Koran

Die fünf Säulen des Islam

Die fünf Säulen des Islam

Autorin: Susanne Dawi

طفاف ابوماجدالسويدي

Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohamed ist sein Prophet.

Gott ist der, die, das Einzige, was nicht geschaffen wurde und nichts ist ihm,ihr gleich. Er,sie ist den Menschen nicht ähnlich und hat kein Geschlecht. Die Wahrheit Gottes ist für die Menschen unfassbar, daher hat Gott den Koran herabgesandt, so dass wir ein wenig von der Wahrheit verstehen und sie in unserem Alltag umsetzen können. (siehe Artikel: Der wahre Islam)

Mohamed ist ein Prophet Gottes, wie viele vor ihm. Sie alle werden von den Muslimen anerkannt, und ihre Bücher sind weiterhin heilig. Mohamed ist kein Heiliger, er darf von den Menschen nicht angebetet oder zu einem Gott stilisiert werden. Er ist lediglich ein Botschafter Gottes. An ihn wurden jedoch besondere Anforderungen gestellt, so musste er selbstlos und Gott ergeben (muslim) sein. Mohamed hat stets darauf geachtet, anderen hilfreich zur Seite zu stehen und auch denjenigen Wertschätzung entgegen zu bringen, die wenig von ihm hielten. Sklaven, Waisenkinder, Arme, Reisende und überhaupt alle besonders Bedürftigen Menschen lagen ihm sehr am Herzen. Er liebte seine Frauen innig und äußerte sich, so die Überlieferungen, gegen jede Gewaltanwendung oder Unterdrückung von Frauen. Mohamed war in erster Ehe mit Khadija verheiratet, die Zeit ihre Lebens seine einzige Frau war. Sie war die erste Person, die von der ersten Offenbarung erfuhr und an ihn glaubte. Einige Zeit nach Khadijas Tod heiratete Mohamed erneut und lebte polygam. Die Offenbarungen erreichten ihn bis zu seinem Tod in unregelmäßigen Abständen.

Das Gebet

Das Gebet ist die zweite Säule des Islam. Es besteht weitgehend Einigung darüber, wie es ausgeführt werden soll. Fünfmal am Tag wird gebetet, am besten zur korrekten Zeit; falls dies nicht möglich ist,, könen aber die fehlenden Gebete zu einem späteren Zeitpunkt des gleichen Tages nachgeholt werden. Im Alltag ist das fünfmalige Beten eine Herausforderung, der man nicht immer nachzugehen schafft. Die Gebetzzeiten variieren je nach Sonnenstand von Tag zu Tag. Die fünf Gebete heißen Fajr, Dhur, Asr, Maghrib und Ischa, also Morgengrauen, Mittag, Nachmittag, Sonnenuntergang und Nacht. Sie unterscheiden sich in der Länge, nicht aber im Ablauf.

Vor dem Gebet findet die rituelle Waschung statt, die Gesicht, Kopf, Hände und Füße umfasst; im Verlauf gibt es wechselnde Körperhaltungen, zu denen auch das Verbeugen und das Niederwerfen gehören; der Gebetstext ist überwiegend festgelegt. Das Gesicht des Betenden richtet sich nach Mekka, allerdings steht im Koran (2:177), dass sich wahre Frömmigkeit nicht durch das Einhalten der Gebetsrichtung auszeichnet, sondern durch den Glauben und die mildtätigen Handlungen sowie die Geduld in Zeiten der Härte. Das Gebet bildet eine der Möglichkeiten der Kontaktaufnahme mit Allah, und es gibt dem/der Betenden ein Gefühl von Frieden, Sicherheit und Struktur im Alltag.

Die Abgaben / Zakat

Die gerechte Versorgung aller Menschen ist ein wesentlicher Aspekt des Islam und bildet dessen dritte Säule. Da jegliche Versorgung von Allah kommt, sind auch die monetären Segnungen gleichmäßig zu verteilen. Dazu gibt jeder Muslim, der dazu in der Lage ist, einen Teil seines Einkommens zurück an die menschliche Gemeinschaft. Dieser Akt des Teilens dient sowohl der Nächstenliebe als auch der Selbstreinigung und dem Wachstum der Seele. Es ist besser, direkt nach der Ernte zu teilen, d.h. in moderner Terminologie zu Monatsanfang, wenn das Geld gerade aufs Konto gekommen ist, statt am Ende, wo man schon alles für sich selbst ausgegeben haben könnte. Das Spenden wird im Koran sehr häufig genannt und als essenzielle muslimische Handlung definiert.

Die vierte Säule des Islam ist das Fasten im Monat Ramadan, der als ganzer Monat vollständig durchgefastet wird, wenn man gesund und kräftig genug dazu ist. Das bedeutet, dass von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder gegessen noch getrunken wird. Auch Geschlechtsverkehr ist in dieser Zeit untersagt und viele Menschen versuchen, das Rauchen zu unterlassen. Das Fasten dient dem Erlernen des Mitgefühls mit den Armen dieser Welt, für die das Essen und Trinken nicht selbstverständlich sind. Unser Hunger und Durst führt nicht nur zu dem Gefühl von Entbehrung, sondern manchmal auch zu anderen Erscheinungen wie Müdigkeit, Kälte, Gereiztheit, Ermattung, usw. so dass wir ein besseres Verständnis dafür entwickeln, was es bedeutet, keinen einfachen oder geregelten Zugang zu Nahrung zu haben. Wer nicht ernten kann, hat keine Kraft zu säen, kann wieder nicht ernten und wieder nicht säen. Das Fasten initiiert Mitleid und Hilfsbereitschaft und trägt somit zum Aufbau einer gerechten und lebenswerten Welt bei. Die Fastenzeit soll sich aber nicht nur durch das Entbehren von Essen und Trinken vom regulären Alltag abheben sondern auch durch eine innere Einkehr und ein Zurückfinden zur Spiritualität. Es ist eine Zeit des Innehaltens und der seelischen wie körperlichen Reinigung. Um ein paar Vorurteile zu beseitigen: Wer meint, abends schlemmen zu können, irrt meist, denn wenn man den ganzen Tag nichts gegessen hat, ist man am Abend schnell gesättigt. Oft steht viel auf dem Tisch doch es wird wenig gegessen, besonders unter der Woche. Abnehmen tut man dennoch nicht, weil man nach dem Mahl gleich schlafen geht, sofern man am nächsten Tag bei der Arbeit wieder fit sein möchte.

Der Monat Ramadan ist eine intensive Zeit, auch weil man sich zum Essen gerne mit der Familie oder Freunden trifft. Trotz der Entbehrungen freut man sich als Muslim auf den Ramadan. Manche sagen, er ist ein willkommener Gast, aber wie mit jedem Gast ist es auch schön, wenn er wieder geht. Da sich der islamische Kalender, und damit auch der Ramadan, nach dem Mond richtet, verschiebt er sich jedes Jahr ca. zehn Tage „nach vorne“.

Die letzte Säule des Islam ist die Pilgerreise nach Mekka. Wer sie unternimmt, kommt als Hajj oder Hajji zurück und hat damit einen gewissen sozialen Status innerhalb der muslimischen Gemeinschaft erlangt. Doch dies soll nicht Sinn der Pilgerreise sein. Vielmehr wird sie von vielen Menschen als innere Bereicherung erlebt. Man reinigt sich und kleidet sich dort in einfache weiße Tücher. Durch diesen symbolischen Akt wird der Alltag vollkommen zurückgelassen und der Pilgernde in eine Art reinen und unschuldigen Urzustand versetzt, der anlässlich unseres Wissens über alle unserer Verfehlungen im Laufe unseres Lebens sehr mächtig und berührend ist. Heute werden die Reisen von besonderen Reisebüros organisiert, man kann aber auch allein nach Mekka reisen. Um nach Mekka pilgern zu dürfen muss man für die dortigen Behörden nachweisen, dass man muslimischen Glaubens ist. Wenn man die Reise zu einer anderen Zeit als dem dafür vorgesehenen Monat, so heißt sie Umrah.

Gott spricht kein Arabisch

Gott spricht kein Arabisch

In letzter Zeit wurde gestritten, ob es einen deutschen Islam gibt. Nun betont sogar der Zentralrat der Muslime und an seiner Spitze sein Vorsitzender Aiman Mazyek mit vor stolz geschwellter Brust: „Selbstverständlich gebe es einen Islam deutscher oder europäischer Prägung.“ Aber irgendwie habe ich das nicht so richtig verstanden. Warum plötzlich diese Kehrtwendung. Es fehlte mir eine echte und tiefe Begründung, wie so ein Islam deutscher Prägung aussehen könnte. Dennoch klammern sie sich hartnäckig daran, dass es nur einen ‚arabischen‘ Koran geben kann, nur in arabischer Sprache vorgetragen? Gleich vorweggenommen: „Ich trage ihn ja auch bei einem Gebet in Arabisch vor, aber dazu komme ich noch.“

Die einen sagen, weil der originale Text des Korans auf Arabisch verkündet worden ist, so ist auch dieser Wortlaut nur in Arabisch authentisch, ganz einfach! Auch wenn einiges von Nichtarabern nicht gleich verstanden oder gar nicht verstanden wird, so muss er ihn dennoch einfach so nehmen, wie er ist. Entweder lernt man Arabisch, wenn man wirklich den Koran verstehen will oder man nimmt eine Übersetzung. Basta!

Aber verstehen denn die Arabischsprechenden wirklich, was sie da lesen? Denken sie über jedes einzelne Wort und dessen Bedeutung nach, besonders in seiner historischen Bedeutung? Oder nehmen sie für sich nur die Erklärung ihrer Imame an?

Die Botschaft von Gott ist universell und für alle Menschen gültig, sie wird in Arabisch ausgedrückt, weil Gott die Sprache der Menschen berücksichtigt, zu denen Er Seine Botschafter schickt. Gott sagt sinngemäß, wie Sure 16, Vers 36 aussagt, dass Er in jede Gemeinschaft einen Gesandten mit Seiner Botschaft geschickt hat. Das bedeutet, dass jede Gemeinschaft oder Volk ihre eigene Sprache besaß und damit war auch die Botschaft in ihrer Sprache. Aber bestimmt sprachen sie kein Arabisch.

Die Botschaften, die wir kennen, waren an die Juden in Hebräisch gerichtet, die Botschaft an die Araber musste demnach in Arabisch sein. Auch wenn Gott diese letzte Botschaft an alle Menschen geschickt hat, bedeutet das nicht, dass nun alle Leute Arabisch sprechen müssen oder diese Sprache lernen müssen, um das zu verstehen, worüber Gott zu den Menschen gesprochen hat und was Seine Rede zu bedeuten hat.

Es war einfach nur die letzte Botschaft, galt aber für alle Menschen, unabhängig von Ort und für alle Zeit. Der Koran ist zwar eine historische Tatsache von göttlichem Ursprung, aber seine Interpretation kann nur menschlich sein.

Das bedeutet, es gibt eine große Vielfalt von Interpretation, denn jedes Volk würde es auf ihre Lebensumstände und in ihre Geschichte hinein beziehen. Das bedeutet für mich: Der Koran kann nur im historischen, kulturellen und auch sprachlichen Kontext entschlüsselt werden, zu jeder Zeit muss er immer wieder neu gedeutet werden. Und das Neudeuten kann nur in derjenigen Sprache geschehen, die gesprochen wird.

Abu Zaid sagt das in seinem Buch „Gottes Menschenwort“ so: ‚Der Koran, den wir lesen und interpretieren, ist keinesfalls mit dem ewigen Wort Gottes identisch. Der Koran ist seine Botschaft an die Menschen. Eine Botschaft stellt eine kommunikative Verbindung zwischen einem Sender und einem Empfänger mittels eines Codes her. Die Analyse des kulturhistorischen Kontexts des Koran ist der einzige Zugang zur Entdeckung der Botschaft. Somit ist der Koran ein kulturelles Produkt. Die Menschen verstanden den Islam in ihren Lebensumständen. Und durch ihr Verständnis und ihre Anwendung des Islam veränderte sich ihre Gesellschaft.‘

Und da jedes Volk seine eigene Kultur hat, benötigt es meines Erachtens sein eigenes kulturelles Verständnis, das heißt auch in seinem sprachlichen Verstehen.

Aber lassen wir noch jemand anderes sprechen: Lale Akgün.

„Es geht also darum, ‚den Geist hinter den Buchstaben zu finden‘, die allgemeinen Prinzipien. Wie die Menschen diese Prinzipien umsetzen, hängt vom jeweiligen Kontext ab. Für die Offenbarungen Gottes ist aber nicht eine bestimmte Sprache entscheidend, sondern es sind die inhaltlichen Botschaften. Deshalb darf keine einzige irdische Sprache ein Monopol auf die Inhalte haben. Der Koran kann, nein, er muss in die Muttersprachen der Gläubigen übersetzt werden. Gerade das Verbot, sich des Korans in einer anderen als der arabischen Sprache zu bedienen, erweitert die Macht derjenigen, die die Religion für sich instrumentalisieren wollen.

Aber es geht nicht nur um die Übersetzungen. Die Gläubigen sollen die Schriften offen angehen, sich mit ihnen auseinandersetzen, Fragen stellen, und, wo nötig, sich distanzieren oder annähern. Und wenn der Koran den Menschen geradezu auferlegt, den Verstand einzusetzen, dann rückt der Mensch als Träger der Vernunft in die Mitte. Es ist der Mensch, der mit seinen Entscheidungswerkzeugen, das sind Gewissen und Verstand, die Vernunft in Handlung übersetzt.“

Und nun zu meiner eigenen Auffassung: Brauche ich etwa einen Vermittler, nur weil ich nur wenig Arabisch kann? Dann habe ich keinen direkten Draht zu Gott, es steht jemand zwischen uns. Aber Gott sagt, dass Er mir näher ist als meine Halsschlagader. Und wenn es bedeutet, dass Gott seinen Platz näher als meine Halsschlagader hat, dann ist Er auch in meinem Herzen. Es bedarf also keinen Vermittler zwischen Gott und mir, niemand kann für mich sprechen. Da brauche ich wirklich niemanden als Vermittler, kein Imam, keinen Religionsvertreter. Für Seine Offenbarungen, für Seine Lehren und Gebote braucht Er keine bestimmte Sprache wie das Arabische. Und Gottes Sprache verstehe ich nicht, aber Er meine!

In der ersten Zeit meines Muslim-Daseins habe ich viele Bittgebete auf Arabisch auswendig gelernt, die vom Propheten Muhammad oder auch von irgendjemanden stammen. Aber es waren nicht meine Worte, meine Bitten, meine Gedanken. Also formuliere ich sie heute selbst in meiner Sprache und ich bin sicher, dass Gott sie versteht.

Wenn ich mit jemanden spreche, vielleicht mir dir, dann bekomme ich in der gleichen Sprache von dir eine Antwort. Wenn ich Gott etwas auf Arabisch mitteilen möchte, bekomme ich vielleicht auch auf Arabisch eine Antwort, die ich leider nicht verstehe. Was nutzt sie mir dann?

Da Gott nicht so ist wie wir, hat Er auch keine Sprache so wie wir. Er versteht uns aber in Seiner Eigenschaft und Er vermag es, in Seiner Eigenschaft uns auf Seine Art und Weise zu antworten und das gleich in unser Herz. So hat Er sich auch verständlich gemacht durch den Koran, der gespickt ist mit Historie, Allegorien, Weisheiten, Mitteilungen, Ermahnungen und auch Wissenschaft, die den Menschen aber oft unverständlich erscheinen, zumindest auf den ersten Blick nicht erkenntlich. Gott hat keine Sprache, die wir verstehen können. Er suggeriert uns in unserer Sprache, also jedem in seiner eigenen Sprache, was Er uns mitteilen will. Es würde sonst unsere Vorstellungskraft sprengen, z.B. suggeriert Er uns durch den Koran, dass Er auf einen Thron sitzt oder wie die Hölle und das Paradies aussieht. Erinnern wir uns: Der Engel Dschibril oder Gabriel hat Muhammad die ersten Worte gelehrt, in seiner Sprache. Er war aber auch nur ein Überbringer. Und weil Muhammad ein Araber war, hat er ihm die Botschaft auf Arabisch gebracht.

