Wissen

Zusammenspiel von Glaube und Wissen

Wege der Erkenntnis – Zusammenspiel von Glaube und Wissen

In vielen Zusammenhängen benutzen wir die beiden Wörter: Glaube und Wissen.
Aber in welchem Verhältnis stehen beide zueinander?
In der Antike wurde die Wissenschaft bzw. das Wissen als die bestimmende Erkenntnisform gegenüber dem Glauben angesehen, weil sie durch ihren Forscherdrang zur Verbesserung der menschlichen Lebensform beitrug.
Aber wo blieb da der Glaube, wurde er zu geringgeschätzt? Gehört denn nicht nur die Forschung zum Leben, sondern auch die Bedingungen, ein Wertebewusstsein dazu? Die Menschen würden doch sonst nur zu menschlichen Maschinen herabgewürdigt.
Nun stellen sich die Fragen: Was ist Glaube und was Wissen? Ist es wichtig, sie zu unterscheiden und kann Glaube und Wissen in Einklang gebracht werden?
Schon seit der Antike beschäftigten sich die Menschen mit der Frage, wie die Erde aufgebaut ist, warum wir auf der Erde sind, was der Sinn des Lebens, unsere Daseinsberechtigung ist. Es entstanden die verschiedensten Religionen, Philosophien, Denkrichtungen, Weltanschauungen. Sie alle versuchten Fragen zu klären und zu definieren, was eigentlich Glauben und Wissen ist und ob es einen Unterschied oder ein Zusammenspiel gibt.

Wissen bedeutet Bewusstsein von Regeln, Fakten, Erkenntnissen. Wissen wird als eine nachweisbar wahre Meinung oder Feststellung dokumentiert und muss sich dementsprechend von Glauben und Überzeugungen unterscheiden. Der Inhalt von Wissen kann richtig oder falsch sein, erkennbar durch wissenschaftliche Experimente und Überprüfbarkeit. Der Gegenstand des Wissens muss wahr sein, also kein gedachter Gegenstand.
Sokrates hat festgestellt, dass der Mensch weiß, dass er nichts weiß.
Das arabische Wort für Wissen ist ‚ilm‘. Im islamischen Mittelalter wurde Wissen von vielen muslimischen Gelehrten unterschiedlich interpretiert, z.B. „Das Entstehen der Vorstellung einer Sache“, „Das Begreifen eines Begriffs unabhängig davon, ob es gewiss ist oder nicht“, oder „Erkennen einer Sache, dessen Wahrheit gewiss ist.“ Der islamische Philosoph und Gelehrte Farabi im 10.Jh. behauptet, dass es drei Quellen von Wissen gibt: Vernunft und die 5 Sinne des Menschen, Beobachtung und Instinkt.
Avicenna, bekannt als Ibn Sina, gestorben im Jahr 1037, ein Universalwissenschaftler bringt das Wissen aus Sicht ihres Wesens und ihrer Form in drei Kategorien: Naturwissenschaften, Metaphysik, Logik und höheres Wissen und Wissen, was zwischen den ersten beiden steht.
Al-Ghazali, ein persischer islamischer Theologe, Philosoph und Mystiker und zählt bis heute zu den bedeutendsten religiösen Denkern des Islams, unterteilt Wissen in zwei Kategorien: praktisches Wissen und religiöses Wissen, d.h. Wissen durch Lesen und Denken und Wissen durch göttliche Inspiration, wir sagen dazu: wahy.
Viele Koranverse weisen auf den hohen Stellenwert von Wissen hin und immer wieder wird darauf hingewiesen, dass der Wissenserwerb erstrebenswert ist, z.B. in der Sure Al-Anbiya, 7: „So fragt doch die Wissenden“ oder in Taha, 114: „Sprich: ‚Mein Herr, mehre mein Wissen.‘“
Das heißt, ausgehend von den religiösen Quellen sollte der Mensch stets Wissen erwerben, zum Nutzen für ihn selbst und für seine Umwelt, seine Gesellschaft. Wissen ist also auch in der Religion nötig, um es in der religiösen Praxis anwenden zu können.

Was ist nun Glaube und was ist der Unterschied zum Wissen?
In der Umgangssprache wird „glauben“ meist im Sinne von „vermuten, erwarten meinen“ gebraucht. Nach religiösem Verständnis bedeutet es „vertrauen auf etwas oder auf jemandem, sich verlassen auf jemanden, offensein auf Offenbarung, auf Eingebung. Es ist mehr eine Herzensangelegenheit. Es ist ein Verständnis von Gott. Die erste Säule des Islam lautet: „Es gibt keinen Gott außer Gott“ Lā ilāha illā ʾllāh لا إله إلا الله. Es ist der erste Teil des Glaubensbekenntnisses und kommt in dieser Form im Koran an zwei Stellen vor: in Sure 37:35 und in Sure 47:19. Die weiteren Säulen sprechen über das tägliche rituellen Gebet, geben Kunde über die soziale Spende, über das Fasten während des Ramadan und über die Wallfahrt nach Mekka. Es wird überliefert, dass eines Tages der Engel Jibril (Gabriel)dem Propheten Muhammad und seinen Gefährten in Menschenform erschien und den Propheten fragte: „Was ist der Glaube?“ Der Prophet erklärte sinngemäß: „Glaube (Iman) ist, dass du an Gott glaubst, dass du an die Engel glaubst, dass du an die offenbarten Schriften glaubst, dass du an die Vorherbestimmung glaubst, dass du an den Jüngsten Tag glaubst.“

In der philosophischen Erkenntnistheorie wird Wissen oft mit Glauben konfrontiert. Zu glauben, dass etwas ist oder existiert, kann manchmal auf eine Unsicherheit, auf eine Zweifelhaftigkeit hinweisen. Das Wissen dagegen bedeutet Sicherheit, Unzweifelhaftigkeit. In Bezug auf Religion bedeutet also Wissen Gewissenhaftigkeit und Glaube Vermutung.
Wissen kann auch eine persönliche Bedeutung haben. Wenn ich mich z.B. gedanklich mit wichtigen Fragen beschäftige, kann ich zu einem persönlichen Ergebnis kommen, von dem ich glaube, es sei richtig. Für mich kann es dadurch verbindlich werden. Ich akzeptiere das neue Wissen, eine andere Person muss es jedoch nicht.
Glaube steht in einer fortwährenden Beziehung zu unserem Unterbewusstsein, in dem Gefühle, Wünsche, Vorstellungen, Ideen verarbeitet werden und dann in unser Bewusstsein gelangen.
Aber erst durch die Beziehung zum islamischen Glauben erhält Wissen einen besonderen Stellenwert, denn ohne religiöses Wissen kann kein Glaube entstehen. Erst durch Wissen kann man eine Überzeugung entwickeln und dann an etwas glauben. Durch das Studium des Korans und der Hadithe erlangt man Wissen und zu Überzeugungen, die dann den Glauben stärkt.
Das Verhältnis von Glauben und Wissen unterliegt ständiger Veränderungen, sowohl individuell oder auch generell, bedingt durch Widersprüche, neues Wissen, Neigungen, sogar ein anderes Verstehen oder persönliche Erfahrungen.
Bis in die heutige Zeit versuchen die Religionsgelehrten, ihre Anhängerschaft, Gemeinden, ganze Strömungen zu disziplinieren, zu einem Verhalten zu einem Befolgen einer Richtung zu leiten, ihre eigene Gedanken zu steuern, bzw. Meinungen aufzuzwingen, um vorteilhafte gesellschaftliche Wirkungen zu erzielen. Es war nicht die Frage, was geglaubt wurde, sondern dass man nicht in Konflikt mit dem Gesamtinteresse der Gesellschaft bzw. mit der Obrigkeit geriet.
Oft hören wir von muslimischen Gelehrten am Ende ihres Vortrages oder am Ende ihrer Schrift die Worte: „Gott weiß es am besten.“ Es bedeutet nicht nur Bescheidenheit, sondern kann auch Pluralität Raum, also ein Nebeneinander, eine Koexistenz von verschiedenen Strömungen geben. Daher ist es möglich, dass völlig verschiedene Meinungen zu einem gleichen Thema nebeneinander existieren können. So war es im islamischen Mittelalter und auch heute. Da begegneten sich Christen, Juden, Muslime auf Augenhöhe bei der Arbeit, beim Forschen, im täglichen Leben und in freundschaftlichen Streitgesprächen.

Der Koran spricht in sehr vielen Versen davon, dass nur Gott der einzig Wissende ist. Nur Er hat das absolute Wissen über Dinge und Vorgängen. Von Ihm haben die Menschen Auffassungsvermögen und Verstand erhalten. Propheten sandte Er nur aus Barmherzigkeit und mit einem kleinen Teil Seines Wissens in Form von Botschaften wie die Thora, dem Alten und Neuen Testament und dem Koran. Dennoch, Gott hat den Menschen viele Möglichkeiten geboten, um Seine Barmherzigkeit und Sein Wohlgefallen zu erlangen. Wissen ist eindeutig, aber wir erhalten nur eingeschränktes Wissen, dafür haben wir den Glauben.

Betrachten wir die Zeit der Goldenen Jahre in der islamischen Welt. Der Glaube und der Koran und die Hadithe waren die ersten Quellen und Ausgangspunkt von weltlichen Wissenschaften. Um in der richtigen Zeit beten zu können, musste man sich mit der genauen Zeitmessung beschäftigen. Das erforderte Wissen in der Mathematik, in Astronomie. Das Gebet musste in die richtige Richtung erfolgen, also entwickelte sich die Geografik. Die Almosensteuer und die Erbverteilung musste berechnet werden, also vertieften die Wissenschaftler ihre mathematischen Kenntnisse.

Die muslimische Welt versuchte also die Welt zu erforschen und den Rahmen dazu gab die Religion selbst, um die Auslegungen des Korans zu befolgen.

Zum Glück konnte man sich auf vorhandenes Wissen stützen, das der Griechen oder der Perser oder Inder, was weiterentwickelt wurde. Man kann sogar sagen, dass als Nebenprodukt die wichtigsten Impulse zum Empfang des griechischen Rationalismus durch Muslime zurück nach Europa gebracht wurde. In Europa hatte man die griechische Philosophie vergessen und erst durch ihre Aufarbeitung in der islamischen Welt konnte es zurück nach Europa gelangen und begründete dort die Renaissance, ihre Wiedergeburt.

Wir sehen, dass Glaube und Wissen nicht dasselbe sind, aber sie widersprechen sich nicht, können sogar gut miteinander auskommen.
Normalerweise erziehen Eltern ihre Kinder in ihrem eigenen Glauben, denn er hat für sie eine Bedeutung und soll auch bei den Kindern verbindlich nachstrahlen. Somit strahlt dadurch ihr Glaube über die Subjektivität der Eltern hinaus. Es kann deshalb nicht dem Gläubigen egal sein, nur in seinem Kämmerlein seinen Glauben zu leben, sondern durch die Beziehung zu den Menschen bei der Arbeit, im täglichen Leben, wirkt es sich auch auf diese anderen Menschen aus, auf seine Umwelt. Das heißt, der Glaube kann weder subjektiv noch privat sein. Er liegt zwar in der individuellen Entscheidung und bedarf einer grundrechtlichen Sicherheit. Aber in seinem Geltungsanspruch wird der ganz private Glaube öffentlich, weil der Gläubige sich nicht nur vor Gott beweisen möchte, sondern auch vor seinem Nachbarn, vor seinen Mitmenschen. Wenn man das also weiterverfolgt, kann es dem Gläubigen nicht egal sein, was sein Glaube, sein Bekenntnis in der Gesellschaft bedeutet, insbesondere in der heutigen Gesellschaft, sogar hier in dieser Moschee. Aber wenn die Gesellschaft dem Glauben die nötige Aufmerksamkeit schenkt, muss der Glaube sich einer kritischen Prüfung gefallen lassen, so wie jetzt der Islam in Europa. Wir können uns also nicht in ein Mauseloch verkriechen und nicht nur eventuelles Unliebsames erdulden, sondern auch Stellung beziehen, mit anderen Gläubigen sozusagen an einem Strang ziehen.
Nun: Ich habe mich bemüht, aber Gott weiß es am besten.g

Musik im Islam – halal oder haram?

Musik im Islam – halal oder haram?

Vor Kurzem hat mich ein junger Muslim gefragt, ob Musik halal oder haram sei. Ich stutzte und war etwas verwundert, hatte ich irgendwie doch angenommen, dass wir eigentlich dieses Kapitel überwunden haben sollten. Dann dachte ich nach: Wenn der eine junge Bruder danach fragt und unsicher ist, dann gibt es sicherlich noch andere Geschwister, denen es nicht so richtig klar ist, wie sie zur Musik im Islam stehen sollen oder dürfen. Nur trauen sie sich nicht danach zu fragen. Schwappt da das Gedankengut des IS, der Al-Qaida oder der Taliban herüber? Meine Antwort ist hier:

Ich höre viel klassische Musik, z.B. Musik von J. S. Bach und danke dafür Allah. Die schöne Musik berührt meine Seele, sie beruhigt und führt meine Gedanken zu Gott, denn so etwas Schönes kann auch ein Bach nicht ohne Gottes Hilfe geschaffen haben. Meiner Ansicht nach hat Gott alles geschaffen, so auch die Musik und ihre Instrumente dazu, den Gesang – und die Musik von Bach. Sie verleiht der Seele Ausdruckskraft und lässt stärker empfinden. Und ich danke Gott für diese Musik.

Jeder Mensch empfindet Musik anders. Der eine braucht sie zum Berauschen, der andere findet durch sie zu Gott. Ist nicht auch eine schöne vorgetragene Rezitation Musik, die uns Gott nahebringt?

Seit vielen Jahrhunderten debattieren die Muslime über Musik. An keiner Stelle im Koran steht ein Verbotszeichen für das Singen, Tanzen, Musizieren oder einfach auch Hören von Musik. Dafür finden wir, dass der Prophet David im Koran mit seinen musikalischen Gottesgaben gepriesen wird.

Ein Hadith besagt, dass der Prophet seine Frau Aisha gefragt hatte, ob sie aus Anlass einer Hochzeit Sänger mitgeschickt hätte. Er meinte: „Die Ansar sind Leute, die Gedichte mögen. Du hättest jemanden mitschicken sollen, der singt.“

Was ist eigentlich Musik? Der Begriff ‚Musik‘ bedeutet die Kunst, vokale und/oder instrumentale Klänge und Rhythmen so zu kombinieren, dass verschiedene Ausdrucksweisen zustande kommen. Es ist eine künstlerische Gestaltung von unterschiedlichen Höhen und Tiefen von Tönen und unterschiedlichen Längen dieser Töne.

Musik kann unsere Gefühle verändern und unsere Seele reinigen.

Eine Seele reinigen, das heißt auch eine Krankheit zu heilen. Wusstet ihr, dass die Musik auch dazu da ist, um Krankheiten zu heilen? „Der Körper ist krank, wenn die Seele geschwächt ist, und er ist beeinträchtigt, wenn sie beeinträchtigt ist. Daher geschieht die Heilung des Körpers durch die Heilung der Seele, indem ihre Kräfte wiederhergestellt und ihre Substanz in die rechte Ordnung gebracht wird, auch mit Hilfe von Klängen, die dies bewirken können und dafür geeignet sind.“ Das sagte der Arzt und Philosoph Al-Farabi (870-950). Dieser Satz bildet zugleich die Grundlage der altorientalischen Musiktherapie und der Medizin als Einheit in der mittelalterlichen Zeit. Abu Bakr Ar-Razi, gest. 925, wies ebenfalls auf den Einfluss von psychologischen Faktoren für die Gesundheit hin. Seine Patienten forderte er auf, Musik zu hören und auf die richtige Ernährung zu achten. Schwangeren Frauen half er mit Gesängen und allem was Freude bringt, ihre Schmerzen zu lindern. Diese besondere Art der Musik der Araber wird Maqam-Musik bezeichnet. In der Maqam-Musik werden psychische wie auch physische Wirkungsfelder zur Aktivierung gebracht. Makam, arabisch: Ort oder Rang, sind in der Musik Tongattungen, die durch die Definition der Töne und den bestimmten Melodieverlauf die jeweilige Tonart ergeben. Die Kunst in der Makam-Musik besteht in der Balancierung zwischen melodisch vorgegebenen Strukturen und persönlichen Einfallsreichtum. Ein Maqam besteht also aus einer Art Komposition, ein vorgegebenes Gerüst aus bestimmten Tönen und Improvisation, also ein Ausfüllen dieses Gerüstes mit Musik.

