäisches Land als Heimat gewählt haben, gehört werden sollten.

Der Islam ist eine Religion, die das Leben ehrt, an Liebe glaubt und Solidarität lehrt. Der Islam gehört auch zur Fülle Europas. Er ist nicht etwas Fremdes vom alten Kontinent! Dies wird bezeugt von bemerkenswerten und monumentalen Bauten in Spanien und dem Balkan. Während der dunkelsten Periode des europäischen Mittelalters hat die islamische Welt die Spitze der Zivilisation erobert. Für die Königreiche Al Andalus’ und Sizilien, aber auch für die Kreuzritter, welche in Palästina und Syrien angesiedelt waren, hat der Islam wichtige kulturelle Elemente für das lateinische Europa dargeboten.Durch die Übersetzung griechischer und arabischer Texte, wertvoller Schätze der muslimischen Welt, ins Lateinische, wurde das westliche Europa mit Wissen über Astronomie, Mathematik, Medizin und anderen Wissenschaften vertraut gemacht. Lasst uns nicht vergessen, dass das westliche Europa Aristoteles und im Speziellen seine Philosophie über die katholische Kirche durch den in Andalusien lebenden Ibn Rushd, den die Europäer Averroes nannten, kennengelernt haben! Außerdem kann niemand den Beitrag Ibn Sinas, lateinisch Avicenna, leugnen, der zur Entwicklung des philosophischen Denkens und der Medizin in Europa beigetragen hat!
Wir belassen es dabei, uns auf diese beiden muslimischen Denker und Wissenschaftler zu beziehen, um eine Abflachung zu vermeiden und um nicht pluralistisch zu werden. Schließlich kann jeder, den es interessiert, auf die einfachste Weise unsere hier gestellten Behauptungen überprüfen.

Die politisch-religiöse Bewegung, welche den Islam durchläuft, den Tod verehrend und den Terror verbreitend, ist nicht Islam und hat nichts zu tun mit der muslimischen Kultur. Es ist von Nöten, drastische Maßnahmen zu ziehen, in allen Ecken der Welt, um diese von Islamisten begangenen Verbrechen aufzuhalten, so wie jedes andere Verbrechen jedweder terroristischen Vereinigung, welches den Wert menschlichen Lebens untergräbt!

In Frankreich, um zu zeigen, dass sie nicht verängstigt sind durch islamistische Terroristen und dass sie die Werte der Aufklärung und des säkularen Staates verteidigen, der Laizität, gingen sie bis zum Äußersten. Anstatt dem Gedenken Samuel Paty’s Ehre zu erweisen, haben zwei französische Gemeinden, Toulouse und Montpellier, Karikaturen des Propheten Mohammeds sowie weitere das Christen- und Judentum betreffende Zeichnungen aus dem Satiremagazin Charlie Hebdo an städtische Gebäude gestrahlt. Das Charlie Hebdo-Magazin zu präsentieren, war keine zufällige Wahl. Der ermordete Professor hatte sich dazu entschieden, eine Karikatur des Propheten Mohammeds zu zeigen, welche in dem Magazin veröffentlicht worden war und welche bekannt dafür waren, große Reaktionen in der islamischen Welt provoziert zu haben, um seinen Studenten die volle Bedeutung der Meinungsfreiheit zu vermitteln.

Es ist bekannt, dass in Ausgaben Charlie Hebdos wiederholt Karikaturen veröffentlicht wurden, welche alle drei monotheistischen Religionen angreifen. Sogar der ”milde” Buddhismus geriet ins Feuer des Magazins, als es diesen als ”die bescheuertste Religion, die es jemals gab” beschrieb! Charlie Hebdo verheimlicht nicht, dass es alle Religionen die Toilette runterspülen würde; etwas, dass es feierlich proklamierte auf dem Cover einer Ausgabe, auf der es die heiligen Bücher der Christen, Muslime und Juden mit Toilettenpapier verglich! Auf dem Cover einer anderen Ausgabe, um den katholischen Erzbischof Paris’ zu ”schockieren”, publizierten sie eine, meiner Meinung nach inakzeptable und darüber hinaus vulgäre, angeblich die Heilige Dreifaltigkeit darstellende Karikatur.

Eine Antwort auf folgende Frage muss hier gegeben werden. Ist das Charlie-Hebdo-Magazin nur eine satirische Veröffentlichung extremer Kritik, die mit ihren Karikaturen sogar einen sarkastischen Humor fördert? Kann diese Zeitschrift als ein Merkmal dessen angesehen werden, was genau “Meinungsfreiheit” nach den Prinzipien der westlichen Zivilisation bedeutet?
Wenn wir auf die Karikaturen des Magazins schauen, werden wir wahrscheinlich übereinstimmen, wenn wir uns durch Treue und Glauben und guten Willen auszeichnen, dass es alles entweiht und brutal abwertet, was seine Autoren nach subjektiven Kriterien für unwürdig erachten, ohne eine Spur des Respekts. Besonders wenn Charlie Hebdo sich mit Zeichnungen gegen die spirituellen Traditionen der verschiedenen Religionen richtet, beleidigen sie zweifellos absichtlich religiöse Menschen und versuchen darüber hinaus etwas zu verspotten, das für viele Bürger der Französischen Republik und der Europäischen Union, sicherlich viel mehr als nur die Leser der Zeitschrift, heilig ist, vielleicht das Heiligste in ihrem Leben!