Gottes Worte sollen nicht nur schön klingen, Seine Worte sollen auch richtig, verständlich und rezitationsgenehm verstanden werden, auch in einer Übersetzung. Ein Beispiel ist die Sure105 „Der Elefant“. In einer Ausgabe von Ibn Rassoul steht:

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen! Hast du nicht gesehen, wie dein Herr mit den Leuten des Elefanten verfahren ist? Hat Er nicht ihre List misslingen lassen und die Vögel in Scharen über sie gesandt, die sie mit brennenden Steinen bewarfen und sie dadurch wie abgefressene Saat gemacht?“

Jetzt die Übersetzung von Muhammad Asad:

„Bist du nicht gewahr, wie dein Erhalter mit dem Heer des Elefanten verfuhr? Machte Er nicht ihr listiges Planen völlig zunichte? Also ließ Er große Schwärme fliegender Geschöpfe auf sie los, die sie mit steinharten Schlägen vorherbestimmter Strafe schlugen und ließ sie werden wie ein Kornfeld, dass bis auf die Stoppeln abgefressen worden ist.“

Ich stelle in beiden die Verse 3 und 4 nochmals gegenüber: 1. „… und die Vögel in Scharen über sie gesandt, die sie mit brennenden Steinen bewarfen …“ und nun das von Asad: „Also ließ Er große Schwärme fliegender Geschöpfe auf sie los, die sie mit steinharten Schlägen vorherbestimmter Strafe schlugen …“

Da stehen auf der einen Seite ‚Vögel und brennende Steine‘ und ‚Schwärme fliegender Geschöpfe und steinharte Schläge vorherbestimmter Strafe‘ gegenüber.

Asad selbst sagt darüber: Das Wort ‚sidschill‘ hat auch eine Bedeutung von ‚etwas, das von Gott bestimmt worden ist‘. Die Wendung ‚hidschara min sidschil‘ kann für eine Metapher für ‚steinharte Schläge vorherbestimmter Strafe‘ bedeuten. Die besondere Strafe könnte wahrscheinlich ein besonders starker (steinharter) Ausbruch von Pocken oder Typhus gewesen sein, das auch Ibn Hischam und Ibn Ishaq bestätigten. Das Wort ‚ta’ir, Mehrzahl ‚tayr‘, kann jedes ‚fliegende Geschöpf‘ bedeuten, jedwede Vögel, Insekten, eben alles, was fliegt, die auch Überträger von Infektionen sein können.

Was ich damit sagen will: Ich muss mich einfach darauf verlassen, dass eine Übersetzung dem Original so nahe wie möglich kommt. Und nicht jede Übersetzung kann man auch schön rezitieren. Es liegt also noch eine enorme und wichtige Arbeit vor den Übersetzern.

Ich will deswegen aber keine bisherige Übersetzung herabwürdigen.

Ich wünsche mir einfach eine Übersetzung vielleicht von einer Gruppe von Übersetzern, der ich vertrauen kann, so dass ich einmal das Gebet nicht mehr in Arabisch, sondern um des Verstehens Willen es in Deutsch abhalten kann. Bis es soweit ist, werde ich auch weiterhin auf Arabisch rezitieren, aber vorher die Rezitation auf Deutsch vortragen.

Ich weiß, es denken so ähnlich viele Muslime, nur klingt jede Stimme einzeln. Aber nur ein Chor, wenn auch mit unterschiedlichen Stimmen – sprich Meinungen, hat etwas dagegenzusetzen gegen die noch starke orthodoxe Meinung.

Wir müssen Gott so verstehen, wie es unser Herz will und zulässt, auch ohne Sprache.

Manaar

Ja, welcher Islam gehört denn nun zu Deutschland?

Ja, welcher Islam gehört denn nun zu Deutschland?

Autor: Massud Reza

Christian Wiediger

Erinnert man sich – nur mal den letzten Jahren – an symbolpolitische Aussagen zurück, fällt einem wieder ein, wie undifferenziert und emotional die Debatten über sie geführt wurden. Ob es um das „Wir schaffen das“ (Angela Merkel) oder auch um den Satz „Der Islam gehört (nicht) zu Deutschland“ geht, sofort stürzen sich darauf bestimmte Politiker, Journalisten sowie affektierte Teile der Gesellschaft, die den Sachverhalt nicht in Ruhe und differenziert betrachten wollen.

Gerade die letzte Aussage „Der Islam gehört zu Deutschland“ oder „gehört nicht zu Deutschland“ erhitzt einerseits jene Gemüter, die den Islam nicht als Teil Deutschlands und Europas sehen (wollen) und ihm eine historisch-kulturelle Prägung Deutschlands sowie Europas gänzlich abstreiten. Andererseits verursacht die Zustimmung bei denjenigen, dass der Islam doch zu Deutschland gehöre, große Euphorie und damit ein einhergehender unkritischer Umgang mit dieser Frage. Deshalb versteht sich mein Blogbeitrag als gesellschaftlicher und auch innermuslimischer Debattenbeitrag, einfach mal sachlich, ruhig und nüchtern miteinander zu diskutieren, fernab von Pauschalisierungen und Beschuldigungen.

Tatsächlich müsste entscheidend sein, von welchem Islam wir überhaupt sprechen? Schaut man sich die islamische Welt von Marokko bis Indonesien an, so wird schnell deutlich, dass wir uns mit verschiedenen Islamverständnissen konfrontiert sehen. Der Islam in Bahrain ist nicht derselbe, wie der in Tunesien, der Islam in Afghanistan ist nicht derselbe, wie der in der Türkei. Lässt man den Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ unkritisch und unreflektiert stehen, kann jeder sein Islamverständnis darein projizieren. Dann könnte auch ein Islam dazugehören, wie er im Iran als Staatsdoktrin praktiziert wird, wo homosexuelle Menschen erhängt werden, weil sie eben homosexuell sind. Nicht nur der Iran, sondern auch anderen islamischen Ländern bieten (leider) genügend Beispiele für die Unvereinbarkeit zwischen der Religion auf der einen und Demokratie und Menschenrechten auf der anderen Seite. Im Kontrast dazu, sollte auch der andere Satz kritisch beleuchtet werden, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre. Dieser suggeriert, dass es eine grundsätzliche Inkompatibilität zwischen Islam und der Demokratie in Deutschland gibt.

Welche Herausforderung stellt sich aber nun für die Bundesrepublik Deutschland aus dieser Erkenntnis? Trotz der unterschiedlichen Vorstellungen in den eben aufgezählten Ländern darüber, was sie unter Islam verstehen, ergibt sich für uns als Gesamtgesellschaft folgende Frage: Welcher Islam gehört zu Deutschland, also verstanden als demokratie – und menschenrechtskonform? Ein Islamverständnis, was weder gegen Werte des Grundgesetztes noch der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte verstößt. Auch nicht ein Islamverständnis, welches in Teilen der muslimischen Community in Deutschland gelebt wird, was beispielsweise eine rigide Sexualmoral propagiert und Frauen an ihrer individuellen Freiheit und ihrer Selbstbestimmung hindert, und überhaupt ein Islam, der keinen politischen und gesellschaftlichen Machtanspruch darstellt.

Ein mit der freiheitlichen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland verträglicher Islam ist zum Beispiel durch eine historisch-kritische Lesart der sakralen Texte zu erreichen. Sowie es in allen heiligen Schriften Gewaltpassagen gibt, findet man sie auch in den islamischen Überlieferungen. Der Sinn dieser Texte ist aber dann schwer zu verstehen, wenn eine wortwörtliche Lesart angewandt wird, also die Übertragung der Gesellschaftsordnung aus dem 7. Jahrhundert auf das heutige 21. Jahrhundert. Man stellt sich nicht kritischen Fragen, in welchem historischen Kontext bestimmte Verse offenbart wurden, welche gesellschaftliche und auch militärische Faktoren gilt es in der (wissenschaftlichen) Retrospektive zu berücksichtigen und vieles mehr. Die gründliche Beschäftigung mit diesen Fragen würde zeigen, dass die politischen und juristischen Elementen des Islam im 7. Jahrhundert zu verorten sind, da sie an der damaligen, historisch-konkreten Zeit gebunden sind und nicht mehr ins 21. Jahrhundert mehr passen.

Argumentiert man nach diesem Konzept, schlägt einem häufig die Frage entgegen, was eigentlich dann vom Islam übrigbleibe? Das darf doch nicht wahr sein! Ist der Islam ausschließlich politisch-juristisch zu verstehen? Bietet er nicht viel mehr? Gibt es nicht sowas wie Spiritualität und soziale Seiten im Islam? Ist die sog. „Scharia“ ausschließlich als das Befolgen von (islamischen) Gesetzen zu verstehen oder nicht, wie der Islamtheologe Mouhanad Khorchide in seinem Buch Scharia. Der missverstandene Gott. Der Weg zu einer modernen islamischen Ethik schreibt: „Der Begriff Scharia bedeutet im Arabischen der Weg zur Quelle. Auf den Islam übertragen ist Scharia der Weg zu Gott, denn Gott ist die Quelle, er ist der Anfang und das Ende […]. Welcher Weg führt aber zu Gott? Ist das wirklich ein juristischer Weg? Oder anders gefragt: Wird der Weg, den Gott für uns vorgesehen hat, um in seine Gemeinschaft zu kommen, über juristische Regelungen und Kategorien definiert? […]. Die These, die ich in diesem Zusammenhang vertrete, lautet: Nicht der juristische Weg bringt uns Menschen in die Gottesgemeinschaft, sondern der ethische und spirituelle. Damit will ich keineswegs die islamischen Gebote und Verbote über Bord werfen; ich sehe diese aber auch nicht als Selbstzweck an, sondern sie sollen im weitesten Sinne der Glückseligkeit des Menschen im Diesseits und Jenseits dienen.“

Um zu der Ausgangsfrage zurückzukommen: Gehört der Islam zu Deutschland? Dazu gibt es zwei Antworten: 1. Nein, wenn der Islam nicht friedlich gelebt und politische sowie gesellschaftliche Machtansprüche stellt. 2. Ja, wenn der Islam historisch-kritisch kontextualisiert sowie entpolitisiert wird und dem Gläubigen in puncto Spiritualität und Soziales viel Kraft gibt. Differenzierung in dieser wichtigen Frage, die nicht wenige Menschen bewegt, würde uns allen guttun.

Der Gebetsruf – Adhan

Der Gebetsruf – Adhan

Nouman Younas
Nouman Younas

Assalaamu alaikum wa rahmatullah wa barakatuhu

Liebe Brüder und Schwestern, ich begrüße euch sehr herzlich hier in der Moschee zum Freitagsgebet.

Unsere Moschee ist ein wenig anders eingerichtet als die meisten Moscheen. Es fehlt gewissermaßen an lauten orientalischen Schmuckstücken. Ein paar leicht orientalisch anmutende Kerzenständer sind wohl die einzigen subtilen Anzeichen dafür, dass es sich hier um einen Ort handelt, der in Verbindung mit einem anderen Raum und einer anderen Zeit steht – Zeit und Raum nämlich der Entstehung des Islam als Lebensphilosophie und als Religion. Wir leben einen „Deutschen Islam“, jedoch ist er genauso authentisch wie jeder andere, denn die Betonung liegt nicht auf Deutsch, sondern auf Islam. Manche Dinge finden hier aber immer auf Arabisch statt; eines dieser „Dinge“ ist der Adhan, der Ruf zum Gebet.

Das ich hier zum Gebet rufe, habe ich einem Zufall zu verdanken. Am Tag vor der Eröffnung unserer Moschee war ich auf Facebook unterwegs und sah, dass eine liberale Moschee eröffnet werden sollte. Ich hatte davon zuvor nichts gehört, und da ich keinen Fernseher habe und Nachrichten sehr selektiv schaue, hatte ich auch von Seyran Ates keine Kenntnis. Am nächsten Tag wollte ich mal schauen, was es denn mit dieser Moschee auf sich hatte. Mit meinem roten Kopftuch zog ich also los um kurze Zeit später an einem Ort anzukommen, der sich Moschee nannte, an dem aber kaum eine andere Frau ein Kopftuch trug – mit Abaja und Tuch war ich die am konservativsten gekleidete Frau auf dieser Feier. Das war dann wohl auch der Grund, aus dem ich schließlich gebeten wurde, zum Abendgebet zu rufen. Zunächst lehnte ich dankend ab, da ich das noch nie gemacht hatte und mir nicht einmal der Wortlaut richtig geläufig war. Natürlich hatte ich den Adhan schon tausendmal gehört, in den vielen Städten des Libanon, die ich besucht hatte, aus dem Lautsprecher des Radios meiner Freundin, und in der Moschee. Doch hatte ich nie darüber nachgedacht, in welcher Reihenfolge welche Wörter genau verwendet werden, ganz geschweige von der passenden Melodie. Ich verließ also den Raum in Richtung Garten, um mich draußen weiter zu unterhalten, doch noch bevor ich ganz aus dem Gebäude herausgetreten war, kehrte ich um. Der Gedanke, dass eine andere Person als ich nun zum Gebet rufen würde, erfüllte mich mit einem ganz unangenehmen Gefühl; ich befürchte, es war Eifersucht. Ich ging also zurück und fragte, ob ich denn noch rufen dürfte. Im Eilverfahren ging man mit mir die Wörter durch, die Anzahl der Wiederholungen und ließ mich dann allein. Ich trat nach vorn, in Richtung Mekka, und dachte: „und mit welcher Melodie??!!“ So sang ich den ersten Ton und dann kam meine eigene Melodie ganz von allein. Natürlich nicht ganz unähnlich denen, die ich zuvor gehört hatte, aber dennoch meine eigene. Sie ist seitdem ungefähr dieselbe geblieben. Ich rief also zum Abendgebet, und seit diesem Tag ist mir Gottes Gnade noch viel deutlicher bewusst als zuvor, denn das Rufen erfüllt mich immer wieder mit Freude und Zuversicht, auch wenn es manchmal besser klappt und manchmal weniger.

Es ist etwas ganz Besonderes, den Adhan zu rufen, aber erst nach und nach komme ich dahinter, was diese Besonderheit ausmacht. Nun ist es mir ein Bedürfnis, ein paar Gedanken darüber zu teilen.

Zunächst aber einige Sätze dazu, dass ich eine Muezzinin bin, also offensichtlich kein männlicher Vertreter meiner Spezies. Der eine oder andere Muslim vertritt ja nach wie vor die Meinung, ich als Frau dürfe nicht zum Gebet rufen, denn diese Aufgabe sei allein Männern vorbehalten. Diese prä-emanzipatorische Einstellung beruft sich auf ein Hadith, das ich gleich erzählen werde, beruht aber sicher nicht auf diesem, sondern auf tradierten Vorstellungen der Frau als Verführerin und ihrer Stimme als Instrument dieser Verführung. Aufgewachsen bin ich mit diesen Gedanken nicht. Als ich anfing, hier zum Gebet zu rufen, war mir gar nicht bewusst, dass ich eine Männerdomäne betrete! Ich hatte darüber tatsächlich nie nachgedacht. Irgendwann, nachdem ich schon an einigen Freitagen recht regelmäßig gerufen hatte, fragte mich jemand, ob es mir nicht seltsam vorkäme, als Frau zum Gebet zu rufen. Ich wusste beim besten Willen nicht, warum; doch langsam lernte ich, was die konservative muslimische Welt hierzu zu sagen hatte. Hier also der überlieferte Hadith von Bukhari, auch zu finden bei Muslim, auf den sich die Meinung stützt, dass nur Männer zum Gebet rufen dürfen:

Nach Al Bukhari (604) und Muslim (377) also, erzählt von Ibn Omar, standen die Muslime von Medina Freitags immer vor der Moschee, um auf das Gebet zu warten. Die Ungewissheit über den exakten Beginn des Gebets empfanden sie als unangenehm, suchten daher nach einer Möglichkeit, genauer zu wissen, wann das Gebet beginnen würde. Eines Tages nahm diese Suche konkrete Züge an, und so sagten manche von ihnen: „Lasst uns eine Glocke benutzen, wie es die Christen tun“. Andere sagten: „Nein, wir verwenden ein Horn, wie die Juden“. Omar sagte zum Propheten Mohamed: „Warum schickst du nicht einen Mann, um zum Gebet zu rufen?“ Da sagte der Prophet: „Oh Bilal, steh auf und ruf die Leute zum Gebet.“

Omar hatte also gefragt: „Warum schickst du nicht einen Mann um zum Gebet zu rufen?“ und Mohamed hatte daraufhin einen Mann ausgewählt. Er verwendete in der Tat das Wort Mann – aber stellt dies ein konstituierendes Element dar? Ich gehe davon aus, dass es üblicher war, einen Mann vorzuschlagen, einfach so, ohne große Gedanken darüber, wohin so ein kleines Wort führen könnte. Wir bedenken ja nicht alles, was wir sagen, bezüglich der Zukunftswirkung jedweden Wortes. Es wird eher der Zufall oder patriarchale Grundgedanken des Sprechers gewesen sein, die dazu führten, dass nach einem Mann gefragt wurde.

