Islamische Geschichte

Mohamed und Khadija

Mohamed und Khadija

 

Beatriz Pérez Moya

Wir Muslime haben sicher alle die eine oder andere Lieblingsgeschichte aus dem Koran oder den anderen Überlieferungen. Die Geschichte von Moses vielleicht, wie er in seinem kleinen Körbchen auf dem Nil trieb und gerettet wurde. Oder die Geschichte von Abraham, wie er Gott wieder und wieder bat, die Stadt Sodom zu verschonen, weil dort Lot mit seiner Familie wohnte. Oder die Geschichte der Khadija, die eine reiche und kluge Kauffrau war und bereits zweimal verwitwet, als sie den 25 jährigen Mohamed kennenlernte. Sollte ich mal einen muslimischen Namen annehmen, so wird es Khadija sein. Von Anfang an habe ich mich in sie verliebt und ihre wunderbare Liebe zum Propheten Mohamed geschätzt. Ich freue mich darauf, sie inscha’allah im Paradies kennenzulernen und sie um ihre Freundschaft zu bitten. Khadija war die erste Frau Mohameds, und so geht es heute um das Thema Ehe. Für alle, die damit nichts anfangen können, geht es um Partnerschaft und um jede Freundschaft mit einem Menschen, an dem uns besonders viel liegt.

Als die wohlhabende Kauffrau Khadija eines Tages eine Handelskarawane nach Damaskus schicken wollte, suchte sie für deren Führung einen besonders vertrauenswürdigen Mann. Sie hörte von einem jungen Mann namens Mohamed, der sich durch seine Aufrichtigkeit und Freundlichkeit einen edlen Namen gemacht hatte, und bot ihm die Führung der Karawane unter Begleitung des Sklaven Maisara an. Mohamed nahm Khadijas Angebot an und machte sich bald darauf mit Maisara auf den Weg.

Als sie in Busra im Süden Syriens ankamen, ließ Mohamed sich im Schatten eines Baumes in der Nähe eines Klosters nieder, das einem Mönch namens Nestor gehörte. Es ist überliefert, dass dieser Mönch den Sklaven Maisara fragte: „Wer ist dieser Mann unter diesem Baum?“, und Maisara antwortete: „Er gehört zum Stamm Quraisch zu den Leuten der Kaaba“. Da sagte der Mönch: „Unter diesem Baum haben bisher nur Propheten gesessen“ (siehe Ibn Kathir und auch Hischam/ zitiert aus: Muhammad, Jotiar Bamarni, Schreibfeder Verlag 2010).

Auf dem Markt muss Mohamed seine Waren besonders passend für die jeweiligen Käufer ausgewählt haben, sicher hatte er einen besonders guten Geschmack; so merkte Maisara bald, dass Mohamed sich von anderen Händlern in vielerlei Hinsicht unterschied. Natürlich beschäftigten ihn auch die Worte des Mönchen Nestor. Als Maisara nach der langen Reise zu Khadija zurückkam, erzählte er neben den Worten Nestors noch von einer anderen Beobachtung: „Du hast mich mit ihm geschickt, damit ich ihm diene. Dabei hat er mir gedient. Wenn ich krank war, pflegte er mich, wenn ich traurig war, tröstete er mich!“ – so sprach Maisara. Und die Überlieferung erzählt auch, dass immer wenn Mohamed in der stechenden Sonne saß, zwei Engel kamen, um ihm Schatten zu spenden. Auch dies ist Teil von Maisaras Bericht.

Als nun Mohamed zu Khadija zurückkam mag diese von seinem Verhandlungsgeschick beeindruckt gewesen sein, doch darin hat sie sich nicht verliebt, denke ich. Denn als unabhängige Frau konnte sie sich erlauben, sich aus anderen Gründen zu verlieben. Vielleicht liebte sie seine freundlichen Augen, sein Lächeln, oder das ehrliche Gesicht, mit dem er ihr Wertschätzung und Aufmerksamkeit entgegenbrachte. Auch Mohamed verliebte sich in sie.

Khadija sagte zu ihm: „Ich schätze dich wegen deiner Beliebtheit in deiner Familie, wegen der Schönheit deines Charakters und deiner Ehrlichkeit“. Dann bot sie ihm die Ehe an; und wieder stimmte Mohamed einem Angebot Khadijas zu. Mohamed schenkte Khadija 20 Kamele als Brautgabe. Bei seiner Hochzeit war er 25 Jahre alt, Khadija war 40 Jahre alt.

Ihr erstes gemeinsames Kind war Qasim, der jedoch nach seinem zweiten Lebensjahr starb. Daher wird Mohamed auch manchmal Abu Qasim genannt. Danach folgten vier Töchter: Zeinab, Ruqqaya, Umm Kulthum und Fahtma. Der letzte Sohn Abdullah starb ebenfalls noch als Kind. Mohamed und Khadija hatten einen großen Haushalt zu versorgen. Neben den Beiden und ihren Kindern lebten dort mit ihnen Baraka, die inzwischen befreite Dienerin seiner Mutter und Zaid, ein Sklavenjunge, den Mohamed frei gelassen hatte, und der auf eigenen Wunsch von Mohamed adoptiert worden war, sowie auch Ali Ibn Abu Talib; denn Abu Talib hatte Schwierigkeiten, seine große Familie zu ernähren und ging daher auf Mohameds Vorschlag ein seine Söhne Ali und Abbas in andere Haushalte ziehen zu lassen. Ali ging zu Mohamed.

Es wird bis heute als gesichertes Wissen angesehen, dass der Prophet Mohamed niemanden so liebte, wie Khadija. Aisha sagte mehr als einmal, wie eifersüchtig sie auf Khadija sei, obwohl er auch sie sehr liebte, weil der Prophet noch lange nach Khadijas Tod immer wieder vor allen Menschen ihrer liebevoll gedachte. Niemals durfte jemand die leiseste Kritik an ihr äußern, sagt uns Aisha. Er war ihr sein ganzes Leben lang in Dankbarkeit und Liebe verbunden.

Als der Prophet die erste Offenbarung hatte, kam er zitternd und verwirrt zu seiner Frau Khadija, die ihn in ein Tuch wickelte und ihm gut zusprach. Sie glaubte ihm alles, was er sagte, egal, wie seltsam es sich anhörte, und wurde die erste Gläubige Muslimin.

Sunna, ihr lieben Schwestern und Brüder, heißt nicht, die Arme beim Gebet so oder so zu verschränken. Sunna heißt, diese Ehe als Vorbild zu nehmen für die eigene Ehe oder Partnerschaft und den Partner so lieb und teuer zu schätzen wie es Mohamed mit Khadija getan hat und umgekehrt. Im Koran Sure Al Rum 20 Vers 21 lesen wir: „Und unter Seinen Wundern ist dies: Er erschaffte für euch Partnerwesen aus eurer eigenen Art auf dass ihr ihnen zuneigen möget, und Er ruft Liebe und Zärtlichkeit zwischen euch hervor: hierin, siehe, sind fürwahr Botschaften für Leute, die denken!“

وَمِنْ آيَاتِهِ أَنْ خَلَقَ لَكُم مِّنْ أَنفُسِكُمْ أَزْوَاجًا لِّتَسْكُنُوا إِلَيْهَا وَجَعَلَ بَيْنَكُم مَّوَدَّةً وَرَحْمَةً إِنَّ فِي ذَلِكَ لَآيَاتٍ لِّقَوْمٍ يَتَفَكَّرُونَ

And of His signs is that He created for you from yourselves mates that you may find tranquillity in them; and He placed between you affection and mercy. Indeed in that are signs for a people who give thought.

وَجَعَلَ بَيْنَكُم مَّوَدَّةً وَرَحْمَةً

Geborgenheit, Zuneigung oder Liebe, Vergebung oder Gnade.

Das passt nun gar nicht zu dem vielzitierten Gewaltvers, in dem angeblich steht, dass ein Ehemann seine Frau unter bestimmten Bedingungen schlagen darf. Was machen wir mit diesem Vers, den ich an dieser Stelle nicht zitieren werde und den Nichtmuslime besser zu kennen scheinen als Muslime? Arabisch muttersprachliche Muslime sagen mir über den „Gewaltvers“ immer wieder, sie verstehen diesen Vers nicht – die Wörter sind ganz und gar uneindeutig. So lassen wir ihn also beiseite, denn vielleicht erklärt er sich erst nach unserer Zeit und bedeutet etwas ganz anderes als wir heute vermuten. Uns reicht doch das, was wir gelesen und verstanden haben. Wir wissen aus dem Koran und aus zahllosen Hadithen, dass Mohamed ein Prophet der Liebe und Vergebung ist, und dass Allah für unsere Beziehungen sagt: wa jala beinakum Mauwade wa Rahme.

Mohamed und Khadija gingen auf eine Lebensreise. Doch Khadijas Reise endete vor Mohameds und so hatte er ein zweites Leben. Er, der mit Khadija monogam gelebt hatte, heiratete nun viele Frauen gleichzeitig und wurde zum gesellschaftlichen Führer. Seine Liebe zu Khadija blieb ungebrochen.

Zeit für Bittgebete

Hier in der Moschee schließen wir viele Ehen. Es kommen vor allem Menschen, die in anderen Moscheen nicht heiraten dürfen oder möchten. Manch einem sind die anderen Moscheen schlicht zu konservativ. Andere werden dort gar nicht erst verheiratet, weil der Mann nicht Muslim ist, oder weil es sich um gleichgeschlechtliche Liebe handelt. Wer hier heiratet kommt auch schonmal aus den USA angereist, aus Österreich oder aus Hannover.

Als ich meinen muslimischen Mann heiratete, bin ich, so glaube ich, auch zum Islam konvertiert. Sicher bin ich mir da nicht, denn ich habe keine Ahnung, was ich damals während der Eheschließung sagte. Ich sprach kein Wort Arabisch und wiederholte einfach das verbale Rauschen, das mir der Scheich vorsprach, und es war mir vollkommen egal, welche Bedeutung es hatte. Geheiratet habe ich mit meinem Herzen, nicht mit meinen Worten.

Doch so ganz richtig ist das nicht, und nicht jedem ist es so egal, wie es mir damals war, was er oder sie da sagt. Eheleute möchten nicht einfach ihre Religion verleumden, und so tun als wären sie Muslime, während sie eigentlich Christen sind, Juden, Atheisten, oder anderes. Es ist ein Akt der Lüge zur Eheschließung in einer Moschee. Wir verzichten hier in dieser Moschee auf diese Lüge und verheiraten diejenigen Menschen, die sich lieben, bzw. die heiraten möchten. Das allein zählt, wenn sich zwei Menschen entschließen, ihren Lebensweg gemeinsam zu gehen. Und zur gleichgeschlechtlichen Liebe? Gerade der oben zitierte Vers gibt uns hier Argumentationshilfe, denn Partnerwesen, auf Arabisch Zauwajan, ist weder männlichen noch weiblichen Geschlechts. Ein Partnerwesen kann jeder andere Mensch sein. Viel wichtiger ist es, wie man den gemeinsamen Weg gestaltet.

Mohamed und Khadija haben sich vereinigt, doch blieb Khadija weiterhin Kauffrau und konnte ihren Mann immer wieder als eigenständige Frau beeindrucken. Und Mohamed empfing immer wieder Offenbarungen, die ihn als einzigartigen Menschen auszeichneten. So banden sich die Beiden aneinander und lebten dennoch in Freiheit.

Der Dichter Rumi schreibt: „Binde zwei Vögel zusammen – sie haben nun vier Flügel, aber keiner von ihnen kann fliegen“. Der so genannte Bund der Ehe bedeutet Gemeinsamkeit, aber nicht unter Aufgabe der Freiheit. Die Freiheit bleibt unser Grundrecht außerhalb jeder Beziehung und innerhalb jeder Beziehung. Freiheit braucht Vertrauen; und Vertrauen entsteht durch Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit dem anderen und sich selbst gegenüber. Möglicherweise ist dies der schwierigste Aspekt einer Partnerschaft.

Khalil Gibran schreibt

Von der Ehe

Ihr wurdet zusammen geboren,

und ihr werdet auf immer zusammen sein.

Ihr werdet zusammen sein,

wenn die weißen Flügel des Todes eure Tage scheiden.

Ja, ihr werdet selbst im stummen Gedenken Gottes zusammen

sein.

Aber lasst Raum zwischen euch.

Und lasst die Winde des Himmels zwischen euch tanzen.

Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel:

Lasst sie eher ein wogendes Meer zwischen den Ufern eurer

Seelen sein.

Füllt einander den Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher.

Gebt einander von eurem Brot, aber esst nicht vom selben Laib.

Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst jeden von

euch allein sein,

So wie die Saiten einer Laute allein sind und doch von derselben

Musik erzittern.

Gebt eure Herzen, aber nicht in des anderen Obhut.

Denn nur die Hand des Lebens kann eure Herzen umfassen.

Und steht zusammen, doch nicht zu nah:

Denn die Säulen des Tempels stehen für sich,

Und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der

anderen.

All dies bedeutet, dass wir unsere Einzigartigkeit nicht aufgeben

sollten, denn in dieser Einzigartigkeit wurden wir geschaffen, und

in diese Einzigartigkeit hat sich unser Partner verliebt.

In ihrem Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ schreibt Bronnie Ware gleich bei Grund 1: Ein großer Anteil der Sterbenden, die sie begleitete sagten Sätze wie: „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarteten“. Unter den Frauen, die dies sagten waren besonders viele, die mit der Eheschließung auch ihre eigenen Bedürfnisse hinter Schloss und Riegel ablegten stattdessen die Bedürfnisse ihres Ehemannes zu den Eigenen machten. Sie bereuten es am Lebensende bitterlich, denn sie hatten ihre Gott-gegebenen oder natürlichen Rechte und Quellen der Freude unnötig aufgegeben. Sie sehnten sich nach Verwirklichung ihrer Selbst, für die es nun zu spät war.

Zugleich ist die Partnerschaft aber durchaus auch der Weg vom Ich zum Du.

Der Dichter Nizar Qabbani schreibt:

„Ich werfe meinen Passport ins Meer, und nenne Dich mein Land.

Ich werfe meine Wörterbücher ins Feuer, und nenne dich meine Sprache.“

Beide Aspekte – die Wahrung der Freiheit auf der einen Seite und die vollkommene Vereinigung auf der anderen – finden sich in einer gelungenen Partnerschaft. Zu meinen, nun wäre dann wohl alles geregelt und jede Partnerschaft müsse super funktionieren, hat mit „Mensch sein“ allerdings wenig zu tun. Dort, wo es mal hapert und man nicht weiterkommt mit all seiner Zuneigung und Vergebung, wo es gerade nur noch bergab und rückwärts läuft, kann man zum Beispiel hier in der Moschee um Seelsorge bitten. Diesen Schritt sollte man sich nicht zu lange überlegen. Es lohnt sich, mit anderen zu sprechen, die diesbezüglich ein wenig Bildung genossen haben oder die einen an Stellen weiter verweisen können, an denen wirklich Unterstützung stattfindet.

Mohamed und Khadija sind ein Beispiel für eine Beziehung, in der Freiheit und Gemeinsamkeit eine gute Balance hatten. Ich wünsche uns allen in dieser Woche glückliche Erfahrungen mit den Menschen, die uns begleiten.

Abraham

Abraham

Khalil – Freund Allahs und von ihm behütet

Assalamu alaikum wa rahmatullah wa barakatuhu. Heute geht es um Abraham, doch nicht ganz auf direktem Weg; denn schon immer möchte ich über unsere kleine Gebetsteppiche sprechen, die wir jeden Freitag, und natürlich auch sonst, zum Beten auslegen. Über diesen Teppich möchte ich sprechen, da er von besonderer Schönheit ist. In taghellem Beige als Untergrund wird er umrandet von zartem Grün, der Farbe der Hoffnung, in die unsere Tage eingerahmt sind. In diese Hoffnung hineingesetzt sind eine Art goldener Punkte – es sind die teuren Momente des Glücks, verbunden mit goldenen Fäden, denn sie ziehen sich durch unser ganzes Leben, immer wiederkehrend, überraschend, ohne Muster, und doch verlässlich. Ohne diese goldenen Punkte wäre der Teppich auch schön – ruhig, gelassen, und seinen Zweck als Gebetsteppich in angemessener Qualität durchaus erfüllend, doch wäre er zugleich von deutlich geringerer Helligkeit und Freude. Jeder dieser goldenen Punkte symbolisiert für mich ein Lachen des Herzens. Wir wünschten uns mehr von diesen Glücksmomenten, doch dann wäre der gesamte Teppich golden. Das Grün würde verschwinden und das taghelle Beige; und der Untergrund auf dem wir stehen verlöre sein Motiv in Gänze.

Was ist sein Motiv?

In der Mitte des Teppichs befindet sich ein Tor, gleich dem Tor einer Moschee. Tore laden dazu ein, sie zu durchschreiten, um Räume zu betreten. Meist befinden sich darin Menschen, mit denen wir Kontakt aufnehmen. Doch ungleich den anderen Toren, die wir kennengelernt haben, liegt hinter diesem Tor nichts anderes als das Licht. Ein einladendes Licht, oder eine Art freundlichen Nebels, der uns einlädt einzutauchen und Dinge zu erkennen, die dahinter verborgen liegen.

Viele Male bin ich während des Gebets oder einer stillen Meditation durch dieses Tor hindurchgetreten und habe reiche Welten vorgefunden. Einmal war ich dort und fand einen imaginären Dschungel. In diesem Dschungel schwebte ich als Adler, um mich schließlich auf einem kargen Felsen in meinem Horst niederzulassen und zu betrachten, was um mich herum geschah. Ich verwandelte mich in eine Schildkröte, um nun auf dem feuchten, kalten Boden unter schattenspendenden Blättern langsam nichts anderes zu tun als zu sein. Mein Inneres öffnete sich für die Liebe zur eigenen Existenz und füllte mich mit Sehnsucht nach Geborgenheit und Ruhe. Das Paradies ist ein Dschungel. Es wird keine Jungfrauen dort geben und keine seidenen Kissen, sondern einen dunklen feuchten Erdboden unter schattenspendenden Blättern, und ich werde eine Schildkröte sein.

