Glauben

Zusammenspiel von Glaube und Wissen

Wege der Erkenntnis – Zusammenspiel von Glaube und Wissen

In vielen Zusammenhängen benutzen wir die beiden Wörter: Glaube und Wissen.
Aber in welchem Verhältnis stehen beide zueinander?
In der Antike wurde die Wissenschaft bzw. das Wissen als die bestimmende Erkenntnisform gegenüber dem Glauben angesehen, weil sie durch ihren Forscherdrang zur Verbesserung der menschlichen Lebensform beitrug.
Aber wo blieb da der Glaube, wurde er zu geringgeschätzt? Gehört denn nicht nur die Forschung zum Leben, sondern auch die Bedingungen, ein Wertebewusstsein dazu? Die Menschen würden doch sonst nur zu menschlichen Maschinen herabgewürdigt.
Nun stellen sich die Fragen: Was ist Glaube und was Wissen? Ist es wichtig, sie zu unterscheiden und kann Glaube und Wissen in Einklang gebracht werden?
Schon seit der Antike beschäftigten sich die Menschen mit der Frage, wie die Erde aufgebaut ist, warum wir auf der Erde sind, was der Sinn des Lebens, unsere Daseinsberechtigung ist. Es entstanden die verschiedensten Religionen, Philosophien, Denkrichtungen, Weltanschauungen. Sie alle versuchten Fragen zu klären und zu definieren, was eigentlich Glauben und Wissen ist und ob es einen Unterschied oder ein Zusammenspiel gibt.

Wissen bedeutet Bewusstsein von Regeln, Fakten, Erkenntnissen. Wissen wird als eine nachweisbar wahre Meinung oder Feststellung dokumentiert und muss sich dementsprechend von Glauben und Überzeugungen unterscheiden. Der Inhalt von Wissen kann richtig oder falsch sein, erkennbar durch wissenschaftliche Experimente und Überprüfbarkeit. Der Gegenstand des Wissens muss wahr sein, also kein gedachter Gegenstand.
Sokrates hat festgestellt, dass der Mensch weiß, dass er nichts weiß.
Das arabische Wort für Wissen ist ‚ilm‘. Im islamischen Mittelalter wurde Wissen von vielen muslimischen Gelehrten unterschiedlich interpretiert, z.B. „Das Entstehen der Vorstellung einer Sache“, „Das Begreifen eines Begriffs unabhängig davon, ob es gewiss ist oder nicht“, oder „Erkennen einer Sache, dessen Wahrheit gewiss ist.“ Der islamische Philosoph und Gelehrte Farabi im 10.Jh. behauptet, dass es drei Quellen von Wissen gibt: Vernunft und die 5 Sinne des Menschen, Beobachtung und Instinkt.
Avicenna, bekannt als Ibn Sina, gestorben im Jahr 1037, ein Universalwissenschaftler bringt das Wissen aus Sicht ihres Wesens und ihrer Form in drei Kategorien: Naturwissenschaften, Metaphysik, Logik und höheres Wissen und Wissen, was zwischen den ersten beiden steht.
Al-Ghazali, ein persischer islamischer Theologe, Philosoph und Mystiker und zählt bis heute zu den bedeutendsten religiösen Denkern des Islams, unterteilt Wissen in zwei Kategorien: praktisches Wissen und religiöses Wissen, d.h. Wissen durch Lesen und Denken und Wissen durch göttliche Inspiration, wir sagen dazu: wahy.
Viele Koranverse weisen auf den hohen Stellenwert von Wissen hin und immer wieder wird darauf hingewiesen, dass der Wissenserwerb erstrebenswert ist, z.B. in der Sure Al-Anbiya, 7: „So fragt doch die Wissenden“ oder in Taha, 114: „Sprich: ‚Mein Herr, mehre mein Wissen.‘“
Das heißt, ausgehend von den religiösen Quellen sollte der Mensch stets Wissen erwerben, zum Nutzen für ihn selbst und für seine Umwelt, seine Gesellschaft. Wissen ist also auch in der Religion nötig, um es in der religiösen Praxis anwenden zu können.