Ein besonders kluger Kopf schreibt im Internet auf der Seite Quora, dass ja mittlerweilse seit 1400 Jahren immer nur Männer zum Gebet gerufen haben, wodurch bewiesen wäre, dass dies die korrekte Praxis sei. So kann man es natürlich auch sehen.

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht.

Die schlechte Nachricht ist, dass sich Menschen von derartigen Beweisführungen beeindrucken lassen. Zufallsäußerungen, unlogische Kausalverknüpfungen, Vermischung von kulturellem Zeitgeist und Religion werden nicht von jedem hinterfragt. Die gute Nachricht ist, dass es überhaupt kein Problem darstellt, wenn ich als Frau zum Gebet rufe, denn die Aussage des Hadiths ist meiner Ansicht nach nicht großartig relevant. Im Koran habe ich ebenfalls nichts gefunden, was dagegen spräche, als Frau zum Gebet zu rufen. Wir finden in Sure 33, Vers 32 zwar Folgendes:

“O Ehefrauen des Propheten! Ihr seid nicht wie irgendwelche von den anderen Frauen, vorausgesetzt dass ihr euch (wahrhaft) Gottes bewusst bleibt. Darum seid nicht überweich in eurer Rede, dass nicht einer, dessen Herz krank ist, bewegt würde (nach euch) zu verlangen: aber überdies sprecht auf gütige Weise.“ Dieser Vers wird herangezogen, um Frauen dazu zu bewegen, ihre Stimme nicht im Rahmen des Gottesdienstes zu erheben. Dies ist eine Anweisung an die Frauen des Propheten (!), die in der Geschichte des Islam eine besondere Rolle innehatten. Dies wird in den vorangehenden Versen 30 und 31 sehr deutlich erklärt: „O Ehefrauen des Propheten! Wenn eine von euch offenkundigen unmoralischen Verhaltens schuldig werden würde, ihr Leiden (im Jenseits) wäre das Doppelte (dessen anderer Sünden): denn das ist fürwahr leicht für Gott. Aber wenn eine von euch demütig ergeben Gott und Seinem Gesandten gehorcht und gute Taten tut, ihr werden Wir ihre Belohnung zweifach erteilen: denn Wir werden für sie eine höchst vortreffliche Versorgung (im kommenden Leben) bereitet haben.“ Ganz offensichtlich sind also diese Vers an die Frauen des Propheten gerichtet. Eine solche bin ich nicht, auch wenn ich den Propheten Mohamed besonders in mein Herz geschlossen habe. Die Frauen des Propheten hatten eine Stellung in der Gesellschaft die vor und nach ihnen niemand haben konnte. Auch rein inhaltlich muss man sich recht weit aus dem Fenster lehnen, um hieraus ein Verbot des Adhan für Frauen zu schließen. So rufe ich also wann immer es mir möglich ist, am Freitag nach der Arbeit hier in unserer Moschee zum Gebet. Als Frau, und nicht als einzige Frau der Welt. Auch Amina Wadud und Ani Zoneveld rufen zum Gebet.

Der Ruf läutet das Freitagsgebet ein. Man sammelt sich im Gebetsraum, spricht miteinander, lacht und scherzt, tauscht Fragestellungen aus und Antworten über Arbeit, Familie, Sorgen, Freuden und die Wissenschaften. Meist wird leise geredet, während man auf den Adhan wartet, den Ruf zum Gebet.

Vor dem ersten Ton gibt es im Moscheeraum meist noch das eine oder andere Geräusch. Beim ersten gesungenen Ton entsteht zunächst Geräuschlosigkeit. Die Menschen hören auf, sich zu unterhalten.

In dieser Geräuschlosigkeit erklingt nun der erste Ton, und es entfaltet sich der Ruf zum Gebet. Es ist die tonale Manifestation unserer Verbindung zu allem was ist – zu allem, was hört, und zu allem, was Schwingungen wahrnimmt, der Verbindung zu Allah und all seiner Schöpfung.

Wenngleich der Gebetsruf eine Melodie hat, ist er doch kein Lied. Er ist auch kein Gebet. Er ist ein Ruf, an die Gläubigen gerichtet, sich nun bereit zu machen, sich zu reinigen, innerlich wie äußerlich, um vor den Schöpfer aller materiellen wie nicht materiellen Dinge zu treten und ihm Ehrerbietung zu erweisen. Doch nun geschieht häufig das, was mich immer wieder ein wenig erschreckt. Die Stille, die zuvor lediglich die Abwesenheit von Geräusch war, wird nun gerade durch die Anwesenheit des tönenden Klanges zu wahrer Stille. Denn während des Adhans entsteht hin und wieder eine Stille, die mächtiger ist, als die Stille, die ihr vorangeht, obwohl es sich streng genommen nun gar nicht mehr um Stille handelt, denn es gibt ja den Klang des Adhan. Es ist dies vielleicht die Stille der Seelen, die sich im Raum ausbreitet und deren Kraft der Rufer mit einem leichten Erschrecken spürt. Möglicherweise ist es die Stille einer Macht, die, da sie gerufen wurde, nun angekommen ist, im Raum. Nicht immer stellt sich diese Stille ein – woran auch immer dies liegen mag, manchmal bleibt es bei der Geräuschlosigkeit – aber manchmal ist sie recht deutlich zu spüren. Ich glaube, diese Art Stille entsteht dann, wenn alle Seelen von innen ganz still werden und dem Ton erlauben, sie tief zu berühren. Wenn die Seele ganz im Hier und Jetzt ist, aber als vollkommene Seele, mit all ihren Erinnerungen, ihrem Schmerz, ihrer Freude und ihrer Hoffnung. Der Ton resonniert gewissermaßen in den Seelen der Zuhörer und wird das Außen des Innen. Zunächst bin nur ich der Rufer, aber jede Seele wird mit mir zum Rufer und ruft Allah an, und plötzlich verliert sich mein Ich und der Rufer ist jeder – jede Seele vereint sich gleichsam in diesem Ton und ich als Person bin nur noch diejenige, die den äußeren Ton zur Verfügung stellt. Ich bin nicht der Rufer, ich bin der Ton.

Dabei glaube ich nicht, dass das mit jedem Ton möglich ist, oder mit jedem Text.

Die Töne treffen nicht zufällig auf die Seelen der hierfür Empfänglichen. Hierzu tragen ganz klar auch die gerufenen Worte bei. Nach sunnitischer Überlieferung hatte Bilal die Eingebung dieser Worte. Er war es, der sich überlegte, welche Aussagen und Aufforderungen zu rufen sinnvoll wären. Nach schiitischer Überlieferung erschienen die Worte dem Propheten Mohamed in einem Traum, überbracht vom Engel Gabriel. Ich bin geneigt, letzteres zu glauben, denn genau diese Wörter haben einen besonders intensiven emotionalen Stimmungsgehalt. Der erste Ton, der gehalten wird, ist ein Ah – ein lautes Anrufen Allahs und zugleich ein klagender Laut. Wessen Seele klagt, der hört ihn deutlich und lang und empfindet ihn möglicherweise als etwas Angenehmes, denn dieser Vokal bringt sein Inneres zum Klingen. So lange es um Allah geht, bleibt das Ah der vordringliche Vokal. Das Ah ist auch ein Laut der Bewunderung und ein Laut, den wir von uns geben, wenn wir etwas Überraschendes erfahren oder lernen. Klage und liebende Bewunderung liegen auf der Gefühlsebene eng beieinander. Klage und Bewunderung bilden einen engen Dreibund mit der Hoffnung, die im Guten liegt, das wir wünschen und nach dem wir streben. Das A ist ein offener Laut. Er öffnet das Innere des Menschen hin zum Universum.

Das erste Zeugnis des Adhan gilt dem Bezeugen des einzigen, allmächtigen Gottes. Wir tun ihm kund: „Ich bin da. Bemerke mich und höre mich an, in meiner Bewunderung deines Wesens und in meiner Liebe zu dir. Ich rufe dich, damit du mich hörst und deinen schützenden Arm um mich legst, denn ich klage dir mein Leben und bitte, dass du mich nicht verlässt. Ich kann dies nur von dir wünschen, Allah, denn nur du bist wahrhaft größer als alles in mir und alles außer mir.“ „Allahu akbar“.

Das zweite Zeugnis gilt dem Propheten Mohamed, dem Rassul; und hier wechselt der Adhan zum Uh. Im Gegensatz zum Ah, das einen ausrufenden Klang der Brust und des Herzens darstellt, ist das Uh ein einkehrender Ton des Unterleibs. Er bezieht die Seele zurück zum Inneren. Legt man die Hände zum Rufen an den Mund, so bewegen sich die Arme beim Ah ganz automatisch nach außen, lassen den Brustkorb groß und weit werden, um sich beim Uh wieder zusammen zu ziehen, und den Brustkorb zu schützen. So ergibt sich gleichermaßen ein Flügelschlag vom Ah zum Uh und dann zurück zum Ah, gleich mehrere Male, denn der Satz wird zweimal gerufen, bis der Ton letztendlich beim Ah bleibt, denn nun darf die Seele dorthin schweben, wohin sie schweben mag, in ihre eigene Welt, die sich ihr nun durch den Ton eröffnet hat. So ist der Adhan ein Hin und Her zwischen Gott und dem Menschen, zwischen dem Ruf hinaus ins Universum und der Rückkehr zum Selbst, einem erneuten Ruf nach Gott und einer erneuten Rückkehr zum Selbst oder zu unserer Seele. Man könnte auch sagen, die Seele bewegt sich hin und her zwischen der Weite des Universums und der engen Nähe des Selbst.

Klang ist Leben, nennt Barenboim sein lesenswertes Buch. Der Klang jeder Musik, und so auch der Klang des Adhans, repräsentiert gleichsam unsere Existenz. Wir sind ein Klang, und so wie ein Klang entsteht, entsteht unser Leben – gleichsam aus dem Nichts heraus werden wir geboren. Der Klang wächst langsam heran, so wie auch wir heranwachsen, wird laut und voller Lebenskraft, um dann wieder langsam wieder leiser zu werden, zu vergehen und schließlich hier auf der Erde nur noch in der Erinnerung weiter zu leben. Wie der Klang, so sterben auch wir, verlassen diese Welt und bleiben als Gedanken oder vielleicht als Energiefelder im Diesseits zurück. Im Universum ist jedoch alles, was einmal angestoßen wurde, unendlich, so wie das Universum selbst. Einmal angestoßen, tönt der Klang, der Klang unseres Lebens, endlos weiter, unabhängig von Raum und Zeit. Vor ein paar Tagen las ich so passend im Beitext zu einem psychologischen Spiel: „In alten Mythen ist der Mensch selbst ein Gefäß, dem Gott seinen Atem eingehaucht hat – ein Gefäß, das zu klingen beginnt. Unser Wort „Person“ drückt das ebenfalls aus. Person heißt wörtlich „durchtönend“, von lateinisch sonare – tönen, klingen.Wenn die großen Zusammenhänge im einzelnen Menschen Widerhall finden, und – umgekehrt – wenn auch das Besondere eines Individuums an vielen Stellen in der Welt Resonanz findet, dann wird eine Person zur wohlklingenden, stimmigen Persönlichkeit.“ (Johannes Fiebig, „Du bist, was du vergisst“, 2018). Wir sind also ein Gefäß, das klingt, indem wir etwas von Außen aufnehmen und klingen lassen. Und zugleich lassen wir durch unseren Klang etwas von innen hinaus.

Um noch einen Moment im Bild zu bleiben – wahrscheinlich sind wir nicht ein einzelner Ton, sondern ein ganzes Geflecht von Tönen, die wir stets versuchen, zu harmonisieren. Diese Töne sind Manifestationen unserer Erfahrungen, Erlebnisse, Gedanken. Manche unserer Klänge verbinden sich zu wundervollen Harmonien. Andere Klänge bilden zusammen eine Kakophonie, die das ungeübte Ohr kaum zu ertragen vermag. Wir versuchen stets automatisch, unsere verschiedenen Klanganteile, die Klanganteile unserer Seele also, so miteinander zu verbinden, dass eine ansprechende Harmonie entsteht. Erlebnisse und Erfahrungen bilden so eine Klangharmonie, die unsere Identität ausmacht, welche mit jeder Erfahrung erweitert wird. Auch mit äußeren Klängen, das heißt mit anderen Menschen, versuchen wir Harmonie zu erreichen. Manche Klänge empfinden wir als zu uns unpassend und meiden sie, mit anderen verbinden wir uns ganz mühelos und freudvoll, weil sie mit unseren eigenen Klängen so gut zusammen passen. Wir sagen dann, wir sind miteinander im Einklang. Manchmal arbeiten wir unter Einsatz von Selbstdisziplin daran, dass unser Denken und unser Handeln miteinander in Einklang kommen.

Unser Prophet Mohamed war ein Warner. Als solcher, müsste er eigentlich durch einen lauten Klang verkörpert sein, den man überall hört, einer Art Warnschuss oder Trompetengetöse. Dennoch stelle ich ihn mir besonders leise vor. Der Klang des Propheten ist ein Ton, den man bei übermäßiger Geschäftigkeit nicht zu hören vermag, unübertroffen jedoch an Wärme und Liebe. Vielleicht haben wir alle so einen ganz warmen, leisen Ton in uns. Vielleicht ist das der Ton der selbstlosen Liebe. Der Ton liebender Ergebenheit, der in uns singt, wenn wir „muslim“ sind? Muslim nicht im Sinne einer Religionszugehörigkeit, sondern als Zustand. Muslim sein bedeutete dann, einen leisen Ton in sich zu tragen, der nie vergeht. Einen leisen, warmen Ton, der in unseren Gebeten zu Gott hin klingt und von ihm wahrgenommen wird. Ein Ton, ähnlich eines fein gesponnenen Fadens, der immer weiter klingt und in sich die Hoffnung trägt, und das Vergeben, die Liebe und die Gnade und das, was in den Interpretationen des Wortes „Islam“ immer als „Unterwerfung“ wiedergegeben wird, aber tatsächlich eine liebevolle, friedfertige Hingabe meint. Während alle Veränderungen, die wir von Tag zu Tag, sogar von Stunde zu Stunde, in uns spüren, unsere Klänge ändern, mal laut, mal leise, mal hart, mal weich, mal kälter, mal wärmer – so ist dieser eine, feine Ton, doch immer da – der Ton der beweist, dass wir muslim sind. Muslim, wie gesagt, als Zustand, als Sein. Diese Verbindung zu Gott besteht zwar immer, doch bekräftigen wir sie in unserem Leben stets in zwei besonderen Momenten: Wenn wir beten, und wenn wir Gutes tun.

Im Koran lesen wir:

2:2-4

Diese Göttliche Schrift – keinen Zweifel soll es darüber geben – ist (dazu bestimmt,) eine Rechtleitung für alle Gottesbewussten (zu sein), die an (die Existenz dessen) glauben, was jenseits der Reichweite der menschlichen Wahrnehmung ist, und beständig das Gebet verrichten und für andere von dem ausgeben, was Wir ihnen als Versorgung bereiten; und die an das glauben, was dir (o Prophet) von droben erteilt worden ist, wie auch an das, was vor deiner Zeit erteilt wurde: denn es sind sie, die in ihrem Innersten des kommeden Lebens gewiss sind!

2:43

…und verrichtet beständig das Gebet, und gebt aus Mildtätigkeit, und verbeugt euch im Gebet mit allen, die sich also verbeugen.