Es gibt keine musiklose Kultur, sie ist von Anfang an mit der Menschheit gewachsen. Sie war also schon immer da. Wir wissen, dass unsere frühen Vorfahren bei ihren Riten Musik genutzt haben. Das beweisen auch Ausgrabungsfunde wie z.B. eine 40 000 Jahre alte Flöte, was bedeutet, dass Musik, Töne und Rhythmen schon immer im Leben des Menschen eine Rolle gespielt haben muss.

Was ist nun islamische Musik? Ich sehe da keinen großen Unterschied, sie ist einfach da angesiedelt, wo muslimische Leben herrscht.

Wie schon erklärt, war seit dem 9. Jahrhundert die Musik in den muslimischen Ländern als reguläre medizinische Hilfsdisziplin anerkannt. So beschäftigten Krankenhäuser im islamischen Siedlungsbereich Harfen- und Lautenspieler, Trommler, eine Praxis, die von einer großen Zahl historischer Quellen belegt wird. Bis heute gilt für die Musiktherapie, die seelische und körperliche Natur des Menschen zu kräftigen.

Die großen Gelehrten im Islam, wie Abu Hanifah (707 – 767), Malik ibn Anas (710 – 795) Al Shafi’i (767 – 819), Al-Ghazali (1058-1111) haben sich dafür ausgesprochen, dass musikalische Aktivitäten niemals als haram zu verurteilen ist, wenn sie nicht im Zusammenhang mit gewissen unerwünschten Verhaltensweisen stehen. Ghazali meinte: Musik im Kontext ohne Laster und Unzucht ist erlaubt. Die innere Einstellung, die Absicht, der Inhalt und auch die Situation sind die Kriterien für das Hören von Musik und selbst musizieren. Darüber hat er sogar ein eigenes Kapitel in seinem Werk „Ihya ulum ad-din“ gewidmet. Dennoch gibt es viele Gelehrte, die die Ansicht vertreten, dass jede Art von Musik verboten sei.

Dennoch verbieten bis heute Fundamentalisten, wie die Wahhabiten und Salafisten Musik, bis auf den Nashid. Nashids sind gesanglich von Männern vorgetragene Lobpreisungen von Gott. Alles andere wäre vom Teufel, meinen sie. So sind heute unter den Salafisten sogenannte „Kampf-Naschids“ als Propaganda- und Kampflieder für den gewaltsamen Dschihad gegen die sogenannten Ungläubigen verbreitet.

Der wahhabitische Gelehrte Ibn Baz (gest. 1999) argumentierte: „Der Gesang ist laut der Mehrheit(!!!) der Leute des Wissens, verboten. Wenn der Gesang oder Musik wie z.B. von der Laute oder einem anderen Instrument begleitet wird, ist es haram und darüber gibt es Konsens (idjma).“ Für wen es Konsens ist und für wen nicht und wer die „Mehrheit der Leute…“ sind, das lässt Ibn Baz offen. Oder sie zitieren die Sure Luqman, Vers 6: „Unter den Menschen gibt es solche, die leeres Gerede vorziehen, um Menschen ohne Wissen von Allahs Weg hinweg in die Irre zu führen, und um damit Spott zu treiben. Solchen Menschen harrt eine schmähliche Strafe.“ Vor was ziehen diese Menschen ein leeres Gerede vor?? Wo ist da die Rede von Musik??

Und dennoch hatte sich die Musik schon im 9. Jahrhundert an den Höfen der Oberschicht in Syrien, Persien, in Andalusien etabliert. Wir wissen vom persischen Musiker Ziryâb (gest. 857), der vor dem Kalifen Harun ar-Raschid seine Gesänge mit der Laute vorgetragen hatte und später am Hof von Abd ar-Rahman II. in Córdoba tätig war, Musikschulen errichtete und die kulturelle Lebensweise der Andalusier auf einen glanzvollen Höhepunkt brachte. Von dort aus gelangte später die Musik durch Minnesänger an die Höfe der Franken und Engländer, mitsamt ihren neuen Instrumenten.

Was sagt der Koran dazu? In Sure Luqman, Vers19 steht: „Darum sei bescheiden in deinem Betragen und senke deine Stimme: denn, siehe, die scheußlichste aller Stimmen ist die Stimme der Esel.“ Man könnte also meinen: Die hässliche Stimme des Esels wird der schönen Singstimme des Menschen gegenübergestellt. Allah sagt in Sure Al-Muzzammil (Der Verhüllte),Vers 4: „… und rezitiere den Koran in langsamen, gemessenen rhythmischen Tönen.“ (Tartil)

Viele Gelehrte unterteilen die islamische Musik in 4 Gruppen:

An oberster Stelle der ersten Gruppe steht die Rezitation des Korans, auch wenn viele denken, die Rezitation gehöre nicht zur Musik. Der Prophet Muhammad sagte: „Schmückt den Koran mit euren Stimmen! Die schöne Stimme mehrt die Schönheit des Korans“. Ein anderer Hadith, von Bukhari und Muslim aufgezeichnet besagt: „Allah hört keinem Geschöpf mit solcher Andacht zu, wie Er einem Propheten mit schöner Stimme zuhört, wenn er den Koran laut in besinnlichem Gesang rezitiert.“ Eine andere Prophetenaussage lautet: „Jedes Ding hat eine Zierde, die Zierde des Korans ist die schöne Stimme.“ Der Theologe ibn Qayyim al-Dschawziya (1292-1350) stellte heraus, dass die ‚Verzierung‘ (arab. Tazyiin) die Verschönerung der Stimme (tahsin as-sawt) und die musikalische Verzückung (tatriib) den Effekt des Vortrages erhöhen, weil sie die Bedeutung erst wirklich in die Herzen der Hörer dringen lassen.

Navid Kermani schreibt heute in seinem Buch „Gott ist schön“ auf S. 403: Der Koranrezitator Sheikh Muhammad Salaama erklärte, er habe Musik gelernt „um des Korans willen“, damit er Besitz von den Herzen der Zuhörer ergreife. Ein früherer Muslim, Umar as- Suhrawardi (gest. 1168), sagte, dass eine Musik, ein Gedicht oder der Koran „im Herzen nichts erwachen lässt, was nicht schon dort ist“.

Jede Koranlesung ist ein einzigartiges, nicht wiederholbares Ereignis, in welchem dem Vortragenden Gestaltungsmöglichkeiten von der Melodieführung und dem situationsbedingten Wechsel des rhythmischen Musters, Wiederholung einzelner Textpassagen bis hin zur Wahl zwischen verschiedenen überlieferten Wortlauten überlassen sind. Das ist Musik, wenn ihr wollt: islamische Musik!

Zur gleichen Gruppe gehört auch der Adhan, wie auch Pilger- und Lobgesänge. Natürlich würde sich ein Muezzin oder ein Rezitator nicht als einen Musiker sehen. Der Gebetsruf wurde neben seiner praktischen Funktionalität dennoch zugleich ein Markenzeichen. Für die großen Sänger früherer Zeiten bot er eine tägliche Gelegenheit zum Üben. Der Adhan war bestimmten musikalischen Gesetzen unterworfen. Jeder Tag und auch Tageszeiten hatten ihre eigene Art der Gestaltung und Abfolge der Melodie, ein Maqam. Der Adhan war also fast eine Wissenschaft für sich.

Übrigens: auch der Koran als das Wort Gottes wird in einem Maqam rezitiert, weil dadurch auf die Notwendigkeit, eine ernste, besinnliche innere Stimmung zu erzeugen, verwiesen wird.

Eine 2. Gruppe beinhaltet verschiedene Arten von Musik für Feierlichkeiten, für Hochzeiten, religiöse Feierlichkeiten, also Hymnengesang, Reiselieder, Hirten- und Arbeitslieder und Militärmusik, die gespielt wurde, um in die Schlacht zu ziehen, Musik für öffentliche Feierlichkeiten, also mehr oder weniger Gebrauchsmusik.

As-Shafi’i vermerkt in seinem ‚Kitab al -Umm‘, dass der Prophet Muhammad dem Singen von Karawanenliedern und der gesungenen Poesie zugehört und zum Singen angeregt hat.

In der 3. Gruppe befindet sich die ganze Breite der Improvisationsmusik, wie die gerade im Orient so beliebten frei rhythmisierte Vokal- oder instrumentale Improvisationen. Die Improvisationen, das sind augenblickliche Einfälle, sind heute immer noch sehr beliebt. Hier hinein gehört auch meines Erachtens die klassische Musik, wie zum Beispiel meine Bach-Musik. Auch in ihnen sind Themen gesetzt, die immer wieder neu aufgegriffen werden.

In der letzten Gruppe befindet sich die sinnliche Musik, die im Zusammenhang mit verbotenen Dingen wie Konsum von Drogen oder zu viel Alkohol, Sinneslust, Prostitution etc. steht. Diese Art der Musik, wenn sie zu üblen Handlungen führt, gehört im Islam zu den verwerflichen Dingen.

Nun lasse ich jemanden zu Wort kommen lassen, den die meisten Muslime zu den bedeutendsten religiösen Denkern des Islam zählen. Auch wenn ich vieles von ihm nicht gut heiße, so möchte ich einige Meinungen dieser berühmten Persönlichkeit im Islam über die Stellung der Musik anführen: Al-Ghazali stellt in seinem umfassenden Kapitel über Musik in seinem bekannten Ihya ulum ad- din (Die Wiederbelebung der Religionswissenschaften) fest, dass Instrumente mit schönem Klang nicht mehr verboten sein sollten als die Stimme der Nachtigall, außer jenen Instrumenten, die mit Wein, Homosexualität und anderen verbotenen Dingen in Verbindung gebracht werden können. So wie die Stimme der Nachtigall ihr angeboren wurde, also ein natürliches Instinkt ist, so ist die Stimme auch dem Menschen gegeben wie auch der Instinkt von klein auf zum Singen und Rhythmisieren. Al-Ghazali meint, dass Gott diese Instinkte im Menschen für einen guten Zweck geschaffen hat, ohne die der Mensch vielleicht sogar seine Aufgaben im Leben unmöglich erfüllen kann, denn diese Instinkte helfen ihm, seine Ziele zu erreichen. Er fasst zusammen, dass es deshalb unmöglich ist, dass die Sharia gegen diese Instinkte und Freuden ist. Stattdessen sollen sie, die Instinkte, diszipliniert, in richtige Bahnen gelenkt werden mit dem Ziel einer hohen Moral. Weiter schreibt Ghazali: „Der Allmächtige hat im Herzen der Menschen einen Funken geschaffen, der durch Musik und Harmonien zum Feuer erweckt werden kann und ihn in Ekstase geraten lässt! Diese Harmonien sind Echos einer höheren Welt der Schönheit, wir nennen sie die geistige Welt; sie erinnern den Menschen an seine Beziehung zu jener Welt und verursacht außerordentlich tiefe und fremde Gefühle, dass er unfähig ist, diese zu beschreiben. Der Effekt von Musik und Tanz ist viel tiefer als die oberflächlichen Bewegungen, die im Grunde einfach erscheinen, sie entfachen die Flamme einer Liebe, die im Herzen bereits als Funke glimmt, mag sie weltlich und sinnlich sein oder göttlich und spirituell.“ Al-Ghazali führt dazu einen Hadith von Aischa an, die berichtete: „An einem Tag des Id-Festes kamen einige Schwarze zu einer Aufführung in die Moschee. Der Prophet fragte mich: Möchtest du sie sehen? Ich antwortete: Ja. Dann hob er mich mit seiner gesegneten Hand hoch und ich schaute zu, dass er mich mehr als einmal fragte: Hast du noch nicht genug zugesehen?“

Al-Ghazali spricht von Situationen, in denen Musik sogar geboten (halal) ist. Da sind die Gesänge der Hadsch-Pilger, die das Haus Allahs in Mekka in ihrem Lied preisen. Ebenso spricht er von melancholischer Musik, die Trauer erregt über die Sünden und Fehler in seinem religiösen Leben erlaubt. Die Musik Davids, seine Psalmen, gehört zu dieser Art. (An-Nisa‘ 4:163: Und Wir haben David einen Zabur gegeben.)

Jedoch Klagelieder, die die Trauer um Tote vergrößern sind nicht erlaubt, denn der Koran betont: „Trauert nicht über das, was ihr verloren habt.“ Andererseits ist fröhliche Musik für Hochzeiten und Festtage, Beschneidungsfeiern erlaubt.

Wer dem widerspricht, was Ghazali über die Musik sagt, ist er wirklich kein guter Muslim? Die Grenze zwischen halal und haram setzt jeder Mensch anders. Der eine sagt: ein Gläschen Wein oder ein Bierchen ist für mich noch nicht haram. Erst wenn daraus ein Rausch, in Verbindung z.B. mit aufputschender Musik ein Vergehen entstehen könnte, weil der Mensch sich nicht mehr kontrollieren kann, dann wird das Alkoholtrinken haram. Aber wenn jemand über andere herrscht und jegliche Musik verbietet, dann scheint etwas nicht in Ordnung zu sein.

Fazit: Die Ausübung von islamischer Musik ist solange erlaubt, solange sie im Einklang mit der islamischen Ethik steht, sie darf nicht zu Übertreibungen und schlechtem Verhalten führen, die die Menschen dazu veranlassen, ihren Pflichten gegenüber Gott und den Menschen zu vernachlässigen.

Musik bedeutet auch Freude haben, Zufriedenheit und Glück. Zu Terror passt keine Freude, darum auch keine Musik! Aber der Islam sollte auch Freude übermitteln, Freude am Leben und Zufriedenheit und darum gehört im muslimischen Leben auch Musik dazu.

Zum Schluss noch den Kommentar vom Allerhöchsten, von Allah.

Im Koran Sure 5, Vers 4 steht: „Sie fragen dich, was ihnen erlaubt sei. Sprich: ‚Alle guten Dinge sind euch erlaubt.‘“

Der Monat Hidscha

Der Monat Hidscha

5.12.1439

Im Namen Gottes des Allerbarmers des Barmherzigen

Ich suche Zuflucht bei Gott, vor den Einflüsterungen des Teufels.

Alles Lob und aller Dank gebühren alleine Gott, dem Einen, der Niemanden neben sich hat.

Nur IHM unterwerfe ich mich und nur IHN bitte ich um Hilfe!

Gott segne Muhammad und die Familie Muhammads!

Friede sei mit Euch liebe Geschwister im Islam und Werte Gäste. Herzlich willkommen bei uns in der Ibn-Ruhsd-Goethe-Moschee inmitten der Johannes Kirche.

Mein Herr, weite mir meine Brust, und mache mir meine Angelegenheit leicht. Und löse den Knoten von meiner Zunge, so dass sie meine Worte verstehen.“(Koran Sure 20, Verse 25-28)

O die ihr glaubt, wenn der Ruf zum Gebet am Freitag erschallt, dann eilet zum Gedenken Allahs und lasset den Handel ruhen. Das ist besser für euch, wenn ihr es nur wüsstet.“(Koran, Sure 62:9)

Heute ist nach dem islamischen Kalender der 5. Dhul-Hidscha 1439.Da wir hier in Europa leben, wo nach dem Christlichen Sonnenkalender gerechnet und gelebt wird, vergisst man als Muslim sehr schnell das islamische Datum, deshalb habe ich bewusst einmal dieses Datum ausgesprochen.

Dhul-Hidscha ist der 12. und letzte Monat des islamischen Jahres. Er gehört zu den heiligen islamischen Monaten und bedeutet „Monat der Pilgerfahrt (Hadsch)“, da die Pilgerfahrt der Muslime in diesem Monat vollzogen wird. Ich werde im zweiten Teil meiner Predigt näher auf diesen Monat eingehen.

Nun die Hadsch ist nur ein Ereignis im Monat Dhul Hidscha. Da ich den Islam von der schiitischen Seite aus kennenlernte, möchte ich hier noch einige andere Ereignisse vorzeigen, die in diesem heiligen Monat geschahen, damit ich mein Wissen weitergebe.

01.Dhul Hidscha/ Fatimas (a.) Hochzeit mit Ali(a.),dem späteren 4. Kalifen und Cousin unseres Propheten Muhammad(s.)

Fatima hatte sich ihren Ehemann selber ausgesucht, denn unser Prophet(s.) wollte es seiner Tochter selber überlassen, wen sie zum Ehemann möchte, also ist es keine Sunna unseres Propheten(s.), das die Eltern bestimmen, wen die Kinder zu heiraten haben und dass die Kinder noch in diesem Jahrhundert zwangsverheiratet werden müssen, bei vielen mit der Begründung , das es Sunna sei., also weil das unser Prophet(s.) so vorgelebt hätte oder es im Koran steht.

07.Dhul Hidscha/ Martyrium(gestorben wegen seines Glaubens) von Imam Baqir (a.).