Was ist nun Glaube und was ist der Unterschied zum Wissen?
In der Umgangssprache wird „glauben“ meist im Sinne von „vermuten, erwarten meinen“ gebraucht. Nach religiösem Verständnis bedeutet es „vertrauen auf etwas oder auf jemandem, sich verlassen auf jemanden, offensein auf Offenbarung, auf Eingebung. Es ist mehr eine Herzensangelegenheit. Es ist ein Verständnis von Gott. Die erste Säule des Islam lautet: „Es gibt keinen Gott außer Gott“ Lā ilāha illā ʾllāh لا إله إلا الله. Es ist der erste Teil des Glaubensbekenntnisses und kommt in dieser Form im Koran an zwei Stellen vor: in Sure 37:35 und in Sure 47:19. Die weiteren Säulen sprechen über das tägliche rituellen Gebet, geben Kunde über die soziale Spende, über das Fasten während des Ramadan und über die Wallfahrt nach Mekka. Es wird überliefert, dass eines Tages der Engel Jibril (Gabriel)dem Propheten Muhammad und seinen Gefährten in Menschenform erschien und den Propheten fragte: „Was ist der Glaube?“ Der Prophet erklärte sinngemäß: „Glaube (Iman) ist, dass du an Gott glaubst, dass du an die Engel glaubst, dass du an die offenbarten Schriften glaubst, dass du an die Vorherbestimmung glaubst, dass du an den Jüngsten Tag glaubst.“

In der philosophischen Erkenntnistheorie wird Wissen oft mit Glauben konfrontiert. Zu glauben, dass etwas ist oder existiert, kann manchmal auf eine Unsicherheit, auf eine Zweifelhaftigkeit hinweisen. Das Wissen dagegen bedeutet Sicherheit, Unzweifelhaftigkeit. In Bezug auf Religion bedeutet also Wissen Gewissenhaftigkeit und Glaube Vermutung.
Wissen kann auch eine persönliche Bedeutung haben. Wenn ich mich z.B. gedanklich mit wichtigen Fragen beschäftige, kann ich zu einem persönlichen Ergebnis kommen, von dem ich glaube, es sei richtig. Für mich kann es dadurch verbindlich werden. Ich akzeptiere das neue Wissen, eine andere Person muss es jedoch nicht.
Glaube steht in einer fortwährenden Beziehung zu unserem Unterbewusstsein, in dem Gefühle, Wünsche, Vorstellungen, Ideen verarbeitet werden und dann in unser Bewusstsein gelangen.
Aber erst durch die Beziehung zum islamischen Glauben erhält Wissen einen besonderen Stellenwert, denn ohne religiöses Wissen kann kein Glaube entstehen. Erst durch Wissen kann man eine Überzeugung entwickeln und dann an etwas glauben. Durch das Studium des Korans und der Hadithe erlangt man Wissen und zu Überzeugungen, die dann den Glauben stärkt.
Das Verhältnis von Glauben und Wissen unterliegt ständiger Veränderungen, sowohl individuell oder auch generell, bedingt durch Widersprüche, neues Wissen, Neigungen, sogar ein anderes Verstehen oder persönliche Erfahrungen.
Bis in die heutige Zeit versuchen die Religionsgelehrten, ihre Anhängerschaft, Gemeinden, ganze Strömungen zu disziplinieren, zu einem Verhalten zu einem Befolgen einer Richtung zu leiten, ihre eigene Gedanken zu steuern, bzw. Meinungen aufzuzwingen, um vorteilhafte gesellschaftliche Wirkungen zu erzielen. Es war nicht die Frage, was geglaubt wurde, sondern dass man nicht in Konflikt mit dem Gesamtinteresse der Gesellschaft bzw. mit der Obrigkeit geriet.
Oft hören wir von muslimischen Gelehrten am Ende ihres Vortrages oder am Ende ihrer Schrift die Worte: „Gott weiß es am besten.“ Es bedeutet nicht nur Bescheidenheit, sondern kann auch Pluralität Raum, also ein Nebeneinander, eine Koexistenz von verschiedenen Strömungen geben. Daher ist es möglich, dass völlig verschiedene Meinungen zu einem gleichen Thema nebeneinander existieren können. So war es im islamischen Mittelalter und auch heute. Da begegneten sich Christen, Juden, Muslime auf Augenhöhe bei der Arbeit, beim Forschen, im täglichen Leben und in freundschaftlichen Streitgesprächen.