Ein anderes Mal ging ich durch das Tor hindurch und fand mich wieder in den Gemächern der Frauen des Propheten Mohammeds. Es war finstere Nacht, der Innenhof nur ein wenig erleuchtet durch funkelnde Sterne, doch es waren kaum Schatten zu sehen. Ich sah mich im Zimmer von Aisha und fand sie eifersüchtig so tun als ob sie schliefe, um zu beobachten, wohin ihr Ehemann gehen würde, der mitten in der Nacht aufgestanden war, um sich an einen geheimen Ort zu begeben. Ich sah ihn im Dunkel der Nacht verschwinden und wurde gewahr, wie sich Aisha einen Umhang überwarf, um ihm zu folgen. Sie sah ihn zu einem Friedhof gehen und beten. Wie sehr muss sie ihn geliebt haben in diesem Moment und sich selbst geschämt. Als er sich umwandte um nach Hause zurückzukehren, wandte auch sie sich um und lief schnell immer ein paar Meter vor ihm her, hoffend, dass er sie nicht erkennen möge. Sein Schritt wurde schneller, und so musste auch ihrer schneller werden, bis sie rannte, so dass sie schließlich nur einen kurzen Moment vor ihrem Mann zu Hause ankam. Sie warf den Umhang ab und legte sich so hin, wie Mohammed sie verlassen hatte. Vergeblich tat sie nun erneut als ob sie schliefe. Als Mohamed das Zimmer betrat fragte er die herftig atmende, erschöpfte Aisha, ob sie wisse, wer denn wohl die Gestalt gewesen sein mochte, die den ganzen Weg vor ihm her gelaufen war und immer wenn er schneller lief, auch schneller gelaufen sei. Gut dass es dunkel war. So konnte er nicht sehen, wie tief sie errötete. Mohamed hat seine Frau für ihr Verhalten nicht zur Rede gestellt, denn er war ein liebevoller und verständnisvoller Mensch, und sicher wusste er, wie sehr wir solcherlei Vertrauensbeweise in der Partnerschaft immer wieder brauchen. Als ich mir diese Geschichte in der Welt des Gebetsteppichs vorstellte, war ich Aisha, die Eifersüchtige, und ich liebte sie, und liebte den Propheten Mohamed, weil wir Menschen Geschichten lieben, in denen wir uns wiederfinden.

Heute gehe ich durch dieses Licht des Teppichs und lade euch ein, mit mir zu kommen and diese Schnittstelle zwischen Geschichte und Mythos, zwischen Realität und Fantasie. Wir gehen hinein und finden dort eine Frau mit einem kleinen Kind. Sie ist Sklavin, das Kind der gemeinsame Sohn ihrer und ihres Herrn, gezeugt auf Geheiß der freien Frau des Mannes. Gerade setzt sie sich auf ein sich niederkniendes Kamel. Nun reicht ihr ihr Mann das Kind, einen kleinen Jungen namens Ismael. Dann steigt er selbst dazu. Während der Vater weiß, wohin die Reise gehen soll, haben Mutter und Kind nichts als ihr Vertrauen. Wie fühlte es sich an, nicht zu wissen, wohin man getragen wird? Was las die Frau im Gesicht ihres Herrn, in seinen Gesten? Als Proviant für die Reise, die nicht lang dauern und zugleich die Ewigkeit der Menschheitsgeschichte überdauern würde, hat der Vater einen Wasserschlauch und ein paar Datteln eingepackt. So reitet nun die Famile in die Wüste.

Dort angekommen steigen sie ab, und Abraham bleibt noch einen Moment stehen, wirft dann einen Blick auf Hagar und den kleinen, geliebten Sohn, um sich nun umzuwenden und sie zu verlassen.

Welch abscheulicher Moment des Schicksals. „Wohin gehst du, Abraham?“, fragt Hagar, sich gewahr werdend, was hier mit ihr und ihrem Kind geschieht. Du bist doch nicht gekommen, uns hier allein zu lassen?

Die Geschichte erzählt nichts davon, wie sich ihr Magen zusammenzog und ihr Herz verkrampfte als sie ihren Herrn gehen sah. Wie sie dachte „Großer Gott“ und verzweifelt, in unbeschreiblicher Angst, allein die nächtliche Kälte der Wüste erwartete, und den grausamen Tod durch einen Schakal oder durch Durst. Wer würde zuerst sterben? Sie oder das Kind? Über all das ist uns nichts bekannt, denn wir lesen die Geschichte so, wie wir Geschichtsbücher lesen. In manchen Geschichtsbüchern werden auf hundert Seiten ganze Zivilisationen abgehandelt, die auf- und untergegangen sind. Ich mag Geschichtsbücher nicht. Ich mag Teppiche. In Geschichtsbüchern liest man über Grausamkeiten, als währen sie Kollateralschäden. Wird jemand zur Verantwortung gezogen, so bleibt der Text sachlich und macht damit alles zur Sache, auch die Menschen, um die es darin geht. Ich mag keine Geschichtsbücher – sie handeln von Kriegen und ihren Kriegstreibern, von Patriarchen und Führern und vergessen die Menschen, die dahinter stehen. Teppiche sind mir lieber. Die uns einladen, Verantwortung zu übernehmen, indem wir genau hinschauen. Es ist kein Zufall, dass die Literaturdidaktik der deutschen Nachkriegszeit die Vorstellungskraft als wichtiges Lernziel definiert. Die Vorstellungskraft macht nicht nur das Leseerlebnis reicher, sondern Literaturdidaktik ist immer auch Lebensdidaktik; und ohne Vorstellungskraft und die Fähigkeit, Gelesenes oder Erlebtes mit uns selbst zu verbinden, treffen wir ganz andere Entscheidungen im privaten wie im politischen Bereich. Doch zurück zum Text. Wir sind durchaus fähig, uns vorzustellen, was Hagar in diesem Moment gefühlt hat. Aber was Abraham fühlte, was ihn dazu trieb, sich der Prüfung Gottes zu stellen und das ihm scheinbar Gebotene zu erfüllen, das fällt mir im Moment noch schwer zu verstehen. Diese Geschichte zu würdigen gelingt mir derzeit nur durch einen Perspektivwechsel – indem ich nämlich nicht mit Abraham zurückkehre, sondern bei Hagar in der Wüste bleibe.

Menschen möchten nicht sterben. Und sie übernehmen Verantwortung für ihre Kinder. Daher begann Hagar nach Wasser zu suchen. Zwischen den Bergen Safa und Marwa lief sie sieben mal hin und her, um dort Wasser zu finden. Sie kletterte auf Steine, um Ausschau nach einer Karawane zu halten. Als sie sich umblickte, sah sie eine Gestalt bei Ismael stehen. Es war der Engel Gabriel. Er stampfte mit seiner Verse neben dem Kind auf die Erde, und Wasser begann zu fließen. Nach anderen Überlieferungen war es das Kind selbst, das mit seiner Verse auf die Erde stampfte. Jedenfalls entsprang das Wasser, mit dem nun Hagar ihre Schläuche füllte, durch ein Wunder.

Bald danach zog eine Karawane des Stammes von Jurham nicht weit von Hagar und Ismaels Ort vorbei. Die Karawanenführer sahen Vögel über einer Stelle kreisen, wo sonst keine Vögel zu sehen waren und schlossen daraus, dass es dort Wasser geben würde, obwohl das bisher nicht der Fall gewesen war, weshalb ihre Route eben normalerweise nicht dort entlang geführt hatte. Sie folgten den Vögeln, um die neue Wasserstelle aufzusuchen. So fanden sie Hagar und Ismael und nahmen sie auf.

Abraham indessen war zu Hause bei seiner Frau Sarah und ihrem gemeinsamen Sohn Isaak, in dem Zelt, zu dem die Engel gekommen waren, um dem Kinderlosen im hohen Alter Nachkommen zu prophezeihen.

Abraham ist der Prophet, dessen Name nach Mohamed am häufigsten im Koran erwähnt wird. 69 Mal wird sein Name genannt und jedes einzelne Mal mit Lob bedacht.

Geboren wurde Abraham in Ur, einer Stadt in Chaldäa, ungefähr 200 Meilen von Baghdad entfernt, eine der so genannten ersten menschlichen Hochkulturen in Mesopotamien, also dem heutigen Irak. Man möchte meinen, Abraham wäre bei seiner Geburt mindestens 60 Jahre alt gewesen. Doch auch dieser Mensch war einmal ein Säugling, von einer Mutter gestillt, und sicher auch von einem Vater gemaßregelt, von verwandten Frauen und Männern in den Tugenden unterwiesen, die für seine Zeit galten. In Sure 3, Vers 67 lesen wir: Abraham war weder ein Jude, noch ein Christ, sondern er war einer, der sich von allem abwandte, was falsch ist, da er sich Gott ergeben hatte“. „Sich Gott ergeben“ heißt auf Arabisch „muslim“ sein, doch war er nicht Muslim im Sinne der Religionsbezeichnung sondern im Sinne eines Zustandes – ein Mensch eben, der sich Gott ergeben, oder hingegeben, hatte. Aus dieser Stadt Ur in Chaldäa kam übrigens auch Lot, der Sohn von Abrahams Bruder.

In Ur, in der viele Götter angebetet wurden, hatte Abraham seine erste religiöse Erkenntnis. Dabei ging es um die Praxis der Götzenanbetung. Er muss damals ein junger Mann gewesen sein. Vielleicht liebevoll kümmernd, vielleicht pubertierend aufmüpfig, sprach er zu seinem Vater (6:74-75): „Nimmst du Götzenbilder als Götter? Wahrlich ich sehe, dass du und dein Volk offensichtlich irregegangen sind! Und so gaben wir Abraham seine erste Einsicht in Gottes mächtige Herrschaft über die Himmel und die Erde.“

Abrahams Vater Azar, auch bekannt unter dem Namen Terah, betete in der Tat Götzen an, wie es eben damals üblich war. Er antwortete seinem Sohn, wenn dieser nicht seinerseits von der Kritik am Götzenglaube ablasse und dem Vater gehorche, müsse er ihn steinigen, denn dies war die Strafe für abtrünnige Söhne. Doch statt nachzugeben ging Abraham nun auch noch zu seinen Freunden und bat sie ebenfalls, ihren Glauben zu verändern. Diese wollten jedoch an der Anbetung der Götzen festhalten. Schließlich sei es die Religion der Väter.

Als es nun eines Tages ein Fest gab, an dem alle Menschen in Abrahams Umgebung teilnahmen, entschloss sich Abraham, stattdessen zu den Götzenfiguren seiner Freunde zu gehen und zerstörte sie alle – alle, bis auf den obersten Götzen, den er vollständig stehen ließ.

Als die Freunde zurückkehrten wussten sie sofort, dass Abraham für diese Tat verantwortlich sein musste. Sie stellten ihn zur Rede, doch er verneinte seine Schuld – es müsse der Chefgötze selbst gewesen sein, der dies vollzogen hätte, schlug er vor. Die Freunde sagten: „Wie könnte dieses Gebilde aus Stein, das wir selbst gebaut haben, so etwas vollziehen? Du siehst doch, Abraham, dass sie nur aus Stein sind und nichts erreichen können. Worauf Abraham antwortete: „Wenn euer Gott dies nicht kann, dann kann er euch sicherlich auch nicht helfen, wenn ihr in Not seid und ihn braucht!“ Von Anfang an hatte Abraham also Vertrauen in einen Gott, der den Menschen in der Not beiseite stehen würde. Vielleicht sah er in diesem Licht auch Hagar, als er sie in der Wüste zurück ließ. Denn beim Verlassen sagt er zu ihr: „Ich lasse dich in der Hand Allahs“.

Doch wer war dieser Allah, dieser höchste Gott?, fragte sich Abraham. Eines Nachts ging er daher hinaus und erblickte einen Stern. Er rief aus: „Dies ist mein Erhalter!“ – aber als er unterging, sagte er: „Ich liebe nicht die Dinge, die untergehen“.

Dann, als er den Mond aufgehen sah, sagte er: „Dies ist mein Erhalter!“ Aber als er unterging sagte er: „Fürwahr, wenn mein Erhalter mich nicht rechtleitet, werde ich ganz gewiss einer von den Leuten werden, die irregehen“.

Dann, als er die Sonne aufgehen sah, sagte er: „Dies ist mein Erhalter! Dies ist das Größte von allen!“Aber als auch sie unterging, rief er aus: „Oh mein Volk! Siehe, fern sei es von mir, etwas anderem neben Gott, wie ihr es tut, Göttlichkeit zuzuschreiben!“

Es folgte eine unschöne Zeit für Abraham in der Mitte einer Gesellschaft, die sich nicht von ihm überzeugen ließ, sondern sein Leben bedrohte, so dass er letztlich beschloss, seinen Vater und die Stadt Ur zu verlassen. Er bat Gott um Vergebung und Segen für seinen Vater und zog fort, „denn siehe, Abraham war höchst nachsichtig, höchst weichherzig, wieder und wieder willens, sich Gott zuzuwenden“ (11:75).

Abraham lebte längst mit seiner Frau Sahra zusammen und seiner Sklavin Hagar, als eines Tages drei fremde Männer zu seinem Zelt kamen. Das Gebot der Gastfreundschaft verlangte es vom Gastgeber, eine Mahlzeit zu bringen; von den Gästen verlangte es, diese Speisen anzunehmen. Doch die Gäste rührten das ihnen vorgesetzte Mahl nicht an. Es mussten Boten des Himmels sein, die zu Abraham und Sahra gekommen waren. Dennoch nahm Sahra ihre Botschaft nicht ganz ernst, die hieß, dass sie in ihrem fortgeschrittenen Alter einen Nachkommen Abrahams zeugen solle. Sowohl im Buch Genesis, dem ersten Buch Mose, als auch im Koran, ist überliefert, dass sie lachte. Dann verabschiedeten sich die Boten. Auf dem Weg hinaus schauten sie von einem Berg hinab in die Stadt Sodom, in der auch Lot mit seiner Familie lebte.

29:31 Und so, als Unsere himmlichen Boten zu Abraham mit der frohen Kunde von der Geburt von Isaak kamen, sagten sie auch: „Siehe, wir sind im Begriff, das Vok jenes Landes zu vernichten, denn seine Leute sind wahrhaft Übeltäter“. Und als Abraham ausrief: „Aber Lot lebt dort!“ – antworteten sie: „Wir wissen sehr wohl, wer dort ist. Ganz gewiss werden wir ihn und seinen Haushalt retten – alle bis auf seine Frau: Sie wird fürwahr unter jenen sein, die zurückbleiben“. Im Buch Genesis, dem ersten Buch Moses, lesen wir, was wir im Koran nicht finden, nämlich, dass Abraham bei den Engeln interveniert. „Aber“, sagt er, „wenn nur 50 Menschen in Sodom rechtschaffen sind, wird Gott dann Sodom verschonen?“ Gott – oder die Engel – das wird im Zusammenhang nicht ganz deutlich – sagt „Ja, für 50 gute Menschen wird Sodom verschont“. Durch diese Antwort ermutigt, fragt Abraham nun weiter, wie es denn mit 40 Menschen wäre. Auch für 40 gute Menschen soll die Stadt verschont werden. Abraham fragt bis zur Zahl Zehn. Da endet das Gespräch. Was wäre wohl die Antwort gewesen, wenn Abraham weiter gefragt hätte? Wenn es nur neun, acht, sieben,…einen einzigen guten Menschen in der Stadt geben würde?

Nachdem die Engel das Zelt Abraham und Sahras verlassen hatten, überlegte Sahra, wie es denn sein könne, dass sie einen Nachfolger haben würde. Wir lernen aus der jüdisch-christlichen Tradition, dass sie es war, die daher Abraham vorschlug, ein Kind mit der Sklavin Hagar zu zeugen. Dies war damals nicht unüblich, aber wir Frauen von heute wissen, dass das keine gute Idee für den Hausfrieden war.

Die Geschichte beweist es. Ismael, der Sohn Hagars wird geboren und erfreut sich der Liebe seines Vaters. Doch bald wird auch Sahra schwanger und bekommt Isaak. Die jüdisch-christliche Tradition sagt, dass Sahra aus Eifersucht zu Abraham sagt, er solle Hagar und Ismael in die Wüste schicken. Die Muslimische Tradition spricht von einer Prüfung, vor die Abraham gestellt wird. Eine Prüfung vielleicht, ob er Gott gehorcht, auch wenn es seinen Vorstellungen von Liebe und Gerechtigkeit widerspricht. Abraham möchte Hagar und Ismael nicht verstoßen, und dennoch willigt er schließlich ein. Er bringt sie in die Wüste, wohl wissend, dass dies ihren Tod bedeuten würde. Abraham, der Liebevolle. Abraham der Gütige, der muslim ist und taqua hat – mehr als jeder andere seiner Zeit. Religionspädagogen aus meiner Kindheit deklarierten Abrahams Ergebenheit als Tugend. Abraham war muslim und hatte Iman (Glauben) und Taqua (Gottesbewusstsein) – dass dies fast zu einem Mord geführt hätte, war ihnen einerlei.

Doch nun wird es interessant, denn an dieser Stelle interveniert Gott, offensichtlich um genau das zu verhindern. Denn Abraham war ihm wohl in der Tat lieb und teuer. Offensichtlich wollte er nicht, dass dieser geliebte Abraham eine Schuld auf sich lud, deren Vergebung nicht leicht sein würde. So rettete Gott Hagar und Ismael und rettete zugleich Abraham.

Noch ein weiteres Mal war Abraham so gottesfürchtig, dass er einem Traum nachgab, der vermeintlich von Gott selbst zu ihm gekommen war; dem Traum nämlich, seinen eigenen Sohn zu opfern, ihn wie ein Tier in den Wald zu bringen, zu fesseln und auf einen Stein zu legen, um nun mit einem frisch geschärften Messer seine Kehle zu durchtrennen. Doch auch hier wird Abraham von Gott davor bewahrt, einen Mord zu begehen.

Ja, er war in der Tat ein Mann, den Gott liebte, denn Abraham war in seinem Herzen mildtätig und liebevoll. Und vielleicht bewahrte in Gott deshalb davor, große Sünden zu begehen.

Setzen wir uns einen Moment zu ihm, Abraham, und fragen uns, was wir aus seiner Geschichte lernen sollen. Trinken wir eine Tasse Tee mit unserem uralten Propheten und sagen: Abraham, wir können die Deutungen der alten Patriarchen nicht länger akzeptieren. Deine Bereitschaft, andere Menschen zu töten, um damit Gott zu gehorchen, sehen wir kritisch und wenden uns davon ab. Wir sehen Organisationen wie den IS, die Morde an Menschen durch den Koran rechtfertigen und vielleicht sogar deine Geschichte als Grundlage verwenden. Sie sagen, wir haben göttliche Eingebungen und hören darauf, wenn sie ihre Schwerter schwingen, um Unschuldige zu töten. Wir sehen White Supremacists, die meinen, Christen zu sein, und Eingebungen haben, Muslime zu töten, um Gott zu dienen. Wir sehen Politiker, die Kriege führen, weil sie göttliche Eingebungen zu haben glauben. Wir sehen Muslime, Christen und Juden, die andere töten, weil sie meinen, Gott stünde auf ihrer Seite und gäbe ihnen das Recht dazu. Dies alles auf der Grundlage von Geschichten wie der von Abraham! Wie deuten wir diese Geschichte?