Manche scheinen im Zuge der Verurteilung der Ermordung eines Lehrers durch einen islamistischen Terroristen in Frankreich zu weit gegangen zu sein. Die Projektion der vor einigen Jahren von Charlie Hebdo veröffentlichte Darstellung der beleidigenden Zeichnungen des Propheten Muhammad, selbst von nur zwei französischen Gemeinden präsentiert, stößt an die Grenzen eines Angriffs gegen den Islam und gegen MuslimInnen! Im Namen der Verteidigung der Aufklärung und des säkularen Staates, die Arroganz des weißen Mannes, des Meisters in den Kolonien vergangener Zeiten, welche, mit einigen wenigen großartigen Ausnahmen, die Kulturen der anderen, des Anderen abgewertet haben, weil sie dunkel sind, weil sie afrikanisch oder nahöstlich sind und weil sie keine christlich-lateinische Kultur haben ….

Die Meinungsfreiheit ist eines der Grundprinzipien der europäischen Rechtskultur. Es ist eine Voraussetzung für die Anwendung von Toleranz oder, positiver, für den Respekt und die Akzeptanz des Anderen, ein wichtiges Element, das zum Aufbau des multikulturellen Umfelds auf dem alten Kontinent beiträgt, das de facto zumindest greifbar ist. MuslimInnen, ob als Einwanderer oder Flüchtlinge, die sich ausgesucht haben, in einem europäischen Land zu leben, haben die Verpflichtung, die Prinzipien der europäischen Kultur in ihrer Ganzheit anzunehmen. Dies bedeutet nicht, ihnen ihre religiösen Überzeugungen auszutreiben oder ihre persönliche Moral zu ändern. Es bedeutet aber auch, dass sie nicht das geringste Recht haben, ihren neuen Heimatländern Bräuche und Traditionen, die sie aus ihren Herkunftsländern mitgebracht haben, aufzuzwingen. Sie beleidigen nicht nur ihre neuen Nachbarn, die sie ausgewählt haben und die ihnen niemand auferlegt hat, sondern es geht auch darum, dass viele ihrer Überzeugungen aus ihren Heimatländern mit einer überwältigenden muslimischen Bevölkerung und islamischer Frömmigkeit wenig mit dem eigentlich Heiligen zu tun haben: dem Koran und der Spiritualität, die aus den Seiten hervorgeht, mehr noch das Leben des Propheten, weswegen es auch ”der inkarnierte Koran” genannt wird.

Es mag einige Gelehrte geben, die die Zeichnungen Charlie Hebdos rechtfertigen. Sie werden sie verteidigen als Ausdruck der Essenz der ”etal laique”, welche Frankreich als Staat meint zu verkörpern, zusammen mit den Werten der Aufklärung. Leider jedoch erst, wenn die Trauer und der Zorn über ein wirklich schreckliches Verbrechen eine Gelegenheit für die Manifestation von Empathie und Hass seitens der Akteure des öffentlichen Lebens für eine Gruppe von Menschen bietet, und dass allein aufgrund ihres Glaubens!
Viele ärgerten sich zu Recht über den schrecklichen Mord an Samuel Paty. Ich werde schließen mit der Erwähnung des französischen Imams Hassen Chalghoumi in der Moschee im pariser Vorort Drancy. In der Sitzung des Freitagsgebets am 22. Oktober, forderte er die Gläubigen auf, eine Schweigeminute einzulegen und zu beten, und würdigte damit den Lehrer Samuel Paty, welcher Meinungsfreiheit bezeugt hat!

Bevor der Artikel schließt: Traurige Nachrichten erreichen die Welt. Ein Terrorist, ausgerüstet mit einem Messer, attackierte die Kathedrale in Nizza. Drei Menschen wurden zu Unrecht getötet. Eines der Opfer war eine 70-jährige Dame, ein weiterer Toter war der Wachmann der Kirche. Eine andere Frau, die angegriffen worden war, rettete sich in ein Café, erlag jedoch ihren mehrfachen Verletzungen.
Der Bürgermeister von Nizza erklärte, dass dies ein Terroranschlag sei und dass der schwer verletzte Täter während seiner Verhaftung “Allahu Akbar” rief! Der Schmerz des Todes, den dieser extremistische Mörder verbreitet hat, ist unbeschreiblich. Unsere Trauer ist enorm, weil wieder einmal innerhalb weniger Tage die blinde Brutalität versucht hat, Allah den Gnädigen zu töten …
Orginal von
© ALI OSMAN WADUD
29-10-2020 / 12 RABI UL AWAL 1442
Übersetzt durch Mitarbeiter der Ibn Rushd-Goethe Moschee

Orginal-Text

 

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