Der Koran spricht in sehr vielen Versen davon, dass nur Gott der einzig Wissende ist. Nur Er hat das absolute Wissen über Dinge und Vorgängen. Von Ihm haben die Menschen Auffassungsvermögen und Verstand erhalten. Propheten sandte Er nur aus Barmherzigkeit und mit einem kleinen Teil Seines Wissens in Form von Botschaften wie die Thora, dem Alten und Neuen Testament und dem Koran. Dennoch, Gott hat den Menschen viele Möglichkeiten geboten, um Seine Barmherzigkeit und Sein Wohlgefallen zu erlangen. Wissen ist eindeutig, aber wir erhalten nur eingeschränktes Wissen, dafür haben wir den Glauben.

Betrachten wir die Zeit der Goldenen Jahre in der islamischen Welt. Der Glaube und der Koran und die Hadithe waren die ersten Quellen und Ausgangspunkt von weltlichen Wissenschaften. Um in der richtigen Zeit beten zu können, musste man sich mit der genauen Zeitmessung beschäftigen. Das erforderte Wissen in der Mathematik, in Astronomie. Das Gebet musste in die richtige Richtung erfolgen, also entwickelte sich die Geografik. Die Almosensteuer und die Erbverteilung musste berechnet werden, also vertieften die Wissenschaftler ihre mathematischen Kenntnisse.

Die muslimische Welt versuchte also die Welt zu erforschen und den Rahmen dazu gab die Religion selbst, um die Auslegungen des Korans zu befolgen.

Zum Glück konnte man sich auf vorhandenes Wissen stützen, das der Griechen oder der Perser oder Inder, was weiterentwickelt wurde. Man kann sogar sagen, dass als Nebenprodukt die wichtigsten Impulse zum Empfang des griechischen Rationalismus durch Muslime zurück nach Europa gebracht wurde. In Europa hatte man die griechische Philosophie vergessen und erst durch ihre Aufarbeitung in der islamischen Welt konnte es zurück nach Europa gelangen und begründete dort die Renaissance, ihre Wiedergeburt.

Wir sehen, dass Glaube und Wissen nicht dasselbe sind, aber sie widersprechen sich nicht, können sogar gut miteinander auskommen.
Normalerweise erziehen Eltern ihre Kinder in ihrem eigenen Glauben, denn er hat für sie eine Bedeutung und soll auch bei den Kindern verbindlich nachstrahlen. Somit strahlt dadurch ihr Glaube über die Subjektivität der Eltern hinaus. Es kann deshalb nicht dem Gläubigen egal sein, nur in seinem Kämmerlein seinen Glauben zu leben, sondern durch die Beziehung zu den Menschen bei der Arbeit, im täglichen Leben, wirkt es sich auch auf diese anderen Menschen aus, auf seine Umwelt. Das heißt, der Glaube kann weder subjektiv noch privat sein. Er liegt zwar in der individuellen Entscheidung und bedarf einer grundrechtlichen Sicherheit. Aber in seinem Geltungsanspruch wird der ganz private Glaube öffentlich, weil der Gläubige sich nicht nur vor Gott beweisen möchte, sondern auch vor seinem Nachbarn, vor seinen Mitmenschen. Wenn man das also weiterverfolgt, kann es dem Gläubigen nicht egal sein, was sein Glaube, sein Bekenntnis in der Gesellschaft bedeutet, insbesondere in der heutigen Gesellschaft, sogar hier in dieser Moschee. Aber wenn die Gesellschaft dem Glauben die nötige Aufmerksamkeit schenkt, muss der Glaube sich einer kritischen Prüfung gefallen lassen, so wie jetzt der Islam in Europa. Wir können uns also nicht in ein Mauseloch verkriechen und nicht nur eventuelles Unliebsames erdulden, sondern auch Stellung beziehen, mit anderen Gläubigen sozusagen an einem Strang ziehen.
Nun: Ich habe mich bemüht, aber Gott weiß es am besten.g