Vielleicht antwortet Abraham: Aus meiner Geschichte lernt ihr, dass auch Propheten Menschen sind. Ihr lernt auch, dass es immer ein Fehler ist, andere zu töten oder auch nur zu verletzen. Gott beweist es in meiner Geschichte, denn als ich Leid zufügen wollte, hat mich Gott daran gehindert. Gott wird nicht jeden daran hindern, anderen leid zuzufügen, aber a meinem Beispiel erkennt man die Unrichtigkeit solcher gefühlten Offenbarungen.

Dann würde Abraham vielleicht noch sagen, aus meiner Geschichte lernt ihr, dass man Lesarten historisch anpassen muss, um religiösen Texten weiterhin Sinn zu entnehmen.

Abraham sagt vielleich: „Ich bin Khalil, der Freund Gottes, und deshalb war ich überglücklich, dass Hagar und Ismael überlebt haben. Es wird von mir gesagt, dass ich sie nach ihrem Überleben in der Wüste noch lange immer wieder besuchte.“

Diejenigen Männer und Frauen, die Unterschiede zwischen Rängen vornehmen oder Hierarchien erfinden, lernen, dass alle Frauen gleichwertig sind, egal ob arm oder reich.

Diejenigen unter den Lesern, die koranische Texte als Mythen lesen, finden in der Verstoßung und der Opferung der eigenen Söhne vielleicht psychologische Deutungsvarianten. Im Dickicht unseres Unterbewusstseins opfern wir vielleicht auf dem Stein, gefesselt und gebunden, unseren Hang zum Diesseits. In die Wüste schicken wir vielleicht nicht die Menschen selbst, sondern unsere Vergötterung der Menschen um uns herum, die wir wertschätzen und lieben, aber nicht anbeten sollen. Es gibt viele Deutungsmöglichkeiten. Je mehr wir unsere Vorstellungskraft aktivieren, desto mehr spricht der Text zu uns selbst und ermöglicht uns fruchtbare individuelle Auseinandersetzungen.

Diejenigen Menschen auf der Welt, die Abrahams oder ähnliche Geschichten als Blaupause für das Quälen ihrer Mitmenschen verwenden wollen, sind jedenfalls im Unrecht. Leid zuzufügen ist niemals unser Recht.

Duaa:

Allah, wir danken dir für die Geschichten, die zu uns herabgesandt wurden; Geschichten, in denen du dich uns offenbarst, und wir uns wiederfinden, damit wir wissen was es heißt, Mensch zu sein und andere wie uns selbst zu verstehen, oder zu würdigen. Wir beten dir zum Dank und bitten dich um Kraft, zu erdulden, zu hoffen, zu lieben und zu lachen.

Und Gott weiß es am besten.

Orient und Okzident

Orient und Okzident

 

Heute wissen wir, dass die islamischen Wissenschaften im Mittelalter Europa inspiriert hat, so dass Europa auf den Stand gelangen konnte, wo wir heute stehen.

Heute wissen wir, dass die Vereinigung griechischer Wissenschaft mit dem indischen und persischen Wissen die Grundlage für die arabische Wissenschaft und Gelehrsamkeit in der Zeit zwischen dem 8.bis 12. Jahrhundert, den Goldenen Jahren, gebildet hat.

Was war passiert? Der Kalif al-Mamun war ein welt-aufgeschlossener Herrscher, er gründete im Jahre 832 eine Art „Akademie,“ das „Haus der Weisheit“, in dem ungefähr 90 Sprachgelehrte, Wissenschaftler und Philologen an wissenschaftliche Übersetzungen arbeiteten. Besonders die Werke der alten Griechen waren gefragt. Am Anfang stand das Übersetzen, besonders im philosophischen Bereich. Aber es blieb nicht nur das reine Übersetzen. Die arabischen Wissenschaftler schreiben Kommentare, fingen an, auf diesen Grundlagen Neues zu erforschen, besonders in den exakten mathematischen, astronomischen und geometrischen und Wissenschaften wie Medizin, Naturwissenschaften. Es begann ein schöpferisches, in Europa unerreichtes „Goldenes“ Zeitalter der Weltklasse.

Herauszuheben ist beispielsweise die Algebra, das Operieren mit Buchstaben statt mit Ziffern, die Entdeckung des Blutkreislaufs… und ebenso wichtig das friedliche Zusammenarbeiten aller ansässigen Religionen.

Das Bedürfnis, die islamische Theologie wissenschaftlich zu begründen und auszubauen, führte schnell zu einer Aufarbeitung und Neubewertung der griechischen Philosophie und zur Herausbildung einer arabischen Weltanschauung. Die wichtigsten Wissenschaftler waren Al-Kindi, Al-Farabi, Avicenna genannt Ibn Sina, Averroes, genannt Ibn Ruschd und auch Al-Gazali. Al-Ghazali führte die aristotelische Logik in die islamische Rechtswissenschaft und Theologie ein.

Es herrschte eine Weltoffenheit und Toleranz gegenüber anderen Strömungen der Religionen. Zu den wichtigsten Methoden der muslimischen Rechtsgelehrten zählte damals der sogenannte Idschtihad. Er steht für ein selbständiges Denken und Schlussfolgern. Es entstand die theologische Strömung der Mu‘tazila. Die Themen der Mu’tazila standen für Gerechtigkeit Gottes und Seine Einheit. In Hinblick auf die Gerechtigkeit Gottes folgerten sie, dass der Mensch ungeachtet der Allmacht und dem Allwissen Gottes einen freien Willen ohne Einschränkung besitzen. Sonst wäre das Gericht Gottes nicht möglich bzw. der Mensch nicht für seine Taten verantwortlich. Sie vertraten den Standpunkt, der Koran sei in der Zeit geschaffen worden und nicht das ewige existierende Wort Gottes. Es war damals ein nicht zu unterschätzendes politisches Spiel mit dem Feuer: Wenn der Koran, der die Lebensform, Normen und Werte der islamischen Gemeinschaft bestimmt, als ‚nicht ewig‘ gilt, d.h. der Koran ist erschaffen, erscheint es eher gerechtfertigt und möglich, bestimmte politische Interessen unter Umgehung der koranischen Vorschriften durchzusetzen. Das war natürlich den Gegnern unter Führung von Ibn Hanbal ein Greul.

Ibn Hanbal war einer der bedeutendsten Vertreter des traditionalistischen sunnitischen Islam. Seine Schule hat einen tiefgreifenden Einfluss, der fast jeden Bereich des orthodoxen sunnitischen Denkens betrifft, auf der sich auch heute noch der orthodoxe Islam in Saudi-Arabien stützt.

Damals hatte die Wissenschaft ihre größten Förderer in den Herrschern der Zeit, den Abbasiden-Kalifen. Erst unter dem Kalifen al-Mutawakkil ʿalā Llāh (ab 847) wurden die Mu’taziliten verfolgt und es brach eine neue Zeit an, eine Zeit der Stagnation, ein Stillstand im Denken und Forschen. Sie verabschiedete sich von allem Fortschritt in eine dunkle Zeit! Der letzte Schlag kam durch den Einfall der Mongolen im Jahr 1258. Es trat eine Beschränkung der Meinungsfreiheit, Intoleranz und ein ablehnender Konservatismus ein.

Aber dennoch: Ohne die wissenschaftliche Aufbereitung und Weiterforschung kein ein Aufblühen im westlichen Teil von Europa, keine Universitäten, keine Renaissance, keine Wissenschaft in unserer heutigen Form. Die ganze Welt profitiert noch heute von diesen Gelehrten im islamischen Osten.

Aber was wäre geschehen, wenn dieses Aufblühen der Wissenschaften nicht gewesen wäre? Wenn dieser lockere Umgang mit anderen Religionen nicht stattgefunden hätte? Wenn man sich auf die Forderung Gottes nachzudenken, die im Koran nachlesbar stand, nicht eingelassen hätte, nicht nachgedacht und verwirklicht hätte? Wenn schon gleich am Anfang ein Ibn Hanbal mit seiner lähmenden Strenggläubigkeit stand und wissenschaftliches Denken gar nicht erst zum Zuge käme? Wo stünden wir heute?

Wie ging es weiter?

Das Aufblühen der Wissenschaft verschob sich in den Osten nach Zentralasien, in das alte Persien, nach Indien, Usbekistan. Die großen Städte Buchara und Samarkand blühten im 15. Jahrhundert auf, besonders gefördert durch einer der Enkel des Eroberers Timur Lenk. Im dortigen Observatorium, das der Herrscher Ulug’bek errichtet hat, errechneten Ulug’bek und seine Mitarbeiter das Sternenjahr zu 365 Tagen, 6 Stunden, 10 Minuten und 8 Sekunden, womit sie vom heute gültigen Wert lediglich 58 Sekunden abwichen. Leider wurde dieses Zentrum islamischer Gelehrsamkeit ab dem Ende des 17. Jahrhunderts als Kornspeicher genutzt und zerfiel mit der Zeit mehr und mehr. Welch ein Verlust!

Aber noch wichtiger war Andalusien als Transfer des Wissens. Einige Jahrhunderte lang lebten Christen, Muslime und Juden in Spanien friedlich zusammen.

Toledo gehörte zum Emirat von Granada. Besonders dort herrschte ein Nebeneinander verschiedener Kulturen, Religionen und Sprachen. Es entstanden dort Übersetzerschulen, in denen arabische Dokumente und wissenschaftliche Arbeiten in das Lateinische übersetzt wurden. Von dort aus gelangte das übersetzte Wissen weiter nach Europa.

Es ist wie ein kleiner Kreislauf: 529 u.Z. wird die griechische Akademie in Athen geschlossen, die Araber übersetzen und verarbeiten ihre wissenschaftliche Arbeiten, in Andalusien werden die Werke der alten Griechen wieder übersetzt, nun ins Lateinische und kommt so wieder mitsamt dem neuen Wissen der Gelehrten in den islamischen Ländern nach Europa.

Erst mit der Erfindung der Differential- und Integralrechnung, also der Infinitesimalrechnung, das Rechnen mit unendlich kleinen Zahlen, durch die Europäer Newton und Leibniz kam nach der Geometrie durch die Griechen und nach der Algebra durch die Araber der dritte große Schub in die Mathematik, von der wir heute noch zehren. Also ein Flugzeug bauen ohne Geometrie, Algebra und Infinitesimalrechnung, das geht nicht!

Aber erst durch die Erfindung des Buchdrucks um 1450 machte das christliche Europa den großen Schritt zur Renaissance und nicht zu vergessen, das Herstellen von Papier durch Papiermühlen, die es schon einige Jahrhunderte vorher in arabischen Ländern gab.

Egal wo, vorher mussten alle wissenschaftlichen Arbeiten vielfach kopiert werden, um von anderen Gelehrten überprüft und diskutiert zu werden. Auch wenn es in den wissenschaftlichen Zentren große Schreibbüros gab, immer konnte nur eine kleine Gruppe von Konsumenten Nutzen daraus ziehen. So fand das Wissen kaum Eingang in öffentlichen islamischen Schulen. Die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg trug wesentlich zur immer stärkeren Differenzierung des christlichen mit dem islamischen Kulturkreis bei.

Also mit Gutenbergs Druckmaschine und dem Bau von Papiermühlen verschwand in Europa das mühevolle Kopieren. Jetzt stand dem schnelleren Verbreiten von Nachrichten und auch wissenschaftlichen Abhandlungen nichts mehr im Weg und die Wissenschaft nahm einen ungeahnten Aufschwung. Ich will daran erinnern: Die Gutenberg-Bibel entstand zwischen 1452 und 1454 auf Latein. 1534 folgte dann der Druck der Lutherbibel auf Deutsch. Und man kann sagen: Ohne eine deutsche Lutherbibel hätte es sicherlich keine Reformation gegeben.

Aber wie stand es mit dem Koran? Wie lange dauert es, einen Koran per Hand zu kopieren? Es muss natürlich gesagt werden, dass das Arabische eine ziemlich komplizierte Schriftsprache ist, da sie kursiv angelegt ist, also besser geeignet für Kalligrafie als zum Druck.

Aber nicht nur das: Das im Jahr 2017 erschienene Buch „Islam in der Krise“ beschrieb Michael Blume die folgenschwere Fehlentscheidung des Jahres 1485: Kaufleute in Konstantinopel baten den osmanischen Sultan Bayazid II. um die Erlaubnis, eine Druckerpresse aus Europa einrichten zu dürfen. Aber die islamischen Schrift- und Rechtsgelehrten brachten Argumente dagegen an. Sie meinten, dass es ihr über Jahrhunderte hart erworbenes Privileg war, die geheiligten, arabischen Schriftzeichen (auch für persische und osmanische Schriften) verantwortungsvoll zu Papier bringen zu dürfen. Ihr frommes und verantwortungsvolles Handwerk würde durch diese Maschine der Christen entwertet! Und mehr noch: Würde die Einführung der Druckerpresse nicht Tür und Tor für allerhand Schund und aufrührerische Texte öffnen? Warum sollte der Sultan die Grundfesten seines Reiches erschüttern, das sich doch erkennbar gegen die weniger wissenden und zerstrittenen Christen immer weiter durchsetzen würde.

Bayazid II. verbot also 1485 den Buchdruck arabischer Schriftzeichen im gesamten Osmanischen Reich.

Das Ergebnis war: 1717 wurde die Schulpflicht in Preußen eingeführt. Ab 1835 gab es in Sachsen die Allgemeine Schulpflicht. Um 1800 konnten bereits die Hälfte der Briten und Deutschen lesen und schreiben, im Osmanischen Reich weiterhin nicht einmal 5%. Als Napoleon bei seinem Einmarsch in Ägypten eine Druckerpresse mitgebrachte, zerstörte ein ägyptischer Mob auch diese, da sie doch von den weisen, islamischen Vorfahren einst verboten worden war. Auf das Drucken des Korans stand ja die Todesstrafe. Erst 1874 durfte der Koran in Istanbul auf Arabisch gedruckt werden.

Jahrhunderte lang schien die arabische Welt von der modernen Wissenschaft abgekoppelt zu sein. Im 20. Jahrhundert spielten akademische Forschung nur eine untergeordnete Stellung. Wer nach Wissen strebte, der ging ins christliche Ausland.

Mittlerweile investieren viele arabische Staaten – nicht nur am ölreichen Golf – wieder deutlich mehr in Wissenschaft und Forschung. Bis sie europäischen Ländern im großen Stil auf diesem Gebiet Konkurrenz machen, wird es allerdings wohl noch eine Weile dauern.

Es gab in der jüngsten Vergangenheit einige Fortschritte: Pakistan investierte verstärkt in die Wissenschaft und konnte dadurch wesentlich mehr Fachkräfte ausbilden und die Anzahl der veröffentlichten wissenschaftlichen Aufsätze in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends um 40 Prozent steigern. Auch die Türkei, Jordanien und der Iran legten kräftig zu.

Aber dennoch erleben die islamischen Staaten keinen kontinuierlichen intellektuellen Vorwärtsruck, viele junge Leute verlassen nach ihrem Studium ihre Heimatländer, um im Westen erfolgreich zu forschen oder gehen zum Studium gleich ins Ausland und bleiben dort. Nach einer Studie des Gulf Center for Strategic Studies in Kairo wandern jährlich die Hälfte der Studienabgänger in Medizin aus, ebenso 23 Prozent der Ingenieure. Es fehlt an ausreichend Forschungsstellen, eine angemessene Vergütung und Absicherung, aber besonders wichtig eine freie Ausübung und Forschung ohne Bevormundung durch Theologen.

Es galt doch schon einmal, dass man auf der Grundlage des Koran forschen konnte, dass es Meinungsfreiheit gab und dass gleichermaßen Juden, Christen, Feueranbeter und Muslime Seite an Seite forschten und auf einer annehmbaren Diskussionsebene über ihre Forschungsergebnisse diskutierten.

Bis heute hat in fast der ganzen islamischen Welt kaum eine selbstkritische Debatte über die Gründe des eigenen Niedergangs stattgefunden. Es ist einfach, eine Schuld dem Westen anzuhängen.

Wie dem auch sei: Wenn es gelingen soll, die wissenschaftliche Forschung auch in allen islamischen Ländern wirklich voran zu bringen, kann sie einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Stärkung der Lebensqualität aller ihrer Bürger leisten und dient gleichzeitig zum Aufbau von Stabilität und Vertrauen, auch in die islamische Religion und damit zur Friedensförderung.

O Gott, gib den Menschen Einsicht in dein wundervolles Erschaffen, gib uns im Diesseits Gutes und im Jenseits Gutes.

Joseph Karl Stieler [Public domain]

Goethes Begegnung mit dem Islam – Der Dialogversuch zwischen Orient und Okzident

Goethes Begegnung mit dem Islam – Der Dialogversuch zwischen Orient und Okzident

Joseph Karl Stieler [Public domain]

In der heutigen Predigt geht es um den großen deutschen Dichter und Denker Johann Wolfgang von Goethe und seinem Verhältnis zum Islam. Es gibt nicht wenige Leute, die sich die Frage stellen, was hat denn ein Goethe überhaupt mit dem Islam zu tun? Ist Goethe nicht ein Dichter und Denker, der sich nur mit deutschen, europäischen, christlichen und jüdischen Werken beschäftigt hat? Und spricht man über seine Werke, fallen einem direkt ein: „Faust“, „Wanderers Nachtlied“ oder auch „Die Leiden des jungen Werthers“. Ein weiteres Werk von ihm sollte mindestens genauso beachtet werden und zwar der „West-östliche Divan“, da er ein Riesenpotential fürs friedliche Miteinander birgt.

Wie entstanden überhaupt seine Werke? Impulse und Inspirationen, um dadurch eigene Schriften zu kreieren, bekam er vor allem durch die Korrespondenz mit vielen seiner Zeitgenossen. Wichtige Denker wären hier z.B. Friedrich Schiller, Johann Gottfried von Herder oder auch Christoph Martin Wieland. Diese Menschen starben aber nach und nach, und Goethe, der sich aus seiner Trauer um seine verlorenen Freunden langsam wieder erholte, nahm sich aus anderen Schriftstücken Anregungen fürs eigene produktive Schaffen. Diese Anregungen bekam er aus dem Orient und aus dem Islam, die auch zum Entstehen des Divans beigetragen haben.