Er ist der fünfte Imam der Schiitten und der Urenkel des Propheten Muhammad(s.).Ein direkter Nachfahre von ihm. Er ist der Sohn und Nachfolger von Imam Zain-ul-Abidin (a.), dem Sohn des Imam Hussain(a.). Seine Mutter ist Umm Abdullah, eine Tochter von Imam Hasans (a.),dem Enkelsohn des Propheten(s.). Nach vielen Jahren von Schwierigkeiten, Kummer und Arbeit für den Islam, wurde er im Alter von 57 Jahren, durch den Befehl Heshams vergiftet. Die männlichen Nachfahren des Prophten (s.) wurden fast alle ermordet. Vielleicht halte ich einmal mit Gottes Hilfe eine Khutba über die Ahl ul Bait(a.), die Familie des Propheten Muhammad(s.)

09.Dhul Hidscha

denken wir auch an das Martyrium von Muslim ibn Aqil. In der islamischen Geschichte ist er bekannt dafür, wie er als Botschafter seines Cousins Imam Hussain (a.) in Kufa zum Märtyrer wurde. Seine beiden Söhne Muhammad und Ibrahim(8 und 10 Jahre alt),die er mit nach Kufa brachte wurden nach seiner Hinrichtung dann am 22.Dhul Hidscha auch getötet.

15.Dhul Hidscha/ Geburtstag von Ali al-Naqi (a.),

dem 10. Imam der Zwölf Imame (a.). der Schiitten. Er wurde auch al-Hadi gerufen. Er war ein Nachfahre unseres Propheten Muhammad(s.).Er blieb in Medina bis zum 30. Lebensjahr. Dann wurde er vom Abbasiden-Kalifen Al-Mutawakkil nach Samarra gerufen. Dort stellte man ihn bis zu seiner Ermordung in seinem Haus unter Arrest. Nach schiitischen Berichten wurde er durch eine Intrige des abbasidischen Kalifen Al-Mu’tazz vergiftet und in Samarra begraben.

16. Ableben Zainabs – nach anderen Überlieferungenam 15. Radschab

Zainab (a.) (bzw. Zainab) war die Tochter von Imam Ali (a.) und Fatima (a.) und die Schwester von Imam Hasan (a.) und Imam Husain (a.). Sie war die bedeutsame Heldin von Aschura. Der Grundstein ihrer Erziehung wurde vom Propheten Muhammad (s.) selbst und von ihrer Mutter Fatima (a.) gelegt. Auch ihr Vater Imam Ali (a.) hat später besondere Sorgfalt bei ihrer Erziehung aufgewendet, so dass sie zur Zeit seines Kalifats in Medina und Kufa wie auch lange über sein Ableben hinaus als bekannte Lehrerin wirkte, die nicht nur in der Auslegung des Heiligen Qur’an und der Überlieferungen versiert war, sondern auch in Rechtsfragen als Autorität anerkannt wurde; in diesem Zusammenhang wurde sie auch als „Stellvertreterin des Imam“ bezeichnet.

17.Dhul Hidscha Geburtstag des Prophetensohnes Ibrahim

Ibrahim ibn Muhammad war ein Sohn von Prophet Muhammad (s.) und Maria al-Qibtiyya, der sehr früh verstarb.

18.Dhul Hidscha,

Das Fest von Ghadir ist der feierliche Gedenktag anlässlich der historischen Ereignisse in Ghadir Chum am 18. Dhul-Hidscha im Jahr 10 n.d.H. Ghadir Chum ist ein Ort auf ca. halber Strecke zwischen Mekka und Medina. Der Ort erlangte in der islamischen Geschichte Bekanntheit durch das sehr wichtige Ereignis bei der Rückkehr des Propheten Muhammad (s.) von der Abschiedspilgerfahrt, bei dem er Imam Ali (a.) zu seinem Nachfolger erklärte.

Lasst uns nun eine kurze Zeit Gottes gedenken, bevor ich die Predigt weiterhalte.

Wahrlich, das erste Haus, das für die Menschheit gegründet wurde, ist das zu Bakka – überreich an Segen und zur Richtschnur für alle Völker. In ihm sind deutliche Zeichen. Die Stätte Abrahams – und wer sie betritt, hat Frieden. Und Wallfahrt zu diesem Haus – wer nur immer einen Weg dahin finden kann – ist den Menschen eine Pflicht vor Allah. Wer aber ablehnt (möge bedenken), dass Allah sicherlich unabhängig ist von allen Geschöpfen.(Koran Sure 3:96,97)“

Dieses Jahr findet die Hadsch voraussichtlich vom 19. August bis zum 24. August statt. Jedes Jahr nehmen über zwei Millionen Muslime aus aller Welt an der Wallfahrt nach Mekka zum Hause Gottes, der Kaba teil. Um die Stadt erstreckt sich ein heiliger Bezirk, der von Nichtmuslimen nicht betreten werden darf. Neben der Hadsch, also der großen Pilgerfahrt, die an feste Daten gebunden ist, können Muslime auch rund um das Jahr eine kleine Pilgerfahrt namens Umra machen. Sofern es gesundheitlich und finanziell machbar ist, muss jeder Muslim mindestens einmal im Leben nach Mekka zur heiligsten Stadt der islamischen Welt reisen und die Riten der Wallfahrt vollziehen. Gott der Allmächtige rief mich 2011 zu seinem Haus und 2012 vollzog ich meine Hadsch. Nur IHM alleine verdanke ich es, dass ich jetzt hier stehe. Die Riten der Wallfahrt dauern sechs Tage, wobei sie nach dem islamischen Kalender immer am achten Tag des Pilgermonats Dhu l-hiddscha beginnen und am 13. des Monats enden. Die Hadsch sollte alleine für und mit dem Gedenken an Allah, unseren Gott vollzogen werden. Sie beginnt schon mit der Absicht zum pilgern. Übrigens gehört die Pilgerfahrt zu den fünf Säulen des Islam und zu den Zweigen der Religion (Usul ud Din) Alle Riten der Pilgerfahrt spiegeln das menschliche Streben nach Vervollkommnung wider und sind direkt oder indirekt auf Abraham (a.) zurück zu führen.

Am 08.Dhul Hidscha /Tag von Tarwiya,

einen Tag vor dem Tag von Arafat und zwei Tage vor dem Opferfest [id-ul-adha] und ist ein heiliger Tag während der Pilgerfahrt [hadsch].

Er gilt traditionell als der Tag, an dem Reiseproviant gesammelt und die Wasserbehältnisse gefüllt wurden, um am nächsten Tag zum Berg Arafat aufzubrechen. Es ist der letzte Tag, an dem die Riten der Wallfahrt [umrah] vollzogen werden als Voraussetzung für die Abreise zum Berg Arafat und Vollzug der Pilgerfahrt [hadsch].

09.Dhul Hidscha/ Tag von Arafat,

Es ist ein heiliger Tag während der Hadsch vor dem Opferfest,das am nächsten Tag stattfindet.

An diesem Tag verweilen die Pilger von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang am Berge Arafat entweder in Zelten, wenn sie Unterkünfte haben oder ganz arme Menschen sitzen in der prallen Sonne und beten. Nach Sonnenuntergang müssen alle Pilger Arafat wieder verlassen. Von Arafat aus, kehrt man in Etappen wieder zur Kaaba zurück. An diesem Ort – dem am meisten entfernten Ort zu Mekka während der Riten der Pilgerfahrt, beginnt die Rückkehr zum Haus Gottes Baitullah.. Es ist der Ort, an dem sich Adam (a.) und Eva (a.), nachdem sie voneinander getrennt waren, hier wieder erkannten. (Arafa heißt erkennen,der Stamm des Wortes Arafat) Die unvollständige Seele wird vervollständigt und begibt sich dann auf den stufenweisen Rückweg in die Heimat Mekka. Auf dem Weg wird dann ebenfalls in Stufen der Weihezustand abgelegt. Der Tag von Arafat gehört zu den empfohlenen Fastentagen. Am

10. Dhul Hidscha/Opferfest [id-ul-adha]

-ist eines der wichtigsten Feste des Islams. An dem Festtag wird der Opferbereitschaft Abrahams (a.) gedacht.

Der Name des Festes leitet sich vom arabischen Wort „Opfern“ (dhahha) ab und wird auch als „das Grosse Fest“ (id-ul-kabir) bezeichnet. Ein anderes Wort für „Opfer“, das auch im Heiligen Koran vorkommt, ist „qurban“. Mit „qurban“ wird etwas bezeichnet, das man opfert(freiwillig gibt), um ALLAHs Wohlgefallen zu erlangen und Seine Nähe zu erreichen.

Das Fest bezieht seinen Namen aus der Opferung eines Opfertieres durch die Pilger in Mina in Gedenken an Abraham (a.), der statt seinem ältesten Sohn Ismael (a.) ein Opfertier schlachten durfte. Abraham (a.) und Ismael (a.) hatten die göttliche Probe bestanden und waren gemeinsam bereit, dass Abraham (a.) seinen Sohn Ismael (a.) opfert, wie es Abraham (a.) im Traum offenbart wurde. Als ALLAH seine Bereitschaft sah, gebot Er ihm Einhalt, indem sein Messer stumpf wurde, Abraham (a.) und Ismael (a.) opferten daraufhin voller Dankbarkeit einen Widder oder Lamm, das aufgetaucht war. Dies fand nach manchen Überlieferungen an dem Ort statt, an dem heute der Felsendom steht. Vgl. dazu Heiliger Koran 22:37. So musste auch Jakob (a.) im Herzen seinen geliebten Sohn Josef (a.) opfern, bevor er ihn zurückerhalten durfte. Die Befreiung von der irdischen Liebe ermöglicht die Zuwendung zur Quelle aller Liebe. Entsprechend wird zuweilen die Redewendung verwendet: „Opfere Deinen Ismail“, falls jemand an etwas irdischem so stark hängt, dass es ihn von der Liebe zu ALLAH ablenkt. Das ist nur möglich, indem man die Steinigung des Satan [schaitan] im Herzen praktiziert. Symbolisch erfolgt dies am Tag des Opferfestes durch das Bewerfen des Felsen. Daraufhin schlachten die Pilger ein Opfertier.

Und wenn das Gebet beendet ist, dann zerstreut euch im Land und trachtet nach Allahs Gnadenfülle und gedenket Allahs häufig, auf dass ihr Erfolg habt.“(Koran Sure 62:10)

Vergessen wir nicht, dass wir alle, egal welcher Religion wir angehören, Geschöpfe Gottes sind von IHM kommen wir und zu IHM kehren wir zurück. Rücken wir zusammen für Frieden, Liebe und Gerechtigkeit auf der ganzen Welt!

Wir sind hier eine noch sehr kleine Gemeinde, aber mit Gottes Hilfe wachsen wir!

Alles Lob und aller Dank gebühren nur Gott alleine!

Gott segne Seine Diener und schenke uns allen Sein Licht!

Einen gesegneten Freitag für alle!

Goethe und der Islam

Goethe und der Islam

Immer wieder fällt der Satz: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland,“ oder so ähnlich. Wer sich mit der Geschichte von Deutschland ein wenig beschäftigt, weiß, dass es so nicht stimmt.

Als das Osmanische Reich die süddeutschen Länder angriff und 1529 vor Wien stand, im Jahr 1548 Österreich einen auf 7 Jahre begrenzten Friedensvertrag mit dem Kalifen Sulaiman II. unterschrieb und die südöstlichen europäischen Länder vom Osmanischen Reich verwaltet wurden, bestand die dringende Notwendigkeit, sich offiziell mit dem Islam zu beschäftigen. In Frankfurt siedelte sich die erste ständige osmanische Vertretung an, Reiseberichte über den Orient waren interessant geworden wie auch die Modewelt, zu Gesellschaften bekleidete man sich orientalisch.

Der Handel Ost-West blühte. Ganze muslimische Truppenteile, Geschenke osmanischer Herrscher, standen im Dienst deutscher Könige. Für sie baute der König von Preußen, Friedrich der Große, sogar eine Moschee, die erste auf deutschem Boden.

Schon seit den Kreuzzügen gab es einzelne europäische Übersetzungen des Korans durch Vertreter der Kirche, aber mehr mit dem Hintergedanken, den Islam damit zu diffamieren.

Im Jahr 1647 wurde die erste einigermaßen neutrale Koran-Übersetzung von André du Ruyer gedruckt, die auch Goethe für seine Studien nutzte und seinem West-Ost-Divan zugutekam. Aber erst die Koranübersetzung von George Sale 1734 in die englische Sprache, die auch bald in Deutsch erschien, setzte neue Maßstäbe durch ihre enge Anbindung an das Original. Sie blieb lange für Europa eine der Hauptquellen für die Kenntnis aller mit dem Koran zusammenhängenden Fragen.

Es entstand in Europa ein Klima, die Zeit der Aufklärung, in der man sich die Aufgabe gemacht hatte, den Wert außerchristlicher Religionen zu untersuchen und erkennbar zu machen. Und es war naheliegend, sich mit dem Islam zu beschäftigen und auseinander zu setzen.

Einer der Hervorragendsten war Ephraim Lessing mit seiner Ringparabel. Nathan der Weise.“ Diese Parabel von den drei Ringen, die die drei Religionen darstellen, gilt als ein Schlüsseltext der Aufklärung und als akzentuierte Formulierung der neuen Toleranzidee.

Aber besonders hervorgetan hat sich darin Johann Wolfgang von Goethe. Kaum ein Deutscher kennt heute sein Interesse für den Islam, seine Bewunderung für den Propheten Muhammad.

Aber wie ist es zu seiner außerordentlich positiven Einstellung gekommen, seiner inneren Anteilnahme für diese Religion, für die Muslime und besonders für den Propheten Muhammad? Hier halte ich mich an das hervorragende Buch „Goethe und die arabische Welt“ von der Germanistin Katharina Mommsen.

Sie schreibt: Goethe hatte ein tiefes persönliches Verhältnis zum Islam, darum gehen seine Aussagen über diese Religion in ihrer provokatorischen Gewagtheit weit über alles bisher in Deutschland Dagewesene hinaus. Seine innere Beziehung kam dadurch zustande, weil ihm die Hauptlehren des Islam mit seinen eigenen Ideen und Glauben übereinstimmend erschienen. Seine „Dichtung und Wahrheit“ gibt Bericht, dass Goethe schon von Kindheit an nach einer ihm zusagenden Religion gesucht hatte, die er im Islam fand. Diese Hauptlehren waren: die Lehre von der Einheit Gottes, die Überzeugung, dass Gott sich in der Natur offenbare und dass Er durch verschiedene Abgesandte spricht, das Abweisen von „Wundern“ und die Auffassung, dass Religiosität sich in wohltätigem Wirken erweisen müsse. All diese innerlichen Übereinstimmungen schufen ein Verwandtschaftsgefühl besonderer Art, zu der er sich hingezogen fühlte.

Ich zitiere hier aus dem oben genannten Buch: „Besonders aufschlussreich für Goethes religiöse Haltung absoluter Ergebenheit in den Willen Gottes ist der autobiografische Aufsatz „Sankt Rochus-Fest zu Bingen“, der einen Bericht von der Rheinreise 1814 enthält. Hier legt Goethe in allem, was er zum Lob des christlichen Heiligen sagt, eigene religiöse Überzeugungen nieder, und diese eigene Religiosität wiederum hat erstaunliche Ähnlichkeit mit islamischer Frömmigkeit. Er bringt das Lob des heiligen Rochus in Verbindung mit einem Gedanken, der eine seiner Hauptmaximen geworden ist. Es ist der islamische Gedanke von der unbedingten Ergebenheit in den Willen Gottes, der auch Goethes Denken und Handeln bestimmte.“

Schon der junge Goethe brachte seine Bewunderung für den Propheten Muhammad in den erhaltenen Fragmenten des „Mahomed“ zum Ausdruck. Er lehnt sich in seinen Werken sogar an einzelne Suren des Korans an, zum Beispiel diente die 6. Sure als Vorlage in der Anfangs-Hymne der Fragmente der „Mahomed- Tragödie“.

In dem Preislied „Mahomeds Gesang“ wird sein Wirken als eine geniale religiöse Persönlichkeit dargestellt durch die Metapher des Stroms. Das Gleichnis dient zur Schilderung der von kleinsten Anfängen ausgehenden, dann ins Riesenhafte wachsenden geistigen Macht, ihrer Ausweitung und Entfaltung, mit dem glorreichen Abschluss der Einmündung in den Ozean, der hier zum Symbol des Gottes wird. Muhammad reißt seine „Bruderquellen“ mit sich fort und befruchtet somit Länder und Städte. Nach Goethes Vorstellung ist dieser befruchtende Fluss als ein Symbol für das Leben und Wirken des Propheten Muhammed zu sehen.