2:83

Und siehe! Wir nahmen dieses feierliche Versprechen von (euch) den Kindern Israels an: Ihr sollt keinen außer Gott anbeten; und ihr sollt Gutes tun euren Eltern und euren Verwandten und den Waisen und den Armen; und ihr sollt zu allen Leuten auf gütige Weise sprechen; und ihr sollt beständig das Gebet verrichten; und ihr sollt ausgeben aus Mildtätigkeit.

2:277

Wahrlich, jene, die Glauben erlangt haben und gute Werke tun und beständig das Gebet verrichten und aus Mildtätigkeit ausgeben – sie werden ihren Lohn bei ihrem Erhalter haben, und keine Furcht brauchen sie zu haben, noch sollen sie bekümmert sein.

8:2-4

Gläubige sind nur jene, deren Herzen vor Ehrfurcht erzittern, wann imer Gott genannt wird, und deren Glauben gestärkt wird, wann immer Seine Botschaften Ihnen übermittelt werden, und die iher Vertrauen auf ihren Erhalter setzen – jene, die beständig das Gebet verrichten und für andere ausgeben von dem, was Wir ihnen als Versorgung bereiten: es sind sie, die wahrhaft Gläubige sind! Für sie wird es große Würde in der Sicht ihres Erhalters geben und Vergebung der Sünden und eine höchst vortreffliche Versorgung.

In 19:31,32 lesen wir, wie der Prophet Jesus sagt: „Siehe, ich bin ein Diener Gottes. Er hat mir Offenbarung gewährt und mich zu einem Propheten gemacht und mich gesegnet gemacht, wo immer ich sein mag; und Er hat mir Gebet und Mildtätigkeit geboten, solange ich lebe, und hat mich versehen mit liebender Achtung gegenüber meiner Mutter; und Er hat mich nicht überheblich oder bar der Gnade gemacht.“

19:54,55

Und erinnere dich, durch diese göttliche Schrift, an Ismael. Siehe, er hielt immer sein Versprechen und war ein Gesandter Gottes, ein Prophet, der seinen Leuten Gebet und Mildtätigkeit zu gebieten pflegte und in der Sicht seines Erhalters Gunst fand.

22:41 sagt uns, dass Gott wohl den Betenden und Mildtätigen wohl gewahr ist .

…(wohl gewahr) jener, die selbst wenn wir sie auf Erden in sicherer Position einsetzen, weiterhin beständig das Gebet verrichten und aus Milttä geben und das Tun dessen gebieten, was recht ist, und das Tun dessen verbieten, was unrecht ist; aber bei Gott liegt das endgültige Ergebnis aller Geschehnisse.

Wenngleich es noch eine Vielzahl solcher Koranstellen gibt, ende ich mit 98:5

und überdies, ihnen wurde nichts anderes geboten, als dass sie Gott anbeten sollten, aufrichtig in ihrem Glauben an Ihn allein, sich abwendend von allem, was falsch ist, und dass sie beständig das Gebet verrichten sollten; und dass sie aus Mildtätigkeit ausgeben sollten: denn dies ist ein mit immerwahrer Triftigkeit und Klarheit versehenes Moralgesetz.

In wenigen Minuten werden wir das Freitagsgebet verrichten. Wir könnten dafür genauso gut zu Hause bleiben und da beten, wo wir es immer tun, doch kommen wir hier zusammen, um das gemeinsam zu tun. Dabei senden wir jeder einzeln einen Ton, zart wie ein Faden und zugleich kraftvoll wie ein Seil, hell wie der lichte Tag und zugleich dunkel wie die tiefste Nacht, eifersüchtig, hartherzig, unumsichtig und gnädig zugleich. Unseren eigenen Ton, der sich manchmal Bahn bricht, entgegen unseren Wünschen und unserem Verstand. Manchmal ist es die reine Pflichterfüllung, die uns bewegt, in der Moschee zu beten, denn nicht immer kann der Mensch seine spirituellen, geistigen Ideale leben, und es gibt auch solche Pflichtmenschen, die dem Spirituellen wenig abgewinnen können, aber deren Ton stark und reißfest trägt. Jeder eigene Ton verbindet sich nun mit allen anderen Tönen in diesem Raum und alle zusammen

hallen hinaus ins Universum. Das Gebet hält uns nicht einfach zusammen als Gemeinde, sondern wir sind die Verkörperung der Schöpfung als Einheit. Indem sich unsere Einzeltöne miteinander verbinden, verbinden auch wir uns miteinander. Sure 62 Vers 9 erinnert uns: Oh Ihr, die ihr Glauben erlangt habt! Wenn am Tag der Gemeindeversammlung (also des Freitagsgebets) der Ruf zum Gebet ertönt, eilt zum Gedenken Gottes und lasst allen weltlichen Handel: dies ist zu eurem eigenen Wohl, wenn ihr es nur wüsstet. Und wenn das Gebet beendet ist, zerstreut euch freizügig auf Erden und sucht etwas von Gottes Huld zu erlangen; aber gedenkt Gottes oft, auf dass ihr einen glückseligen Zustand erlangen möget! Doch es kommt vor, dass wenn Leute einer Gelgenheit für weltlichen Gewinn oder eines vergänglichen Vergnügens gewahr werden, sie üerstürtzt dorthin eilen und dich stehen und predigen lassen. Sag: Das was bei Gott ist, ist weit besser als alles vergängliche Vergnügen und aller Gewinn! Und Gott ist der Beste der Versorger!“

Koran und Thora

Koran und Thora

Immer wieder kommt es zurzeit zu verbalen und auch körperlichen Auseinandersetzungen explizit zwischen Muslimen und Juden. Es sind nicht nur die äußerlichen Zeichen eines Juden, z.B. die Kippa, sondern ebenfalls gedanklicher Hass auf sie, und gerade von Muslimen, die hier bei uns Zuflucht erhoffen. Leider bringen sie das unterschwellige Ablehnen des Judentums aus ihrem Heimatland mit nach Deutschland. Es sind aber auch Deutsche, die lautstark ihre jüdischen Mitmenschen belästigen.

Der Grund ist wahrscheinlich die Auslegungen des Korans, eine Unkenntnis der Geschichte im Orient, eine uralte Abneigung, das von Generation zu Generationen weitergegeben wurde. Dabei haben Juden und Muslime außerordentlich viel gemeinsam. Jedoch meinen sie, dass ihre Religionen unähnlich seien und kaum Gemeinsamkeiten hätten. Durch die Medien wird dieses Dilemma noch gesteigert, sodass sie einander feind gegenüberstehen. Man fragt sich, wer hat davon Nutzen? Meistens diejenigen, die die Macht haben, die Zeitungen als Sensationsmacher.

Die einfachen Muslime und sicher auch Juden werden zu wenig aufgeklärt, dass sie viele religiöse Gemeinsamkeiten haben.

Die Geschehnisse der letzten Zeit haben mich auf den Gedanken für eine Verarbeitung zu dieser Khutba gebracht, um die Grundwerte beider Religionen nebeneinander zu stellen.

Die grundlegendste Gemeinsamkeit beider Religionen und dem Christentum ist ihr monotheistischer Glaube an den Einen Gott, auch wenn sie verschiedene Namen für Ihn haben. Die einen sagen Jahwe, die anderen Allah, den Einen, wiederum andere hier in Deutschland nennen Ihn Gott.

Die Juden zitieren als Teil ihres täglichen Gebetes. „Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig.“

Der jüdische Philosoph Maimodes aus dem 13. Jahrhundert sagte: „Gott ist einer. Er ist nicht zwei oder mehr, sondern einer, vereinigt auf eine Weise, die jede Einheit in der Welt übersteigt.“

Klingt das in unseren Ohren als sehr bekannt? Im ersten Teil unserer Schahada, dem muslimischen Glaubensbekenntnis, heißt es: „Ich bezeuge: Es gibt keinen Gott außer Allah.“

Allah bedeutet „der Eine“, ich nenne Ihn auch Gott.

Auf der einen Seite, der jüdischen: „Gott ist einer“- auf der anderen Seite, der islamischen: „kein Gott außer Allah“

Im ersten Vers der Sure „Al-Ikhlas“ heißt es: Sprich: „Er ist Allah, ein Einziger, Allah, der Absolute…“ Und beide Religionen meinen den Einen, den Gleichen! Also dürften beide Religionen gar nicht so unüberbrückbar sein, wie man es doch immer wieder hinstellt.

So gibt es viele weitere Stellen in beiden Schriften, die ähnlich klingen, so in der hebräischen Bibel: „Gott schuf die Himmel und die Erde.“ Und nun die Aussage im Koran Sure7: 54: „Gewiss, euer Herr ist Allah, Der die Himmel und die Erde in sechs Tagen schuf.“

Die Thora ist bei den Juden gleichermaßen das wertvollste Buch, da sie ebenfalls von Gott stammt. Ihr Zentrum sind die 10 Gebote, die Moses auf dem Berg Sinai von Gott empfing. In den Büchern stehen die Gebote und Lehren und das, woran die Juden glauben. Und das wird expliziert im Koran bestätigt. In der Sure 3: 3-4 können wir lesen: „Er sendet dir das Buch mit der Wahrheit in Teilen herab als Bestätigung der früheren Offenbarungen. Und Er hat die Thora und das Evangelium herabgesandt vordem als Rechtleitung für die Menschen.“

Also der Koran bestätigt ganz genau, dass die Schriften der Juden und Christen ebenfalls göttlichen Ursprungs sind. Der Islam mit seinem Koran ist zwar der Höhepunkt der Herabsendungen, weist aber auch darauf hin, dass die Thora und die Evangelien derselben göttlichen Ursprungs sind. Für die damaligen (und das gilt wohl auch heute) Muslime muss das wohl ein Schock gewesen sein. Denn das setzt ja voraus, dass sie auf gleicher Ebene stehen, Jude, Christ und Muslim.

Die mündlich überlieferten Geschichten über Moses liegen zwischen dem 10. Und 6. Jahrhundert vor Chr. Man glaubt, das ein Team jüdischer Priester die 5 Bücher Mose im 5. Jh. vor Chr. zusammengestellt hat, wahrscheinlich 800 Jahre nach der Zeit, in der Mose gelebt haben könnte.

So wie Moses mit den 10 Geboten im Koran erwähnt wird, werden viele andere Propheten, die vor dem Propheten Muhammad, Friede und Segen seien auf ihn, im Koran erwähnt und verehrt. Sie stehen in einer langen Reihe, die die Botschaften von Gott zu ihrer jeweiligen Gesellschaft und in der jeweiligen Zeit gebracht hatten. Die Sure 2:136 besagt. „Wir glauben an Gott und an das, was uns herabgesandt worden ist und was Abraham, Israel, Isaak, Jakob und den Stämmen Israels herabgesandt wurde, und was den Propheten von ihrem Herrn gegeben worden ist. Wir machen zwischen ihnen keinen Unterschied und Ihm sind wir ergeben.“

Wie oft habe ich gehört: Unser Prophet, Friede und Segen seien auf ihn, ist das Siegel, der letzte Prophet und steht deshalb an der Spitze der Propheten. Deshalb ist auch der Islam die höchste Religion, das heißt: Sie steht über alle anderen.

Nein, jeder Prophet hat seine Richtlinien, seine Sendung zu einem ganz bestimmten Volk und zu seiner ganz bestimmten Zeit bekommen. Die Zeiten und die Menschen verändern sich, deshalb muss auch die Botschaft auf dem jeweils neuesten Stand gebracht werden. Sie sind alle gleichberechtigt. Muhammad war nur der letzte in der Reihe der Propheten.

Der Islam und der Judaismus teilen sich gemeinsame Ansichten über das Jüngste Gericht und die Auferstehung. Die jüdischen Schriften sagen aus: Nach dem Tod sitzen die Seelen der Rechtschaffenen neben dem Thron der Ehre im Himmel, während der Koran in Sure 89:27-30 sagt: „O du ruhige Seele, kehre zurück zu deinem Herrn, wohlzufrieden und mit Allahs Wohlwollen. So schließ dich dem Kreis Meiner Diener an. Und tritt ein in Mein Paradies.“ Das heißt: Der Muslim und der Jude glauben an das Jüngste Gericht und daran, dass seine Seele mit Gottes Erbarmen ihren Platz im Paradies finden wird.

Der muslimische Glaube ist auf 5 Säulen aufgebaut. An erster Stelle steht im Islam das Glaubensbekenntnis, was ich schon genannt habe und dass es ein ähnliches Bekenntnis in der jüdischen Religion gibt.

Ebenso ist von zentraler Bedeutung in beiden Religionen das Gebet. Wir beten 5x am Tag, die jüdischen Gläubigen 3x. Die Gebete sollen uns auf der einen Seite an die ständige Anwesenheit von Gott erinnern, bzw. wir sollen uns an Gott erinnern. In den Gebeten loben wir Gott und bitten Ihn und danken Ihm.

Unsere 3. Säule ist Zakat, die soziale Pflichtabgabe. Sie ist als Unterstützung von Bedürftigen gedacht. Sie fördert einerseits die soziale Sicherheit und das Gemeinschaftsgefühl zwischen den Menschen. Sie ist deshalb ein wichtiger Bestandteil jeder islamischen Gesellschaft, da sie jedem Menschen die Lebensgrundlage sichert, ohne dass sich der Empfänger jemandem verpflichtet fühlen muss. Andererseits wird diese Abgabe auch als eine Art innere Reinigung angesehen. Im Koran, Sure 2:177 steht: „…und sein Vermögen ausgibt – wie sehr er es selbst wertschätzen mag – für seine Verwandten und die Waisen und die Bedürftigen und den Reisenden und die Bettler und für das Befreien von Menschen aus Knechtschaft.“

Genauso ist die Zedaka, die Wohltätigkeit gegenüber den Bedürftigen, eine der höchsten Werte im Judentum. Im Leviticus, das ist das 3. Buch des jüdischen Tanachs, oder das 3. Buch Mose, steht: „Wenn ihr die Ernte eures Landes einbringt, sollt ihr das Feld nicht bis zum äußersten Rand abernten. Du sollst keine Nachlese von deiner Ernte halten. In deinem Weinberg sollst du keine Nachlese halten und die abgefallenen Beeren nicht einsammeln. Du sollst sie dem Armen und dem Fremden überlassen. Ich bin der Herr, euer Gott.“ Diese wenigen Sätze erklären sehr gut, wie die Wohltätigkeit der früheren jüdischen Gesellschaft funktionierte.

Ebenfalls ist beiden Religionen das Fasten vorgeschrieben, wenn auch mit unterschiedlicher Dauer.

In beiden Religionen bedeutet es eine innere Einkehr und Besinnung für jeden einzelnen Muslim oder Juden.

Juden fasten an Jom Kippur, d.h. am 10. Tag des siebenten Monats, dem Tag der Versöhnung. Gott fordert von seinem damals auserwählten Volk zur Einhaltung seines Gesetzes des Fastens und der Ruhe auf. Juden bekennen an diesem Tag ihre Sünden und bitten Gott um Vergebung. Sie fasten durchgehend 25 Stunden, vom Sonnenuntergang bis Einbruch der Nacht (etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang) des folgenden Tages. Bis dahin darf weder feste noch flüssige Nahrung eingenommen werden. Wir fasten im Monat Ramadan vom Tagesanbruch bis Sonnenuntergang. Und ebenfalls bitten wir Gott um Vergebung und Barmherzigkeit.

Genauso legen beide Religionen Wert auf das religiöse Pilgern. Als der jüdische Tempel in Jerusalem stand, wurden sie aufgefordert, während der Wallfahrtsfeste dorthin zu pilgern. Heute erinnert in Jerusalem nur noch die Westmauer an das zerstörte Heiligtum der Juden. Heute pilgern, besser „besuchen“ die jüdischen Gläubigen nur noch ihre sogenannte Klagemauer als ein religiöser Brauch.

Die Riten der islamischen Pilgerreise stammen noch aus vorislamischer Zeit, als die Kaaba, ihr Mittelpunkt, ein polytheistischer Wallfahrtsort war. Sie wurde der islamischen Lehre nach von Abraham und seinem Sohn Ismael, der, wie ihr wisst, als Stammvater der Araber gilt, als Haus Gottes und der Menschen gebaut. Vielleicht begann damals schon die Umrundung der Kaaba?