Aufschlussreiche Erkenntnisse bieten die Bücher der renommierten Literaturwissenschaftlerin Katharina Mommsen: „Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen. Goethe und die Weltkulturen“ oder auch die vielen Briefwechseln Goethes sowie sein autobiographisches Werk „Dichtung und Wahrheit“ und selbstverständlich sein grandioser West-östlicher Divan.

Was bedeutet überhaupt Divan? Das ist kein unwichtiger Begriff! Divan bedeutet sowas wie Versammlung und manche würden auch Verbindung sagen. Was Goethe also in seinem West-östlichen Divan verbinden, zusammenführen und in einer friedlichen Versammlung vereinigen wollte, waren die Gesellschaften des Orients und Okzidents. Wie intensiv sich Goethe mit dem West-östlichen Divan beschäftigte, zeigen Aussagen von ihm in seiner autobiographischen Schrift „Dichtung und Wahrheit“ für das Jahre 1815: „[…] denn wäre dieser Trieb aufgehalten, abgelenkt worden, ich hätte den Weg zu diesem Paradiese nie wieder zu finden gewußt.“

Goethe schreibt in einem sehr wichtigen Divan-Gedicht: „Gottes ist der Orient. Gottes ist der Okzident. Nord – und südliches Gelände. Ruht im Frieden seiner Hände.“ Klingt nicht nur schön, sondern hat eine ganz klare Message, wie Mommsen drauf hinweist, dass der Orient weder den Orientalen, noch der Okzident den Okzidentalen gehöre, sondern diese Gebiete gehören Gott. Und was möchte Gott in diesen Gebieten? Im letzten Teil findet sich dessen Intention, nämlich Frieden. Die Herabsendung der heiligen Schriften sollte also ein friedliches Miteinander schaffen, fernab von jeglichem (ethnischem oder religiösem) Nationalismus im Orient und Okzident. Daran anschließen kann man auch sagen, dass der Koran ebenso eine Annäherung der Menschen befürwortet, da es in der Sure 49, Vers 13 heißt: „O ihr Menschen, wir haben euch ja von einem männlichen und weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiss, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von Euch. Gewiss, Allah ist allkundig und allwissend.“ Das friedliche Miteinander war ein Moment im Koran, was Goethe ebenfalls nicht verborgen blieb. Die Anfangsstelle des Gedichts findet sich in der al-Baqara, also in der 2. Sure (Goethes Lieblingssure), Vers 115, wo begonnen wird: „Allah gehört der Osten und der Westen; wohin ihr euch auch immer wendet, dort ist Allahs Angesicht. Allah ist allumfassend und allwissend.“ Das Gedicht von Goethe zeigt sehr aussagekräftig, die Kombination aus koranischen und goethischen Textstellen.

Goethes erste Begegnung mit Muslimen fand im Jahre 1813 statt. Es waren baschkirische Soldaten, die in der deutschen Stadt Weimar nach Räumlichkeiten fragten, um ihr Freitagsgebet praktizieren zu können. Goethe besaß eine große Aufgeschlossenheit gegenüber außereuropäischen Kulturen. Er begegnete ihnen nicht direkt mit Misstrauen und Ablehnung, was typische Haltungen für viele seiner Zeitgenossen waren. Goethe selbst schaute stattdessen neugierig auf die verschiedenen Gesellschaften auf den Globus. Aus einem Briefwechsel mit seinem Freund Heinrich von Trebra schreibt Goethe am 05. Januar 1814 über seine Begegnung mit den Muslimen: „Da ich von Weissagungen rede, so muß ich bemerken, daß zu unserer Zeit Dinge geschehen, welche man keinem Propheten auszusprechen erlaubt hätte. Wer dürfte wohl vor einigen Jahren verkünden, daß in dem Hörsaale unseres protestantischen Gymnasiums mahometanischer Gottesdienst werde gehalten und die Suren des Korans würden hergemurmelt werden, und doch ist es geschehen, wir haben der baschkirischen Andacht beigewohnt, ihren Mulla geschaut, und ihren Prinzen im Theater bewillkommt.“

Und wisst ihr, an welchem Tag die Muslime ihr Freitagsgebet verrichtet haben? Das Ganze wurde festgehalten am 24. Dezember 1813. Und was ist das Besondere an diesem Tag? Natürlich geht es da um Weihnachten! Goethe hatte gesehen, dass auf der einen Seite Muslime friedlich ihr Freitagsgebet im protestantischen Gymnasium hielten und wenige hundert Meter weiter, Christen ihre Weihnachtsfeier in der Kirche zelebrierten. Dieses Bild, wie jede Religionsgemeinschaft in ihrer Spiritualität ganz friedlich in sich gekehrt war, hinterließ bei Goethe einen tiefen Eindruck. Tatsächlich blieb es aber nicht bei der einfachen Teilnahme am muslimischen Gottesdienst. Goethe fasste Mut zusammen und bat die Muslimen zu sich in seinem Haus, um sich miteinander auszutauschen. Ich komme auf diese Begegnung gleich zurück.

Im West-östlichen Divan finden sich auch viele weitere Stellen, die ihre Anregungen aus dem Koran schöpfen. Womit fängt das erste Gedicht im Divan eigentlich an? Es ist das Hegire-Gedicht. Und welche Bedeutung hat Hegire? Es ist das französische Wort für Hedschra und dieser Begriff wiederum ist arabisch und bedeutet Flucht. Im islamischen Kontext beschreibt man damit in der Regel die Flucht des Propheten (s.a.w.) aus Mekka, als er die Mekkaner nicht für die islamische Religion überzeugen konnte, woraufhin er nach Medina floh. Und was genau sagt Goethe in diesem Gedicht an einer Stelle: „Nord und West und Süd zersplittern, Throne bersten, Reiche zittern, flüchte du im reinen Osten, Patriarchenluft zu kosten.“ Goethe hat sich in diesem Hegire bzw. Hedschra Gedicht mit der Flucht auseinandergesetzt. Die Flucht also in den Osten, als die Gebiete der anderen Himmelsrichtungen zerstört wurden. Goethe machte sich deshalb imaginär auf in den Osten, worin er beglückende Momente erlebte.

Interessant ist hier halt, dass er in diesem Gedicht ein zentrales Motiv des Islams, also die Hedschra, angefangen im Jahre 622, wo auch die islamische Zeitrechnung begann, an einem ganz bestimmten Tag datierte. Und welcher Tag war das wohl? Es war der 24. Dezember 1814, also ein Jahr nach seiner Begegnung mit Muslimen und genau der Tag, der Heiligabend, als die christliche Zeitrechnung mit der Geburt Jesus Christus stattfand. In diesem Gedicht verbirgt sich somit der Gedanke des Beginns der islamischen und indirekt der der christlichen Zeitrechnung, etwas was er im West-östlichen Divan würdigt. In einem Brief erwähnt Goethe auch, dass er für seinen Divan ein breites Lesepublikum finden möchte und gleichzeitig bittet er seinen Brieffreund, er solle niemandem über sein Dichtwerk erzählen, da er einigen seiner Zeitgenossen nicht traute. Es ist auch kein Zufall, dass Goethe in seinem Werk: „West-östlicher Divan“ ein Kapitel mit der Überschrift: „Noten und Abhandlungen zum Divan“ verfasste und darin schreibt er: „Nun wünscht ich aber, daß nichts den ersten guten Eindruck des gegenwärtigen Büchleins hindern möge. Ich entschließe mich daher, zu erläutern, zu erklären, nachzuweisen, und zwar bloß in der Absicht, daß ein unmittelbares Verständnis Lesern daraus erwachse, die mit dem Osten wenig oder nicht bekannt sind.“ Er wusste daher, dass viele Zeitgenossen seinen Divan schon alleine deswegen nicht verstehen können, weil es sich um eine Verbindung von west-östlichen Gedanken handelt und seine Zeitgenossen eher deutschnational oder eurozentristisch dachten. Mit 23 Jahren setzte sich Goethe auch mit dem islamischen Religionsgründer Mohammed (s.a.w.) auseinander. Er fing an ein Dramenstück über ihn zu schreiben, wobei es jedoch nur wenige Auszüge noch davon gibt. Der Titel des Stücks lautet: „Mahomets Gesang“ und auch die wenigen Zeilen davon sind es wert gelesen zu werden.

In einem weiteren Briefwechsel bezog er sich vorher sehr positiv auf den Dichter Hafis. Bemerkenswert ist es ja auch, dass Goethe den persischen Dichter Mohammed Schem-seddin Hafis als seinen Zwilling bezeichnete, was außergewöhnlich ist für den Umstand, dass zwischen Goethe und Hafis nicht nur geographische, sondern auch eine zeitliche Distanz von ca. 400 Jahren liegen. Hafis ist auch der Titel für jemanden, der den Koran auswendig kann und dies konnte eben Mohammed Schem-seddin Hafis, der ebenfalls Koranlehrer war. Hafis stand vor allem für einen sufischen Islam. Goethe selbst schrieb: „Und mag die ganze Welt versinken, Hafis mit dir, mit dir allein, Will ich wetteifern! Lust und Pein, Sei uns den Zwillingen gemein! Wie du zu lieben und zu trinken, Das soll mein Stolz, mein Leben seyn.“

Heutzutage stellen sich ja einige die Frage, ob er denn Muslim gewesen sei? Oft wird diese Frage mit dem Hinweis bejaht, dass er es doch (angeblich) selbst schreibe. In der Tat können manche Textstellen bei ihm dazu verleiten, zu glauben, er wäre Muslim.

Ich sehe das nicht so! Und das möchte ich an einem Beispiel zeigen. Goethe schreibt im „West-östlichen Divan“ im Buch der Sprüche: „Närrisch, daß jeder in seinem Fall, Seine besondere Meinung preis‘t! Wenn Islam Gott ergeben heißt, In Islam leben und sterben wir alle.“ Ich zitiere hierzu wörtlich Katharina Mommsen, die diese Stelle sehr treffend auf den Punkt bringt: „Dieses Bekenntnis zum Islam hat man Goethe in Deutschland öfter verargt, dabei besagt der Spruch doch eigentlich nur, daß das Wort „Islam“ Ergebenheit in den Willen Gottes bedeutet und der Mensch sich einzig Gott als der allerhöchsten Instanz ergeben sollte, was schließlich für alle Menschen Gültigkeit hat, unerachtet der Religion, die dem einzelnen durch Geburt und Lebensumstände zugefallen ist.“

Um nochmal auf den Koran zusprechen zu kommen: Goethe befasste sich während seines Straßburger Studiums sehr früh mit dem Koran, da war er etwa 22 Jahre alt. Derjenige, der ihn dazu motivierte, sich mit der koranischen Schrift auseinanderzusetzen, war der bereits erwähnte Johann Gottfried von Herder. Und was empfand Goethe in seiner Beschäftigung mit dem Koran? Einerseits war er begeistert, aber andererseits und das gehört auch dazu, gab es Stellen, die ihm missfielen. Goethe merkte in den „Noten und Abhandlungen zum West-Östlichen Divan“ im Unterkapitel „Mahomet“ kritisch an, dass der Prophet sich dem Mittel der Gewalt bediente. Und dasselbe gilt auch für den Koran, wo er einerseits schöne Passagen fand, aber ihm auch andere, nicht friedvolle Textstellen auffielen.

Die Kritik, die Goethe auch am Islam hatte, heißt nicht in letzter Konsequenz, dass er ein Islam-Gegner war, das stünde ja völlig im Widerspruch zu seinen Lobpreisungen über den Islam. Vielmehr sollten wir für uns die Lehre ziehen, dass auch wir einen kritischen Geist beibehalten und historisch-kritisch an die islamischen Schriften herangehen sollten. Hat uns Goethe eigentlich etwas für die Gegenwart zu sagen? Er lebte doch vor über 200 Jahren. Ist er überhaupt aktuell? Diese Frage kann ich ganz klar mit Ja beantworten und zwar deswegen, weil hoffentlich ersichtlich wurde, wie sehr Goethe um einen Dialog zwischen Orient und Okzident poetisch kämpfte und viele Gemeinsamkeiten erkannte. Diejenigen, die heute die Parolen rufen: „Deutschland den Deutschen“ und auch „Guck mal, was wir Deutsche für Dichter und Denker hervorgebracht haben“, denen würde ich zurufen: Ja, schaut euch oder noch besser liest euch mal in die Werke „eurer“ Dichter und Denker durch. Liest was sie schrieben und erkennt, dass beispielsweise ein großer Dichter und Denker wie Goethe euren Nationalismus aufs Schärfste verurteilen würde. Ihr könnt euch von eurer politischen Haltung ganz pauschal auf deutsche Dichter und Denker positiv beziehen, während sie doch eure politische Haltung ablehnten, was Goethe meisterlich mit seinem West-östlichen Divan und seiner sonstigen Aufgeschlossenheit gegenüber außereuropäischen Kulturen unter Beweis stellte. Die zweite Frage für unsere Gegenwart, die ich mir stellte, lautete: Wie würde Goethe eigentlich reagieren, wenn er wüsste, dass es heute ein muslimisches Gotteshaus gibt, nämlich diese Moschee, die seinen Namen trägt? Angesichts dessen, dass in dieser Moschee sämtliche muslimische Strömungen, wie z.B. Sunniten, Schiiten, Sufis und andere hier friedlich unter einem Dach beisammen kommen, dass diese Moschee sich im stetigen interreligiösen Dialog mit z.B. dem Christentum und dem Judentum befindet und man es hier mit herzlichen und offenen Gemeindemitgliedern zu tun hat, ich glaube, dass Goethe für diese Moschee Freudensprünge gemacht hätte.

Silar [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons

Dschalāl ad-Dīn Muhammad ar-Rūmī – kurz Rumi genannt

Dschalāl ad-Dīn Muhammad ar-Rūmī – kurz Rumi genannt

Silar [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia CommonsVor Kurzem las ich einige Gedichte von Rumi, die mich sehr berührten. Ich fand sie wirklich schön und habe mich daraufhin etwas mehr mit dem Dichter befasst.

Rumi war einer der größten persisch-sprachigen Dichter des Mittelalters. Er wurde 1207 in Balch (heutiges Afghanistan) geboren, wanderte mit seiner Familie aus, um der mongolischen Invasion zu entgehen und ließ sich in Konya, Türkei, nieder. Dort starb er 1273.

Er erhielt den arabischen Beinamen Maulānā (türkische Schreibweise: Mevlânâ), „unser Herr/Meister“. Nach ihm ist der Mevlevi-Derwisch-Orden benannt, der Orden der tanzenden Derwische.

Rumi stammt aus einer hochangesehenen Familie: Sein Vater ein angesehener Theologe, die Mutter soll die Tochter eines Chorezm-Schahs gewesen sein. Der Seldschuken-Sultan, der in der Stadt Konya residierte, bot dem Vater einen Lehrstuhl an der Madrasa (Universität) von Konya an. Dschalal ad-Din studierte dort unter seinem Vater islamische Wissenschaften, reiste später nach Spanien, wo er auch dem berühmtn Sufi-Meister ibn Arabi begegnet sein soll. Als Gelehrter erlangte Maulana Dschalal ad-Din Rumi große Berühmtheit, wie auch als Dichter.

1244 lernte er den Derwisch Schams-e Tabrizi kennen. Die Freundschaft mit diesem Mann inspirierten ihn zum Schreiben seiner bis heute oft zitierten Verse.

Nach seinem Tod wurde Rumi in einem Mausoleum beigesetzt, das dem Maulawi-Orden ebenfalls als Versammlungsort (Tekke) diente. Dieses Mausoleum ist seitdem das Wahrzeichen von Konya und dient bis in die heutige Zeit als Wallfahrtsort gläubiger Muslime und der Anhänger Rumis.

Die Lehre Rumis basierte darauf, dass er die Liebe als die Hauptkraft des Universums ansah, das Universum als ein harmonisches Ganzes, in dem jeder Teil mit allen anderen Teilen in einer Liebes-Beziehung steht, die wiederum einzig und allein auf Gott gerichtet ist und nur durch seine Liebe überhaupt Bestand haben kann. Der Mensch als Teil dieses harmonischen Ganzen, kann die Harmonie mit sich selbst und dem Universum nur erreichen, wenn er lernt, Gott zu lieben. Seine Liebe zu Gott wird den Menschen dazu befähigen, nicht nur seine Mitmenschen, sondern alles von Gott Geschaffene zu lieben. Diese Lehre setzte er wunderbar in Poesie um.

Ungefähr 25000 und 35000 Verszeilen und viele kurze Verse hat er uns hinterlassen.

Auch Goethe hat sich in seinen „Abhandlungen zum West-östlichen Diwan“ mit Rumi befasst.

Ich möchte ein Gedicht aus Rumis „Divan-e Schams“ vortragen:

Das ist die Liebe,

himmelwärts zu fliegen,

In jedem Nu die Schleier zu besiegen,

Im ersten Hauch den Atem anzuhalten,

Im letzten dann den Fuß zurückzuhalten,

Die Welt als Unsichtbares zu betrachten,

Das eigne Seh’n als Sehen nicht zu achten.

In seinen Werken fließen Geschichten, Lehrgedichte und Märchen sowie Parabeln und Sinnsprüche zusammen und verbinden die Ontologie, (Beschäftigung mit dem Grundsätzlichsten des Seins), also die Ontologie der Liebe mit der Theologie des Friedens. Seine Werke greifen zentrale Aspekte aus seinem Denken, wie Vernunft, Ästhetik und Liebe sowie Dichtkunst auf.

Majid M. Naini, Professor für Informatik an mehreren Universitäten auf der ganzen Welt, beschäftigt sich mit Mystik und Sufismus und Dichtkunst, sagt über Rumi: „Das Leben und die Transformation von Rumi sind ein wahres Zeugnis und ein Beweis dafür, dass Menschen aller Religionen und Hintergründe in Frieden und Harmonie zusammenleben können. Rumis Visionen, Worte und das Leben lehren uns, wie wir inneren Frieden erreichen können und das Glück, damit wir endlich den anhaltenden Strom von Feindseligkeit und Hass aufhalten und einen echten globalen Frieden und Harmonie erreichen können.“

Für ihn war Freundschaft, Akzeptanz des Anderen wichtig und er drückte das mit den Worten aus:

Komm! Komm! Wer du auch bist!

Wenn du auch Götzendiener oder Feueranbeter bist.

Komm wieder! Dies ist die Tür der Hoffnung, nicht der Hoffnungslosigkeit.

Auch wenn du tausendmal dein Versprechen gebrochen hast.

Komm! Komm wieder!

Ich glaube, das könnte man auch an die Tür zu unserer Moschee anhängen.

Zu seinen schönsten metaphorischen Gedichten gehört folgender Vers:

Wachse, du Korn und werde Ährenfeld,

Dann lass dich mäh’n am Tag der Sense gern,

Und werd im Feuerofen Brot der Welt –

Verlass die Erde freudig, werde Stern.