Am bekanntesten ist sicherlich Goethes „Ost-West-Divan“, der eine tiefe Einsicht in Gott und Seinen Propheten Muhammad aufweist. Er war fasziniert von der Sprache des Korans, bekannte sich mit seiner Überzeugung in seinen Gedichten, dass Gott sich in der Natur, in Seiner Schöpfung offenbare und bestätigte in seinen Gedichten im „Ost-West-Diwan“ die Einheit Gottes. Damit geht Goethes positive Einstellung weit über alles Bisherige in Deutschland hinaus.

In seinem „Ost-West-Diwan“ ehrte er die muslimischen Dichter, stellte sie in Augenhöhe mit den europäischen Dichtern.

Im West-Östlichen Diwan ist das Gedicht zu finden:

Wer sich selbst und andere kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.

Goethe sagte zum Ende seines Lebens: „Es ist gar viel Dummes in den Satzungen der Kirche.“ (Eckermann, 11.3.1832)

Goethe hat viel Aufklärungsarbeit in seinen Gesellschaften getan. Aus Handschriften im Weimarer Archiv kann man lesen, dass er sich ab 1771/72 intensiv mit Koran-Studien beschäftigt hatte. Er las sogar der Herzogfamilie wie auch anderen Gesellschaften aus dem Koran vor. Schiller berichtete darüber später. Er studierte arabische Handbücher, Grammatiken, lernte sogar Arabisch schreiben, las Bücher über die Lebensgeschichte des Propheten Muhammad. Unter Anderem besuchte er ein Freitagsgebet von Muslimen der russischen Armee des Zaren Alexander, was im Protestantischen Gymnasium in Weimar 1814 durchgeführt wurde. In einem Brief an seinen Sohn fügte er hinzu: „Mehrere unserer religiösen Damen haben sich die Übersetzung des Korans von der Bibliothek erbeten.“

Er schreibt 1816 über sich: „Der Dichter (Goethe selbst) lehnt den Verdacht nicht ab, dass er selbst ein Muselmann sei.“ An vielen Stellen in seinem „West-Östlicher Divan“ macht er keinen Hehl daraus, dass er sich als Muslim sieht.

In zwei Gedichten des Diwans schreibt er:

Närrisch, dass jeder in seinem Falle
Seine besondere Meinung preist!
Wenn Islam Gott ergeben heißt,
Im Islam leben und sterben wir alle.

 Ob der Koran von Ewigkeit sei?
Darnach frag´ ich nicht!
Dass er das Buch der Bücher sei
Glaub ich aus Mosleminen-Pflicht.

Stets war Goethe bemüht, die verschiedenen Religionsgemeinschaften näher zu bringen. Man sollte nicht aneinander vorbeireden, sondern miteinander handeln, egal, zu welcher Religion man gehöre.

Im Portal der „Qantara“ ist von Melanie Christina Mohr zu finden: 1817 verkündet er (Goethe) den Vorschlag, religiöse Feste miteinander zu feiern und in diesem Rahmen alle Konfessionen zu vereinen. Das Fest der reinsten Humanität sollte zum Ziel haben, dass man einander nicht fragt, welcher Gemeinschaft man zugehörig ist, sondern ausschließlich, vereint im Glauben oder auch Unglauben zu Gott, die Vielfalt zelebrieren.

Die Germanistin Katharina Mommsen meint, dass Goethe über den Zeitgeist hinaus eine persönliche Neigung zum Islam verspürte, weil er mit dessen Hauptlehren wie Schicksalsergebenheit und Offenbarung Gottes in der Natur innerlich übereinstimmte. Sie zitiert den 70-jährigen Goethe, als seine Schwiegertochter schwer erkrankt: „Weiter kann ich nichts sagen, als dass ich mich auch hier im Islam zu halten suche.“ Ähnliche Zeugnisse gibt es aus allen Lebensphasen.

Für den Islamwissenschaftler Peter Anton von Arnim sind „Faust“ und „Ost-West-Diwan“ geradezu Dokumente einer Öffnung zur Welt, einer Art, Globalisierung des Denkens‘. Goethe habe sogar eine reichhaltigere Vorstellung des Islam gewonnen, als sie heutigen Muslimen vermittelt werde.

Auf einem Sommerkurs 2002 wurde von Arnim die Frage gestellt: „Die Beschäftigung mit Goethe wäre andererseits auch für die hier lebenden Muslime lehrreich?“

Er sagte: „Ich denke, Goethe gibt auch Muslimen in Deutschland die Möglichkeit, ein Islambild zu entwickeln und zu verteidigen, das ihnen vielleicht gar nicht so bekannt ist. Und zwar weil im Laufe der Jahrhunderte der Islamunterricht, die Weitergabe des Islam durch die Schriftgelehrten, immer mehr erstarrt ist und die heutigen Muslime gar nicht mehr den Zugang haben zu dem Reichtum des Erbes.

Wenn heute jemand über Flüchtlinge und deutsche Leitkultur spricht, dann würde ich ihm raten, zuerst mal die deute Geschichte und ihre Literatur besser kennenzulernen. Goethes West-östlicher Divan ist ein hervorragendes Werk des Dialogs.

Und so bitte ich Gott, den Gott der drei abrahamischen Religionen, diesen Dialog zu unterstützen und zu fördern. Amen

Koran und islamische Wissenschaft

Koran und islamische Wissenschaft

بِسْمِ ٱللَّهِ ٱلرَّحْمَـٰنِ ٱلرَّحِيمِ

 َفَلَا يَتَدَبَّرُونَ ٱلْقُرْءَانَ ۚ وَلَوْ كَانَ مِنْ عِندِغَيْرِ ٱللَّهِ لَوَجَدُوا۟ فِيهِ ٱخْتِلَـٰفًۭا كَثِيرًۭا

Sure 4:82 „Sie machen sich keine Gedanken über den Koran. Wäre er von einem anderen als von Allah, so würden sie darin gewiss viel Widerspruch finden.“

Sure 21:30 „Sehen die Ungläubigen denn nicht, dass die Himmel und die Erde vereint waren (als Einheit der Schöpfung), bevor Wir sie auseinander spalteten?“

Wer nachdenkt, wird unweigerlich zu dem Schluss kommen:  Dieser Vers benennt den Anfang von allem, der Schöpfung und Ursprung des Universums. Die Astrophysiker haben ein Wort dafür: der Urknall! Die Theorie der Wissenschaftler wird wohl immer eine Theorie bleiben, aber sie wird heute durch Jahrzehnte lange Forschung unterstützt. Aber vor über 1400 Jahren haben die Wüstenaraber schon diesen Vers gelesen und sich darüber Gedanken gemacht. Auch wenn sie es noch nicht vollkommen verstanden haben, sie haben es einfach akzeptiert.

Weiter gehen die Gedanken: Wieso steht so eine ungeheuerlich wichtige Wahrheit in einem Buch, die man zu der damaligen Zeit noch nicht so richtig verstehen konnte? Es ist eine Mitteilung von Gott an die Menschen, vielleicht für uns heutige Menschen? Der Koran gilt doch für alle Zeiten! Vielleicht haben diese und ähnliche Verse Anstoß gegeben für ein erstes Nachdenken, um es eines Tages zu verstehen, Anstoß für etwas Neues: das wissenschaftliche Arbeiten. Gott betont im Koran ja immer wieder: „Wollt ihr denn nicht wissen? Oder: Wollen sie denn nicht nachdenken?“

Sie schufen damit im Orient ein ganz neues Zeitalter, auf dem auch Europa Jahrhunderte später aufbaute.

Im Koran finden wir viele Verse, die sich auf Naturphänomene beziehen. Im Laufe der Zeit haben sich viel große Gelehrte mit diesen Wundern beschäftigt. Einer davon war Imam al- Ghazali. Er stellt in seinem Buch: „Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften“ fest: „Kurz gesagt, sind alle Wissenschaften in den Werten und Attributen Allahs eingeschlossen, und der Koran ist die Erläuterung Seines Wesens, Seiner Attribute und Seiner Werke. Es gibt keine Begrenzung der Wissenschaften, und im Koran gibt es einen Hinweis auf ihre Vereinigung.

Weiter stellt er fest: „Zu Gottes Werken gehört auch die Bestimmung des menschlichen Wissens von Sonne und Mond und ihren Stationen nach festgelegter Berechnung, wie Gott sagte: ‚Sonne und Mond bewegen sich nach einer festgelegten Berechnung.‘“

Er zitiert auch ibn Mas’ud: „Wenn man Kenntnis von den Wissenschaften der antiken Klassiker und der Neuzeitigen haben möchte, sollte man über den Koran nachdenken.“ Wie auch die Sure 6:38 feststellt: „Nichts haben Wir in dem Buche ausgelassen…“.

Shaykh Muhammad Bakhit Al-Mutî`î – ein Großmufti Angang des 20.Jh.- schreibt in seinem Buch: „Tanbih al-Uqul al-Insani“: „Wer meint, der Koran sei ein Buch zur Darlegung der (islamischen) Gesetze und zur Gesetzgebung, der geht der Wahrheit aus dem Weg. Der Koran ist die Quelle aller Wissenschaften und der menschlichen Zivilisation. Mit seinen Aussagen und Hinweisen hat der Koran Beweismaterial für Wesen und Eigenschaften aller Dinge und ihrer quantitativen und qualitativen Veränderungen und enthält alle Wissenschaften, die sich mit den äußeren Realitäten befassen, seien sie himmlisch oder irdisch.“

Aber dennoch gibt es heute muslimische Gelehrte, die sagen (Ich zitiere Mehdi Golschani (Mitglied der iranischen Akademie der Wissenschaften und Mitglied des Obersten Rats für die Kulturrevolution im Iran): „Der Koran wurde nicht offenbart, um uns Wissenschaft und Technologie zu lehren, vielmehr ist er ein Buch der Rechtleitung. Darum liegt es außerhalb seiner Zielsetzung, von Physik und Naturwissenschaften zu sprechen. Der Koran alles enthält, was für unsere Rechtleitung und Glückseligkeit notwendig ist (sowohl in dieser Welt wie im Jenseits).“

Ich zitiere noch einmal den Vers am Anfang der Predigt: 4:82 Sie machen sich keine Gedanken über den Koran. Wäre er von einem anderen als von Allah, so würden sie darin gewiss viel Widerspruch finden.

Dieser Vers betont, dass es nur Gott sein konnte, der so ein Werk vollbringen konnte mit all seinen Wundern, die wir heute besser verstehen als zur damaligen Zeit im 7. Jahrhundert.    Mit den Worten von Zakir Naiks: Welche Schrift auch immer behauptet, eine göttliche Offenbarung zu sein, muss auch aus Kraft ihrer eigenen Vernunft und Logik akzeptabel sein. Und das stellt der Koran vollkommen unter Beweis, es sind wissenschaftliche Fakten und keine bloßen Hypotheken und Theorien. Das macht den Koran auch so einzigartig.

Albert Einstein stellte fest: Wissenschaft ist ohne Religion lahm, Religion ohne Wissenschaft blind. Wollen wir also sehen, ob Koran und Wissenschaft zusammenpasst, vereinbar oder unvereinbar ist.

Fangen wir mit dem Beginn von allem an, dem Urknall. Die Theorie dazu wird durch beobachtende und experimentelle Daten getragen. Im Koran erklärt der Vers 21:30 den Ursprung des Universums folgendermaßen: Sehen die Ungläubigen (denn) nicht, dass die Himmel und die Erde vereint waren (als eine Einheit der Schöpfung), bevor Wir sie auseinander spalteten?

Für mich gilt gerade dieser Vers als ein Wunder und es beweist, dass es einen Gott gibt, wie konnte sonst ein Buch diese echt wissenschaftliche Wahrheit beinhalten? Die Menschen vor rund 1400 Jahren konnten sich das nicht ausdenken, noch verstanden sie es. Heute wissen wir, dass eine gewaltige gasförmige Masse vor der Bildung des Universums existierte.

Betrachten wir folgenden Vers 21:33: „Und Er ist es, der die Nacht und den Tag erschuf und die Sonne und den Mond. Sie schweben, ein jedes Gestirn auf seiner Laufbahn.“

Das Verb ‚schweben‘: sabaha, im Vers yasbahun bedeutet sozusagen Bewegung eines sich bewegenden Körpers. Es bedeutet, dass das Gestirn nicht einfach nur durch den Raum fliegt, sondern dass es sich dabei auch noch bewegt, also rotiert. Noch deutlicher finden wir es in Sure 36. 40: Weder hat die Sonne den Mond einzuholen, noch eilt die Nacht dem Tage voraus; und alle schweben auf einer Umlaufbahn. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Astronomen die individuellen Umlaufbahnen der Sonne und des Mondes auf ihrer Reise durch den Raum mit ihren eigenen Rotationen präzisiert haben und nun auch die Stellungen der sichtbar gemachten der Sterne im Universum durch Instrumente.

Ein Vers, den ich jahrelang glattweg überlesen hatte, brachte mich dann doch in Erstaunen: Sure 51.47 “Und den Himmel haben Wir mit (Unserer) Kraft erbaut; und siehe, Wir weiten ihn noch aus.”

1916 formulierte Albert Einstein seine allgemeine Relativitätstheorie, die darauf hindeutete, dass sich das Universum entweder ausweitet oder zusammenzieht.  Die Bestätigung der Theorie, dass das Universum expandiert, kam 1929 vom Astronom Edwin Hubble. Als der Koran offenbart wurde, war das Wort ‚Weltraum‘ noch nicht bekannt. Die Menschen benutzten das Wort “Himmel”, um alles zu bezeichnen, was oberhalb der Erde war.  Das Wort ‚Himmel’ steht hier deshalb für Weltraum bzw. für das ganze Universum, das sich ausweitet, genau wie Hubbles Gesetz es aussagt.

Es gibt ungefähr 750 Koranverse, die sich mit Naturerscheinungen beschäftigen. Was bedeuten sie für uns? Es sind wichtige Botschaften an die Wissenschaftler und an gläubige Muslime. Sie vermitteln uns Aspekte der Natur und der ganzen Schöpfung.

Sure 10:101 „Sprich: ,Betrachtet, was in den Himmeln und auf Erden ist…‘“

Hier werden die Menschen aufgefordert, ihren Verstand zum Verständnis der Natur zu nutzen. Am besten sind da die Worte von  einem der einflussreichsten iranisch-islamischen Philosophen des letzten Jahrhunderts: Tabat Abayi:  „Der Koran lädt ein zum Nachdenken über himmlische Zeichen, die strahlenden Sterne und die Verschiedenheiten ihrer Zustände und die systematische Ordnung, die sie regiert. Er ermutigt zur Betrachtung über die Schöpfung der Erde, der Meere, der Gebirge, die Schöpfung von Pflanzen und Tieren, der Menschen und ihrer inneren Welt. Auf diese Weise lädt er dazu ein, die Wissenschaften der Natur und Mathematik und aller anderen Gebiete zu studieren, deren Kenntnis im Interesse der Menschheit liegen und der menschlichen Gesellschaft Glückseligkeit bringen. Der Koran lädt unter der Voraussetzung zu diesen Wissenszweigen ein, dass die Menschen durch diese Kenntnisse zur Wahrheit geleitet werden. Andernfalls ist ein Wissen, das der Unterhaltung dient und die Erkenntnis Gottes und der Wahrheit behindert, im Vokabular des Koran gleichbedeutend mit Unwissenheit“

Ich möchte noch einmal den Vers aus der Sura ‚Die Propheten‘ Vers 33 anklingen lassen: Und Er ist es, der die Nacht und den Tag erschuf und die Sonne und den Mond. Sie schweben, ein jedes Gestirn auf seiner Laufbahn.

Die Muslime wussten aufgrund der Aussage im Koran, dass jeder Planet seine Laufbahn hat. Durch ihre Beobachtungen und exakte Forschungen wurde die islamische Himmelskunde für Jahrhunderte zur führenden Astronomie der Welt. Die Muslime entwickelten die verschiedensten und zudem genauesten Beobachtungs- und Messgeräte und Sternkarten. Die Astronomie stellte einen wichtigen Bereich für die Muslime dar, da man zur Verrichtung des Gebets die Himmelsrichtungen kennen musste.

Gott sagt im Koran 78:6-7: Haben wir nicht die Erde zu einem Lager gemacht und die Berge zu Pflöcken? Und weiter in Sure 16:15 Und Er hat feste Berge auf der Erde gegründet, damit sie nicht mit euch wanke… 

Erst im 19. Jh. konnten Wissenschaftler beweisen, dass Berge tiefe Wurzeln unter der Erdoberfläche besitzen.   Das passendste Wort, um diese Berge zu beschreiben, ist das Wort „Pflock”, weil der Großteil des gesamten Pflockes unter der Erdoberfläche verborgen ist.  Genauso sind die Berge wichtig bei der Stabilisierung der Erdkruste. Sie verhindern das Wackeln der Erde.  Die Rolle der Berge als Stabilisatoren der Erde wurde erst im Rahmen der Platten-Tektonik in der 2. Hälfte des 20. Jh. verstanden.