Aber noch ein Element in beiden Religionen ist wichtig. Wir finden sie in der Basmala und an vielen Stellen im Koran: Gott, Allah ist der Barmherzigste und der Allerbarmer. Und bei den Juden heißt es im Ezodus34, 6-7: „Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue. Er bewahrt Tausenden Huld, nimmt Schuld, Frevel und Sünde weg.“ Beide, Jude oder Muslim verlassen sich auf die Barmherzigkeit und Gnade Gottes, auf Seine Führung durch den Koran und den hebräischen Schriften Und Gottes Beispiel folgend werden wir ebenfalls aufgefordert, zu vergeben, miteinander ins Gespräch zu kommen, gemeinsam zu handeln, das Richtige zu tun. Und der mittelalterliche jüdische Maimonides sagte: „Es ist einem Menschen verboten, grausam zu sein und sich der Versöhnung zu verweigern. Wenn ein Mensch, der ihm ein Übel getan hat, ihn um Vergebung bittet, sollte er ihm aus vollem Herzen und willigem Geist vergeben.“

Und der Koran betont. „Allah liebt, die da Gutes tun.“

Es gibt bestimmt noch etliche Aussagen in beiden religiösen Schriften, die als übereinstimmend betrachtet werden können.

Gott hat immer wieder Propheten geschickt, zu allen Zeiten, zu unterschiedlichen Gesellschaften, aber ihre Botschaften waren dieselben, nur Zeit und Ort waren unterschiedlich, da sich ja auch die Menschen in ihrer Gesellschaft geändert haben. So ähneln sich beide Schriften und wenn man über die Aussagen von Gottes Worten nachdenkt, so haben sie sich nie geändert.

Al-Fatiha

Al-Fatiha

Wir beten 5x am Tag und jedes Mal ist die Al -Fatiha dabei. Sie begleitet uns sozusagen durch den Tag, durch das Jahr, durch unser ganzes Leben als Muslim. Sie ist also sehr wichtig. Aber es kann passieren, wenn man etwas sehr oft sagt, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt. Aus dem Grund möchte ich einfach mal genauer betrachten.

Al-Fatiha bedeutet im Arabischen: „Anfang einer Sache, Einleitung oder Vorwort“.

Sie eröffnet als erste Sure (Kapitel) nicht nur den gesamten Koran-Text, sondern wird auch im rituellen Gebet (as-Salat) am Anfang jeder Rak’a, einem Gebetsabschnitt rezitiert. Ohne die Al-Fatiha ist das rituelle Gebet ungültig.

Diese Anfangssure hat noch andere Namen, in der ihre Wichtigkeit betont wird. „Umm al-Quran“ – Mutter des Buches, „Fatiha al-Koran“ – Eröffnende des Buches, weil sie die erste Sure ist, wenn man den Koran aufschlägt. Es gibt noch viel andere Namen.

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen mit ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sagte: „Wer ein Gebet verrichtet und dabei nicht die „Mutter des Korans“ rezitiert hat, so ist es gekürzt, unvollständig.“ Und der Prophet wiederholte dies dreimal.

Nach der überwiegenden Auffassung der Gelehrten wurden die sieben Verse der Al-Fatiha in Mekka, also vor der Hijra offenbart.

Neben dieser funktionellen Bedeutung hat die Al-Fatiha aber auch noch besondere Bedeutung. Sie berührt den Kern des Glaubens. Sie lehrt den Tauhid, den Glauben an den ‚Einen Gott‘ und legt das Verhältnis Gottes zu den Menschen in seinen Grundzügen dar. Und in ihr werden auch einige der wichtigsten einige Eigenschaften bzw. Namen Gottes genannt.

Was steht nun in der Fatiha: Als erster Vers steht die Basmala: „Im Namen Allahs des Allerbarmers, des Barmherzigen – Bismi-llahi-r-rahmanir-rahim“.

Dieses steht am Anfang jeder Sure außer der 9. Sure. Die Gelehrten streiten darüber, ob die Basmala ein eigeständiger Vers der Suren ist oder nicht. Diejenigen Quran-Gelehrten, die meinen, die Basmala sei kein eigener Vers, führen u.a. einen Hadith an, worin der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Rezitation “der bedeutendsten Sure des Koran“ mit der Al-Hamdala – dem zweiten Vers also- und nicht mit der Basmala beginnt, das auch A’isha, die Ehefrau des Propheten bestätigt. Darum sagen viele Rezitatoren die Basmala leise auf, so wie ich es tue.

Der Prophetengefährte Ibn Abbas sagte in einem Hadith: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wusste keine Einleitung der Suren, bis ihm Bismi-llahi-r-rahmani-r-rahim“ offenbart wurde.“ Wir sehen also, wenn wir die Überlieferung ernst nehmen, dass die Basmala zu Beginn der Suren nicht als Bestandteil, sondern als eine nicht unbedingte Einleitung anzusehen ist. In der ersten Sure, der Al-Fatiha bekommt sie dennoch die Versnummer 1, sie ist ja der erste Bestandteil der gesamten, durch Verszählung gekennzeichneten Offenbarung, in den anderen ist sie als eine Einleitung zu sehen.

Die Basmala lautet: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“.

Der Name Allah gehört nur unserem Schöpfer allein; er setzt sich zusammen aus dem Artikel „Al-“ und dem arabischen Wort „llah“. Al-llah bedeutet demnach „der Gott“, dh. der alleinige Gott, neben Dem es keine anderen Götter gibt. Dieser Name „Allah“ ist nicht übersetzbar, denn er ist ein Eigenname unseres Schöpfers, der zugleich alle Attribute umfasst, die Ihm zustehen, und zu diesen 99 Attributen oder „Namen“ Allahs, die im Koran genannt werden, gehören auch „der Allerbarmer“ und „der Barmherzige“- „Ar-rahman“ und „Ar-rahim“.

Jeder der beiden Namen hat eine bestimmte Bedeutung, die ihr eigen ist. Wie unterscheiden sie sich? Beide Begriffe haben denselben Ursprung. Dennoch, alle Gelehrten sind einig, dass der Begriff ar-rahman in seiner Bedeutung Allerbarmer eine umfassendere und allgemeinere Form von Barmherzigkeit bezeichnet. Sie umfasst das ganze Diesseits und Jenseits, während die Barmherzigkeit von ar-rahim der Barmherzige sich auf das Jenseits bzw. auf einen Teil Seiner Schöpfung bezieht. Den Gläubigen wurde ja schon im Diesseits Seine Güte gewährt, an ihn und an seine Gesandten zu glauben und seinen Geboten zu folgen, während die Barmherzigkeit von ar-rahman alle anderen Anders- und Nichtgläubigen im Diesseits mit seiner Güte umfasst. Er versorgt sie ja auch und hat ihnen Verstand gegeben. Ar-rahman umfasst jedes Geschöpf, also umfassender.

Sure 33:43: Er ist es, der euch segnet, und seine Engel bitten darum für euch, dass Er euch aus den Finsternissen zum Licht führe. Und Er ist Barmherzig gegen die Gläubigen. Es bedeutet, dass Gott den Gläubigen seine Güte im Diesseits durch den Glauben an Ihn Erfolg gab, während Er im Jenseits ihnen Wohltaten erweist.

Beginnen wir mit der eigentlichen Sure, dem

2. „al-ḥamdu li-llāhi rabbi l-ʿālamīn – Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten

Es ist der aufrichtige Dank für alle unendliche Wohlgaben an die Menschen, z.B. die Versorgung. Ohne dass wir etwas dafür tun müssen, Er versorgt uns, damit wir leben können.

Ibn Abbas, ein Gefährte des Propheten sagte über alhamdu: Es ist der Dank gegenüber Allah und die Unterwerfung ihm gegenüber. Es ist die Anerkennung seiner Wohlgaben, seine Rechtleitung und dass er uns aus dem Nichts erschaffen hat.

Er ist der Besitzer der ganzen Schöpfung, der Herr aller Welten, den Welten der Dschinn und die Welten der Menschen. Er regelt alle Angelegenheiten seiner Geschöpfe. Und dafür gebührt Ihm Dank.

3. „ar-raḥmāni r-raḥīm“ – dem Allerbarmer, dem Barmherzigen.

4 „Māliki yaumi d-dīn“ – dem König (Herrscher) des Gerichts

Din bedeutet Gericht oder Abrechnung. Es ist der Tag, an dem die ganze Schöpfung zur Rechenschaft gezogen wird, so auch die Menschen. Ibn Abbas sagte: Wenn ihre Taten gut waren, dann gut für sie; wenn sie schlecht waren, dann schlecht für sie, außer jenen, denen vergeben wird, denn die Befehlsgewalt gebührt Allah allein.

Wie oft maßen wir uns an, über Leute zu urteilen. Nein, das letzte Wort hat Gott allein. (Das Gleiche kann man auch über das sagen, was man mir und anderen jetzt öfter vorgehalten hat: dass ich zu einer der 72 islamischen Strömungen gehöre, die in die Hölle kommen werden, nur eine ist die richtige. So macht man den Menschen Angst. Nein, nicht die Menschen halten Gericht über die Seele, sondern ausschließlich Gott. Und Er ist der Barmherzige.

5. „Iyyāka naʿbudu wa-iyyāka nastaʿīn“ – Dir allein dienen wir, und Dich bitten wir um Hilfe.

Wir bedürfen Gottes Hilfe. Darum bitten wir Ihn in voller Aufrichtigkeit.

6. „Ihdinā ṣ-Ṣirāṭa l-mustaqīm“ – Führe uns den geraden Weg,

Ich würde zu Gott bitten: Hilf mir dabei, auf dem richtigen Weg zu bleiben und auch standhaft zu bleiben, allen Beschwernissen oder Hindernissen zu trotzen. Natürlich mit Seiner Hilfe! Der gerade Weg bedeutet soviel wie der deutliche oder richtige Weg, auch wenn er nicht ‚gradlinig‘ verläuft.

7. „Ṣirāṭa llaḏīna anʿamta ʿalayhim ġayri l-maġḍūbi ʿalayhim wa-lā ḍ-ḍāllīn“ – den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht (den Weg) derer, die D(ein)em Zorn verfallen sind und irregehen!

Ibn Abbas meint hier wieder: den Weg derjenigen, denen Gott die Gunst unter den Engeln, den Propheten, den Wahrhaftigen, den Rechtschaffenen erwiesen hat und Seinen Gebote Folge leisten und Ihn anbeten. Damit sind die Gläubigen gemeint,

nicht wie diejenigen, die Seinen Zorn erregen aufgrund ihrer Ablehnung Ihm gegenüber. Und Ibn Abbas meint weiter: Die Ungerechten, die den geraden Weg verlassen haben und die den Zorn Allahs erregt haben.

Dschabir b. Abdullah berichtet, und es ist überliefert von Muslim, dass der Prophet sagte: „Allah sagte: ‚Ich habe das Gebet zwischen Mir und Meinem Diener in zwei Teile geteilt, und Meinem Diener wird das zuteil sein, worum er bittet.‘ Wenn der Diener sagt: ‚Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten‘, sagt Allah, der Allmächtige und Majestätische: ‚Mein Diener hat Mich gelobt.‘ Und wenn er sagt: ‚Dem Allerbarmer, dem Barmherzigen‘, sagt Allah, der Allmächtige und Majestätische: ‚Mein Diener hat mich gepriesen.‘ Und wenn er sagt: ‚Herrscher am Tage des Gerichts‘, sagt Allah: ‚Mein Diener hat Mich gerühmt,‘ und manchmal sagt Er: ‚Mein Diener hat alles auf Mich zurückgeführt.‘ Und wenn er sagt: ‚Dir allein dienen wir und Dich allein flehen wir um Hilfe an‘, sagt Er: ‚Dies ist zwischen Mir und Meinem Diener, und Meinem Diener wird das zuteil sein, worum er bittet.‘ Und wenn er sagt: ‚Leite uns auf den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Gnädig bist, nicht derer, denen Du zürnst und nicht der Irrenden‘, sagt Er: ‚Dies ist für Meinen Diener, und Meinem Diener wird das zuteil sein, worum er bittet.‘

Zusammengefasst: Die Fatiha nimmt eine hervorragende Stellung im Koran ein, sie ist die Eröffnende. Sie eröffnet nicht nur den Koran, sondern auch das Gebet und beinhaltet wichtige Glaubensgrundsätze. Wir praktizieren Demut, sie stärkt den Glauben und das Wissen über Gott, es spricht das Diesseits durch unser Bitten und das Jenseits durch unsere Hoffnung an.

Die ganze Sure besteht aus zwei Teilen, sie teilt sich ein in eine Anrufung und Verehrung Gottes und es ist zugleich ein Bittgebet an Ihn. Wir rufen also Gott 17x in 5 Einheiten am Tag an und bitten Ihn jedes Mal um Vergebung und Rechtleitung.

Zum Abschluss bitte ich Gott, dass Er unsere Gebete annimmt und uns verzeiht und uns immer auf Seinen rechten Weg leitet. (Al-Fatiha)

Koran und islamische Wissenschaft

Koran und islamische Wissenschaft

بِسْمِ ٱللَّهِ ٱلرَّحْمَـٰنِ ٱلرَّحِيمِ

 َفَلَا يَتَدَبَّرُونَ ٱلْقُرْءَانَ ۚ وَلَوْ كَانَ مِنْ عِندِغَيْرِ ٱللَّهِ لَوَجَدُوا۟ فِيهِ ٱخْتِلَـٰفًۭا كَثِيرًۭا

Sure 4:82 „Sie machen sich keine Gedanken über den Koran. Wäre er von einem anderen als von Allah, so würden sie darin gewiss viel Widerspruch finden.“

Sure 21:30 „Sehen die Ungläubigen denn nicht, dass die Himmel und die Erde vereint waren (als Einheit der Schöpfung), bevor Wir sie auseinander spalteten?“

Wer nachdenkt, wird unweigerlich zu dem Schluss kommen:  Dieser Vers benennt den Anfang von allem, der Schöpfung und Ursprung des Universums. Die Astrophysiker haben ein Wort dafür: der Urknall! Die Theorie der Wissenschaftler wird wohl immer eine Theorie bleiben, aber sie wird heute durch Jahrzehnte lange Forschung unterstützt. Aber vor über 1400 Jahren haben die Wüstenaraber schon diesen Vers gelesen und sich darüber Gedanken gemacht. Auch wenn sie es noch nicht vollkommen verstanden haben, sie haben es einfach akzeptiert.

Weiter gehen die Gedanken: Wieso steht so eine ungeheuerlich wichtige Wahrheit in einem Buch, die man zu der damaligen Zeit noch nicht so richtig verstehen konnte? Es ist eine Mitteilung von Gott an die Menschen, vielleicht für uns heutige Menschen? Der Koran gilt doch für alle Zeiten! Vielleicht haben diese und ähnliche Verse Anstoß gegeben für ein erstes Nachdenken, um es eines Tages zu verstehen, Anstoß für etwas Neues: das wissenschaftliche Arbeiten. Gott betont im Koran ja immer wieder: „Wollt ihr denn nicht wissen? Oder: Wollen sie denn nicht nachdenken?“

Sie schufen damit im Orient ein ganz neues Zeitalter, auf dem auch Europa Jahrhunderte später aufbaute.

Im Koran finden wir viele Verse, die sich auf Naturphänomene beziehen. Im Laufe der Zeit haben sich viel große Gelehrte mit diesen Wundern beschäftigt. Einer davon war Imam al- Ghazali. Er stellt in seinem Buch: „Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften“ fest: „Kurz gesagt, sind alle Wissenschaften in den Werten und Attributen Allahs eingeschlossen, und der Koran ist die Erläuterung Seines Wesens, Seiner Attribute und Seiner Werke. Es gibt keine Begrenzung der Wissenschaften, und im Koran gibt es einen Hinweis auf ihre Vereinigung.