Immer wieder beschäftigte sich Rumi mit Gott, hier ein sehr bekanntes:

Ich suchte am Kreuz der Christen, doch da war Er nicht;

Ich ging in den Tempel der Hindus und in die alten Pagoden,

doch nirgends fand ich eine Spur von Ihm.

Ich suchte auf Bergen und Tälern, doch

Weder in der Höhe noch in den Niederungen fand ich Ihn.

Ich ging zur Ka’ba nach Mekka, doch auch dort war Er nicht.

Ich fragte die Gelehrten und Philosophen,

doch Er war jenseits ihres Begreifens.

Da schaute ich in mein Herz, und dort,

an Seinem Wohnort, sah ich Ihn;

an keinem anderen Ort war Er zu finden.

Zum Schluss noch ein Gedicht, in dem er sich mit seinem Leitgedanken- der Liebe- auseinandersetzt.

Ich sage dir, warum das Weltmeer seine Wogen schlägt:

Es tanzt die Welt im Glanze eines Edelsteins – der Liebe.

Ich sage dir, aus welchem Stoff der Mensch geformt ist:

Er tönt nach Liebe, eingehaucht von Gottes schöpferischem Atem.

Ich sage dir, warum die Himmel ohne Ende kreisen:

Weil Gottes Thron sie mit dem Widerschein der Liebe füllt.

Ich sage dir, warum die Morgenwinde wehen:

Um ständig frisch den Rosenhain der Liebe aufzublättern.

Ich sage dir, warum die Nacht sich einen Schleier umlegt:

Sie will der Liebe diese Welt als Brautzelt weihen.

Ich kann dir alle Rätsel dieser Schöpfung lösen!

Denn aller Rätsel Lösungswort ist eines: Liebe!

Rumi ist mit seinen Gedichten ein Brückenbauer zwischen den Religionen, zwischen Christen, Juden und Muslimen findet. Er stärkt das Gottvertrauen im Menschen, er ermutigt uns, den Menschen als Spiegelbild Gottes zu betrachten, egal welcher Religion er angehört.

Rumis Worte besagen: „Wo die Liebe ist, gibt es kein Ich.“

Manaar

Der Monat Hidscha

Der Monat Hidscha

5.12.1439

Im Namen Gottes des Allerbarmers des Barmherzigen

Ich suche Zuflucht bei Gott, vor den Einflüsterungen des Teufels.

Alles Lob und aller Dank gebühren alleine Gott, dem Einen, der Niemanden neben sich hat.

Nur IHM unterwerfe ich mich und nur IHN bitte ich um Hilfe!

Gott segne Muhammad und die Familie Muhammads!

Friede sei mit Euch liebe Geschwister im Islam und Werte Gäste. Herzlich willkommen bei uns in der Ibn-Ruhsd-Goethe-Moschee inmitten der Johannes Kirche.

Mein Herr, weite mir meine Brust, und mache mir meine Angelegenheit leicht. Und löse den Knoten von meiner Zunge, so dass sie meine Worte verstehen.“(Koran Sure 20, Verse 25-28)

O die ihr glaubt, wenn der Ruf zum Gebet am Freitag erschallt, dann eilet zum Gedenken Allahs und lasset den Handel ruhen. Das ist besser für euch, wenn ihr es nur wüsstet.“(Koran, Sure 62:9)

Heute ist nach dem islamischen Kalender der 5. Dhul-Hidscha 1439.Da wir hier in Europa leben, wo nach dem Christlichen Sonnenkalender gerechnet und gelebt wird, vergisst man als Muslim sehr schnell das islamische Datum, deshalb habe ich bewusst einmal dieses Datum ausgesprochen.

Dhul-Hidscha ist der 12. und letzte Monat des islamischen Jahres. Er gehört zu den heiligen islamischen Monaten und bedeutet „Monat der Pilgerfahrt (Hadsch)“, da die Pilgerfahrt der Muslime in diesem Monat vollzogen wird. Ich werde im zweiten Teil meiner Predigt näher auf diesen Monat eingehen.

Nun die Hadsch ist nur ein Ereignis im Monat Dhul Hidscha. Da ich den Islam von der schiitischen Seite aus kennenlernte, möchte ich hier noch einige andere Ereignisse vorzeigen, die in diesem heiligen Monat geschahen, damit ich mein Wissen weitergebe.

01.Dhul Hidscha/ Fatimas (a.) Hochzeit mit Ali(a.),dem späteren 4. Kalifen und Cousin unseres Propheten Muhammad(s.)

Fatima hatte sich ihren Ehemann selber ausgesucht, denn unser Prophet(s.) wollte es seiner Tochter selber überlassen, wen sie zum Ehemann möchte, also ist es keine Sunna unseres Propheten(s.), das die Eltern bestimmen, wen die Kinder zu heiraten haben und dass die Kinder noch in diesem Jahrhundert zwangsverheiratet werden müssen, bei vielen mit der Begründung , das es Sunna sei., also weil das unser Prophet(s.) so vorgelebt hätte oder es im Koran steht.

07.Dhul Hidscha/ Martyrium(gestorben wegen seines Glaubens) von Imam Baqir (a.).

Er ist der fünfte Imam der Schiitten und der Urenkel des Propheten Muhammad(s.).Ein direkter Nachfahre von ihm. Er ist der Sohn und Nachfolger von Imam Zain-ul-Abidin (a.), dem Sohn des Imam Hussain(a.). Seine Mutter ist Umm Abdullah, eine Tochter von Imam Hasans (a.),dem Enkelsohn des Propheten(s.). Nach vielen Jahren von Schwierigkeiten, Kummer und Arbeit für den Islam, wurde er im Alter von 57 Jahren, durch den Befehl Heshams vergiftet. Die männlichen Nachfahren des Prophten (s.) wurden fast alle ermordet. Vielleicht halte ich einmal mit Gottes Hilfe eine Khutba über die Ahl ul Bait(a.), die Familie des Propheten Muhammad(s.)

09.Dhul Hidscha

denken wir auch an das Martyrium von Muslim ibn Aqil. In der islamischen Geschichte ist er bekannt dafür, wie er als Botschafter seines Cousins Imam Hussain (a.) in Kufa zum Märtyrer wurde. Seine beiden Söhne Muhammad und Ibrahim(8 und 10 Jahre alt),die er mit nach Kufa brachte wurden nach seiner Hinrichtung dann am 22.Dhul Hidscha auch getötet.

15.Dhul Hidscha/ Geburtstag von Ali al-Naqi (a.),

dem 10. Imam der Zwölf Imame (a.). der Schiitten. Er wurde auch al-Hadi gerufen. Er war ein Nachfahre unseres Propheten Muhammad(s.).Er blieb in Medina bis zum 30. Lebensjahr. Dann wurde er vom Abbasiden-Kalifen Al-Mutawakkil nach Samarra gerufen. Dort stellte man ihn bis zu seiner Ermordung in seinem Haus unter Arrest. Nach schiitischen Berichten wurde er durch eine Intrige des abbasidischen Kalifen Al-Mu’tazz vergiftet und in Samarra begraben.

16. Ableben Zainabs – nach anderen Überlieferungenam 15. Radschab

Zainab (a.) (bzw. Zainab) war die Tochter von Imam Ali (a.) und Fatima (a.) und die Schwester von Imam Hasan (a.) und Imam Husain (a.). Sie war die bedeutsame Heldin von Aschura. Der Grundstein ihrer Erziehung wurde vom Propheten Muhammad (s.) selbst und von ihrer Mutter Fatima (a.) gelegt. Auch ihr Vater Imam Ali (a.) hat später besondere Sorgfalt bei ihrer Erziehung aufgewendet, so dass sie zur Zeit seines Kalifats in Medina und Kufa wie auch lange über sein Ableben hinaus als bekannte Lehrerin wirkte, die nicht nur in der Auslegung des Heiligen Qur’an und der Überlieferungen versiert war, sondern auch in Rechtsfragen als Autorität anerkannt wurde; in diesem Zusammenhang wurde sie auch als „Stellvertreterin des Imam“ bezeichnet.

17.Dhul Hidscha Geburtstag des Prophetensohnes Ibrahim

Ibrahim ibn Muhammad war ein Sohn von Prophet Muhammad (s.) und Maria al-Qibtiyya, der sehr früh verstarb.

18.Dhul Hidscha,

Das Fest von Ghadir ist der feierliche Gedenktag anlässlich der historischen Ereignisse in Ghadir Chum am 18. Dhul-Hidscha im Jahr 10 n.d.H. Ghadir Chum ist ein Ort auf ca. halber Strecke zwischen Mekka und Medina. Der Ort erlangte in der islamischen Geschichte Bekanntheit durch das sehr wichtige Ereignis bei der Rückkehr des Propheten Muhammad (s.) von der Abschiedspilgerfahrt, bei dem er Imam Ali (a.) zu seinem Nachfolger erklärte.

Lasst uns nun eine kurze Zeit Gottes gedenken, bevor ich die Predigt weiterhalte.

Wahrlich, das erste Haus, das für die Menschheit gegründet wurde, ist das zu Bakka – überreich an Segen und zur Richtschnur für alle Völker. In ihm sind deutliche Zeichen. Die Stätte Abrahams – und wer sie betritt, hat Frieden. Und Wallfahrt zu diesem Haus – wer nur immer einen Weg dahin finden kann – ist den Menschen eine Pflicht vor Allah. Wer aber ablehnt (möge bedenken), dass Allah sicherlich unabhängig ist von allen Geschöpfen.(Koran Sure 3:96,97)“

Dieses Jahr findet die Hadsch voraussichtlich vom 19. August bis zum 24. August statt. Jedes Jahr nehmen über zwei Millionen Muslime aus aller Welt an der Wallfahrt nach Mekka zum Hause Gottes, der Kaba teil. Um die Stadt erstreckt sich ein heiliger Bezirk, der von Nichtmuslimen nicht betreten werden darf. Neben der Hadsch, also der großen Pilgerfahrt, die an feste Daten gebunden ist, können Muslime auch rund um das Jahr eine kleine Pilgerfahrt namens Umra machen. Sofern es gesundheitlich und finanziell machbar ist, muss jeder Muslim mindestens einmal im Leben nach Mekka zur heiligsten Stadt der islamischen Welt reisen und die Riten der Wallfahrt vollziehen. Gott der Allmächtige rief mich 2011 zu seinem Haus und 2012 vollzog ich meine Hadsch. Nur IHM alleine verdanke ich es, dass ich jetzt hier stehe. Die Riten der Wallfahrt dauern sechs Tage, wobei sie nach dem islamischen Kalender immer am achten Tag des Pilgermonats Dhu l-hiddscha beginnen und am 13. des Monats enden. Die Hadsch sollte alleine für und mit dem Gedenken an Allah, unseren Gott vollzogen werden. Sie beginnt schon mit der Absicht zum pilgern. Übrigens gehört die Pilgerfahrt zu den fünf Säulen des Islam und zu den Zweigen der Religion (Usul ud Din) Alle Riten der Pilgerfahrt spiegeln das menschliche Streben nach Vervollkommnung wider und sind direkt oder indirekt auf Abraham (a.) zurück zu führen.

Am 08.Dhul Hidscha /Tag von Tarwiya,

einen Tag vor dem Tag von Arafat und zwei Tage vor dem Opferfest [id-ul-adha] und ist ein heiliger Tag während der Pilgerfahrt [hadsch].

Er gilt traditionell als der Tag, an dem Reiseproviant gesammelt und die Wasserbehältnisse gefüllt wurden, um am nächsten Tag zum Berg Arafat aufzubrechen. Es ist der letzte Tag, an dem die Riten der Wallfahrt [umrah] vollzogen werden als Voraussetzung für die Abreise zum Berg Arafat und Vollzug der Pilgerfahrt [hadsch].

09.Dhul Hidscha/ Tag von Arafat,

Es ist ein heiliger Tag während der Hadsch vor dem Opferfest,das am nächsten Tag stattfindet.

An diesem Tag verweilen die Pilger von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang am Berge Arafat entweder in Zelten, wenn sie Unterkünfte haben oder ganz arme Menschen sitzen in der prallen Sonne und beten. Nach Sonnenuntergang müssen alle Pilger Arafat wieder verlassen. Von Arafat aus, kehrt man in Etappen wieder zur Kaaba zurück. An diesem Ort – dem am meisten entfernten Ort zu Mekka während der Riten der Pilgerfahrt, beginnt die Rückkehr zum Haus Gottes Baitullah.. Es ist der Ort, an dem sich Adam (a.) und Eva (a.), nachdem sie voneinander getrennt waren, hier wieder erkannten. (Arafa heißt erkennen,der Stamm des Wortes Arafat) Die unvollständige Seele wird vervollständigt und begibt sich dann auf den stufenweisen Rückweg in die Heimat Mekka. Auf dem Weg wird dann ebenfalls in Stufen der Weihezustand abgelegt. Der Tag von Arafat gehört zu den empfohlenen Fastentagen. Am

10. Dhul Hidscha/Opferfest [id-ul-adha]

-ist eines der wichtigsten Feste des Islams. An dem Festtag wird der Opferbereitschaft Abrahams (a.) gedacht.

Der Name des Festes leitet sich vom arabischen Wort „Opfern“ (dhahha) ab und wird auch als „das Grosse Fest“ (id-ul-kabir) bezeichnet. Ein anderes Wort für „Opfer“, das auch im Heiligen Koran vorkommt, ist „qurban“. Mit „qurban“ wird etwas bezeichnet, das man opfert(freiwillig gibt), um ALLAHs Wohlgefallen zu erlangen und Seine Nähe zu erreichen.

Das Fest bezieht seinen Namen aus der Opferung eines Opfertieres durch die Pilger in Mina in Gedenken an Abraham (a.), der statt seinem ältesten Sohn Ismael (a.) ein Opfertier schlachten durfte. Abraham (a.) und Ismael (a.) hatten die göttliche Probe bestanden und waren gemeinsam bereit, dass Abraham (a.) seinen Sohn Ismael (a.) opfert, wie es Abraham (a.) im Traum offenbart wurde. Als ALLAH seine Bereitschaft sah, gebot Er ihm Einhalt, indem sein Messer stumpf wurde, Abraham (a.) und Ismael (a.) opferten daraufhin voller Dankbarkeit einen Widder oder Lamm, das aufgetaucht war. Dies fand nach manchen Überlieferungen an dem Ort statt, an dem heute der Felsendom steht. Vgl. dazu Heiliger Koran 22:37. So musste auch Jakob (a.) im Herzen seinen geliebten Sohn Josef (a.) opfern, bevor er ihn zurückerhalten durfte. Die Befreiung von der irdischen Liebe ermöglicht die Zuwendung zur Quelle aller Liebe. Entsprechend wird zuweilen die Redewendung verwendet: „Opfere Deinen Ismail“, falls jemand an etwas irdischem so stark hängt, dass es ihn von der Liebe zu ALLAH ablenkt. Das ist nur möglich, indem man die Steinigung des Satan [schaitan] im Herzen praktiziert. Symbolisch erfolgt dies am Tag des Opferfestes durch das Bewerfen des Felsen. Daraufhin schlachten die Pilger ein Opfertier.

Und wenn das Gebet beendet ist, dann zerstreut euch im Land und trachtet nach Allahs Gnadenfülle und gedenket Allahs häufig, auf dass ihr Erfolg habt.“(Koran Sure 62:10)

Vergessen wir nicht, dass wir alle, egal welcher Religion wir angehören, Geschöpfe Gottes sind von IHM kommen wir und zu IHM kehren wir zurück. Rücken wir zusammen für Frieden, Liebe und Gerechtigkeit auf der ganzen Welt!

Wir sind hier eine noch sehr kleine Gemeinde, aber mit Gottes Hilfe wachsen wir!

Alles Lob und aller Dank gebühren nur Gott alleine!

Gott segne Seine Diener und schenke uns allen Sein Licht!

Einen gesegneten Freitag für alle!

Herausragende Frauen im Islam

Herausragende Frauen im Islam

Bismillahir/Rahmanir/Rahim
Im Namen Allâhs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Al salam alykum wa rahmatullah wa barakatuh –
Der Friede sei mit euch, die Barmherzigkeit Allâhs und Sein Segen!

Sure al-‚Alaq (Das Sich Anklammernde/die Keimzelle), Aya 1-5:

  1. Lies! Im Namen deines Herrn, Der erschuf –
  2. Erschuf den Menschen aus einem sich Anklammernden.
  3. Lies! Denn dein Herr ist gütig,
  4. Der durch die (Schreib-)Feder gelehrt hat –
  5. Den Menschen gelehrt hat, was er nicht wusste.

Ein Ausspruch des Propheten Muhammad (Gott segne ihn und schenke ihm Heil), lautete: „Das Streben nach Wissen ist Pflicht für muslimische Männer und muslimische Frauen.“ Aber wenn wir in unseren Bücherregalen nach einem islamischen Buch sehen, finden wir unter anderem Hadith-Werke von Bukhari und Muslim, einige Werke von Ghazali, Ibn Arabi, etliche Werke über die Sira des Propheten, aber alles von Männern geschrieben. Wenn wir von den Sahabia sprechen, dann fallen uns ganz schnell Namen ein wie: Abu Bakr, Umar, Uthman, Ali, alles Männernamen. Fast zaghaft sagen wir dann noch Khadidscha, `Aischa Fatima, – als Ehefrauen und Tochter. Wo sind die Frauen, die die islamische Welt mitgeprägt haben, die Sahabiat?

Ja, es gab sie! Ihre Namen und ihre Bedeutungen sind nur in den vergangenen Jahrhunderten bis auf einige wenige vergessen worden, besonders in den letzten beiden Jahrhunderten, in denen die Männerherrschaft dominierte und die Frauen fast namenlos blieben.

Gott als der Schöpfer erschuf Männer und Frauen als ebenbürtige Wesen aus einer Seele. „O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, Der euch erschaffen hat aus einem einzigen Wesen; und aus ihm erschuf Er seine Gattin, und aus den beiden ließ Er viele Männer und Frauen entstehen. (…) . Wahrlich, Allah wacht über euch.“ (4:1)

Begeben wir uns also auf den Weg in die Geschichte, erkunden wir, wie Frauen nach Wissen strebten und als bedeutende Gelehrtinnen wirkten. Ich möchte sie heute anlässlich des gestrigen Internationalen Frauentages ehren.