Also Gott wusste schon, was das Richtige ist. Und wir wissen heute durch die Wissenschaft, dass die Erdkruste normal rund 35 km dick ist, aber z.B. ist sie unter dem Himalaya fast 70 km dick, um dieses schwere Gebirge tragen zu können.

Zusammengefasst gibt der heilige Koran uns eine wunderbare und richtige Sichtweise auf unsere Welt, unserer Erde, damit wir als Gottes Stellvertreter sie für uns nutzen können.

Islamische Wissenschaft ist Wissenschaft, die im wissenschaftlichen Geist und mit wissenschaftlicher Methodik von Muslimen getrieben wird. Wissenschaft wird erst dann islamisch sein, wenn sie von gläubigen und praktizierenden Muslimen zu Höchstleistungen erbracht werden. Ohne Bildung bzw. mangelnde Bildung und Kreativität in der muslimischen Welt wird es keinen Fortschritt geben. In der muslimischen Welt blickt man noch zu starr in die Vergangenheit. Man glaubt, wenn der Koran die Wissenschaften schon aufzeigt, weiß man schon alles. Nein, man muss auf ihrer Grundlage forschen und dabei nicht nur die Vergangenheit betrachten, sondern mit den Augen der Gegenwart und Zukunft. Aber ohne freies Denken, gepaart mit Kreativität und Spiritualität, wird es keine Zukunft in den islamischen Wissenschaften geben. Die muslimisch geprägten Länder waren einst die Blüte in den Wissenschaften, heute haben sie noch viel nachzuholen.

Und so bitte ich Gott, es uns leicht zu machen, um nach Wissen zu streben und es auch anzuwenden

Friedrich II

Friedrich II

Das Geschlecht der Staufer hat das europäische Mittelalter entscheidend geprägt. Es sind vor allem zwei Staufer, die dem Jahrhundert zwischen 1150 und 1250 ihren Stempel aufgedrückt haben: Kaiser Barbarossa und sein Enkel Friedrich II.

Wer war er? Erbe zweier Mächte: ein Hohenstaufer und Normanne, zweimal zum König ausgerufen, heiliger römischer Kaiser deutscher Nation, als Kaiser wieder in seinen letzten Jahren abgesetzt.

Der Mönch Matthäus von Paris (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts,  Geschichtsschreiber im Benediktinerkloster St. Albans unweit von London, sagt von ihm: er sei zum „stupor mundi et immutator mirabilis“ geworden- „zum Staunen der Welt und wundersamen Veränderer“. Aber stupor mundi bedeutet auch nach mittelalterlichem Verständnis, Betroffenheit und Erschrecken über den, der das Bestehende zu verändern versucht.

Von kirchlicher Seite beschimpft man ihn als Antichrist.

Sein Vater war der deutsche Kaiser Heinrich VI., sein Großvater Friedrich I. Barbarossa. Seine Mutter brachte das normannische Erbe mit Süditalien und Sizilien mit. Schon die Vorfahren mütterlicherseits waren sehr islamfreundlich.

Durch interne Konflikte konnte im 11. Jahrhundert der normannischen Herzog Roger I.  das Land Sizilien erobern. Er und auch seine Nachfolger erkannten die Religion und Gesetzgebung der einheimischen Muslimen an, gewährte ihnen sogar Schutz. Sie förderten die arabische Dichtung und Wissenschaften. Vom König Roger II. (1101-1154) sagte man sogar heimlich, dass er ein muslimischer Sultan mit einer Krone sei. Er verwandelte Sizilien zu einer Brücke für den Tranfer der islamischen Kultur und Gesellschaft nach Europa. Er ließ Münzen mit lateinischer, griechischer und arabischer Schrift prägen.

      Friedrich wurde im Jahr 1194 in Jesi in der Nähe von Ancona zur Welt. Sein Vater war Kaiser Heinrich VI. und die Mutter war die Tochter von König Roger II. König von Sizilien und Süditalien.

Friedrich bekam also von Geburt an eine große Machtstellung mit auf den Weg; denn angenommen, er als Thronfolger in Sizilien würde durch Wahl wie sein Vater auch deutscher König oder gar mit Krönung durch den Papst Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, dann waren die welt- und besonders kirchenpolitischen Folgen dieser Verbindung nicht absehbar und gaben zu Befürchtungen Anlass, weil sich dann ganz Italien in staufischer Hand befinden würde. Deshalb setzte Heinrich bereits 1196 Friedrichs Wahl als 2-Jähriger mit den Mitteln des Normannenschatzes zum deutschen König durch. Doch schon ein Jahr später starb Heinrich, und der Anspruch seines Sohnes wurde von den Fürsten im Reich angegriffen.

Seine Mutter hatte nur ein Ziel: Sizilien als normannisches Königreich beizubehalten, seine Unabhängigkeit zu sichern und ihrem Sohn die sizilianische Erbfolge zu sichern. Der Unterstützung des Papstes konnte sie gewiss sein. So wurde der erst Dreijährige zum König von Sizilien gekrönt. 1198 starb auch Kaiserin Konstanze und setzte laut Testament den Papst zum Verweser des sizilianischen Königreiches ein.

Bis zum zwölften Lebensjahr war der elternlos heranwachsende Friedrich nur ein Objekt in den Händen derer, die im eigenen Interesse in Sizilien die Macht ausübten.

Der Papst hatte ein Interesse, das Land als päpstliches Lehen zu behalten, hat aber nicht viel für den Jungen getan. Man weiß nicht, unter welchen Bedingungen Friedrich aufwuchs, wie viele Lehrer er hatte, fest steht aber, dass er sich eine außergewöhnliche Fülle an Wissen angeeignet hatte. Im Umgang mit den einfachen Leuten lernte er die Lebensgewohnheiten, Bräuche und Sprachen der Sizilianer, Normannen, Muslimen, Griechen, Juden und Deutschen. Er las alles, von Abenteuerbüchern bis zu den antiken und arabischen Klassikern, beschäftigte sich mit Naturwissenschaften und Sternenkunde. Es gibt Berichte, dass er geübt sei in der Handhabung jeglicher Waffen und ein guter Reiter war.

Die ihn kannten bewundern seine Frühreife, den Scharfsinn und die rasche Auffassungsgabe des Jungen, tadeln aber sein ungehöriges und rüdes Benehmen.

Elementare christliche Kenntnisse mag er von päpstlichen Legaten bekommen haben, aber es gilt als sicher, dass er auch arabisch-islamische Lehrer hatte, ein Kadi, den er auf seinen späteren Kreuzzug erwähnt hatte. Was später Christen zum Ärgernis wurde, nämlich seine Vertrautheit mit der arabischen Geisteswelt, seine Sympathie für den Islam, Vorliebe bestimmter naturwissenschaftlichen Disziplinen und für die Philosophie wird wie ein Markenzeichen für ihn werden. Er sagte über sich in der blumigen orientalischen Rhetorik: „Ehe ich die Pflichten des Regierens auf mich nahm, strebte ich den Wissenschaften nach und atmete ihre balsamischen Düfte.“

Mit der Absicht, seine Stellung im Reich zu festigen, ging er nach Deutschland, gründete zahlreiche neue Städte auf kirchlichem Territorium, erntete darum den Unmut der Kirche. Zugleich gestand er dem Papst größere Territorialrechte in Mittelitalien zu, verzichtete auf das Recht, bei der Bischofswahl mitzuwirken, wodurch die Kirche vom Staat unabhängig wurde.

Am 22. November 1220 salbte Papst Honorius III. Friedrich II. in Rom zum Kaiser.
Nachdem Friedrich nach 8 Jahren in Deutschland wieder in Süditalien angekommen war, änderte er seine Strategie. Friedrich wollte seine Herrschaft nicht auf Gewalt aufbauen, sondern auf das Recht. Mit den „Assisen con Capua“ (Gesetze) ließ er einen allgemeinen Frieden ausrufen. Seine absolute Autorität verbürgte den Schutz aller Untertanen. Wo bisher die einzelnen Feudalherren mehr oder weniger willkürlich Recht sprachen, sollte die von Friedrich eingesetzten Justitiare die Rechtsprechung übernehmen. Darüber hinaus erklärte er alle Schenkungen und Privilegien für ungültig, die seit 1189 erteilt worden waren. Alle übrigen Privilegien mussten durch die königliche Kanzlei neu bestätigt werden. Der Papst Honorius III., der sich immer noch als Lehnsherr Siziliens sah, protestierte gegen dieses Vorgehen Friedrichs, konnte sich aber nichts ändern.

Während seiner Abwesenheit hatten räuberische Sarazenen im Bergland Burgen und Dörfer gegründet und bedrohten sogar die größeren Städte. Es dauerte lange, bis er sie unter Kontrolle hatte und begann ein ungewöhnliches Experiment: Die 16000 Sarazenen, wie man damals die Muslime nannte, wurden nicht getötet, sondern mitsamt ihren Familien auf das Festland umgesiedelt.

Die Ansiedlung von „Ungläubigen“ sollte bald die schärfste Missbilligung der Kirche hervorrufen. In kurzer Zeit wurde aus dem wüsten Flecken ein blühendes Gemeinwesen, sie errichteten Moscheen mit Minarette, lernten und lehrten in eigenen Koranschulen. Mit ihren Produkten belieferten sie die Küche des Kaisers. Sie durften ihre Religion ausüben, entfalteten ein islamisches kulturelles Leben, und sie stellten die treu ergebene Leibgarde und bevorzugte Diener des Kaisers. — Wie geht das ohne ein innerliches Glaubensbekenntnis vor sich!!!

Als seine Frau starb, heiratete er 1225 die Erbin des Königreiches Jerusalem Isabella von Brienne, denn es sicherte ihm Ansprüche auf die Krone von Jerusalem.

Auch der Papst hatte ein großes Machtinteresse an diese Verbindung, betraf es doch das „Heilige Land“. Aber dennoch wurde der Konflikt zwischen Friedrich und dem Papst immer stärker. Friedrich erklärte mehrere päpstliche Territorien zu Reichslehen und war mit sizilianischen Truppen in Oberitalien aktiv geworden. Auch versuchte er, die Kirche in Sizilien unter seine Kontrolle zu bringen und auch das Recht der Besetzung der 150 Bistümer im Königreich an sich zu ziehen, was ihm aber nicht gelang.

Die darauffolgenden Auseinandersetzungen wurden immer schärfer und fielen mit dem Streit über den Kreuzzug zusammen, den er versprochen hatte, der schließlich zur Exkommunikation Friedrichs führte.

1228 fand der Kreuzzug dennoch statt, nun jedoch gegen den Willen des Papstes, der den Bann nicht aufgehoben hatte. Der Zwist zwischen Kaiser und Papst spaltete das christliche Lager mit der Folge, dass ganze Gruppen des Kreuzfahrerheeres gegen den Kaiser intrigierten und alles darauf anlegten, um den Misserfolg des gebannten Kaisers herbeizuführen.

Friedrich pflegte schon lange gute Beziehungen zum Sultan Malik al-Kamil von Ägypten.

Der Sultan beauftragte den Emir Fahr-ed-Din, der dem Kaiser in tiefer Bewunderung, ja persönlicher Freundschaft verbunden war, mit Verhandlungen betreffs Jerusalem, die schließlich zum Erfolg führten.

Mit kluger Diplomatie hatten die beiden Verhandlungsführer des Sultans und des Kaisers, Fahr-ed-Din und Thomas von Aquin, Graf von Acerra, auch er war des Arabischen mächtig, den Frieden vorbereitet. Am 18. Febr. 1229 war es erreicht: Der Sultan stimmte zu, dass die heiligen Stätten der Christenheit, Jerusalem, Bethlehem, Nazareth, dazu der Zugangsweg und wichtige Hafenstädte den Christen übergeben wurden. Lediglich in Jerusalem blieb der auch den Muslimen heilige Haram-esch-Scharif-Bezirk mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee vorbehalten, doch mit Zutrittsrecht der Christen zum Gebet.

Sowohl auf christlicher als auch auf muslimischer Seite stieß das Abkommen auf breite Ablehnung. Der lateinische Patriarch Gerold von Jerusalem verhängte ein Interdikt (Verbot kirchlicher Handlungen) über ganz Jerusalem, für den Fall, dass Friedrich II. die Stadt betreten würde.

Davon ließ der Kaiser sich nicht abhalten und am 17. März 1229 betrat er die Stadt Jerusalem, wo er sich am nächsten Tag in der Grabeskirche selbst zum König von Jerusalem krönte, da der Patriarch sich weigerte, dies zu tun.

Was viele Kreuzfahrer mit Gewalt nicht schaffen konnten, was unzählige Menschenleben kostete, das erreichte Friedrich II. auf eine Weise ohne einen einzigen Schwertstich auf dem Verhandlungsweg: den freien Zugang aller christlichen Pilger zu den heiligen Städten in Palästina.

Nach seiner Rückkehr aus Palästina musste er die päpstlichen Truppen bekämpfen, die in das sizilianische Regnum eingefallen waren. Noch während der Kämpfe nahm Hermann von Salza vom Deutschen Ritterorden Vermittlungsgespräche mit dem Papst auf, um die Lösung des Banns zu erreichen. Zugeständnisse, unter anderem die Freiheit kirchlicher Wahlen, die Wiedereinsetzung von kirchlichen Amtsträgern lösten dann den Bann.

In den nachfolgenden Jahren machte er das Königreich Sizilien in kurzer Zeit zum kulturellen und geistigen Mittelpunkt der abendländischen Welt. Er umgab sich mit einem muslimisch-arabischen Hofstaat, beteiligte sich selbst an wissenschaftlichen Forschungen, beschäftigte sich mit Philosophie und Dichtkunst und schrieb später ein beachtliches Buch über die Falkenjagd, welches man noch heute als Handbuch für die Falknerei benutzen kann.

Im Jahre 1224 gründete er die Universität in Neapel, die heutige Università Federico II., die die Aufgabe hatte, Beamte für den Staat auszubilden. 1226 erfolgte die Gründung der Universität für Apotheker in Salerno, die zusätzlich die Aufsicht über das Medizin- und Arzneiwesen übernahm.

1231 veröffentliche der Kaiser die „Konstitutionen von Melfi“ den Versuch einer umfassenden Gesetzgebung, die alle Bereiche des menschlichen Zusammenlebens umfasste. Unter anderen enthielt die Gesetzessammlung erste Anordnungen des Umweltschutzes(!), Vorschriften über Studiengänge, Anordnungen für Ärzte und noch vieles mehr.

Eine der bedeutendsten Errungenschaften war die Einführung des Dezimalsystems, das Rechnen mit der Null. Bis dahin benutzte man ein umständliches Zahlensystem. Weitere Verdienste erwarb sich der Kaiser durch die Wiederentdeckung der Schriften der antiken Philosophen und Dichter, die Entwicklung und Einführung eines neuen Vermessungssystems.

Aus Deutschland kamen besorgniserregende Nachrichten. So zog er mit seinem ganzen Hofstaat in großer Pracht über die Alpen. Ihm folgten Wagen, beladen mit Gold, Silber und Seide, mit vielen Kamelen und Dromedaren, mit Affen und Leoparden und Sarazenen, die sein Gold und seine Schätze bewachten….“ (Ebersbacher Chronik)

Aber bald musste er zurück. Kämpfe mit aufrührerischen Städten in Italien und fortwährende  Auseinandersetzungen mit dem Papst verlangten seine Anwesenheit in Italien. In bösen Wortgefechten bezichtigten sich Kaiser und Papst gegenseitig als Antichrist und Verderber der Christenheit.

Sie waren so verbissen in ihre Streitigkeiten, dass sie nicht auf den Mongoleneinfall reagierten. Sie kamen nicht die in arge Bedrängnis geratenen Deutschen und Polen zu Hilfe. Vom Papst und dem eigenen Kaiser im Stich gelassen, organisierten die deutschen Fürsten unter dem 9jährigen König Konrad IV. die Verteidigung und konnten, begünstigt durch innerasiatische Ereignisse bei den Mongolen, die Bedrohung abwenden.

Es ging also auch ohne Papst und Kaiser. Die psychologische Wirkung dieser Erkenntnis dürfte nicht leicht zu überschätzen sein. Die spätere Entwicklung in Deutschland zum territorialen Fürstenstaat nahm hier in der äußersten Not ihren praktischen Anfang.