Taqwa

Taqwa

Was ist eigentlich deine Religion?

Eine Khutba zum Begriff Taqwa

Assalamu aleikum wa rahmatullah wa barakatuhu.

In meiner heutigen Khutba geht es um den Begriff Taqwa. Er wird im Koran 285 Mal erwähnt (z.B. in den Suren 92:5-6 und 49:13) und gilt als ein zentraler Begriff.

„Siehe, der gilt bei Gott als edelster von euch, der am meisten Taqwa hat“.

Sura Laila AlQadr

Wir sandten ihn herab in der Nacht des Schicksals. Und was lehrt dich wissen, was die Nacht des Schicksals ist? Die Nacht des Schicksals ist besser als 1000 Monate. In ihr steigen die Engel und der Geist herab nach dem Gebot ihres Herrn, jeder mit seinem Anliegen. Friede währt bis zum Beginn der Morgenröte.

Er, der Koran, ist der Beginn unserer Religion, des Islam.

„Was ist eigentlich deine Religion?“, fragte mich neulich eine Journalistin. „Bist du Muslimin?“

Mein „Ja“ kam zaghaft. Nicht etwa, weil ich nicht weiß, ob ich Muslimin bin, sondern vielmehr weil ich nicht weiß, was eine Religion ist. Was genau heißt Religion?

Ethymologisch kommt das Wort von Religio – laut Wikipedia versteht man darunter die „gewissenhafte Berücksichtigung, Sorgfalt, zu Lateinisch relegere – bedenken, achtgeben, Sorgfalt walten lassen in der Beachtung von Vorzeichen und Vorschriften“.

Die sorgfältige Beachtung von Vorschriften… Als Muslime sind wir hier Experten. Wir finden in unserer Religion gefühlt eine Million Vorschriften, die es zu beachten gilt. Neben den zehn Geboten, die Moses auf dem Berg Sinai empfing, sind hier einige weitere, die mir spontan einfallen:

  1. Iss kein Schweinefleisch
  2. Trinke keinen Alkohol
  3. Spiel nicht um Geld
  4. Bedecke dein Haupt
  5. Bete mehrmals am Tag
  6. Spiele nicht während des Gebets unnötig mit den Fingern
  7. Sprich nicht während einer Khutba
  8. Iss und trink nicht in der Moschee
  9. Habe keinen außerehelichen Geschlechtsverkehr
  10. Faste im Ramadan
  11. Verstecke deine Homosexualität
  12. Wasche dich in vorgegebener Reihenfolge vor dem Gebet
  13. Berühre nach dem Waschen keine Frau, die dir als Ehefrau erlaubt wäre
  14. Steht beim Gebet Schulter an Schulter, um dem Teufel keinen Raum zu bieten
  15. Bleibt nicht allein mit einer Person des anderen Geschlechts in einem geschlossenen Raum, z.B. Taxi.
  16. Frauen, ruft nicht zum Gebet vor Männern und werdet keine Imaminnen, denn es ist verboten
  17. Halte nicht die Hand deines Geliebten bevor du verlobt bist
  18. und so weiter und so fort

Die Strafen fallen unterschiedlich hart aus. Auf einige steht gar das Urteil des Höllenfeuers.