Laut Bukhari sagte der Prophet- salla Allahu 3alayhi wa salam): „Wer auch immer mit der Absicht, nach Wissen zu streben, einem Weg folgt, dem wird Allâh den Weg ins Paradies erleichtern.“

Der Qur’an und die Hadithe (die überlieferten Aussagen des Propheten) ermutigten Frauen wie Männer, nach Wissen zu suchen. Auch die Frauen haben wesentliche Beiträge zur Erziehung und auf vielen anderen Gebieten geleistet. Die erste und wichtigste unter ihnen war ‘Aischa, eine der Ehefrauen des Propheten und die Frau mit dem meisten Wissen in den ersten Jahrzehnten des Beginns der islamischen Zeit. ‘Aischa verfügte über einen außerordentlichen Verstand und ein hervorragendes Gedächtnis. Sie gilt unter den sunnitischen Muslimen als eine der verlässlichsten Quellen und als erste Lehrerin für Hadithe. Sie hatte Wissen vom Koran, den Anteilen des Erbrechts, den erlaubten und verbotenen Dingen, Dichtung, Literatur, Arabische Geschichte, Abstammungslehre und Medizin im Allgemeinen.

Die erste Madrassa (Schule) für Frauen mit einer Lehrerin wurde im Haus von ‘Aisha gegründet. Auch Männer konnten an ihrem Unterricht teilnehmen.

Sowohl Männer als auch Frauen nahmen also an ihrem Unterricht teil.

Sie kannte den gesamten Koran auswendig und war Zeugin vieler Ereignisse der frühen Geschichte des Islam, die sie weitergab. Dank ihrer Überlieferungen wissen wir viele Details aus dem privaten sowie öffentlichem Leben des Propheten, es gibt über 2000 Ahadith (Aussprüche, Anweisungen und Handlungen des Propheten.

Als der Prophet starb, war `Aisha war erst 18 Jahre alt, galt jedoch bereits als religiöse Gelehrtin. Über die nächsten vier Jahrzehnte bis zu ihrem Tod, wurde sie von Muslimen konsultiert wegen ihres beträchtlichen Wissens und Verständnisses des Qur’an, der islamischen Rechtsprechung (Fiqh), der islamischen Lehren und Traditionen (Sunnah). Dank ihr gab es also schon eine Reihe von weiblichen Gelehrtinnen.

Zum Beispiel war ‘Aischas Schülerin und enge Freundin, Amra bint ‘Abdurahman eine herausragende Gelehrte, deren Lehrmeinungen diejenigen anderer ‘Ulama‘- Gelehrte überragten. Sie gilt als erste Quelle bei drei Rechtsfragen: das Verbot der Öffnung von Gräbern, die Untersagung des Verkaufs unreifer Früchte sowie die Auswirkungen von beschädigter Ernten beim Verkauf landwirtschaftlicher Produkte. Das waren damals wichtige Punkte.

In den Überlieferungsketten des Ahadith gehörten auch Frauen, wenn auch nicht viele.

Dennoch haben sie sich große Verdienste im Tradierungswesen der Ḥadiṯhwissenschaft erworben.

z.B. die Hadithgelehrte Shuhda bint Abi Nasr Ahmad al-Ibari (gest. 1178) wird als eine der besten Gelehrten ihrer Zeit bezeichnet. Sie unterrichtete unter anderem die Hadithwerke von Bukhari und hatte eine große Anzahl von Schülern in Bagdad. Sie war unter den Namen “al-Katiba” (die Schreiberin) aufgrund ihrer Kalligrafiekünste bekannt. Shuhda wird bei Ibn Khallikan folgendermaßen beschrieben: „Shuhda gehörte zu der Art Gelehrter, die auch über eine sehr gute Handschrift verfügten. Viele Leute “hörten” und lernten von ihr. Sie hatte deshalb eine große Anhängerschaft und ihr Publikum bestand aus Jungen und Alten. Sie wurde sehr bekannt und ihre Berühmtheit sprach sich weit herum.”

Der Gelehrte al-ʿAsqalānī (1449) beschreibt in seinem biographischen Werk für das vierzehnte Jahrhundert die Biographie von 170 Gelehrtinnen, unter anderem auch von Zaynab bint al- Kamāl (1339), die in Damaskus unter der mamlukischen Dynastie lebte und in ihren späteren Lebensjahren eine große Anerkennung als Lehrerin in der Ḥadithwissenschaft genoss. Aufgrund ihrer zahlreichen Lehrdiplome (ijazas), wurde ihr der Titel ‚musnidat ad-dunya‘ zugeschrieben.

Nafisa bint al-Hasan (762-824) ist die Großenkelin des Propheten und die Tochter von al-Hasan ibn ‘Ali Sie kannte den Koran auswendig und kannte sich auch im Kommentieren des Korans (Tafsir) aus und auch in rechtlichen Fragen. Sie wuchs in Medina auf und zog später, nach ihrer Eheschließung mit Ishaq ibn Ja’far, nach Fustat , dem Vorläufer von Kairo. Sie hielt öffentlichen Unterricht, an dem auch Imam ash-Shafi’i und verschiedene zu der Zeit berühmten Gelehrten teilnahmen. In seinem letzten Willen verfügte ash-Shafi’i, dass seine Totenbahre auf dem Weg zum Friedhof an ihrem Haus innehielt. Er war Begründer einer der vier – heute bestehenden – Rechtsschulen des Islam. In Kairo habe ich ihre Moschee besucht, sie wird noch heute in Ägypten als Volksheilige des Islam verehrt.

Aisha bint ‘Ali (1259-1336) war eine hanbalitische Gelehrte aus Kairo. Sie lernte zunächst von ihrem Großvater und erhielt später auch Lehrlizenzen (Ijaza) von anderen Gelehrten aus Syrien und Ägypten. Außer dem Koran studierte sie Kalligrafie, Geschichte, Sira, Poesie und Recht. Unter ihren Studenten waren Ibn Hajar al-Asqalani, der sie für ihre ausgezeichnete Schrift rühmte und al-Maqrizi, der sie für ihren Verstand, ihr Gedächtnis und ihren Intellekt hoch lobte.

Eine wichtige Rechtsgelehrtin war Fatima bint Abbas b. Abu l-Fath (1314) dar, die selbst von dem berühmten und widersprüchlichen Theologen Ibn Taimiya aufgrund ihres Intellekts bewundert wurde. Ferner beschreibt sie der bekannte Gelehrte Ibn Rağab als die ‚Einzigartigste ihrer Zeit‘.

Eine der ersten bedeutenden Frauengestalten im Tasawwuf war Rabi’a Al-Adawijja (713-801). Tasawwuf ist eine Sammelbezeichnung für Strömungen, die asketische Tendenzen und eine spirituelle Orientierung aufweisen, die oft mit dem Wort Mystik bezeichnet wird. Im umfassenderen Sinn bedeutet Tasawwuf die Vervollkommnung von Iman (Glaube an Gott -Seine Engel, Seine Bücher, Seine Propheten, und an den Letzten Tag, und an die Göttliche Vorsehung) und Islam (Bezeugung, dass es keine Gottheit gibt außer Gott), die durch Ihsan (Zustand, als ob du Gott sähest, und wenn du Ihn auch nicht siehst, so sieht Er doch dich) ­erlangt wird. Rabi’as Ausgangspunkt war weder die Furcht vor der Hölle, noch der Wunsch nach dem ­Paradies, sondern nur die Liebe. „Allah ist Allah“, sagte sie, „und dafür liebe ich Allah (…) nicht wegen irgendwelcher Gaben, sondern um Seiner Selbst willen.“ Es gibt einige wundervolle Geschichten über Rabi’a und ihren Zeitgenossen, den berühmten Gelehrten und Schaikh Al-Hasan Al-Basri. Er sagte über sie: „Ich verbrachte eine ganze Nacht und einen Tag mit Rabi’a – über den Weg und die Wahrheit sprechend – und es kam mir niemals in den Sinn, dass ich ein Mann war, noch kam es ihr in den Sinn, dass sie eine Frau war; und am Ende, als ich sie anschaute, sah ich mich selbst als spirituell bankrott und Rabi’a als wahrhaft aufrichtig.“

Die islamische Geschichte zeigt, dass die frühen muslimischen Gesellschaften weibliche Gelehrten als religiöse Autoritäten respektierten und ihnen Qualifikation und die Kompetenz der Unterweisungen zusprachen. Ihre Unterweisungen wurden in Häusern und Moscheen durchgeführt, in Bereichen wie Geschichte, Logik, Literatur, Ethik und Philosophie. In staatliche oder offizielle Ämter wurden sie allerdings weniger eingebunden.

Die vielen starken Frauen in der islamischen Geschichte sind vergessen. Hiermit wollte ich sie und die vielen Namenlosen ehren.

Wenn ich an heutige großartige Frauenpersönlichkeiten denke, dann steht das pakistanische Mädchen Malala an erster Stelle.

Mit 11 Jahren schrieb sie heimlich einen Blog bei der BBC. Sie informierte darüber, was in ihrer Region geschah, seit die Taliban an die Macht gekommen waren. Ein Journalist interviewte Malala im Fernsehen. Dadurch wurde sie bekannt. Mit ihren Ansichten über das Schulrecht für Mädchen machte Malala sich Feinde in ihrer Heimat. Malala wurde im Oktober 2012 in ihrer Heimatstadt Mingora im Schulbus von zwei Taliban-Mitgliedern in Kopf und Schulter geschossen. Sie überlebte den Angriff knapp, wurde anschließend in einem Krankenhaus in Birmingham behandelt. Die Familie hatte Angst, nach Pakistan zurückzukehren, nachdem die Taliban Drohungen ausgesprochen hatten. Sie setzte sich vor allem für das Recht von Mädchen auf Bildung ein. 2014 wurde ihr der Friedensnobelpreis zuerkannt.

Anfangs waren die Pakistaner im ganzen Land schockiert und beteten für ihre Heilung, die Politiker im Lande lamentierten laut gegen ihre brutalen Attentäter. Doch diese erste Solidarität mit der damals 15-Jährigen verblasste schnell, während sich das Land gleichzeitig radikalisierte.

Inzwischen ist Malala für viele Pakistaner nicht mehr eine der ihren, der Unrecht geschah, und die unterstützt und beschützt werden muss, sondern eine Verräterin, eine Abtrünnige, eine, die Schmutz und Schande über die Heimat bringt. Die einen nennen sie Agentin des Westens, die anderen halten sie für eine politische Schachfigur, die dafür ausgenutzt wird, Pakistan und den gesamten Islam in Misskredit zu bringen.

 Fatima Grimm war eine der ersten Konvertitin in Deutschland. Sie war eine unabhängige deutsche Muslimin, gebildet, wortgewandt und mitfühlend, voller Verständnis für das Unverständnis der Anderen, nie belehrend, nie abweisend. Sie  nahm die Menschen, wie sie sie waren, war nie dogmatisch, sondern begegnete jedem freundlich und wertschätzend. Sie wurde meine beste muslimische Freundin, beriet mich beim Schreiben eines meiner Bücher. Ihr wahrscheinlich größtes Vermächtnis ist die Übersetzung des Korans mit ausführlichen Kommentaren. Dies ist die erste deutsche Übersetzung, die gemeinsam von sunnitischen und schiitischen Muslimen erarbeitet und herausgegeben wurde. Dieses Werk gehört zu einem neuen Kapitel der deutschen Koranrezeption. Fatima Grimm hat den deutschen Muslimen Wissen und Worte zu ihren religiösen Schriften gegeben. Am 6. Mai 2013 ist Fatima Grimm im Alter von 78 Jahren gestorben. Sie ist ein großer Verlust für die deutsche muslimische Gemeinschaft – Von Gott kommen wir und zu ihm kehren wir zurück. Möge Er mit ihr zufrieden sein.

Halima Krausen – ein Vorbild für deutsche Muslime

Sie ist eine, die es in Deutschland sogar in religiöse Ämter schaffte, sie zählt weltweit zu den wenigen Imaminnen, sie ist Imamin an der Moschee zur Schönen Aussicht in Hamburg. In Hamburg betreut sie die deutsche Gemeinde der Moschee an der Außenalster. Halima Krausen wollte sich keiner Konfession oder Gruppe zuordnen lassen. Ihr war vor allem das eigenständige Denken wichtig.

Sie sagte, dass die Vernunft eine Gabe Gottes sei. Sie ermögliche es dem Menschen, Zusammenhänge zu erkennen, sich selber einzuordnen in ein Gesamtes und Schlussfolgerungen zu ziehen, vor allem, wenn es um ethisches Verhalten geht. Und damit ist nicht einfach der Verstand gemeint, sondern unter Vernunft versteht sie auch etwas Ganzheitliches.

       Von ihrem Vorgänger, Imam Mehdi Razvi, hat sie auch Ihre Lehrbefugnis erhalten. Es war ein großartiger Schritt, als sie nach seinem Tod 2013 seine Nachfolge antrat – als erste Imamin Deutschlands.

Seit 2014 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg und der Akademie der Weltreligionen tätig.

Es gibt heute viele muslimische Frauen in Deutschland, die still und ohne Aufsehen erregend für einen liberalen Islam arbeiten. Die beiden Genannten habe ich stellvertretend für sie ausgewählt.

Friedrich II

Friedrich II

Das Geschlecht der Staufer hat das europäische Mittelalter entscheidend geprägt. Es sind vor allem zwei Staufer, die dem Jahrhundert zwischen 1150 und 1250 ihren Stempel aufgedrückt haben: Kaiser Barbarossa und sein Enkel Friedrich II.

Wer war er? Erbe zweier Mächte: ein Hohenstaufer und Normanne, zweimal zum König ausgerufen, heiliger römischer Kaiser deutscher Nation, als Kaiser wieder in seinen letzten Jahren abgesetzt.

Der Mönch Matthäus von Paris (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts,  Geschichtsschreiber im Benediktinerkloster St. Albans unweit von London, sagt von ihm: er sei zum „stupor mundi et immutator mirabilis“ geworden- „zum Staunen der Welt und wundersamen Veränderer“. Aber stupor mundi bedeutet auch nach mittelalterlichem Verständnis, Betroffenheit und Erschrecken über den, der das Bestehende zu verändern versucht.

Von kirchlicher Seite beschimpft man ihn als Antichrist.

Sein Vater war der deutsche Kaiser Heinrich VI., sein Großvater Friedrich I. Barbarossa. Seine Mutter brachte das normannische Erbe mit Süditalien und Sizilien mit. Schon die Vorfahren mütterlicherseits waren sehr islamfreundlich.

Durch interne Konflikte konnte im 11. Jahrhundert der normannischen Herzog Roger I.  das Land Sizilien erobern. Er und auch seine Nachfolger erkannten die Religion und Gesetzgebung der einheimischen Muslimen an, gewährte ihnen sogar Schutz. Sie förderten die arabische Dichtung und Wissenschaften. Vom König Roger II. (1101-1154) sagte man sogar heimlich, dass er ein muslimischer Sultan mit einer Krone sei. Er verwandelte Sizilien zu einer Brücke für den Tranfer der islamischen Kultur und Gesellschaft nach Europa. Er ließ Münzen mit lateinischer, griechischer und arabischer Schrift prägen.

      Friedrich wurde im Jahr 1194 in Jesi in der Nähe von Ancona zur Welt. Sein Vater war Kaiser Heinrich VI. und die Mutter war die Tochter von König Roger II. König von Sizilien und Süditalien.

Friedrich bekam also von Geburt an eine große Machtstellung mit auf den Weg; denn angenommen, er als Thronfolger in Sizilien würde durch Wahl wie sein Vater auch deutscher König oder gar mit Krönung durch den Papst Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, dann waren die welt- und besonders kirchenpolitischen Folgen dieser Verbindung nicht absehbar und gaben zu Befürchtungen Anlass, weil sich dann ganz Italien in staufischer Hand befinden würde. Deshalb setzte Heinrich bereits 1196 Friedrichs Wahl als 2-Jähriger mit den Mitteln des Normannenschatzes zum deutschen König durch. Doch schon ein Jahr später starb Heinrich, und der Anspruch seines Sohnes wurde von den Fürsten im Reich angegriffen.

Seine Mutter hatte nur ein Ziel: Sizilien als normannisches Königreich beizubehalten, seine Unabhängigkeit zu sichern und ihrem Sohn die sizilianische Erbfolge zu sichern. Der Unterstützung des Papstes konnte sie gewiss sein. So wurde der erst Dreijährige zum König von Sizilien gekrönt. 1198 starb auch Kaiserin Konstanze und setzte laut Testament den Papst zum Verweser des sizilianischen Königreiches ein.

Bis zum zwölften Lebensjahr war der elternlos heranwachsende Friedrich nur ein Objekt in den Händen derer, die im eigenen Interesse in Sizilien die Macht ausübten.

Der Papst hatte ein Interesse, das Land als päpstliches Lehen zu behalten, hat aber nicht viel für den Jungen getan. Man weiß nicht, unter welchen Bedingungen Friedrich aufwuchs, wie viele Lehrer er hatte, fest steht aber, dass er sich eine außergewöhnliche Fülle an Wissen angeeignet hatte. Im Umgang mit den einfachen Leuten lernte er die Lebensgewohnheiten, Bräuche und Sprachen der Sizilianer, Normannen, Muslimen, Griechen, Juden und Deutschen. Er las alles, von Abenteuerbüchern bis zu den antiken und arabischen Klassikern, beschäftigte sich mit Naturwissenschaften und Sternenkunde. Es gibt Berichte, dass er geübt sei in der Handhabung jeglicher Waffen und ein guter Reiter war.

Die ihn kannten bewundern seine Frühreife, den Scharfsinn und die rasche Auffassungsgabe des Jungen, tadeln aber sein ungehöriges und rüdes Benehmen.

Elementare christliche Kenntnisse mag er von päpstlichen Legaten bekommen haben, aber es gilt als sicher, dass er auch arabisch-islamische Lehrer hatte, ein Kadi, den er auf seinen späteren Kreuzzug erwähnt hatte. Was später Christen zum Ärgernis wurde, nämlich seine Vertrautheit mit der arabischen Geisteswelt, seine Sympathie für den Islam, Vorliebe bestimmter naturwissenschaftlichen Disziplinen und für die Philosophie wird wie ein Markenzeichen für ihn werden. Er sagte über sich in der blumigen orientalischen Rhetorik: „Ehe ich die Pflichten des Regierens auf mich nahm, strebte ich den Wissenschaften nach und atmete ihre balsamischen Düfte.“

Mit der Absicht, seine Stellung im Reich zu festigen, ging er nach Deutschland, gründete zahlreiche neue Städte auf kirchlichem Territorium, erntete darum den Unmut der Kirche. Zugleich gestand er dem Papst größere Territorialrechte in Mittelitalien zu, verzichtete auf das Recht, bei der Bischofswahl mitzuwirken, wodurch die Kirche vom Staat unabhängig wurde.