Weiter stellt er fest: „Zu Gottes Werken gehört auch die Bestimmung des menschlichen Wissens von Sonne und Mond und ihren Stationen nach festgelegter Berechnung, wie Gott sagte: ‚Sonne und Mond bewegen sich nach einer festgelegten Berechnung.‘“

Er zitiert auch ibn Mas’ud: „Wenn man Kenntnis von den Wissenschaften der antiken Klassiker und der Neuzeitigen haben möchte, sollte man über den Koran nachdenken.“ Wie auch die Sure 6:38 feststellt: „Nichts haben Wir in dem Buche ausgelassen…“.

Shaykh Muhammad Bakhit Al-Mutî`î – ein Großmufti Angang des 20.Jh.- schreibt in seinem Buch: „Tanbih al-Uqul al-Insani“: „Wer meint, der Koran sei ein Buch zur Darlegung der (islamischen) Gesetze und zur Gesetzgebung, der geht der Wahrheit aus dem Weg. Der Koran ist die Quelle aller Wissenschaften und der menschlichen Zivilisation. Mit seinen Aussagen und Hinweisen hat der Koran Beweismaterial für Wesen und Eigenschaften aller Dinge und ihrer quantitativen und qualitativen Veränderungen und enthält alle Wissenschaften, die sich mit den äußeren Realitäten befassen, seien sie himmlisch oder irdisch.“

Aber dennoch gibt es heute muslimische Gelehrte, die sagen (Ich zitiere Mehdi Golschani (Mitglied der iranischen Akademie der Wissenschaften und Mitglied des Obersten Rats für die Kulturrevolution im Iran): „Der Koran wurde nicht offenbart, um uns Wissenschaft und Technologie zu lehren, vielmehr ist er ein Buch der Rechtleitung. Darum liegt es außerhalb seiner Zielsetzung, von Physik und Naturwissenschaften zu sprechen. Der Koran alles enthält, was für unsere Rechtleitung und Glückseligkeit notwendig ist (sowohl in dieser Welt wie im Jenseits).“

Ich zitiere noch einmal den Vers am Anfang der Predigt: 4:82 Sie machen sich keine Gedanken über den Koran. Wäre er von einem anderen als von Allah, so würden sie darin gewiss viel Widerspruch finden.

Dieser Vers betont, dass es nur Gott sein konnte, der so ein Werk vollbringen konnte mit all seinen Wundern, die wir heute besser verstehen als zur damaligen Zeit im 7. Jahrhundert.    Mit den Worten von Zakir Naiks: Welche Schrift auch immer behauptet, eine göttliche Offenbarung zu sein, muss auch aus Kraft ihrer eigenen Vernunft und Logik akzeptabel sein. Und das stellt der Koran vollkommen unter Beweis, es sind wissenschaftliche Fakten und keine bloßen Hypotheken und Theorien. Das macht den Koran auch so einzigartig.

Albert Einstein stellte fest: Wissenschaft ist ohne Religion lahm, Religion ohne Wissenschaft blind. Wollen wir also sehen, ob Koran und Wissenschaft zusammenpasst, vereinbar oder unvereinbar ist.

Fangen wir mit dem Beginn von allem an, dem Urknall. Die Theorie dazu wird durch beobachtende und experimentelle Daten getragen. Im Koran erklärt der Vers 21:30 den Ursprung des Universums folgendermaßen: Sehen die Ungläubigen (denn) nicht, dass die Himmel und die Erde vereint waren (als eine Einheit der Schöpfung), bevor Wir sie auseinander spalteten?

Für mich gilt gerade dieser Vers als ein Wunder und es beweist, dass es einen Gott gibt, wie konnte sonst ein Buch diese echt wissenschaftliche Wahrheit beinhalten? Die Menschen vor rund 1400 Jahren konnten sich das nicht ausdenken, noch verstanden sie es. Heute wissen wir, dass eine gewaltige gasförmige Masse vor der Bildung des Universums existierte.

Betrachten wir folgenden Vers 21:33: „Und Er ist es, der die Nacht und den Tag erschuf und die Sonne und den Mond. Sie schweben, ein jedes Gestirn auf seiner Laufbahn.“

Das Verb ‚schweben‘: sabaha, im Vers yasbahun bedeutet sozusagen Bewegung eines sich bewegenden Körpers. Es bedeutet, dass das Gestirn nicht einfach nur durch den Raum fliegt, sondern dass es sich dabei auch noch bewegt, also rotiert. Noch deutlicher finden wir es in Sure 36. 40: Weder hat die Sonne den Mond einzuholen, noch eilt die Nacht dem Tage voraus; und alle schweben auf einer Umlaufbahn. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Astronomen die individuellen Umlaufbahnen der Sonne und des Mondes auf ihrer Reise durch den Raum mit ihren eigenen Rotationen präzisiert haben und nun auch die Stellungen der sichtbar gemachten der Sterne im Universum durch Instrumente.

Ein Vers, den ich jahrelang glattweg überlesen hatte, brachte mich dann doch in Erstaunen: Sure 51.47 “Und den Himmel haben Wir mit (Unserer) Kraft erbaut; und siehe, Wir weiten ihn noch aus.”

1916 formulierte Albert Einstein seine allgemeine Relativitätstheorie, die darauf hindeutete, dass sich das Universum entweder ausweitet oder zusammenzieht.  Die Bestätigung der Theorie, dass das Universum expandiert, kam 1929 vom Astronom Edwin Hubble. Als der Koran offenbart wurde, war das Wort ‚Weltraum‘ noch nicht bekannt. Die Menschen benutzten das Wort “Himmel”, um alles zu bezeichnen, was oberhalb der Erde war.  Das Wort ‚Himmel’ steht hier deshalb für Weltraum bzw. für das ganze Universum, das sich ausweitet, genau wie Hubbles Gesetz es aussagt.

Es gibt ungefähr 750 Koranverse, die sich mit Naturerscheinungen beschäftigen. Was bedeuten sie für uns? Es sind wichtige Botschaften an die Wissenschaftler und an gläubige Muslime. Sie vermitteln uns Aspekte der Natur und der ganzen Schöpfung.

Sure 10:101 „Sprich: ,Betrachtet, was in den Himmeln und auf Erden ist…‘“

Hier werden die Menschen aufgefordert, ihren Verstand zum Verständnis der Natur zu nutzen. Am besten sind da die Worte von  einem der einflussreichsten iranisch-islamischen Philosophen des letzten Jahrhunderts: Tabat Abayi:  „Der Koran lädt ein zum Nachdenken über himmlische Zeichen, die strahlenden Sterne und die Verschiedenheiten ihrer Zustände und die systematische Ordnung, die sie regiert. Er ermutigt zur Betrachtung über die Schöpfung der Erde, der Meere, der Gebirge, die Schöpfung von Pflanzen und Tieren, der Menschen und ihrer inneren Welt. Auf diese Weise lädt er dazu ein, die Wissenschaften der Natur und Mathematik und aller anderen Gebiete zu studieren, deren Kenntnis im Interesse der Menschheit liegen und der menschlichen Gesellschaft Glückseligkeit bringen. Der Koran lädt unter der Voraussetzung zu diesen Wissenszweigen ein, dass die Menschen durch diese Kenntnisse zur Wahrheit geleitet werden. Andernfalls ist ein Wissen, das der Unterhaltung dient und die Erkenntnis Gottes und der Wahrheit behindert, im Vokabular des Koran gleichbedeutend mit Unwissenheit“

Ich möchte noch einmal den Vers aus der Sura ‚Die Propheten‘ Vers 33 anklingen lassen: Und Er ist es, der die Nacht und den Tag erschuf und die Sonne und den Mond. Sie schweben, ein jedes Gestirn auf seiner Laufbahn.

Die Muslime wussten aufgrund der Aussage im Koran, dass jeder Planet seine Laufbahn hat. Durch ihre Beobachtungen und exakte Forschungen wurde die islamische Himmelskunde für Jahrhunderte zur führenden Astronomie der Welt. Die Muslime entwickelten die verschiedensten und zudem genauesten Beobachtungs- und Messgeräte und Sternkarten. Die Astronomie stellte einen wichtigen Bereich für die Muslime dar, da man zur Verrichtung des Gebets die Himmelsrichtungen kennen musste.

Gott sagt im Koran 78:6-7: Haben wir nicht die Erde zu einem Lager gemacht und die Berge zu Pflöcken? Und weiter in Sure 16:15 Und Er hat feste Berge auf der Erde gegründet, damit sie nicht mit euch wanke… 

Erst im 19. Jh. konnten Wissenschaftler beweisen, dass Berge tiefe Wurzeln unter der Erdoberfläche besitzen.   Das passendste Wort, um diese Berge zu beschreiben, ist das Wort „Pflock”, weil der Großteil des gesamten Pflockes unter der Erdoberfläche verborgen ist.  Genauso sind die Berge wichtig bei der Stabilisierung der Erdkruste. Sie verhindern das Wackeln der Erde.  Die Rolle der Berge als Stabilisatoren der Erde wurde erst im Rahmen der Platten-Tektonik in der 2. Hälfte des 20. Jh. verstanden.

Also Gott wusste schon, was das Richtige ist. Und wir wissen heute durch die Wissenschaft, dass die Erdkruste normal rund 35 km dick ist, aber z.B. ist sie unter dem Himalaya fast 70 km dick, um dieses schwere Gebirge tragen zu können.

Zusammengefasst gibt der heilige Koran uns eine wunderbare und richtige Sichtweise auf unsere Welt, unserer Erde, damit wir als Gottes Stellvertreter sie für uns nutzen können.

Islamische Wissenschaft ist Wissenschaft, die im wissenschaftlichen Geist und mit wissenschaftlicher Methodik von Muslimen getrieben wird. Wissenschaft wird erst dann islamisch sein, wenn sie von gläubigen und praktizierenden Muslimen zu Höchstleistungen erbracht werden. Ohne Bildung bzw. mangelnde Bildung und Kreativität in der muslimischen Welt wird es keinen Fortschritt geben. In der muslimischen Welt blickt man noch zu starr in die Vergangenheit. Man glaubt, wenn der Koran die Wissenschaften schon aufzeigt, weiß man schon alles. Nein, man muss auf ihrer Grundlage forschen und dabei nicht nur die Vergangenheit betrachten, sondern mit den Augen der Gegenwart und Zukunft. Aber ohne freies Denken, gepaart mit Kreativität und Spiritualität, wird es keine Zukunft in den islamischen Wissenschaften geben. Die muslimisch geprägten Länder waren einst die Blüte in den Wissenschaften, heute haben sie noch viel nachzuholen.

Und so bitte ich Gott, es uns leicht zu machen, um nach Wissen zu streben und es auch anzuwenden

Koran – unerschaffen oder erschaffen

Koran – unerschaffen oder erschaffen

Bald beginnt wieder die Zeit des Ramadans, in dem die koranische Offenbarung vor Jahrhunderten ihren Anfang hatte, von Gott zu den Menschen herniedergesandt wurde.

Der Koran ist ein Kanal der Kommunikation zwischen Gott und Mensch.

Er ist, nach der von allen Muslimen akzeptierten Meinung, die Rede Gottes, die über einen Zeitraum von 23 Jahren dem Propheten Muhammad (alaihi-s-Salatu wa-s-Salam – auf ihn seien Segen und Friede), in der arabischen Sprache geoffenbart wurde.

Was bedeutet also die ‚Rede Gottes?‘ Der Koran gibt selbst die Antwort. Sehen wir uns die Sure 18:109 an. „Sprich: Wäre das Meer Tinte für das Wort meines Herrn, wahrlich, das Meer würde versiegen, ehe die Worte meines Herrn zu Ende gingen, …“. In Sure 31:27: „Und wenn alle Bäume, die auf der Erde sind, Schreibrohre wären und der Ozean Tinte und sieben Ozeane würde sie mit Nachschub versorgen, selbst dann könnte Allas Worte nicht erschöpft werden.“ Das betont die Unendlichkeit der Worte von Gott. Und wenn die Worte nicht ausgehen, unendlich sind, dann kann der Koran nur eine bestimmte Verlautbarung des Gotteswortes sein, das bedeutet: der Koran in seinem Umfang als Text ist begrenzt.

Aber der Koran bezeichnet sich an einigen Stellen selbst als ‚Rede Gottes‘. Steht also doch der Koran und Gottes Wort auf gleicher Ebene?

Fast solange der Koran existiert, solange hat man über ihn diskutiert. Anfang des 8. Jahrhunderts verkündete al-Dschaʿd ibn Dirham zum ersten Mal für die damalige Zeit seine „ketzerischen“ Ideen von der „Erschaffenheit des Korans“ und wurde ebenso wie sein Schüler Dschahm ibn Safwān (gest. 746) hingerichtet.

Andererseits soll der Gelehrte Sufyān ath-Thaurī aus Kufa (gest. 778) seine ʿAqīda, den Glaubensgrundlagen, mit dem Glaubenssatz begonnen haben: „Der Koran ist die Rede Gottes, ungeschaffen, von ihm nahm er seinen Anfang und zu ihm kehrt er zurück.“ Wahrscheinlich war das auch die Meinung der muslimischen Bevölkerung. Also 2 Meinungen!

Im 9.Jahrhndert kam es zur sogenannten „Inquisition der Erschaffenheit des Koran“. Mit dieser Lehre stellten sich viele Gelehrte gegen die von anderen muslimischen Gelehrten vertretene Position, wonach der Koran als Rede Gottes präexistent ist, also bereits von aller Ewigkeit her existiert. Der Lehrsatz von der Erschaffenheit des Korans wurde sogar zeitweise zur Staatsdoktrin erhoben, während diejenigen, die sie ablehnten, im Rahmen der Mihna (Prüfung) verfolgt wurden.

Der abbasidische Kalif al-Ma’mūn, der zu dieser Zeit herrschte, schrieb in einem Brief an seinen Gouverneur von Bagdad „Die Menge und große Mehrheit von den Untertanen und das niedrigstehende Volk, die nicht nachdenken und überlegen, und nicht die Argumente und die Rechtleitung nutzen, die Gott zur Verfügung stellt, und nicht durch das Licht der Wissenschaft erleuchtet sind, […] stellen Gott und den Koran, den er herabgesandt hat, auf die gleiche Stufe. Sie stimmen alle darin überein, dass er anfangsewig ist, vom ersten Augenblick an existiert und Gott ihn weder erschaffen, hervorgebracht oder erzeugt hat.“

Es standen demnach zwei gegensätzliche Theorien der Natur des Koran gegenüber: entweder in der Zeit erschaffen, also eine Botschaft in der Zeit hervorgebracht und als göttliche Tat erschaffen oder als eines der göttlichen Attribute, die ja zeitlos und ewig gelten.

Was war geschehen? Es stritten sich im 9. Jahrhundert zwei Richtungen, die rationalistisch ausgerichtete Schule der Mu’taziliten und die Sunniten um Ahmad ibn Hanbal, der auf der Vorstellung bestand, dass der Koran das ewige und unerschaffene Wort Gottes sei. Das Verhältnis der Wesensattribute zum Wesen Gottes war also ein Streitpunkt zwischen den verschiedenen Schulen. Noch heute wird im sunnitischen Islam hanbalitischer Prägung die Lehre von der Erschaffenheit des Korans als häretisch, das heißt ketzerisch abgelehnt und natürlich die anderen Hauptströmungen.

Was sind nun die Handlungs- und Wesenseigenschaften?

Die Handlungsattribute werden von den Wesensattributen anhand von zwei Merkmalen differenziert.

Erstens: Die Wesensattribute sind mit dem Wesen- also Gott identisch und damit unendlich; die Handlungsattribute sind, weil sie Gegensätze zulassen, endlich. Gott hat sich die Barmherzigkeit selbst auferlegt. Meines Erachtens ist sie demnach keine Eigenschaft, die schon immer währte. Sonst bräuchten wir ja nicht um seine Barmherzigkeit bitten. Gott existierte ja, als Er sich die Barmherzigkeit auferlegt hatte.

Zweitens: Die Wesensattribute sind so ewig wie das Wesen. Sie werden einerseits mit der Wesenheit Gottes selbst als eine unteilbare Einheit definiert bzw. damit identifiziert und sind dem Wesen nicht überflüssig. Die Handlungsattribute werden von den Taten bzw. Handlungen vorausgesetzt. Mit anderen Worten: Die Wesenseigenschaften Gottes sind ewige Eigenschaften, welche nur die Wesenheit Gottes voraussetzen. Es sind Eigenschaften der Vollkommenheit, die Gott in seiner Existenz unbedingt bedarf, z.B. Eigenschaften des Lebens, des Wissens, der Allmacht, Ewigkeit.