Die Auseinandersetzung mit der Kurie erreichte ihren Höhepunkt mit der erneuten Bannung und Absetzung des Kaisers durch den Papst auf dem Konzil zu Lyon. Bettelmönche der Franziskaner zogen gegen den Kaiser predigend durch die Lande. Eine Verschwörung gegen sein Leben konnte in letzter Minute aufgedeckt werden.

Im Sommer 1250 zog er in Richtung Lyon, wo der Papst residierte, um dort die Aufhebung des Bannes zu erreichen. Aber unterwegs erkrankte er und wurde ins Castel Fiorentino gebracht. Am Morgen, dem 13. Dezember 1250, zog man ihm die graue Kutte der Zisterzienser Mönche an. Kurz nach dem Diktat seines Testamentes starb er.

Man meinte damals, dass er durch das Anziehen des Mönchskleides der Zisterzienser seine Reue zum Christentum bekunden wollte.

Tarik Erich Knapp geht in einem Artikel davon aus: „Sieht man nur genauer zu, dann zeigt sich dieser vermeintliche Beweis letztendlicher Christlichkeit des Kaisers als viel stärkerer Beweis seines Muslimtums. Denn mit dem grauen Gewand der Zisterzienser zog sich der Nichtmönch Friedrich lediglich die Robe der bekennenden Muwahiden –Sufis an. Die Mönchskutte des sterbenden Kaisers war also zugleich sein letztes, wortloses Bekenntnis zum Islam.

In seinem Sarkophag sah man ihn nach einer Öffnung im Jahre 1781 in arabische Seidengewänder gekleidet, bestickt mit den kaiserlichen Adlern, ein leinenes Untergewand, besetzt mit kufischen Lettern, die ihn ausdrücklich als Sultan huldigen. Neben ihm lagen die Krone und die Weltkugel, ohne das sonst übliche Kreuz.  Seine engsten Bediensteten haben ihn so nach seiner Aufbahrung in sein Grab gelegt, wie er war, als Muslim.

Friedrich erweckte schon zu Lebzeiten das Staunen, wenn nicht gar Grauen seiner Zeitgenossen. Sie nannten ihn „Wunder und Wandler der Welt“.

Deutschland und der Islam

Deutschland und der Islam

(Predigt eines weiblichen Mitglieds unserer Gemeinde)

Immer wieder fällt der Satz: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Wer sich mit der Geschichte von Deutschland ein wenig beschäftigt hat, weiß, dass es so nicht stimmt. Ich möchte darum einige Beispiele in der deutschen Geschichte anbringen.

Die Geschichte der deutsch-islamischen Beziehung hat starke Wurzeln, sie reicht weit zurück bis auf das Jahr 777, als Karl der Große auf dem Reichstag zu Paderborn den Gouverneur von Barcelona und Girona, Sulaiman al-Arabi, empfängt. Sulaiman war beim Emir von Cordoba Abd ar-Rahman I. in Ungnade gefallen.  Karl schloss mit ihm einen Beistandspakt ab. Dieses Treffen gilt als eine der ersten dokumentierten Begegnung der Deutschen mit einem Abgesandten aus der Welt des Islam im damaligen Frankenland. Vierzehn Jahre später kommt es dann zu ersten intensiven Beziehungen zwischen Karl, damals noch König und dem Abbasidenkalifen Harun al-Rashid zu Bagdad.

Als ich auf der Suche nach Material war, stieß ich auf einen interessanten Artikel über die Karlspreis-Verleihung, in dem sinngemäß stand:

Karl der Große war zu seiner Zeit sehr realitätsnah. Er hat als erster Europäer zugleich Dialog mit dem Islam und Kriege gegen Muslime geführt, die nach Europa vordringen wollten. Der islamische Dialogpartner Karls des Großen war der Abbasiden-Kalif von Bagdad, Harun al-Raschid. Dieser hatte dem christlichen Herrscher Karl dem Großen 797 einen Elefanten geschenkt. Der Übermittler des Geschenks war ein Jude namens Isaak. Er begleitete auch als Dolmetscher die erste fränkische Mission nach Bagdad.

Der Herrscher aus Bagdad, Harun al-Raschid, verkörperte den Höhepunkt der Abbasiden-Dynastie im Kalifat von Bagdad, während der fränkische Kaiser nicht nur den Glanz der Karolingerzeit, also der Zeit der westgermanischen Franken repräsentierte, insbesondere als „Begründer Europas“ gefeiert wird. Sie waren beide die wichtigsten Männer ihrer Zeit, zum Ende des 8.Jahrhunderts, ebenso bedeutend wie die beiden Imperien, für die sie standen: das Abbasiden-Reich des Kalifen und das Reich der Franken.

Es hat also direkte Kontakte zwischen beiden Herrschern, zwischen Harun al-Raschid und Karl dem Großen gegeben. Die Initiative dazu ging schon vor 800 von Karl aus. Doch leider kam es nicht zu einem vermutlich angestrebten politischen Bündnis zwischen beiden.

Beide Herrscher hatten dieselben Gegner, die politisch und nicht religiös definiert waren. Auf der einen Seite stand Byzanz; zugleich Feind von Bagdad und Aachen, der Hauptsitz von Karl, beide hätten gern Konstantinopel unterworfen. Auf der anderen Seite stand das islamische Spanien, das sich unter dem Emirat des Umaiyyaden Abdulrahman I. vom Bagdad der Abbasiden territorial gelöst hatte. Als islamische Größe war das spanische al-Andalus gleichermaßen eine Bedrohung für das christlich-fränkische wie eine Herausforderung an das Abbasiden-Reich im Osten. Der Anspruch, einziger Imam aller Moslems zu sein, stellte der Herrscher des islamischen Spaniens infrage. Mit seinen Versuchen, Konstantinopel einzunehmen, scheiterte er aber ebenso wie Karl gegen Córdoba.

Beide Herrscher haben wahrscheinlich erkannt, dass sie nur gemeinsam in der Lage sein würden, ein Gegengewicht zu ihren islamischen und christlichen Feinden in Córdoba und Konstantinopel zu bilden. Da spielte die Religion keine Rolle.

Aber von da an brachten arabische Händler ihre Waren sogar über Deutsche Länder sogar bis nach Schweden, belegt durch Münzen.

—       Ich zitiere aus einem älteren Artikel: „West-Östliche Begegnungen“ aus der Islamischen Zeitung: „Im Süden Europas, dem staufisch-normannischen Sizilien, fand eine erstaunliche Symbiose zwischen den normannischen Herrschern und den ansässigen Muslimen statt, deren Krönung die Zeit Friedrichs des Zweiten von Hohenstaufen darstellte. Dieser staufisch-normannische Fürst, Erbe des deutschen Reiches und Süditaliens – von 1220 bis zu seinem Tod Kaiser des römisch-deutschen Reiches und ab 1225 führte er sogar den Titel „König von Jerusalem“ – verstand es, die Fesseln seiner christlichen Umgebung abzulegen und vorurteilslos mit den Muslimen zu leben. Seine Leibwache und Dienerschaft bestand aus in Sizilien lebenden Muslimen, die er mit ihren Familien ins süditalienische Amalfi übersiedeln ließ. Er vertraute in Fragen der Herrschaft seinen muslimischen Beratern. Seiner Freundschaft mit dem Sultan Al-Kamil und seiner Diplomatie ist es zu verdanken, dass er auf seinem vom Papst angeordneten Kreuzzug nur durch seine Diplomatie und großer Geduld Jerusalem ohne Blutvergießen einnehmen konnte. Das war natürlich ein riesiger Dorn im Auge des Papstes. Das und weitere Streitigkeiten mit dem Papst waren Ursache genug, um ihn als Schänder der christlichen Religion, als Antichrist zu verdammen. Seine Persönlichkeit und seine Politik erklären die Feindschaft der Kurie und ihren damaligen Verbündeten, den Franzosen, die nach dem Tode Friedrichs seine Familie und die staufische Herrschaft im Reich und in Sizilien auslöschten.“

Kaiser Friedrich II. hat Zeit seines Lebens sich für die islamische Toleranz und für ihre Wissenschaft begeistert, er diskutierte mit islamischen Wissenschaftlern, seine Ratgeber waren Muslime und er führte eine Hofhaltung nach arabischem Muster. Sein Leben und die Art, wie er bestattet wurde, zeugen davon, dass er insgeheim ein Muslim war. Nie hätte er sich der damaligen Welt als Muslim offenbaren können. Dennoch hat die Kirche versucht, ihn aus den Annalen der Kaiserherrschaften zu streichen. Auf seinen Zügen ins Deutsche Reich umgab er sich mit einer in seiner Umgebung fremden Kultur, die die Deutschen nicht begreifen wollten und als gefährlich einstuften, obwohl eigentlich schon die muslimische Kultur vielen Kreuzrittern durch ihre Eroberungszüge bekannt waren.

—–      Wer weiß eigentlich, dass das alte Preußen ein Erbe des Kaisers Friedrich des II. und seiner Ideen ist? Er ermächtigte seinen Freund, den 4. Hochmeister des Deutschen Ordens Sankt Marien zu Jerusalem, Hermann von Salza, über das pruzzische Territorium für alle Zeiten zu herrschen. Mit der Goldbulle von Rimini, von 1226 oder 1235 verlieh der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. dem Deutschen Orden die Herrschaft über das Kulmer Land östlich der unteren Weichsel, zwischen dem Gebiet des Herzogs von Masovien und dem Gebiet der Prußen. Der Papst bestätigte später in der Preußenbulle die Belehnung von erobertem Gebiet an den Deutschen Orden. Von Salza kannte von Palästina her die Toleranz und Friedfertigkeit der Muslime und so strahlte anfangs auf den Deutschen Orden in Preußen eine islamfreundliche und ritterliche Tendenz aus. Ein Zitat aus einem Artikel über die „Grundlage und Entwicklung des Preußischen Staatswesens“ dazu ist sehr interessant: Friedrichs Gegengabe an den Islam bestand in der Entsendung des Deutschritterordens, dieses zum Islam geneigten Ordens hinaus aus dem päpstlichen Reichs-Gebiet, zuerst nach Siebenbürgen, dann nach Preußen. Preußen wurde also zunächst als Ordensstaat gegründet infolge einer strategischen Absprache des insgeheim muslimischen Hohenstaufen-Kaisers Friedrich II. mit dem Sultan von Kairo. Preußen war somit seinem Wesen nach ein Außenfort des Islam im Norden und sollte zur Vormacht des deutschen Protestes gegen das imperiale Machtstreben des Römischen Kirchenchristentums werden.  Das Zusammenwirken dieser beiden Staatsmänner stellt sozusagen die geistige Wiege des Ordensstaates dar, aus dem das spätere preußische Königreich hervorging.

—–         Im Jahr 1647 wurde die erste einigermaßen neutrale Koran-Übersetzung von André du Ruyer gedruckt, die auch Goethe für seine Studien nutzte und seinem West-Ost-Divan zugutekam. Aber erst die Koranübersetzung von George Sale 1734 in die englische Sprache, die auch bald in Deutsch erschien, setzte neue Maßstäbe durch ihre enge Anbindung an das Original. Sie blieb lange für Europa eine der Hauptquellen für die Kenntnis aller mit dem Koran zusammenhängenden Fragen.

Es entstand in Europa ein Klima, die Zeit der  Aufklärung, in der man sich die Aufgabe gemacht hatte, den Wert außerchristlicher Religionen zu untersuchen und erkennbar zu machen. Und es war naheliegend, sich mit dem Islam zu beschäftigen und auseinander zu setzen.

Besonders hervorgetan hat sich darin Johann Wolfgang von Goethe. Kaum ein Deutscher kennt heute sein Interesse für den Islam, seine Bewunderung für den Propheten Muhammad.

Goethe hatte ein tiefes persönliches Verhältnis zum Islam, darum gehen seine Aussagen über diese Religion in ihrer provokatorischen Gewagtheit weit über alles bisher in Deutschland Dagewesene hinaus. Aber darüber möchte ich in einer anderen Khutba sprechen. Im Namen unserer Moschee steht der Name von Goethe, ebenfalls der vom andalusischen Gelehrten Ibn Ruschd. Beide sind einer Khutba würdig.

Nur noch ein Gedicht von Goethe genehmige ich mir:

Närrisch, dass jeder in seinem Falle
Seine besondere Meinung preist!
Wenn Islam Gott ergeben heißt,
Im Islam leben und sterben wir alle.
Ob der Koran von Ewigkeit sei?
Darnach frag´ ich nicht!
Dass er das Buch der Bücher seilaub ich aus Mosleminen-Pflicht.

Die Geschichte des Islam speziell in Deutschland beginnt also nicht erst im 20. Jahrhundert, sondern schon im 18. Jahrhundert, als der König von Preußen Friedrich Wilhelm I. in Potsdam einen Saal am Langen Stall als Moschee für seine „Langen Kerls“ herrichten ließ. Er legte großen Wert darauf, dass seine „Mohammedaner“ ihren religiösen Pflichten nachgehen konnten, denn dann können sie auch ihren Soldatenpflichten gut nachkommen. Unter Friedrich dem Großen kam es zur Aufstellung geschlossener muslimischer Truppenteile in der preußischen Armee, die auch später in militärischen Handlungen für Deutschland kämpften.  Am 7. und 8. Februar 1807 erlitt Napoleons Armee bei Preußisch-Eylau die einzige Niederlage im preußisch-französischen Krieg durch diese muslimischen Einheiten. Die Tapferkeit der Truppe war nach den vorliegenden Berichten aus jener Zeit schon aus dem Grund motiviert, weil die muslimischen Soldaten „ihrem König für die Sicherung ihrer angestammten Lebensformen und die ihnen gewährte Religions- und Glaubensfreiheit danken wollten“.

Im Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland steht zu lesen:

„Im Jahre 1760 trat ein für die Geschichte des Islam in Deutschland folgenreiches Ereignis ein. In der zaristischen Armee verbreitete sich das Gerücht, der Sultankalif plane aus Freundschaft zu Preußen den „Heiligen Krieg“ gegen Russland auszurufen. Dieses Gerücht hatte unter anderem zur Folge, dass zahlreiche in der russischen Armee dienende muslimische Soldaten zu den Preußen überliefen. Auf Kabinettsorder vom 20. Januar 1762 wurde aus den Überläufern ein selbständiges ,Bosniakenkorps‘ (9. Husarenregiment ,Bosniaken‘) zu 10 Eskadronen (1.000 Mann) errichtet. In den Matrikeln dieser Truppe taucht zum ersten Mal der Name eines preußischen Heeres-lmams auf. Es handelt sich um einen Leutnant Osman, Prediger der ‚preußischen Mohammedaner‘.“

Weiter heißt es: „Kaiser Wilhelm II. hatte am 8. November 1898 am Grabe Saladin des Großen in Damaskus gegenüber dem Sultankalifen erklärt: ,Möge seine Majestät der Sultan und die 300 Millionen Mohammedaner, welche auf der Erde verstreut leben und in ihm ihren Kalifen verehren, dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der Deutsche Kaiser ihr Freund sein wird‘. Als dann im Jahre 1914 in Wünsdorf, nahe Berlin, ein „Mohammedanisches Gefangenenlager“ angelegt wurde, löste der Kaiser sein Versprechen ein. Im Winter 1914 ließ er eine Moschee für die Gefangenen bauen, die mit einem 23 Meter hohen Minarett versehen war. Für die in der Gefangenschaft verstorbenen Muslime wurde eine Wegstunde von Zossen entfernt, in Zehrendorf, ein Soldatenfriedhof angelegt.“

Auch wenn nach dem Tod des Kaisers Friedrich dem II. alles Muslimische an Mensch und Material rigoros ausgerottet wurde, es gab immer wieder in Deutschland Muslime und mit ihnen ihre Kultur. Und Deutschland hat davon profitiert, nicht erst von den türkischen Arbeitern, die im letzten Jahrhundert ins Land gerufen wurden und jetzt einen Teil von Deutschland bilden, mitsamt ihrer muslimischen Kultur.

Es entstand in Europa ein Klima, die Zeit der Aufklärung, in der man sich die Aufgabe gemacht hatte, den Wert außerchristlicher Religionen zu untersuchen und erkennbar zu machen. Und es war naheliegend, sich mit dem Islam zu beschäftigen und auseinander zu setzen.

Besonders hervorgetan hat sich darin Johann Wolfgang von Goethe. Kaum ein Deutscher kennt heute sein Interesse für den Islam, seine Bewunderung für den Propheten Muhammad.