Am 22. November 1220 salbte Papst Honorius III. Friedrich II. in Rom zum Kaiser.
Nachdem Friedrich nach 8 Jahren in Deutschland wieder in Süditalien angekommen war, änderte er seine Strategie. Friedrich wollte seine Herrschaft nicht auf Gewalt aufbauen, sondern auf das Recht. Mit den „Assisen con Capua“ (Gesetze) ließ er einen allgemeinen Frieden ausrufen. Seine absolute Autorität verbürgte den Schutz aller Untertanen. Wo bisher die einzelnen Feudalherren mehr oder weniger willkürlich Recht sprachen, sollte die von Friedrich eingesetzten Justitiare die Rechtsprechung übernehmen. Darüber hinaus erklärte er alle Schenkungen und Privilegien für ungültig, die seit 1189 erteilt worden waren. Alle übrigen Privilegien mussten durch die königliche Kanzlei neu bestätigt werden. Der Papst Honorius III., der sich immer noch als Lehnsherr Siziliens sah, protestierte gegen dieses Vorgehen Friedrichs, konnte sich aber nichts ändern.

Während seiner Abwesenheit hatten räuberische Sarazenen im Bergland Burgen und Dörfer gegründet und bedrohten sogar die größeren Städte. Es dauerte lange, bis er sie unter Kontrolle hatte und begann ein ungewöhnliches Experiment: Die 16000 Sarazenen, wie man damals die Muslime nannte, wurden nicht getötet, sondern mitsamt ihren Familien auf das Festland umgesiedelt.

Die Ansiedlung von „Ungläubigen“ sollte bald die schärfste Missbilligung der Kirche hervorrufen. In kurzer Zeit wurde aus dem wüsten Flecken ein blühendes Gemeinwesen, sie errichteten Moscheen mit Minarette, lernten und lehrten in eigenen Koranschulen. Mit ihren Produkten belieferten sie die Küche des Kaisers. Sie durften ihre Religion ausüben, entfalteten ein islamisches kulturelles Leben, und sie stellten die treu ergebene Leibgarde und bevorzugte Diener des Kaisers. — Wie geht das ohne ein innerliches Glaubensbekenntnis vor sich!!!

Als seine Frau starb, heiratete er 1225 die Erbin des Königreiches Jerusalem Isabella von Brienne, denn es sicherte ihm Ansprüche auf die Krone von Jerusalem.

Auch der Papst hatte ein großes Machtinteresse an diese Verbindung, betraf es doch das „Heilige Land“. Aber dennoch wurde der Konflikt zwischen Friedrich und dem Papst immer stärker. Friedrich erklärte mehrere päpstliche Territorien zu Reichslehen und war mit sizilianischen Truppen in Oberitalien aktiv geworden. Auch versuchte er, die Kirche in Sizilien unter seine Kontrolle zu bringen und auch das Recht der Besetzung der 150 Bistümer im Königreich an sich zu ziehen, was ihm aber nicht gelang.

Die darauffolgenden Auseinandersetzungen wurden immer schärfer und fielen mit dem Streit über den Kreuzzug zusammen, den er versprochen hatte, der schließlich zur Exkommunikation Friedrichs führte.

1228 fand der Kreuzzug dennoch statt, nun jedoch gegen den Willen des Papstes, der den Bann nicht aufgehoben hatte. Der Zwist zwischen Kaiser und Papst spaltete das christliche Lager mit der Folge, dass ganze Gruppen des Kreuzfahrerheeres gegen den Kaiser intrigierten und alles darauf anlegten, um den Misserfolg des gebannten Kaisers herbeizuführen.

Friedrich pflegte schon lange gute Beziehungen zum Sultan Malik al-Kamil von Ägypten.

Der Sultan beauftragte den Emir Fahr-ed-Din, der dem Kaiser in tiefer Bewunderung, ja persönlicher Freundschaft verbunden war, mit Verhandlungen betreffs Jerusalem, die schließlich zum Erfolg führten.

Mit kluger Diplomatie hatten die beiden Verhandlungsführer des Sultans und des Kaisers, Fahr-ed-Din und Thomas von Aquin, Graf von Acerra, auch er war des Arabischen mächtig, den Frieden vorbereitet. Am 18. Febr. 1229 war es erreicht: Der Sultan stimmte zu, dass die heiligen Stätten der Christenheit, Jerusalem, Bethlehem, Nazareth, dazu der Zugangsweg und wichtige Hafenstädte den Christen übergeben wurden. Lediglich in Jerusalem blieb der auch den Muslimen heilige Haram-esch-Scharif-Bezirk mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee vorbehalten, doch mit Zutrittsrecht der Christen zum Gebet.

Sowohl auf christlicher als auch auf muslimischer Seite stieß das Abkommen auf breite Ablehnung. Der lateinische Patriarch Gerold von Jerusalem verhängte ein Interdikt (Verbot kirchlicher Handlungen) über ganz Jerusalem, für den Fall, dass Friedrich II. die Stadt betreten würde.

Davon ließ der Kaiser sich nicht abhalten und am 17. März 1229 betrat er die Stadt Jerusalem, wo er sich am nächsten Tag in der Grabeskirche selbst zum König von Jerusalem krönte, da der Patriarch sich weigerte, dies zu tun.

Was viele Kreuzfahrer mit Gewalt nicht schaffen konnten, was unzählige Menschenleben kostete, das erreichte Friedrich II. auf eine Weise ohne einen einzigen Schwertstich auf dem Verhandlungsweg: den freien Zugang aller christlichen Pilger zu den heiligen Städten in Palästina.

Nach seiner Rückkehr aus Palästina musste er die päpstlichen Truppen bekämpfen, die in das sizilianische Regnum eingefallen waren. Noch während der Kämpfe nahm Hermann von Salza vom Deutschen Ritterorden Vermittlungsgespräche mit dem Papst auf, um die Lösung des Banns zu erreichen. Zugeständnisse, unter anderem die Freiheit kirchlicher Wahlen, die Wiedereinsetzung von kirchlichen Amtsträgern lösten dann den Bann.

In den nachfolgenden Jahren machte er das Königreich Sizilien in kurzer Zeit zum kulturellen und geistigen Mittelpunkt der abendländischen Welt. Er umgab sich mit einem muslimisch-arabischen Hofstaat, beteiligte sich selbst an wissenschaftlichen Forschungen, beschäftigte sich mit Philosophie und Dichtkunst und schrieb später ein beachtliches Buch über die Falkenjagd, welches man noch heute als Handbuch für die Falknerei benutzen kann.

Im Jahre 1224 gründete er die Universität in Neapel, die heutige Università Federico II., die die Aufgabe hatte, Beamte für den Staat auszubilden. 1226 erfolgte die Gründung der Universität für Apotheker in Salerno, die zusätzlich die Aufsicht über das Medizin- und Arzneiwesen übernahm.

1231 veröffentliche der Kaiser die „Konstitutionen von Melfi“ den Versuch einer umfassenden Gesetzgebung, die alle Bereiche des menschlichen Zusammenlebens umfasste. Unter anderen enthielt die Gesetzessammlung erste Anordnungen des Umweltschutzes(!), Vorschriften über Studiengänge, Anordnungen für Ärzte und noch vieles mehr.

Eine der bedeutendsten Errungenschaften war die Einführung des Dezimalsystems, das Rechnen mit der Null. Bis dahin benutzte man ein umständliches Zahlensystem. Weitere Verdienste erwarb sich der Kaiser durch die Wiederentdeckung der Schriften der antiken Philosophen und Dichter, die Entwicklung und Einführung eines neuen Vermessungssystems.

Aus Deutschland kamen besorgniserregende Nachrichten. So zog er mit seinem ganzen Hofstaat in großer Pracht über die Alpen. Ihm folgten Wagen, beladen mit Gold, Silber und Seide, mit vielen Kamelen und Dromedaren, mit Affen und Leoparden und Sarazenen, die sein Gold und seine Schätze bewachten….“ (Ebersbacher Chronik)

Aber bald musste er zurück. Kämpfe mit aufrührerischen Städten in Italien und fortwährende  Auseinandersetzungen mit dem Papst verlangten seine Anwesenheit in Italien. In bösen Wortgefechten bezichtigten sich Kaiser und Papst gegenseitig als Antichrist und Verderber der Christenheit.

Sie waren so verbissen in ihre Streitigkeiten, dass sie nicht auf den Mongoleneinfall reagierten. Sie kamen nicht die in arge Bedrängnis geratenen Deutschen und Polen zu Hilfe. Vom Papst und dem eigenen Kaiser im Stich gelassen, organisierten die deutschen Fürsten unter dem 9jährigen König Konrad IV. die Verteidigung und konnten, begünstigt durch innerasiatische Ereignisse bei den Mongolen, die Bedrohung abwenden.

Es ging also auch ohne Papst und Kaiser. Die psychologische Wirkung dieser Erkenntnis dürfte nicht leicht zu überschätzen sein. Die spätere Entwicklung in Deutschland zum territorialen Fürstenstaat nahm hier in der äußersten Not ihren praktischen Anfang.

Die Auseinandersetzung mit der Kurie erreichte ihren Höhepunkt mit der erneuten Bannung und Absetzung des Kaisers durch den Papst auf dem Konzil zu Lyon. Bettelmönche der Franziskaner zogen gegen den Kaiser predigend durch die Lande. Eine Verschwörung gegen sein Leben konnte in letzter Minute aufgedeckt werden.

Im Sommer 1250 zog er in Richtung Lyon, wo der Papst residierte, um dort die Aufhebung des Bannes zu erreichen. Aber unterwegs erkrankte er und wurde ins Castel Fiorentino gebracht. Am Morgen, dem 13. Dezember 1250, zog man ihm die graue Kutte der Zisterzienser Mönche an. Kurz nach dem Diktat seines Testamentes starb er.

Man meinte damals, dass er durch das Anziehen des Mönchskleides der Zisterzienser seine Reue zum Christentum bekunden wollte.

Tarik Erich Knapp geht in einem Artikel davon aus: „Sieht man nur genauer zu, dann zeigt sich dieser vermeintliche Beweis letztendlicher Christlichkeit des Kaisers als viel stärkerer Beweis seines Muslimtums. Denn mit dem grauen Gewand der Zisterzienser zog sich der Nichtmönch Friedrich lediglich die Robe der bekennenden Muwahiden –Sufis an. Die Mönchskutte des sterbenden Kaisers war also zugleich sein letztes, wortloses Bekenntnis zum Islam.

In seinem Sarkophag sah man ihn nach einer Öffnung im Jahre 1781 in arabische Seidengewänder gekleidet, bestickt mit den kaiserlichen Adlern, ein leinenes Untergewand, besetzt mit kufischen Lettern, die ihn ausdrücklich als Sultan huldigen. Neben ihm lagen die Krone und die Weltkugel, ohne das sonst übliche Kreuz.  Seine engsten Bediensteten haben ihn so nach seiner Aufbahrung in sein Grab gelegt, wie er war, als Muslim.

Friedrich erweckte schon zu Lebzeiten das Staunen, wenn nicht gar Grauen seiner Zeitgenossen. Sie nannten ihn „Wunder und Wandler der Welt“.

Deutschland und der Islam

Deutschland und der Islam

(Predigt eines weiblichen Mitglieds unserer Gemeinde)

Immer wieder fällt der Satz: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Wer sich mit der Geschichte von Deutschland ein wenig beschäftigt hat, weiß, dass es so nicht stimmt. Ich möchte darum einige Beispiele in der deutschen Geschichte anbringen.

Die Geschichte der deutsch-islamischen Beziehung hat starke Wurzeln, sie reicht weit zurück bis auf das Jahr 777, als Karl der Große auf dem Reichstag zu Paderborn den Gouverneur von Barcelona und Girona, Sulaiman al-Arabi, empfängt. Sulaiman war beim Emir von Cordoba Abd ar-Rahman I. in Ungnade gefallen.  Karl schloss mit ihm einen Beistandspakt ab. Dieses Treffen gilt als eine der ersten dokumentierten Begegnung der Deutschen mit einem Abgesandten aus der Welt des Islam im damaligen Frankenland. Vierzehn Jahre später kommt es dann zu ersten intensiven Beziehungen zwischen Karl, damals noch König und dem Abbasidenkalifen Harun al-Rashid zu Bagdad.

Als ich auf der Suche nach Material war, stieß ich auf einen interessanten Artikel über die Karlspreis-Verleihung, in dem sinngemäß stand:

Karl der Große war zu seiner Zeit sehr realitätsnah. Er hat als erster Europäer zugleich Dialog mit dem Islam und Kriege gegen Muslime geführt, die nach Europa vordringen wollten. Der islamische Dialogpartner Karls des Großen war der Abbasiden-Kalif von Bagdad, Harun al-Raschid. Dieser hatte dem christlichen Herrscher Karl dem Großen 797 einen Elefanten geschenkt. Der Übermittler des Geschenks war ein Jude namens Isaak. Er begleitete auch als Dolmetscher die erste fränkische Mission nach Bagdad.

Der Herrscher aus Bagdad, Harun al-Raschid, verkörperte den Höhepunkt der Abbasiden-Dynastie im Kalifat von Bagdad, während der fränkische Kaiser nicht nur den Glanz der Karolingerzeit, also der Zeit der westgermanischen Franken repräsentierte, insbesondere als „Begründer Europas“ gefeiert wird. Sie waren beide die wichtigsten Männer ihrer Zeit, zum Ende des 8.Jahrhunderts, ebenso bedeutend wie die beiden Imperien, für die sie standen: das Abbasiden-Reich des Kalifen und das Reich der Franken.

Es hat also direkte Kontakte zwischen beiden Herrschern, zwischen Harun al-Raschid und Karl dem Großen gegeben. Die Initiative dazu ging schon vor 800 von Karl aus. Doch leider kam es nicht zu einem vermutlich angestrebten politischen Bündnis zwischen beiden.

Beide Herrscher hatten dieselben Gegner, die politisch und nicht religiös definiert waren. Auf der einen Seite stand Byzanz; zugleich Feind von Bagdad und Aachen, der Hauptsitz von Karl, beide hätten gern Konstantinopel unterworfen. Auf der anderen Seite stand das islamische Spanien, das sich unter dem Emirat des Umaiyyaden Abdulrahman I. vom Bagdad der Abbasiden territorial gelöst hatte. Als islamische Größe war das spanische al-Andalus gleichermaßen eine Bedrohung für das christlich-fränkische wie eine Herausforderung an das Abbasiden-Reich im Osten. Der Anspruch, einziger Imam aller Moslems zu sein, stellte der Herrscher des islamischen Spaniens infrage. Mit seinen Versuchen, Konstantinopel einzunehmen, scheiterte er aber ebenso wie Karl gegen Córdoba.

Beide Herrscher haben wahrscheinlich erkannt, dass sie nur gemeinsam in der Lage sein würden, ein Gegengewicht zu ihren islamischen und christlichen Feinden in Córdoba und Konstantinopel zu bilden. Da spielte die Religion keine Rolle.

Aber von da an brachten arabische Händler ihre Waren sogar über Deutsche Länder sogar bis nach Schweden, belegt durch Münzen.

—       Ich zitiere aus einem älteren Artikel: „West-Östliche Begegnungen“ aus der Islamischen Zeitung: „Im Süden Europas, dem staufisch-normannischen Sizilien, fand eine erstaunliche Symbiose zwischen den normannischen Herrschern und den ansässigen Muslimen statt, deren Krönung die Zeit Friedrichs des Zweiten von Hohenstaufen darstellte. Dieser staufisch-normannische Fürst, Erbe des deutschen Reiches und Süditaliens – von 1220 bis zu seinem Tod Kaiser des römisch-deutschen Reiches und ab 1225 führte er sogar den Titel „König von Jerusalem“ – verstand es, die Fesseln seiner christlichen Umgebung abzulegen und vorurteilslos mit den Muslimen zu leben. Seine Leibwache und Dienerschaft bestand aus in Sizilien lebenden Muslimen, die er mit ihren Familien ins süditalienische Amalfi übersiedeln ließ. Er vertraute in Fragen der Herrschaft seinen muslimischen Beratern. Seiner Freundschaft mit dem Sultan Al-Kamil und seiner Diplomatie ist es zu verdanken, dass er auf seinem vom Papst angeordneten Kreuzzug nur durch seine Diplomatie und großer Geduld Jerusalem ohne Blutvergießen einnehmen konnte. Das war natürlich ein riesiger Dorn im Auge des Papstes. Das und weitere Streitigkeiten mit dem Papst waren Ursache genug, um ihn als Schänder der christlichen Religion, als Antichrist zu verdammen. Seine Persönlichkeit und seine Politik erklären die Feindschaft der Kurie und ihren damaligen Verbündeten, den Franzosen, die nach dem Tode Friedrichs seine Familie und die staufische Herrschaft im Reich und in Sizilien auslöschten.“

Kaiser Friedrich II. hat Zeit seines Lebens sich für die islamische Toleranz und für ihre Wissenschaft begeistert, er diskutierte mit islamischen Wissenschaftlern, seine Ratgeber waren Muslime und er führte eine Hofhaltung nach arabischem Muster. Sein Leben und die Art, wie er bestattet wurde, zeugen davon, dass er insgeheim ein Muslim war. Nie hätte er sich der damaligen Welt als Muslim offenbaren können. Dennoch hat die Kirche versucht, ihn aus den Annalen der Kaiserherrschaften zu streichen. Auf seinen Zügen ins Deutsche Reich umgab er sich mit einer in seiner Umgebung fremden Kultur, die die Deutschen nicht begreifen wollten und als gefährlich einstuften, obwohl eigentlich schon die muslimische Kultur vielen Kreuzrittern durch ihre Eroberungszüge bekannt waren.