Tateigenschaften oder Handelseigenschaften müssen existieren, um Gott beschreiben zu können. Ein Beispiel: Die Schöpfung erfüllt die Voraussetzung dafür, um Gott als Schöpfer, al-Khaliq, auszuzeichnen.

Nasr Hamid Abu Zaid schreibt in seinem Buch „Gottes Menschenwort“: Die Theorie der Mu’taziliten im 9.Jahrhundert über das Verhältnis zwischen Mensch, Sprache und dem Korantext konzentriert sich auf den Menschen als Adressaten des Textes. Sie suchten eine Brücke zwischen der Vernunft des Menschen und Gotteswort. Sie betrachteten den Text des Korans als eine von Gott erschaffene Handlung, nicht als seine ewige und wörtliche Äußerung. Sie sahen das Gotteswort also nicht als eine Wesenseinheit an, sondern als ein Attribut der Erschaffenheit, während die Hanbaliten genau das Gegenteil behaupteten. Hanbal soll sich geäußert haben: „Nichts von Gott ist erschaffen, und der Koran ist von Gott“

Mit anderen Worten: Die Mu‘taziliten vertraten die Meinung, dass der Koran zeitlich sei, also erschaffen. Er gehöre nicht zu den Attributen des ewigen göttlichen Wesens. Der Koran ist die Rede Gottes, das heißt, eine Rede ist eine Tat und keine Eigenschaft, folglich gehöre er zu den Tatattributen und nicht zu den Wesensattributen. Nach den Mu‘taziliten benötigt die Rede die Existenz eines Angesprochenen, zu der gesprochen werden kann. Würde die Rede ewig sein, müsste also Gott sich an jemanden wenden, der noch gar nicht existieren würde. Denn ein Wesensattribut ist ewig und bedarf nicht die Existenz einer Welt bzw. der Existenz eines Angesprochenen. Solche Wesenseigenschaften sind Wissen, Macht, Ewigkeit, Leben.

Die Mu‘taliziten meinten, Gott sei wissend durch sein Wesen, hörend durch sein Wesen, mächtig durch sein Wesen. Um Dinge zu wissen, zu hören, braucht Gott keine Eigenschaft, denn alles, was es zu verstehen, zu wissen, zu hören usw. gibt, weiß Gott durch sein Wesen.

Auch die Ibaditen im Maghreb übernahmen die Lehre von der Erschaffenheit des Korans, während im Oman, einem anderen Zentrum der Ibaditen noch im 12, Jahrhundert noch die Meinung über die Unerschaffenheit herrschte. Heute besteht unter den Ibaditen ein Konsens über die Erschaffenheit des Korans.

Ist nun die wohlverwahrte Tafel, oder der Thron, Gottes Stuhl ewig und zeitlos? Wenn das so wäre, würden die Wesensattribute zunehmen. Wenn aber die Tafel in der Zeit erschaffen wurde, dann kann der Text auf der Tafel nicht ewig und unerschaffen sein. So muss man davon ausgehen, dass auch der auf ihr niedergeschriebene Koran erschaffen wurde.

Wenn man sich im Gegenteil für den ewigen Koran entscheidet, so bedeutete das, dass jedes einzelne Geschehen, welches im Koran geschildert wird, vorherbestimmt war. Es bedeutet ein striktes Festhalten an der wörtlichen Bedeutung des Korantextes. Das bedeutet, Aisha musste unbedingt ihre Kette verlieren, um zu den folgenden Ereignissen zu kommen. Oder die Heuchler, die im Koran beschrieben wurden, hatten ja keine andere Wahl als zu heucheln. Das bedingt dann auch, dass sie keine Verantwortung über ihr Heucheln tragen, es ist ja vorhergesehen. Aber wir werden eines fernen Tags doch zur Verantwortung gezogen! Irgendetwas stimmt also meines Erachtens nicht mit der Ewigkeit des Korans. Der Koran ist eine Botschaft und Botschaften sind als einen Text zu betrachten, zumal die chronologische Herabsendung nicht mit der heutigen Struktur des Textes übereinstimmt.

Mohammed Arkoun, ein algerisch-französischer Philosoph und islamischer Gelehrter, 2010 gestorben, meint, die islamische Vernunft sei seit Jahrhunderten durch intellektuelle Ohnmacht, schablonenhaftes Denken und Trägheit bestimmt, die letztlich zu einer Abschaffung jeglicher Freiräume für Kritik geführt hätten. Mit seinem Buch: „Kritik an der islamischen Vernunft“, welches leider noch nicht in Deutsch gibt, verfolgt Arkoun schließlich das Ziel, den Islam mutig und kompromisslos auf alle fehlerhaften Erkenntnisse, Legenden, Parolen und Visionen zu untersuchen, ohne dabei herablassend zu sein.

Ibn Ruschds Aussage über den Koran lautet: „Der Koran ist die Wahrheit selbst, durch ein göttliches Wunder entstanden. Dass er alle Menschen gleichzeitig ansprechen kann, beweist, dass es durch ein Wunder entstanden ist. Der Koran hat eine äußerliche und symbolische Bedeutung für die Ungebildeten und eine innere verborgene Deutung für die Gebildeten.“

Auch für ihn war also der Koran geschaffen.

Muhammad Shahrur meint in seinem 1990 erschienenen Standardwerk: „Die Schrift und der Koran. Eine zeitgenössische Lesung“: „Nur Gottes Wort ist absolut.“ „Der Koran stelle das ‚Siegel der Bücher‘ dar, enthalte also die letzte und endgültige der drei Offenbarungsreligionen. Der Koran beinhalte die absolute Wahrheit Gottes. Diese könne allerdings vom Menschen nur relativ verstanden werden. Daher könne das jeweilige Koranverständnis einer bestimmten Zeit nur für diese Zeit gelten.“ Das heißt: Der erschaffene Koran lässt sich historisch, also zeitgemäß lesen und verstehen. Bei einem unerschaffenen Koran geht das nicht.

Die meisten fortschrittlichen und liberalen Islamwissenschaftler unserer Zeit im arabischen Raum wurden leider wegen ihrer Gedanken Repressalien unterworfen oder ihrer Ämter enthoben.

Und meine Meinung?

Als ich Muslima wurde, bin ich immer wieder über ein Wort gestolpert: ‚Taqwa‘, es wurde damals mit ‚Furcht‘ übersetzt.

Ich konnte das nicht begreifen: Warum soll ich Gott fürchten, wenn ich ihn liebe? Diskussionen darüber waren nicht in meinem Sinn, bis ich eine gute Erklärung bekam: Gottesbewusstsein. Ja, ich bin mir Gottes bewusst, spreche mit ihm, versuche das gut zu machen, was er von mir erwartet. Das heißt: Wenn ich im Koran lese und über das Gelesene nachdenke, mache ich mir meine eigenen Gedanken, beziehe es auf heute und auch auf mich und der Gemeinschaft. Das kann ich aber nicht, wenn ich davon ausgehe, dass der Koran unerschaffen wäre. Die Worte wären ja sinnbildlich in Stein gemeißelt. Nur nicht daran rütteln! Da kann ich nichts auf mich und auf heute beziehen. Aber Gott verlangt in vielen Versen oder Parabeln, dass ich lerne, auch aus den Begebenheiten von vor 1400 Jahren, die der Koran beschreibt, lerne und anwende. Bei historischen Inhalten von damals stelle ich mir die damalige Situation vor und sehe es auch von der heutigen Warte aus und ziehe meine Lehren daraus. Natürlich beachte ich auch verständige Kommentierungen von Gelehrten, die ich zum Verständnis des Korans heranziehe. Also ist für mich der Koran erschaffen.

Friede und Freiheit im Islam

Friede und Freiheit im Islam

Der Begriff für Frieden kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutete ursprünglich Schutz, Sicherheit. Er schließt kulturelle, strukturelle und personelle Gewalt aus. Er ist ein Prozess. Auf die menschliche Gesellschaft übertragen ist Frieden der Zustand eines vertraglichen und gesicherten Zusammenlebens von Menschen sowohl innerhalb als auch zwischen den Gesellschaften und Staaten.

Im islamischen Verständnis trägt das Wort „Islam“ in seiner Wurzel die Bedeutung „Frieden“ in sich. Die arabische Wortwurzel s-l-m steht für „wohlbehalten, in Sicherheit“, eben „in Frieden sein“. Auch das Wort Salam, Friede, ist daraus gebildet. Islam ist das Friedenmachen durch Hingabe an Gott: Ein Muslim, der sich Hingebende, findet dadurch Frieden mit sich selbst, seinen Mitmenschen und mit der gesamten Schöpfung.

Salam alaikum „Friede sei mit euch!“ ist der traditionelle muslimische Friedensgruß, mit dem sich nach dem Beispiel des Propheten die Muslime überall auf der Welt begrüßen. Und man sagt, dass der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihn) nicht nur Muslime so begrüßte. Als ein Gefährte ihn fragte, was im Islam am besten sei, entgegnete er: „Dass du den Armen speist und den Friedensgruß dem entbietest, den du kennst und dem, den du nicht kennst.“ Das bedeutet: alle, die dir begegnen, sollte man grüßen.

Der Friedensgruß hat auch eine rituelle Funktion: nach jedem der fünf täglichen Pflichtgebete wenden die Muslime den Kopf nach rechts und links und entbieten den Friedensgruß der ganzen Schöpfung.

Was sagt der Koran zum Thema Frieden?

Die Verse 61 und 62 der Sure 19 stehen für die Hoffnung auf ewigen Frieden: „(Sie werden in) die Gärten von Eden (eingehen), die der Barmherzige seinen Dienern im Verborgenen verhieß.  Wahrlich, Seine Verheißung wird in Erfüllung gehen. Sie hören dort kein leeres Gerede, sondern genießen nur Frieden.“

Oder in Sure 10:10 steht: „Ihr Ruf wird dort (im Paradies) sein. „Preis Dir, o Allah!“ Und ihr Gruß wird dort sein: Frieden!“ – „Salam!“

Genauso lesen wir in Sure 14: 23: „Und diejenigen, die da glauben und gute Werke tun, werden in Gärten eingeführt werden, durch die Bäche fließen, um mit der Erlaubnis ihres Herrn ewig darin zu wohnen. Ihr Gruß dort wird lauten: ‚Friede!‘“

Das Wort Salam hat somit eine weite Bedeutung. Es bedeutet Sicherheit, Gesundheit, Harmonie und Zufriedenheit.  Genauso sprechen die Engel dem Todgeweihten „Friede“ zu.

In der Sure 10:25 lädt Gott uns in Sein Haus ein: „Und Allah lädt ein zum Haus des Friedens und leitet, wen Er will zum geraden Weg. Denen, die Gutes tun, soll das Beste zuteilwerden und noch mehr.“

Wenn ich bedenke, dann bezieht sich das Wort Frieden meist auf das friedliche Paradies. Was ist aber mit dem Diesseits? Gibt es auch hier den Frieden, den sich eigentlich jeder wünscht, oder fast jeder.

Wenn ich über den Satz in Sure 22:40 nachdenke, wünscht Gott den Frieden auf Erden nicht allein nur für die Muslime. Da steht: „Und wenn Allah nicht die einen Menschen durch die anderen zurückgehalten hätte, so wären gewiss Klausen, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen der Name Allahs des Öfteren genannt wird, niedergerissen worden.“

Deshalb wird klipp und klar dem Muslim verdeutlicht und ans Herz gelegt, Frieden zu schließen, sobald der Gegner auch nur entfernt dazu bereit ist: „Sind sie aber zum Frieden geneigt, so sei auch du ihm geneigt und vertrau auf Gott; siehe, Er ist der Hörende, der Wissende“ (8:61). Gott verlangt also vom Menschen, dass er seine Vernunft walten lässt und alles Mögliche unternimmt, den Frieden wiederherzustellen und auch zu erhalten.

Gott liebt alle Menschen, denn Er hat sie ja alle geschaffen. Er sagt in Sure 49:13: „O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr euch einander kennen möget. Der Edelste von euch ist vor Allah derjenige, der am gottesfürchtigsten ist.“ Das heißt: egal, welcher Hautfarbe du bist, welcher Nation du angehörst, wir sind eine einzige Familie. Deswegen dürfen wir uns nicht in Zwistigkeiten, Rassenkämpfe, und Religionskriege verstricken. Der Koran lehnt eigentlich mit diesen Worten die traurige Wirklichkeit heute in vielen Ländern strikt ab: den Nationalismus und Rassismus.

„Und unter Seinen Zeichen sind die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben. Darin liegen Zeichen für die Wissenden“ (30:22).

Die Menschen haben sich auf der ganzen Erde ausgebreitet. Je nach Klima hat sich eine bestimmte Hautfarbe herausgebildet und ebenso Sprachen. Dennoch bleibt ihre grundsätzliche Einheit davon unbeeinflusst. Sie alle haben dieselben Gefühle, Wünsche. Diese Unterschiede der Hautfarben und der Sprachen sind Zeichen für Gottes Schöpferkraft und Liebe zu allen Menschen, aber keine Gründe von Abwertungen anderer Nationen oder Religionen, genauso wie für kriegerische Handlungen, Hass oder Rassismus.

„Und wenn Gott gewollt hätte, so hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Doch wollte Er euch prüfen in dem, was Er euch gegeben hat. Darum wetteifert miteinander im Guten! Zu Gott werdet ihr dereinst zurückkehren, und Er wird euch aufklären über das, worüber ihr uneins seid.“ (5:48). Das Gute hat einen Namen: Frieden und Brüderlichkeit.

Das heißt, niemand wird im Koran ausgeklammert. Gott spricht durch den Koran nicht nur die Muslime an, sondern alle Menschen, ob sie Christen, Juden sind oder einer anderen Religion oder keiner Religion angehören. Er ist für die ganze Menschheit geschrieben.  Egal, wer man ist, Gott ruft sie alle zum Wetteifern im Guten auf. Und darum öffnen wir unsere Moschee allen Menschen, die den Frieden wollen.

Jede Muslimin und jeder Muslim hat die Freiheit, den Koran so zu interpretieren, wie sie oder er für richtig hält.

Besonders in den letzten Jahren vor seiner Auswanderung bemühte sich der Prophet Muhammad seine Botschaft weiterzugeben. Es bedrückte ihn sehr, dass viele Menschen in Mekka ihm nicht zuhören wollten oder gar daran hinderten. Da munterte ihn Gott auf (10:99) „Und falls dein Herr wollte, bestimmt hätten alle, die auf Erden sind, geglaubt – sie alle gemeinsam. Doch willst du die Menschen zwingen, damit sie Gläubige werden?“

Hier spricht Gott zwei Punkte an: Erstens will Er sagen, es wäre für ihn eine Leichtigkeit, alle Menschen in einer Religion zu vereinen, aber das wollte er nicht. Jeder darf und soll selber entscheiden, er hat die Freiheit dazu. Und zweitens: Dieser Vers verbietet ganz offensichtlich, die Menschen zum Glauben zu zwingen. Der Vers 256 in der Baqara betont es noch deutlicher: „Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der richtige Weg ist nun klar erkennbar geworden vom unrichtigen. Wer also nicht an falsche Götter glaubt, an Allah aber glaubt, der hat gewiss den sichersten Halt ergriffen, bei dem es kein Zerreißen gibt.“ Auch hier wird von Gott betont, dass der Glaube am Islam und seine Lebensweise niemandem aufgezwungen werden darf.

Ganz im Gegenteil: Im Koran 2:62 steht expliziert, dass jeder Mensch das Recht hat, seine Religion zu leben. Da steht. „Jene, die glauben, und jene, die Juden geworden sind, und die Christen und die Sabäer – Wer an Gott und den Jüngsten Tag glaubt und gute Werke verrichtet, denen wird bei ihrem Herrn ihr Lohn zuteilwerden, und sie werden weder sich fürchten müssen noch traurig sein.”

Das heißt für uns, dass wir andere Menschen, die keine Muslime sind, aber an Gott glauben, zu respektieren und zu achten haben. Sie haben die Freiheit, im Judentum und Christentum Gott zu suchen und sich in seinem Schutz zu begeben.