Der Islam hat Europa geprägt

Der Islam hat Europa geprägt

In unserem Sprachgebrauch gibt es viele Wörter, denen man es nicht ansieht, dass ihr Ursprung arabisch ist. Möchten Sie einen Caffee trinken, dazu Zucker, oder lieber aus einer Karaffe Limonade? Alkohol gibt es bei uns nicht. Möchten Sie dazu Aprikosen, oder lieber Orangen? Kittel, Jacke,  Mütze, Matratze, Koffer, das alles hat einen arabischen Ursprung, abgesehen von den meisten Gewürzen oder Arzneien.

Die uralten Handelsstraßen aus der Antike blühten auch noch im frühen Mittelalter, Gewürze aus Indien, Arabien für die feine Küche, für die Kirchen und Klöster der Weihrauch.

Aber mit dem Erstarken der islamischen Länder verbot der Papst in Rom diesen Handel. Kein Zucker, kein Pfeffer, kein Weihrauch in deutschen Landen! Erst im 10.Jahrhundert bricht Venedig diese Blockade. Kein kaiserliches oder päpstliches Machtwort kann 991 den Dogen von Venedig mehr bremsen, er nimmt den Schiffsverkehr mit den arabischen Mittelmeerländern wieder auf. Und auch bald sind die Handelswege bis nach Frankreich wieder offen. Und mit den arabischen Spezereien wächst der Reichtum. Der Wohlstand im Abendland wächst gleichsam aus den arabischen Pfeffersäcken heraus.  Mit ihnen wächst der Komfort und Luxus und das Geld bekommt seine immense Macht und Bedeutung.

Durch den Orienthandel werden jetzt neue Waren bis in die letzte Ecke von Europa gebracht: Baumwolle aus Syrien, aus dem  arabischen Sizilien und Ägypten. Nach arabischem Muster werden sie in neuen Gewerben und Handwerken zu Kitteln,  Jacken, Joppen verarbeitet. Mit Baumwolle, Seide und den daraus gemachten Stoffen werden einfache Handwerker zur mächtigsten Finanzmacht des Mittelalters: die bekanntesten die Fugger.

Jetzt komme ich auf die arabische Leistungen in Naturwissenschaft und Kultur und deren Ausstrahlung zu sprechen

Ich möchte als erstes kurz den Begriff arabisch- islamische Wissenschaft nach meiner Sichtweite  knapp erklären:

Islamische Wissenschaft bedeutet, dass für sie vor allem in arabischer Sprache und im Kontext der islamischen Zivilisation geforscht wurde. Dabei waren Wissenschaftler unterschiedlicher Religionen und ethnischer Zugehörigkeit beteiligt. Sie war islamisch, weil sie den neuen und wachsenden Bedürfnissen der islamischen Zivilisation verpflichtet war. Herausragende Gelehrte waren der Arzt Hunayn ibn Ishaq (Christ), der sabische Astrologe und Mathematiker Thabit ibn Qurra, der Philosoph Al-Kindi, die Banu Musa Brüder (drei aus Persien stammende Mathematiker), Al-Chwarizmi (Mathematiker, Perser), der Philosoph, Arzt und Übersetzer Sahlal-Tabari (Jude), der Mediziner Ishaq ibn Amran (Jude), der Astronom Masha’allah (Jude).Man beschäftigte sich bei den Forschungen ausschließlich in arabischer Sprache, die jedoch nicht unbedingt auch die Muttersprache der Wissenschaftler war.

Gerade zu Beginn der Abbasidenherrschaft dominierte eine besonders rationalistische Strömung innerhalb des Islam, die Mutazila, die innerhalb gewisser

Grenzen auch einen kritische Auslegung des Koran gestattete. All dies begünstigte offenbar eine Atmosphäre, in der die Wissenschaft gedeihen konnte.

Über fünf Jahrhunderte hindurch – genauer gesagt vom 8. bis zum 13. Jahrhundert – war die Geschichte der Weltzivilisation die Geschichte des Islam.  In dieser  entscheidenden Zeitperiode befähigte das Zusammentreffen mit der islamischen Zivilisation Europa dazu, seine Fähigkeiten in allen wissenschaftlichen Bereichen, speziell in Philosophie, Medizin, Astronomie, Chemie, Mathematik und angewandte Mechanik zu entwickeln. Eine große Errungenschaft der muslimischen Gelehrten im Mittelalter war es, die Schätze der antiken griechischen Philosophie und Wissenschaft für die Nachwelt zu bewahren.

     Der kulturelle Einfluss des Islam auf Europa war hauptsächlich  eine Folge der Besetzung Spaniens und Siziliens durch Muslime, aber auch durch die Kreuzritter selbst, die die islamische Kultur kennenlernten und sich zunutze machten.

1.Weg: Spanien

       Die Eroberung Spaniens begann im Jahr 711 n.Ch. mit einem Erkundungstrupp und markierte einen Wendepunkt in der Weltgeschichte. Das Reich der Westgoten in Spanien war bereits innerlich verfault und brach rasch zusammen. Die Araber bauten nahezu sehr schnell fast auf der gesamten Halbinsel ihre Macht aus. Die neue Lebensweise fasste schnell Fuß.

Es gab überall Bäder, viele Bibliotheken entstanden, am öffentlichen Leben nahmen neben Araber auch hier die Juden und Christen teil.  Sie übernahmen die arabische Sprache, gaben ihren Kinder arabische Namen. Kleidung und Sitte  wurde arabisch. Sie identifizierten sich, außer in religiösen Dingen so stark mit der neuen Kultur, dass man sie Mozaraber nannte. Der Bischof Alvar  beklagte 854, dass die jungen Christen so verzaubert seinen von der arabischen Dichtung, dass sie kein Latein mehr lernten, sondern nur noch Arabisch.

Macht und Wohlstand des islamischen Spanien erreichten ihren allgemein anerkannten Höhepunkt in der Regierungszeit ‚Abd ar-Rahmans III. (912-961), Kunst und Kultur blühten auf. Das umajjadische Spanien erkannte zwar die Abbasiden – Khalifen in Baghdad nicht an, aber es blieb in kultureller Tuchfühlung. Wichtige Bücher fanden ihren Weg aus dem Osten in den Westen, aber auch die Gelehrten in Spanien leisteten bedeutende Beiträge zur arabischen Literatur und Bildung. Um das Jahr 1000 zerfiel aber der Umajjaden- Staat in rund 30 unabhängige lokale Fürstentümer. Trotzdem erlebten Kunst und Wissenschaft infolge der Rivalitäten der einzelnen Herrscher eine Hochblüte.

Die Universitäten und Wissenschaftszentren wirkten dabei wie ein Magnet auch für europäische Studenten, die mit den arabisch-islamischen Wissenschaften Bekanntschaft schlossen und das Wissen mit nach Europa nahmen. Die arabischen Hochschulen in Cordoba, Sevilla, Granada, Valencia und Toledo wurden von vielen christlichen Gelehrten besucht. Große christliche Denker dieser Zeit wie z.B. der Mönch Gerhard von Cremosa, Thomas von Aquin, Gerbert von Aurillac, entwickelten ihre intellektuellen Fertigkeiten und ihre Argumentationskunst in diesen Bildungszentren. Gerbert kommt um 970 in Cordoba mit der arabischen Wissenschaft in Berührung, er studiert dort eifrig Mathematik und Sternenkunde, kommt dann nach Rom und wird später Ratgeber am kaiserlichen Hof und dann als Silvester II. Papst.

1080 wurde Toledo von den Christen erobert. Dennoch ließ Erzbischof Raimund von Toledo im 12.-13. Jahrhundert die vorher in die arabische Sprache übersetzten wissenschaftlichen Arbeiten nun in das Lateinische übersetzen. 1142 ließ sogar der Abt von Cluny den Koran übersetzen. Thematisch bildeten Astronomie, Physik, Alchemie und Mathematik den Schwerpunkt, aber auch Spiele und orientalische Literatur sowie Werke zur Kenntnis der islamischen Religion wurden übersetzt.

Mit dem Sturz des Königreiches Granada 1492 verlor der Islam sein letztes Bollwerk auf europäischem Boden. Aber seine Kultur und Wissenschaft haben schon längst zu dieser Zeit in Europa Fuß gefasst.

2. Weg: Sizilien

Von der Anziehungskraft der arabischen Kultur auf die Christen zeugt auch das Leben am sizilianischen Königshof. Man pflegte arabische Dichtung, und auf dem Weg über die Volkspoesie, die aus ihr entstanden ist, mag sie die frühitalienische Dichtung beeinflusst haben.

     im Laufe des  9. Jahrhunderts erobern die  Aghlabiden, aus Tunesien kommend Sizilien. Bald wurde die Insel eine Fatimiden- Provinz. Das Land blühte auf und die islamische Kultur schlug tiefe Wurzeln. In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts besiegten die Normannen die Byzantiner in Süditalien und errichteten ein normannisches Fürstentum. Kurz darauf konnten sie auch in Sizilien ihr Königreich errichten, aber dennoch blieb in vielem die Insel ein Teil der islamischen Welt. Die islamische Kunst und Wissenschaft wurde sogar durch die Normannen gefördert, insbesondere durch den Kaiser Friedrich II., der selbst wissenschaftlich tätig war und arabische Schriften übersetzen ließ und Umgang mit arabischen Wissenschaftlern pflegte und später sogar ganz friedlich König von Jerusalem wurde.

Über den Hof des Kaisers Friedrich II. kam die neue Rechenart mit der Null von Muhammad ibn Mussa al-Chwarismi nach Europa. Al-Chwarismi erfand das Rechnen mit Dezimalzahlen. Er beschrieb das Dividieren, erstellte Tabellen mit der Sinus-Funktion. Er erfand die Formeln für die Berechnung der Fläche des Kreises, des Halbkreises, der Kugel, der Pyramide und des Kegels; Er berechnete die Konstante Pi (  = 3 1/7 ).

Mit dem Tod Friedrichs wird alles Arabische ausgemerzt.

3.Weg: durch Kreuzzüge

Die Bedeutung der Kreuzfahrerzeit für den Westen ist nicht zu unterschätzen. Wurden doch die eher rohen und „barbarischen“ europäischen Ritter mit einer Lebensweise konfrontiert, die sich sehr von der ihnen gewohnten abhob. Ein gewisser höfischer Luxus und „feinere“ Umgangsformen kamen aus dem Orient in den Westen. Auch die Kriegskunst erhielt neue Impulse. So profitierten in gewissem Maße selbst die eigentlich Unterlegenen (die Christen) von diesem Abenteuer.

     Nichts hat das gesellschaftliche Leben in Europa so stark geprägt wie die islamische Kultur und Kunst. Mit der Rückkehr der Kreuzritter aus dem Orient entsteht ein neues Zeitalter: das Hochmittelalter mit ihrem Minnesang, der Ritterlichkeit, der Frauenverehrung in Lied und Lyrik. Durch fahrende Sänger aus Andalusien wird im 11. Jahrhundert das Abendland mit der arabischen Musik bekannt, die die Troubadoure ihren Frauen auf den neuen Instrumenten aus Arabien, der Laute und  Gitarre vorspielen und singen. Selbst die Tonsilben, die Notenlinien  und die Reimform haben ihren Ursprung im Arabischen. In Italien findet sich die arabische Liedform in geistlichen Liedern wieder, z.B. in den Liedern des Franz von Assisi. Später entwickelt sich daraus das weltliche Madrigal.

In der Architektur findet die Arabeske Eingang. Der Spitzbogen, in der Ibn-Tulun-Moschee in Kairo dekorativ verwendet, wird nach seiner Wanderung über Spanien und Sizilien ins Abendland zum konstruktiven Element der entstehenden Gotik. Das Minarett wird Vorbild für den christlichen Glockenturm.

Die heimkehrenden Kreuzritter übernehmen für ihre Burgen wehrtechnische Errungenschaften der Araber, z. B der Wehrerker. Die „Pechnase“, eine Art Balkon mit offenen Bodenspalten, durch die heißes Öl gegossen werden kann, wird sehr schnell nachgebaut. Seit dem 14. Jahrhundert trägt jede Burg in Europa über den gemauerten Wehrgängen eine Krone von Zinnen.

Ende der islamischen Kultur in Südeuropa

1492 fand nicht nur die arabische Herrschaft über Spanien wie zuvor in Sizilien ein Ende, es endete die großartigste  und lebendigste Kultur im Mittelalter, es endete die fortschrittlichste Zivilisation eines vorbildlich verwalteten Landes, der Wohlstand seiner Bevölkerung mit seiner geistigen und gesellschaftlichen Blüte. Es versank in den Wogen des religiösen Fanatismus. Alles, was Arabisch war, ob Sprache, das Spielen der arabischen Instrumente, selbst das Tragen der Namen wurde bestraft. Die Schätze der arabischen Wissenschaft und Kultur  aus Bibliotheken, aus Privateigentum brannte auf riesigen Scheiterhaufen. Durch Massenaustreibungen der Muslime und Juden war bald das einst blühende Andalusien entvölkert.

Die Schriften, die gerettet wurden, verschwanden hinter  kirchlichen Mauern und mit der Zeit vergessen, und bei denen, die ins Lateinische übersetzt wurden, wurden die Verfasser nicht mehr genannt oder erhielten einen fremden, irreführenden Namen. Erst viele Jahrhunderte später und noch heute entdeckt man ihren Ursprung.

In den Jahrhunderten später vergaß man immer mehr, dass ein bedeutender Teil dieser Kultur islamisch war. Er hat sich unbewusst bis in die heutige Zeit gehalten.

Die Ausformung des europäischen geistigen Lebens im Mittelalter war ganz wesentlich das Resultat der blühenden islamischen Zivilisation. Erst nach und nach erkennen die heutigen Wissenschaftler die Ausstrahlung der arabischen Kultur auf Europa und sie sehen die Errungenschaften ihrer Wissenschaft als deren Erbe an und begreifen so langsam die damalige Größe des Islam.

Und somit bin ich wieder bei meiner anfänglichen Behauptung: der Islam hat erst unser heutiges Europa geprägt und wir sollten stolz darauf sein, Erben einer so wunderbaren geistig-wissenschaftlich geprägten Kultur zu sein.

Haus der Weisheit

Haus der Weisheit

Es gibt Dinge, über die man immer wieder sprechen kann, sei es über islamisches Wissen, über die islamische Lebensweise, über die islamische Geschichte, weil sie immer wieder von einer anderen Warte oder Blickpunkt aus gesehen werden kann. Man kann sie also immer wieder neu interpretieren. Ich glaube, deshalb bleibt zum Beispiel die islamische Geschichte so interessant. Immer wieder erfährt man etwas Neues oder Bekanntes wird von einer ganz anderen Seite dargestellt.

Bleiben wir bei der islamischen Geschichte. Sie ist für uns sehr wichtig- und eigentlich auch für den Rest der Welt.

Ihr werdet bald merken, dass sie mein Steckenpferd ist. Warum? Weil ich mir vorgenommen habe, den Muslimen und Interessierten unsere Geschichte näher zu bringen. Viele kennen sie einfach zu wenig. Ich möchte damit einfach erreichen, dass man  stolz auf seine Geschichte und deren Menschen ist. Diesen Stolz haben wir verloren. Wer darauf stolz ist, ist selbstbewusster, hat einen besseren Halt in der Gesellschaft, erlebt seine Umwelt ganz anders als ein Unwissender. Und auch die Umwelt reagiert ganz anders auf ihn. Das möchte ich erreichen.

Dazu betone ich es immer wieder: Wissen hat bei Allah einen sehr hohen Stellenwert.

Um die religiösen Pflichten, die im Koran beschrieben werden,  richtig durchführen zu können, wurden die frühen Muslime gezwungen, sich wissenschaftlich zu rüsten: die Bewegungen der Sterne müssen berechnet werden, um sich auf der Reise zu orientieren. Die Zeit und der Ort zum Gebet müssen genau bestimmt werden.

An vielen Stellen im Koran wurden die Menschen aufgefordert, nach Wissen  zu suchen. Sie wurden angeregt, ihre Umwelt zu beobachten und zu studieren, um die eindeutigen Zeichen der Schöpfung darin zu erkennen. Viele Verse aus dem Koran beschreiben Vorgänge aus der Natur, die von der Schöpfung des Universums bis hin zur Befruchtung der Eizelle durch das Spermium reichen.

Mit der Expansion nach Irak, Syrien, Ägypten waren dem arabischen Bereich große geistige Zentren zugefallen, etwas  später kamen die griechischen und indischen Zentren hinzu, Handelsbeziehungen entstanden bis hin zum westlichen China. Überall dort sammelten sich Jahrtausende alte Erfahrungen alter Zivilisationen, die jetzt im Arabischen einen neuen Ausdruck erfuhren.  Es begann eine regelrechte Erstürmung der Bücher, die man dort fand, die auch sogleich übersetzt wurden. ja, der Kalif Harun Ar-Raschid ließ sich sogar den Tribut in Form von Büchern auszahlen. Im Jahr 801 traf eine Gesandtschaft von ihm in der Residenz von Karl dem Großen in Italien ein.