—–      Wer weiß eigentlich, dass das alte Preußen ein Erbe des Kaisers Friedrich des II. und seiner Ideen ist? Er ermächtigte seinen Freund, den 4. Hochmeister des Deutschen Ordens Sankt Marien zu Jerusalem, Hermann von Salza, über das pruzzische Territorium für alle Zeiten zu herrschen. Mit der Goldbulle von Rimini, von 1226 oder 1235 verlieh der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. dem Deutschen Orden die Herrschaft über das Kulmer Land östlich der unteren Weichsel, zwischen dem Gebiet des Herzogs von Masovien und dem Gebiet der Prußen. Der Papst bestätigte später in der Preußenbulle die Belehnung von erobertem Gebiet an den Deutschen Orden. Von Salza kannte von Palästina her die Toleranz und Friedfertigkeit der Muslime und so strahlte anfangs auf den Deutschen Orden in Preußen eine islamfreundliche und ritterliche Tendenz aus. Ein Zitat aus einem Artikel über die „Grundlage und Entwicklung des Preußischen Staatswesens“ dazu ist sehr interessant: Friedrichs Gegengabe an den Islam bestand in der Entsendung des Deutschritterordens, dieses zum Islam geneigten Ordens hinaus aus dem päpstlichen Reichs-Gebiet, zuerst nach Siebenbürgen, dann nach Preußen. Preußen wurde also zunächst als Ordensstaat gegründet infolge einer strategischen Absprache des insgeheim muslimischen Hohenstaufen-Kaisers Friedrich II. mit dem Sultan von Kairo. Preußen war somit seinem Wesen nach ein Außenfort des Islam im Norden und sollte zur Vormacht des deutschen Protestes gegen das imperiale Machtstreben des Römischen Kirchenchristentums werden.  Das Zusammenwirken dieser beiden Staatsmänner stellt sozusagen die geistige Wiege des Ordensstaates dar, aus dem das spätere preußische Königreich hervorging.

—–         Im Jahr 1647 wurde die erste einigermaßen neutrale Koran-Übersetzung von André du Ruyer gedruckt, die auch Goethe für seine Studien nutzte und seinem West-Ost-Divan zugutekam. Aber erst die Koranübersetzung von George Sale 1734 in die englische Sprache, die auch bald in Deutsch erschien, setzte neue Maßstäbe durch ihre enge Anbindung an das Original. Sie blieb lange für Europa eine der Hauptquellen für die Kenntnis aller mit dem Koran zusammenhängenden Fragen.

Es entstand in Europa ein Klima, die Zeit der  Aufklärung, in der man sich die Aufgabe gemacht hatte, den Wert außerchristlicher Religionen zu untersuchen und erkennbar zu machen. Und es war naheliegend, sich mit dem Islam zu beschäftigen und auseinander zu setzen.

Besonders hervorgetan hat sich darin Johann Wolfgang von Goethe. Kaum ein Deutscher kennt heute sein Interesse für den Islam, seine Bewunderung für den Propheten Muhammad.

Goethe hatte ein tiefes persönliches Verhältnis zum Islam, darum gehen seine Aussagen über diese Religion in ihrer provokatorischen Gewagtheit weit über alles bisher in Deutschland Dagewesene hinaus. Aber darüber möchte ich in einer anderen Khutba sprechen. Im Namen unserer Moschee steht der Name von Goethe, ebenfalls der vom andalusischen Gelehrten Ibn Ruschd. Beide sind einer Khutba würdig.

Nur noch ein Gedicht von Goethe genehmige ich mir:

Närrisch, dass jeder in seinem Falle
Seine besondere Meinung preist!
Wenn Islam Gott ergeben heißt,
Im Islam leben und sterben wir alle.
Ob der Koran von Ewigkeit sei?
Darnach frag´ ich nicht!
Dass er das Buch der Bücher seilaub ich aus Mosleminen-Pflicht.

Die Geschichte des Islam speziell in Deutschland beginnt also nicht erst im 20. Jahrhundert, sondern schon im 18. Jahrhundert, als der König von Preußen Friedrich Wilhelm I. in Potsdam einen Saal am Langen Stall als Moschee für seine „Langen Kerls“ herrichten ließ. Er legte großen Wert darauf, dass seine „Mohammedaner“ ihren religiösen Pflichten nachgehen konnten, denn dann können sie auch ihren Soldatenpflichten gut nachkommen. Unter Friedrich dem Großen kam es zur Aufstellung geschlossener muslimischer Truppenteile in der preußischen Armee, die auch später in militärischen Handlungen für Deutschland kämpften.  Am 7. und 8. Februar 1807 erlitt Napoleons Armee bei Preußisch-Eylau die einzige Niederlage im preußisch-französischen Krieg durch diese muslimischen Einheiten. Die Tapferkeit der Truppe war nach den vorliegenden Berichten aus jener Zeit schon aus dem Grund motiviert, weil die muslimischen Soldaten „ihrem König für die Sicherung ihrer angestammten Lebensformen und die ihnen gewährte Religions- und Glaubensfreiheit danken wollten“.

Im Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland steht zu lesen:

„Im Jahre 1760 trat ein für die Geschichte des Islam in Deutschland folgenreiches Ereignis ein. In der zaristischen Armee verbreitete sich das Gerücht, der Sultankalif plane aus Freundschaft zu Preußen den „Heiligen Krieg“ gegen Russland auszurufen. Dieses Gerücht hatte unter anderem zur Folge, dass zahlreiche in der russischen Armee dienende muslimische Soldaten zu den Preußen überliefen. Auf Kabinettsorder vom 20. Januar 1762 wurde aus den Überläufern ein selbständiges ,Bosniakenkorps‘ (9. Husarenregiment ,Bosniaken‘) zu 10 Eskadronen (1.000 Mann) errichtet. In den Matrikeln dieser Truppe taucht zum ersten Mal der Name eines preußischen Heeres-lmams auf. Es handelt sich um einen Leutnant Osman, Prediger der ‚preußischen Mohammedaner‘.“

Weiter heißt es: „Kaiser Wilhelm II. hatte am 8. November 1898 am Grabe Saladin des Großen in Damaskus gegenüber dem Sultankalifen erklärt: ,Möge seine Majestät der Sultan und die 300 Millionen Mohammedaner, welche auf der Erde verstreut leben und in ihm ihren Kalifen verehren, dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der Deutsche Kaiser ihr Freund sein wird‘. Als dann im Jahre 1914 in Wünsdorf, nahe Berlin, ein „Mohammedanisches Gefangenenlager“ angelegt wurde, löste der Kaiser sein Versprechen ein. Im Winter 1914 ließ er eine Moschee für die Gefangenen bauen, die mit einem 23 Meter hohen Minarett versehen war. Für die in der Gefangenschaft verstorbenen Muslime wurde eine Wegstunde von Zossen entfernt, in Zehrendorf, ein Soldatenfriedhof angelegt.“

Auch wenn nach dem Tod des Kaisers Friedrich dem II. alles Muslimische an Mensch und Material rigoros ausgerottet wurde, es gab immer wieder in Deutschland Muslime und mit ihnen ihre Kultur. Und Deutschland hat davon profitiert, nicht erst von den türkischen Arbeitern, die im letzten Jahrhundert ins Land gerufen wurden und jetzt einen Teil von Deutschland bilden, mitsamt ihrer muslimischen Kultur.

Es entstand in Europa ein Klima, die Zeit der Aufklärung, in der man sich die Aufgabe gemacht hatte, den Wert außerchristlicher Religionen zu untersuchen und erkennbar zu machen. Und es war naheliegend, sich mit dem Islam zu beschäftigen und auseinander zu setzen.

Besonders hervorgetan hat sich darin Johann Wolfgang von Goethe. Kaum ein Deutscher kennt heute sein Interesse für den Islam, seine Bewunderung für den Propheten Muhammad.

Reformbewegungen im Islam

Reformbewegungen im Islam

In Diskussionen fällt immer wieder die Bezeichnung: liberaler Islam, liberale Moschee.

Es bedeutet für unsere Moschee, dass wir auf der Grundlage von Demokratie und Menschenrechten unseren Islam leben wollen, das heißt: wir interpretieren und hinterfragen den Koran und die Sunna, auf unsere Zeit zugeschnitten.

Viele muslimische Gelehrte sagen heute : Wenn der Islam überleben soll und wenn er einen Universalitätsanspruch hat, dann muss sich die Auslegung des Korans und seine Anwendung nach den Umständen von Zeit und Ort richten.

Diese Gedanken gibt es nicht erst seit heute. Sie zogen sich mit Unterbrechungen durch die ganze Zeit des Islam hindurch. In den ersten Jahrhunderten blühte die Debattenkultur. Zu den wichtigsten Methoden der muslimischen Rechtsgelehrten zählte damals der sogenannte Idschtihad. Er steht für selbstständiges Denken und Schlussfolgern.

Da ist z.B. die theologische Strömung der Mu’taziliten, die bis heute noch in Misskredit bei den orthodoxen Gelehrten stehen.

Ihren Höhepunkt hatte sie im 9.Jahrhundert. Angeregt durch das Studium der Übersetzungen der griechischen Philosophen haben verschiedene Aspekte dieser Philosophen Eingang in die islamische Theologie gefunden. Die Themen der Mu’tazila waren die Gerechtigkeit Gottes und Seine Einheit. In Hinblick auf die Gerechtigkeit Gottes folgerten die Mu’taziliten, dass der Mensch ungeachtet der Allmacht und dem Allwissen Gottes einen freien Willen ohne Einschränkung besitzen. Sonst wäre das Gericht Gottes nicht möglich. In Bezug auf die Einheit Gottes setzten sie voraus, dass Gottes Attribute keine unabhängige oder substantielle Existenz hätten, sondern seien Teil Seines Wesens. Nach der Islamwissenschaftlerin Silvia Horsch vertraten sie den Standpunkt, der Koran sei in der Zeit erschaffen worden und nicht das ewig existierende Wort Gottes (das also schon vor der Zeit der Herabsendung vorhanden war). Was wie Haarspalterei erscheint, hatte ein nicht zu unterschätzendes politisches Einbeziehen: Wenn der Koran, der die Lebensform, Normen und Werte der islamischen Gemeinschaft bestimmt, als ’nicht ewig‘ gilt, d.h. der Koran ist erschaffen, erscheint es eher gerechtfertigt und möglich, bestimmte politische Interessen unter Umgehung der koranischen Vorschriften durchzusetzen.

Als jedoch al-Mutawakkil (847-861) den Thron bestieg, wurde ihr Einfluss wieder zurückgedrängt. Ibn Hanbal, der die Lehre von der Erschaffenheit des Koran trotz Verfolgung und Gefängnis konsequent abgelehnt hatte, wurde aus dem Gefängnis entlassen und entschädigt. Die theologische Diskussion wurde von nun an von den Traditionalisten bestimmt und ab dem 12./13 Jh. wurde  das freie Forschen immer mehr eingeschränkt. Der Idschtihad verlor seine Bedeutung. An seiner Stelle kamen die Interpretationen der orthodoxen Gelehrten, bis heute.

Ein wichtiger Wegbereiter für die Entstehung einer solchen Moschee wie die unsere war der Philosoph und Arzt Muhammad Ibn Ruschd, 1126 in Cordoba geboren. Im christlichen Europa war er unter dem Namen Averroes bekannt. In Andalusien zur damaligen Zeit blühte eine debattier- und wissenschaftsfreudige Kultur. Ibn Ruschd war einer der großen Klassiker der Philosophe und Wissenschaftsgeschichte. Er vermittelte zwischen griechischer und arabischer und lateinischer Kultur, also er transportierte das wissenschaftliche Weltbild von Aristotoles  in seine Zeit und entfachte mit seiner Kommentierung eine große Diskussion. Es ging um Logik, um politische Theologie. Er begriff die Vernunft als ein Gebot des Glaubens. Für ihn war Vernunft und Religion kein Widerspruch. Er war der Meinung, dass die Religionen Teil der Welt ist und durch sie erforscht werden kann. Der Koran erfordert eine vernünftige Auseinandersetzung.

Für ihn war der Koran-Vers 59:2 eindeutig: „Denkt nach, die ihr Einsicht habt!“ Ibn Ruschd sieht in der Aufforderung an die Muslime, über ihren Glauben nachzudenken und die bestmögliche Beweislage für ihr Denken zu finden, eindeutig in der Philosophie und zumal in der aristotelischen Beweisführung gegeben. In der Logik sah er die Möglichkeit, aus dem Denken heraus zur Erkenntnis der Wahrheit zu kommen.

Er attackiert sogar al-Ghazali, der in einer Schrift die Philosophen angreift, da sie Unglauben auf Grund von drei Dingen lehrten:

  1. Die Urewigkeit der Welt
  2. Das Wissen Gottes um die Einzeldinge nur auf allgemeine Weise
  3. Die mögliche Auferstehung des Menschen nur mit der Seele, nicht aber dem Leibe

Ibn Ruschd antwortete auf diese drei Punkte folgendermaßen:

  1. Der Koransagt nirgends, dass die Welt aus dem Nichts geschaffen und in der Zeit entstanden sein soll. In den sechs Tagen der Schöpfung schwebte Gottes Thron dem Koran nach sogar „über dem Wasser“, woher davon auszugehen ist, dass die Welt schon existiert haben könnte.
  2. Die Philosophen behaupten gar nicht, dass Gott kein Wissen um die Einzeldinge hätte. Sie betonen aber, dass es anders sei als das Wissen der Menschen und dass die Menschen also gar nicht wissen könnten, was Gott alles weiß. Ihr Wissen entstehe Schritt für Schritt, während Gottes Wissen von Ewigkeit her alle Dinge umfasse und daher eine Voraussetzung dafür sei, dass die Einzeldinge nacheinander entstehen.
  3. Auch leugnen die Philosophen die Auferstehung nicht und lehren nichts, was im Widerspruch zum Koran stünde. Also dürfe niemand aufgrund einer „anderen“ Interpretation des Unglaubens bezichtigt werden.

Die Philosophie des Averroes  strahlte bis in das christliche Europa  und beeinflusste die gesamte mittelalterliche christliche Theologie, bis seine Schriften auf dem 5. Laterankonzil 1513 unter Papst Leo X. kirchenamtlich verboten wurde.             Er starb verbannt 1198 in Marrakesch

Im 19./ Anfang 20.Jh. gab es mehrere reformistische Vordenker, z.B. der libanesische Raschid Rida, 1865-1935. Er trat für die Bewahrung der eigenen Identität ein. Er gab die Zeitschrift „Al-Manar“ (Der Leuchtturm) heraus. Die Zeitschrift enthielt Analysen der Situation der damaligen muslimischen Welt und beschäftigte sich intensiv mit der Frage, weswegen der Westen dem Orient überlegen war. Seine Argumente bezogen sich auf die Erneuerung des Islam und auf die Stagnation durch die Ulama, die den Fortschritt der islamischen Welt verhinderten. Als eine wichtige Rechtsquelle galt für ihn das Prinzip der ‚maslaha‘, der Nützlichkeit für die islamische Gemeinschaft und Gemeinwohl.

Dschamal ad-Din al-Afghani   1838 in Asadabad, Iran † 1897 in Istanbul),

Al-Afghānī gilt als einer der bedeutendsten muslimischen Denker und Philosophen der Moderne. Zwei zentrale Themen lassen sich in seiner Ideologie wiederfinden: Islamische Einheit, und der Ruf nach einem reformierten und modernisierten Islam, der sich westliche Technologie und Wissenschaft zu eigen macht, und sich damit gegen westliche politische und wirtschaftliche Abhängigkeit wehrt. Seine Ideen sind: Befreiung aller muslimischen Gebiete vom Kolonialismus und der Fremdherrschaft, Rückkehr zu den reinsten Quellen aus der ersten Zeit des Islams, Aneignung der Technologie und der sozialen Institutionen des Westens in gezielter Auswahl und die Einheit aller Muslime in einem islamischen Staat.

Er gilt als liberaler Reformtheologe und Modernist, aber auch als einer der geistigen Begründer des Politischen Islams und der Salafismus-Bewegung des späten 19. und 20. Jahrhunderts, die eine Rückbesinnung auf den wahren, unverfälschten Islam forderte.

Nazr Hamid Abu Zaid

geb. 10. Juli 1943 in Qufaha bei Tanta, Ägypten; gest. 5. Juli 2010 in Kairo) war ein ägyptischer Koran- und Literaturwissenschaftler, der in seinen Büchern eine neue Koranhermeneutik, ein sinngemäßes Auslegen forderte. Der Koran entstand laut seiner Meinung nach nicht in einer einseitigen Offenbarung, sondern in einem Dialog zwischen Gott und dem Menschen – war also auf die Zeit und die Umgebung Muhammads zugeschnitten. Dabei ist es der Mensch selbst, der den Worten Gottes überhaupt erst eine Bedeutung verleiht. Er widerspricht damit, dass der Koran schon immer im Himmel existierte. Der Koran spricht erst, wenn er gelesen und darüber nachgedacht wird. Jeder Leser versteht ihn darum in seiner Zeit. Jede Interpretation bringt große Freiräume, was früher gedacht wurde, muss heute nicht identisch sein. Darum muss der Inhalt des Koran immer auf die Zeit des Interpreten übertragen werden.

Jeder seiner Zeit fortschrittlicher Denker stellt ein Baustein dar bis hin zu einer neuen, liberalen und humanistischen Denkweise im Islam, deren Ergebnis unsere liberale Ibn-Ruschd-Goethe-Moschee ist.

Wir versuchen den Koran nicht wörtlich zu verstehen, sondern aus ihm Grundsätze herauszulesen und sie auf das Heute zu übertragen.

Im Koran finden wir viele Prinzipien, die die Würde des Menschen und seine Statthalterschaft durch Gott betonen. Wir lesen von Gleichheit, Gerechtigkeit, Toleranz, Akzeptanz und Vielfalt.

z.B. 17:70  „Wir haben die Kinder Adams geehrt und sie über Land und Meer getragen und sie mit guten Dingen versorgt und sie ausgezeichnet- eine Auszeichnung vor jenen vielen, die Wir erschaffen haben“.

21:92  „Wahrlich, diese eure Gemeinschaft ist eine einzige Gemeinschaft“

16:12 „Und Er hat für euch die Nacht und den Tag dienstbar gemacht und die Sonne und den Mond. Und die Sterne sind auf Seinem Befehl dienstbar. Wahrlich, darin liegt ein Zeichen für Leute, die Verstand haben“.

49:9  „Und wenn zwei Parteien der Gläubigen miteinander streiten, dann stiftet Frieden zwischen ihnen“, …. weiter heißt es: „…lasst nicht eine Schar über die andere spotten“,  „ … fügt keine üble Nachrede übereinander“.

13:19   „Ist denn etwa einer, der erkennt, dass die von Deinem Herrn herabgesandte Offenbarung die Wahrheit ist, gleich einem, der blind ist? – (Doch) Nur diejenigen, die Verstand haben, lassen sich mahnen.“

Der Koran ruft die Gläubigen in diesen und weiteren Versen aktiv dazu auf, ihren Verstand zu benutzen. Das ist insofern interessant, als dass insbesondere konservativere Strömungen seit Jahrhunderten den menschlichen Verstand aus religiösen Angelegenheiten am liebsten verbannen würden.

Unsere Moschee ist sozusagen die Erbin des Gedankengutes dieser fortschrittlichen Denker im Islam. Wir bauen auf ihnen auf. Und ich muss sagen: Ich bin stolz, dieser Moschee anzugehören.