Das bedeutet, dass eines der wichtigsten und unantastbaren Menschenrechte die Glaubensfreiheit ist. Im Koran wird dieses Recht garantiert und untersagt das Aufzwingen weder durch materielle Argumente noch durch Drohungen oder Gewalt. Der Glaube ist wie ein starkes Seil, das nie zerreißen wird. Das Seil steht für Glauben an Gott. Das heißt, wer sich daran festhält, am Glauben mit seiner ganzen Glaubensfreiheit, kommt niemals vom Weg ab, der zu Gott und in sein Paradies führt.

Im ganzen Koran findet sich nicht eine einzige Stelle, die es dem Muslim verbietet, frei zu denken. Aber nur im Frieden kann er sich frei entscheiden. Das heißt mit den Worten von Abdel Hakim Ourghi: Der Ruf nach der Autonomie des Koran als Text und nach der Freiheit der Interpretation ist eine Ermutigung der Muslime zur Erneuerung der islamischen Religion sowie die Voraussetzung für eine Wiederbelebung des freien Denkens aller Muslime. Die Freiheit der Koranauslegung impliziert auch die Freiheit all jener Andersdenkenden, die ebenfalls nach einer modernen und humanistischen Lesart des Koran streben. Eine freie Interpretation ist darum bemüht, die kanonischen Quellen und deren Rezeption historisch-kritisch zu verstehen. Deshalb ist und bleibt die Freiheit des muslimischen Lesers als Exeget unantastbar.

Gott    erschuf den Menschen als seinen Statthalter auf Erden und forderte ihn auf, bei der Entwicklung und Gestaltung des Lebens auf der Erde aktiv zu sein. Dafür gab Er ihm den Verstand. Der Mensch wurde so zur Krönung der gesamten Schöpfung. Durch Botschafter sandte Gott an den Menschen immer wieder seine Offenbarung herab. Er forderte sie darin zum Nachdenken auf, so dass sie aus ihren eigenen Gedanken Schlüsse ziehen können, wobei Gott das Nachdenken als den Weg betrachtet, der zur Erkenntnis führt. Gott will also, dass der Mensch durch dieses Nachdenken für seine Anschauungen, seine Zugehörigkeit und seine Bekenntnisse Verantwortung übernimmt. Der Mensch kann sich also die Freiheit nehmen für sich selbst zu entscheiden.

Deshalb gibt es für den Menschen keine Rechtfertigung für jegliche Formen blinder Nachahmung alter, überkommener Kulte, blindem Gehorsam und egozentrischen Interessen.

Diese Verse über Frieden und Freiheit des Menschen sind doch eigentlich klar und deutlich zum Verstehen. Aber wenn ich die islamische Geschichte betrachte, war das wohl doch nicht so verständlich. Es gab immer Kampf, Kampf innerhalb der einzelnen Strömungen im Islam. Sunniten gegen Schiiten, die Sunniten verfolgten die Ismailiten, im frühen 13. Jahrhundert gerieten die Nusairier im syrischen Küstengebirge in eine immer schärfere Konkurrenz zu den nizāritischen Ismāʿīliten. Sogar während des Goldenen Zeitalters in Bagdad kämpften diejenigen, die den Koran als unerschaffen ansahen gegen diejenigen, die ihn als erschaffen hielten und steckten sich gegenseitig in die Gefängnisse. Die Mihna ‚Prüfung‘) war eine zur Zeit der abbasidischen Kalifen zwischen den Jahren von 833 bis 849 praktizierte Form der Inquisition, bei der die betreffenden Personen gezwungen wurden, sich zur Staatsdoktrin von der „Erschaffenheit des Korans“ (chalq al-qurʾān) zu bekennen und wurde erst unter dem Kalifen al-Mutawakkil beendet. Im September 834 musste sich Ibn Hanbal, der jüngste unter den Gründern der vier im sunnitischen Islam etablierten Richtungen (madhhab)  mit anderen Vertretern der ahl al-sunna am Kalifenhof erscheinen und sich der Mihna unterwerfen. Er wurde ausgepeitscht, eingekerkert. Erst unter al-Mutawakkil ʿalā Llāh (ab 847) konnte er ungestört unterrichten und öffentlich auftreten.

Es war der Frieden der jeweils herrschenden Macht. Und heute noch halten sich viele Muslime als die besseren Menschen. Denn Gott lässt es zu, weil er dem Menschen die Freiheit gab, sich zu entscheiden und zu handeln.

Für mich gelten, und sicher auch für alle hier, die Worte des tunesischen Mohamed Talbi, einer der wichtigsten und kritischsten Vordenker der arabischen Welt, der für eine zeitgemäße Leseart des Koran plädiert: Die Menschen haben denselben Atem Gottes in sich, kraft dessen sie sich zu Gott erheben und seinen Anruf in Freiheit beantworten können. Sie besitzen dadurch die gleiche Würde und die gleiche Heiligkeit, und diese Würde und Heiligkeit verleihen ihnen uneingeschränkt in gleicher Weise dasselbe Recht auf Selbst-Bestimmung hier auf Erden und im Jenseits. Aus der Sicht des Koran lässt sich also sagen, dass der Ursprung der Menschenrechte in dem liegt, was alle Menschen aufgrund des Planes Gottes und seiner Schöpfung von Natur aus sind.“

Rechtleitung im Islam

Rechtleitung im Islam

Unter der Obhut Allahs, der Göttlichen Barmherzigkeit, der göttlichen allumfassenden Gnade

Alles Lob gebührt Gott, der Göttlichen Erhabenheit, dem Oberhaupt aller Welten. Wir danken Allah für die allgegenwärtige Gnade und Gaben und wir bitten Allah um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass wir die Göttliche Gunst empfangen werden. Der Göttliche Frieden und Segen sei mit allen Menschen

„Möge Allah Dich rechtleiten!“ – das ist ein Satz, den ich oft höre oder lese, seit ich zum Islam gekommen bin. Zumeist schwingt dabei ein jovialer oder fast abfälliger Unterton mit. Ganz nach dem Motto: „Ich weiß ja, dass ich Recht habe, und möge Gott Dir klar machen, dass meine Meinung die richtige ist.“ – oder auch: „Ich weiß grade nicht weiter, also soll sich bitte Gott drum kümmern.“

Der Begriff der Rechtleitung taucht aber auch in Qur’an an vielen Stellen auf und so beschloss ich, mich im Zuge meiner Studien intensiver mit Rechtleitung zu beschäftigen.

Schnell wurde mir klar: Das ist kein Thema, das mit dem Lesen von ein paar Artikeln und ein bisschen Suche nach passenden Suren aufgearbeitet ist. Die Idee der Rechtleitung beschäftigt seit der Offenbarung an unseren Propheten Mohammed (Fsai) die islamische Theologie und Mystik. Mir wurde bewusst, dass ich mit dieser einen Khutba das Thema Rechtleitung nur grob umreißen und anschneiden könnte. Genauso wie „Barmherzigkeit“ ist „Rechtleitung“ mehr als nur ein fest definierter Begriff, sondern ein tiefer und vielfältiger Themenkomplex.

Das Substantiv „Rechtleitung“ kommt 81mal im Qur’an vor, das Verb „rechtleiten“ weitere 27mal. Hinzu kommen gute zwanzig weitere Stellen, in denen Formen der Begriffe „leiten“ und „geleitet“ verwendet wird.

Die Idee der Rechtleitung ist damit ein zentrales Thema innerhalb des Qur’an und verdient daher – meiner Meinung nach – einen entsprechenden, also einen äußerst bedeutsamen Stellenwert in der Religiösität der Muslim*innen. Darauf werde ich später noch einmal zu sprechen kommen.

Der Ausdruck „Rechtleitung“ wird verwendet für die Wiedergabe des arabischen Begriffes „hudā“ verwendet. Dieses Wort wird im Koran und in Texten der islamischen Theologie genutzt für die praktische Leitung der individuellen Lebensführung und des Gemeinwesens gemäß dem göttlichen Willen und im göttlichen Sinne. Der übliche Gegenbegriff ist „In die Irre gehen bzw. geleitet werden“ (arabisch ḍallala).

Die geoffenbarte Botschaft Gottes wird dabei als bedeutende Quelle wahrgenommen für die Inspiration der einzelnen Menschen auf deren spirituellem Weg der Weiterentwicklung.

So lesen wir in Sure 5, Verse 44 bis 46:

„Wir haben (seinerzeit den Kindern Israels) die Thora herabgesandt, die (in sich) Rechtleitung und Licht enthält… Und wir ließen hinter ihnen (d.h. den Gottesmännern der Kinder Israels) her Jesus, den Sohn der Maria, folgen, dass er bestätige, was von der Thora vor ihm da war… Und wir gaben ihm das Evangelium, das (in sich) Rechtleitung und Licht enthält… als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen.“

Die Rechtleitung Gottes, die göttliche Hilfestellung, gilt also auch für die vorherigen abrahamitischen Religionen über die Verkündigungen der jeweiligen Prophet*innen.

Der Qur’an wiederum, als geoffenbarte Botschaft Allahs an Mohammed (Fsai), wird als Buch der Rechtleitung empfunden und somit auch als Quelle der Spiritualität.

Allah sagt in Sure 2, Vers 2 über den Qur’an, er

,,(…) ist eine Rechtleitung für die Gottesfürchtigen“.

Damit wertet Allah die Botschaft des Qur’an als gleichwertig mit den vorangegangenen Rechtleitungen.

Aus theologischer Sicht ist der Qur‘an für „die Gottesfürchtigen“ eine Rechtleitung sowohl im Diesseits als auch im Jenseits. [Auf den Begriff „Gottesfurcht“ bzw. „Gottesehrfurcht“ werde ich in einer gesonderten Khutba eingehen.]

Spannenderweise finden wir in der gleichen Sure in Vers 185 im Zuge der Erläuterung Bestimmungen zum Fasten folgendes:

„Der Monat Ramaḍān (ist es), in dem der Qurʾān als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidung.“

Gott spricht hier nicht davon, die göttliche Botschaft als Rechtleitung sei nur für Muslim*innen gedacht, oder für Gottesfürchtige, oder für Gläubige, oder für Angehörige der abrahamitischen Religionen, oder nur für Männer, oder gar nur für Heterosexuelle.

Nein. Der Qur’an wurde herabgesandt „als Rechtleitung für die Menschen“.

Ich finde das bemerkenswert.

In Vers 2: ,,Rechtleitung für die Gottesfürchtigen“.

In Vers 185: „Rechtleitung für die Menschen“.

Widerspricht sich das nicht?

Ich glaube nicht. Die Texte im Qur’an wurden so offenbart, dass Allah dem Propheten Mohammed (Fsai) und den seinen eine spirituelle Entwicklung ermöglichen sollten. Kernstück dieser persönlichen, moralischen Entwicklung ist die Erkenntnis. Die Erkenntnis über Wissen und Bildung. Und damit das schrittweise Verstehen der gesamten Schöpfung und seiner Verknüpfung mit Allah.

Das bedeutet: Für mich ist es logisch, dass Gott zu Beginn der Sure auf „die Gottesfürchtigen“ verweist, dann aber das Angebot der göttlichen Rechtleitung erweitert auf „die Menschen“.

So als wollte Allah uns mitteilen: „Hey, aber denkt mal drüber nach, dass mein Angebot eigentlich für alle Menschen gilt.“

Das ist inklusiv. Das betrifft auch mich. Durch diesen Teil von Allahs Botschaft bin ich nicht nur als Gläubiger, sondern als Mensch angesprochen und eingeschlossen.

Jetzt könnte man* sagen: „Das hat sich der schwule, progressiv predigende Konvertit schlau ausgedacht.“

Tatsächlich aber sind sich die Gelehrten darüber einig, dass die Verse im Einklang stehen.

Der Begriff „Rechtleitung“ bedeutet im Qur‘an nämlich zweierlei: Die Rechtleitung im Sinne von „hinweisen“ und „einen Weg zeigen“, zu dieser Art Rechtleitung sind die Gottesgesandten und deren Nachfolger in der Lage.

In Sure 13, Vers 17 sagt Allah:

,,Und jedes Volk hat einen, der es rechtleitet“

Das heißt, dass es in jedem Volk Menschen gibt, die es auf den rechten Weg hinweisen.

In Sure 42, Vers 52 sagt Allah:

,,Und du leitest ja wahrlich zu einem geraden Weg“

Allah bestätigt hiermit, dass die Gesandten sowie deren Nachfolger auf einen Weg des Glaubens leiten, also hinweisen, einladen und ermahnen.

Doch nur Gott leitet im Sinne der zweiten Bedeutung („einen Weg zeigen“) recht: Er leitet und festigt die Herzen.

In Sure 28, Vers 56 lesen wir:

,,Gewiss, du kannst nicht rechtleiten, wen du gern (rechtgeleitet sehen) möchtest. Allah aber leitet recht, wen Er will.“

In Sure 10, Vers 25 steht zudem:

,,Allah lädt zur Wohnstätte des Friedens ein und leitet, wen Er will, zu einem geraden Weg.“

Der Begriff „eines geraden Weges“ ist also das Synonym für eine Rechtleitung, eine Hilfestellung und Anleitung in Bezug auf den Glauben. Allah legt uns quasi einen Weg bereit, der – wenn wir ihn beschreiten – in eine tiefere Spiritualität und damit zu Gott führt.

Zurückblickend auf die beiden Verse in Sure 2 komme ich zusammen mit vielen traditionellen Gelehrten zu dem Ergebnis: Gott macht mit der Idee der Rechtleitung nicht nur allen Muslim*innen oder monotheistisch-abrahamitischen Gläubigen ein Angebot zur Unterstützung, sondern der gesamten Schöpfung, jedem einzelnen Menschen.

Gott eröffnet die Möglichkeit auf Rechtleitung und macht allen Menschen ein Angebot zur spirituellen Weiterentwicklung und Unterstützung.

Gleichzeitig aber verfügt der Mensch, durch Gott verliehen, über den „Freien Willen“.

Damit besteht für Menschen die Möglichkeit der Wahl: Gottes Angebot entweder anzunehmen oder auszuschlagen.

In der Theologie gibt es eine Vielzahl der Betrachtung des „taraka“, des Ausschlagens von Gottes Rechtleitung. Es gab und gibt Gelehrte, die nur das Ablehnen bestimmter Unterformen der Rechtleitung als akzeptabel betrachten; andere empfinden die Wahl-Option als universell, also für alle Aspekte der Rechtleitung möglich.

Ich möchte mich an dieser Stelle jedoch nicht den Unterformen der Rechtleitung widmen, sondern meine Gedanken zum Stellenwert der Rechtleitung in der täglichen Religiosität der Muslim*innen ausführen.

Denn mir ist eins aufgefallen: Ebenso wie „Barmherzigkeit“ ist „Rechtleitung“ ein zentrales Thema des islamischen Glaubensidee. Statt sich aber um die persönlichen Auswirkungen des göttlichen Angebots auf spirituelle Entwicklung zu kümmern, stellen viele Muslim*innen ein umfangreiches Regelsystem zu äußerem Verhalten in den Mittelpunkt ihrer täglichen Religionsausübung.

Für viele Muslim*innen ist dieses Regelsystem – abgeleitet aus Qur’an und Überlieferung – enorm bedeutsam. Für sie haben Ernährungsregeln, Bekleidungsvorschriften, Bittgebete und vieles mehr den Stellenwert, den eigentlich die Idee der Rechtleitung haben sollte. Sie leben ein Rechtssystem, während sie sich eigentlich mit den Offenbarungen Gottes beschäftigen sollten. Diese Offenbarungen nämlich waren nicht nur für die Prophet*innen gedacht, sondern für alle Menschen, mit den Gesandten als Mittler*innen. Somit müssen die Offenbarungen Gottes eine persönliche Auswirkung auf die Gläubigen und deren eigene spirituelle Entwicklung haben.

Nachdem ich mich jetzt mit der Rechtleitung näher beschäftigt habe, kann ich persönlich nicht anders, als ihr den Stellenwert einräumen, der ihr gebührt. Denn ich ganz persönlich fühle mich völlig eingeschlossen in göttliche „System“ der Barmherzigkeit, Liebe und Rechtleitung.