Im Jahr 825 wurde das Haus der Weisheit ‚Bayt al-Hikma‘, vom Abbasiden-Kalifen al-Maʾmūn in Bagdad gegründet. Heute würden wir dieses Haus als eine Art Akademie bezeichnen. Es gehörten wissenschaftliche Bibliotheken dazu, ein Observatorium und viele Übersetzer- und Schreibstuben und ein großes Krankenhaus mit Apotheke.

Es wurden regelrechte Übersetzerakademien gegründet. Nahezu alle wichtigen Schriften der mesopotamischen, ägyptischen, indischen persischen und hellenistischen Welt wurden übersetzt. Sie arbeiteten in Gruppen und wurden von einem Experten überwacht und von Abschreibern unterstützt. Ihre Arbeiten wurden also  auf Genauigkeit kontrolliert. Im Haus der Weisheit arbeiteten zeitweise rund 90 Wissenschaftler und mit ihnen Übersetzer und Schreiber an wissenschaftlichen Übersetzungen, Al-Maʾmūn schickte dafür einen Gelehrten seines Hofs nach Byzanz und bat den Kaiser, ihm mathematische Werke (u. a. die des Euklid) zu übergeben. Im Haus wurden alle Werke der Antike übersetzt, die aufzufinden waren, u.a. die Werke der Griechen, z.B. von Galen, Hippokrates, Platon, Aristoteles, Ptolemäus oder Archimedes, ebenfalls von dem Inder  Brahmagupta, geb. 598  eine astronomische Schrift, in der es auch Vorschriften für das Rechnen mit den 9 Zahlzeichen und mit der reinen Null als ein Fehlzeichen gab. Darauf komme ich noch.

Trotz der engen Verbindung der Schriften mit älteren Traditionen, anderen Ländern, in denen das griechische Wissen vorherrschte, betonen heutige Historiker mit Recht die Originalität der wissenschaftlichen Arbeiten, die in Bagdad durchgeführt wurden. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde die Wissenschaft in einem internationalen Rahmen betrieben, und das Arabische war ihre verbindende Ausdruckssprache.

Als ‚die Blütezeit des Islam‘ wird in der heutigen populärwissenschaftlichen Literatur die unter den Abbasiden (749 n. Chr. – 1258 n. Chr.) entwickelte Zivilisation in den islamisch beherrschten Gebieten bezeichnet. Ein Zentrum für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Forschung entstand in wenigen Jahrzehnten in der im Jahr 762 gegründeten Stadt Bagdad. Es entstand die Basis unserer heutigen Wissenschaften: Chemie, Physik, Medizin mit ihren Krankenhäusern und Apotheken, Mathematik und Mechanik, Astronomie und Astrologie, auch wenn es vorher schon viele Ansatzpunkte und Erkenntnisse gab. Es wurden Wissenschaften daraus.

In Bagdad arbeiteten nach Aussagen des Historikers Ibn al-Qifti in der Epoche des Aufbaus des Hauses neben Muslimen 37 Christen, 8 Sabäer und 9 Juden. Sie waren aufgrund ihrer Fachkenntnisse sowie Sprachkenntnisse wichtig für den Aufbau des Hauses. Viele Wissenschaftler, die wir heute noch namentlich kennen, arbeiteten im Laufe der Jahrzehnte dort:

Hunain ibn Ishāq al-ʿIbādī (808-873) war ein christlicher Gelehrter, Übersetzer und Arzt. Seine Übersetzungen zeichnen sich durch ihre hohe Qualität aus. Insbesondere sind seine Übersetzungen von Galens Werken aus dem Griechischen so hervorragend gewesen, dass sie noch jahrhundertelang benutzt wurden, zumal die griechischen Originale verloren gingen. Später wurde er auf den Posten des Chefarztes am Hofe des Kalifen al-Mutawakkil berufen; eine Position, die er bis zu seinem Lebensende innehatte;  Hunayn ibn Ishāq war auch Autor von etwa 100 eigenen Büchern, insbesondere zu erwähnen sind die Bücher über Augenheilkunde und das Griechisch-Syrische Wörterbuch. Sein Buch über Steine gehört zu den ältesten erhaltenen Chemie-Büchern und die älteste arabische Handschrift über Mineralogie. Es werden rund 70 Mineralien beschrieben und die Gewinnung von Metallen beschrieben (Gold, Silber, Blei, Kupfer, Herstellung von Messing, Quecksilber). Er benennt Quecksilber und Grünspan als Gifte.

       Thabit ibn Qurra: Er war ein sabischer Mathematiker, Astronom, Astrologe, Magier, Physiker, Mediziner und Philosoph. Er war maßgeblich an der Entwicklung der islamischen Astronomie beteiligt, insbesondere an der Mathematisierung von Theorie und Auswertung der Beobachtungen. Nikolaus Kopernikus übernahm den Wert des siderischen Jahres von 365 Tagen 6 Stunden 9 Minuten und 12 Sekunden (Abweichung 2 Sek.) aus ibn Qurras Buch: „Über das Sonnenjahr“. Sein Kitab fi’l-qarastun wurde von Gerhard von Cremona, ein Gelehrter und bedeutender Übersetzer arabischer naturkundlicher und medizinischer Schriften ins Lateinische  übersetzt und es diente im mittelalterlichen Europa als Lehrbuch der Mechanik.

Einer der ersten in Bagdad war  der Philosoph Abū Yaʿqūb ibn Ishāq al-Kindī, * um 800 in Kufa; † 873 in Bagdad), er war ein arabisch-irakischer Philosoph, Wissenschaftler, Mathematiker, Arzt. In Europa war er als Philosoph bekannt. Er kümmerte sich besonders um die Übersetzungen von Aristoteles, Platon und auch Sokrates. Er meinte: „Wir sollten uns nicht schämen, Wahrheit anzuerkennen und sie aufzunehmen, von welcher Quelle sie auch kommt, auch wenn sie von früheren Generationen und fremden Völkern zu uns gebracht wird“. Seine Abhandlung „Über den Intellekt“ wurde über Jahrhunderte von arabischen und lateinischen Wissenschaftlern sehr geschätzt.

Abu Dschaʿfar Muhammad ibn Musa al-Chwārizmi( latinisiert Algorismi  *um 780; † um 850, war ein  UniversalgelehrterMathematikerAstronom und Geograph. Er stammte  aus dem iranischen Choresmien, verbrachte jedoch den größten Teil seines Lebens in Bagdad im „Haus der Weisheit. Von seinem Namen leitet sich der Begriff Algorithmus und Algebra ab. Er entwickelte unsere heutige Rechenweise mit der indischen Null. Er übersetzte das Buch von dem Inder Brahmagupta, Die Rolle der Null in die Rechenarten zu übernehmen, war ein großer Kampf in den Kanzleien, aber man verstand sehr schnell den Nutzen.

Dass sich die Wissenschaft so schnell und gut entwickeln konnte, dafür gab es von meiner Seite aus 2 Punkte:

  1. Die Herrscher waren selbst kulturell und wissenschaftlich orientiert
  2. das Mittel Papier: preiswertes Papier als Grundlage für das viele Kopieren und Vervielfältigen von Schriften, kein Pergament mehr. Die Gründung des Hauses der Wissenschaft wurde durch die Entwicklung der Papierherstellung im arabischen Raum begünstigt. Die erste Papiermühle entstand in Bagdad 794. Auf dem Suq al-Warraqin, dem Papiermarkt, gab es rund 100 Papiergeschäfte, von denen manches, von Lehrern und Schriftstellern, Wissenschaftlern betrieben, ein eigenes kleines Wissenschafts- und Literaturzentrum war.

In Spanien entstand die erste Papiermühle 1144, in Deutschland im Jahr 1390 und kurz darauf in einigen anderen europäischen Ländern .

Bücher zu besitzen wurde zu einer Leidenschaft. Jede Moschee besaß seine eigene Bücherei, jedes damalige Hospital bräuchte sich heute nicht zu schämen, denn es besaß die neuesten medizinischen Schriften. Selbst Privatleute besaßen Tausende an Büchern.

Man baute Bewässerungsanlagen, Krankenhäuser, um in den Großstädten Seuchen zu verhindern, neue und bessere Heilmittel wurden ausprobiert. Sie nahmen das Wissen der alten Griechen, der Perser, der Ägypter, der Inder und bauten darauf auf, erweiterten es und erfanden Neues.

Bagdad wurde im Jahre 1258 nach kurzer Belagerung von den Mongolen erobert, das Haus der Weisheit dabei zusammen mit allen anderen Bibliotheken zerstört. Heute weiß man nicht, wie dieses Zentrum ausgesehen hatte und wo es stand. Es entwickelten sich neue Zentren des Wissens in Indien und im usbekischem Raum um Samarkand.

Diese Zeit war geprägt von Toleranz, Anerkennung von Leistungen der Wissenschaftler, egal welchem Volk oder Religion angehörten. Sie konnten unter toleranten und wissbegierigen Herrschern friedlich miteinander forschen.

Wir, in unserer Moschee wollen zwar keine neue Wissenschaft begründen, aber wir wollen uns ebenfalls in Toleranz üben, jeden einzelnen akzeptieren, egal,   welche islamische Strömung er praktiziert, sowie respektvoller Umgang mit Vertretern anderer Religionen.

Mit dem Wissen um diese zur damaligen Zeit fortschrittliche Einrichtung sind wir aufgefordert, ihnen nachzueifern in einer demokratischen Zeit.

Ich möchte keine Verklärung dieser Epoche, denn auch sie hatte ihre Macken. Aber wir können daraus lernen, dass aus gegenseitigem Respekt und Toleranz, egal zu welcher Religion, Gemeinsamkeiten, Gleichheit und Frieden  entstehen kann.

Eine Schule des Wissens

Eine Schule des Wissens

von einem Gemeindemitglied

Liebe Geschwister im Islam,

dass ich hier stehe und dies Predigt halte, dass ich Bücher schreibe, hat vorrangig einen Grund:

Wissen, Wissenserwerb, Verarbeitung und Weitergabe von Wissen. Das letzte ist für mich das Wichtigste dabei.

Allah ta‘ala wird mich vielleicht eines Tages fragen: „Was hast du mit dem Wissen gemacht? Hast du es richtig weitergegeben, das Wissen über die Dinge, was ich dir und der Menschheit auf den Weg mitgegeben habe?“ – Ich möchte nicht mit leeren Händen dastehen!

Gleich nach der Erschaffung des Menschen hat Gott ihm  etwas Besonderes mitgegeben, das, was er vorher bei keinem seiner Geschöpfe gegeben hat, vielleicht außer den Dschinn: Indem er dem Menschen die Worte genannt hatte, die Namen der  Dinge und ihre Bedeutung, gab er ihm Wissen mit auf seinem Weg. Wissen hat also einen sehr hohen Stellenwert.

Wenn wir über Wissen , Wissenserwerb sprechen, dann meinen wir meistens das Wissen aus den Büchern, in Vorlesungen, Schule, im Islam das Studium der Koran-Wissenschaft, der Hadith-Wissenschaft usw…

Wissen hat aber viel mehr Facetten. Wissen bedeutet also nicht nur bildlich gesprochen ‚schwere Bücher‘ zu studieren.

Ich denke, jeder von euch versucht seine Arbeit so gut wie möglich zu tun. Ihr überlegt, wie ihr sie besser machen könnt und leichter. Ihr denkt also nach, gebt eure Überlegungen an eure Kollegen weiter. Das ist Wissenserwerb und Weitergabe, sehr wichtig und nicht zu unterschätzen. Und sicher fühlt ihr euch dabei wohl.

Ihr tauscht Nachrichten aus, erfahrt aus Filmen oder auch auf Reisen über fremde Länder die Lebensweise der Menschen, deren Sitten, erfahrt viel Neues und Überraschendes. Und ihr lernt diese Menschen schätzen, gebt ihnen vielleicht auch euer Wissen weiter.

Wissen sammeln bedeutet also Erfahrungen austauschen, an Diskussionen teilnehmen, Meinungen kundtun und in Ruhe darüber diskutieren und nachzudenken, Informationen sammeln bei einem guten Gespräch, es bedeutet aber kein Nachahmen, sondern mitdenken und sich dazu äußern.

Wissen ist also nicht nur auf eine Person beschränkt. Entweder hat man das Wissen aus dem riesigen Topf des Wissensschatzes der Menschheit geschöpft oder ich erfinde etwas vollkommen Neues, eine Idee. Für mich allein nützt sie gar nicht, sie ist totes Wissen,  ich brauche dazu andere Menschen, um eventuell die Idee umzusetzen, also muss ich mich mitteilen. Ansonsten stirbt der Mensch mit seinem angesammelten Wissen und sein Wissen stirbt mit ihm. Er hat letzten Endes nichts vorzuweisen. Erst die Weitergabe an andere wird die Idee zum lebendiges Wissen. Dieses Wissen macht erst das Leben aus, weil wir andere Menschen mit einbeziehen und das ist wahrscheinlich das, was Gott von uns will und was er uns gegeben hat: Freiheit im Denken und Handeln.

Der Islam ist großgeworden, weil er von Anfang an bis zu seiner Blütezeit verstanden hat, die verschiedensten Strömungen des Islam selbst aufzunehmen und mit allen Religionen zu kooperieren. Die Moschee war ein Ort der Zusammenkunft, in dem man sich versammeln konnte, sich austauschen konnte, voneinander und miteinander lernen konnte, eine Schule des Wissens, also ein Ort des Gebets und der Weitergabe von Wissen. Es war der Treffpunkt aller Strömungen, neutral und offen.

Dieses islamische Leben war meiner Meinung eigentlich das traditionellere islamische Leben, nicht das, was wir heute unter traditionell halten. Es war eine Zeit des Lernens, des Verstehen Wollens der Welt, die Gott im Koran schildert.

Wir können diese Zeit nicht mehr zurückholen, aber wir können einen uns genehmen Ort schaffen, in der wir offen sind für alle Strömungen, die uns gegenüber Achtung zollen, als gleichwertige Partner betrachten. Es wird uns  sicher viel Kraft kosten, Anfeindungen zu ertragen und sie abzuschütteln, ruhig und gerecht zu bleiben und Vorbild für einen wissenden, frei denkenden  humanistischen Muslim zu sein, für  viele neue liberale Moscheen.

Wir können die Moschee als Treffpunkt wieder zu dem machen, was sie ursprünglich war, ein Ort der Zusammenkunft und des Wissens. 

Es gibt ein Hadith, welches Wissen mit Wasser vergleicht: Sahih Muslim, Hadithnr. 4232/Kapitel 43:

„Abu Musa, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete: Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: Das Gleichnis der Rechtleitung und des Wissens, mit denen Allah der Allmächtige und Erhabene mich entsandt hat, ist wie ein reichlicher Regen, der auf einem Gebiet niederging: Der gute Teil des Erdbodens nahm das Wasser auf und brachte eine Menge an Pflanzen und Gras hervor. Es gab aber auch felsige Teile davon, welche das Wasser bewahrten, mit dem Allah den Menschen viel Nutzen bringen ließ: davon tranken sie selbst, tränkten ihr Vieh und ließen ihre Tiere dort weiden. Der Regen fiel aber auch auf einen sandigen Boden, der das Wasser sickern ließ und keinerlei Pflanzen hervorbrachte. Dies ist das Gleichnis eines Menschen, der sich mit dem Wissen in der Religion Allahs, mit dem Allah mich entsandt hat, ausbildete; denn er erwirbt damit das Wissen für sich selbst und lehrt es andere. Das Gegenteil stellt derjenige dar, der damit weder seine Würde erhebt, noch die Rechtleitung Allahs annimmt, mit der ich entsandt worden bin.“

Ich finde, es ist ein wunderbarer Vergleich: Der Mensch ist wie der Boden, auf dem Wasser fällt. Der Boden kann sich vollsaugen wie ein Schwamm. Auch der Mensch vermag nach Wissen zu suchen und für sich zu sammeln, sich vollzusaugen. Und wenn ich den Wissens-Schwamm etwas ausdrücke, gebe ich das gespeicherte Wissen weiter, ansonsten taugt das Wissen nichts, wenn ich es nur für mich behalte. Es ist wie ein Krug Wasser, den ich vergessen habe: das Wasser wird schal, schmeckt nicht mehr, verdunstet mit der Zeit. Es nutzt keinem.

Ich will mit dem heutigen Vortrag einfach sagen: diese vielen kleinen Dinge, die immer ein kleines bisschen Wissen beinhalten, sind überaus wichtig, weil sie erst den Menschen ausmachen und darauf wollte ich hinweisen.