Religion bedeutet also die Befolgung aller dieser Regeln? Halten wir uns brav an all diese Vorgaben und alle darüber hinausgehenden Regeln, die ich hier nicht erwähnt habe – so wird uns suggeriert – kommen wir automatisch ins Paradies. Die zehnmalige Rezitation der anfangs rezitierten Sura führt automatisch zur Vergebung von genau Eintausend Sünden. Neben dem Vermeiden der Sünden und unerwünschten Handlungen können wir noch Paradiespunkte sammeln, indem wir Gutes tun. Hassanat, heißen sie. Ich sammle

Hassanat für das Spenden eines Schafes zum Opferfest

Hassanat für das Fasten im Ramadan

Hassanat für das Speisen eines Mittellosen

Und so weiter und so fort.

Als letztes sammle ich Hassanat, indem ich an Schlechtes denke, aber es nicht vollziehe.

Habe ich alles gut gemacht, die eintausend Regeln befolgt, so geht es schnurstracks ins Paradies.

Man sollte meinen, erst nach der industriellen Revolution konnte der Menschheit eine derart maschinenartige Regelhaftigkeit der Religion in den Sinn kommen. Ist das überhaupt Religion? Ist das meine Religion? Hat das im weitesten Sinne etwas mit unserem Glauben zu tun?

Im aller weitesten Sinne schon. Wir sollen ja in der Tat Gutes tun, und wir lesen im Koran, dass wir dafür belohnt werden. Dies ist wichtig, damit eine Gesellschaft zu einem angenehmen, angstfreien, im Idealfall sogar liebevollen Ort des Miteinanders wird, in dem man sich kreativ entfalten kann, in dem man nicht zu tief fällt, weil sich andere kümmern, in dem keiner hungert, denn irgend jemand wird schon ein Schaf opfern. Wir zeigen unsere Liebe zu Gott durch unsere Liebe zu seiner Schöpfung. Also ja, die guten Taten haben tatsächlich etwas mit Religion zu tun.

Bei den Verboten muss man vielleicht genauer differenzieren. Es gibt solche, die einer Gesellschaft gut tun, wie dass man nicht töten darf, dass man für Ehebruch sicherlich keine Hassanat bekommt und sich der üblen Nachrede enthalten sollte.

Daneben gibt es aber auch Verbote, die nur stören und vom Wesentlichen ablenken. Ob da jemand seinen Finger nach dem Gebet ausstreckt oder dreht, wie jemand seine Arme verschränkt, ob man neben einem Mann oder einer Frau steht – diese Dinge unterliegen der individuellen Gestaltungsfreiheit. Angesichts der großen Fragen der Menschheit kann mir keiner glaubhaft erzählen, sie wären wesentlich für die Gestaltung der Welt oder unseren Einzug ins Paradies. Wir möchten das Wesentliche finden. Aber„was lehrt uns wissen, was das Wesentliche ist“? Oder wenigstens das eine oder andere wesentliche Element… Wenn es nicht die sorgfältig zu beachtenden Regeln sind, was ist es dann?

Antworten auf religionsphilosophische Fragen finde ich manchmal beim Lesen des Korans, manchmal in den Hadithen, manchmal beim Reiten auf „meinem“ Pferd. Nach jeder Reitstunde fragt mich meine Reitlehrerin, „was nimmst du heute mit?“ Sie erwartet von mir, einen Gedanken zu formulieren, der durch das Reiten inspiriert wurde. Vielleicht so etwas wie „Wenn ich am Zügel fest ziehe, läuft das Pferd in die andere Richtung“. Schon dieser Satz beinhaltet eine Lebensweisheit. Also: „Je fester ich in eine Richtung am Zügel ziehe, desto mehr will das Pferd genau anders lang“. Die metaphorische Auslegung dieses Satzes überlasse ich jedem selbst.

Neulich saß ich also auf meinem Pferd und nicht weit von mir gab es ein Hindernis, zu dem ich hinreiten wollte. Ein Stück durch den Sand, leicht nach rechts und dann geradeaus. Es gab keinen sichtbaren Weg dorthin. Im Sandboden war nichts vorgezeichnet. Ich stellte mich mental darauf ein, bald am Ziel anzukommen. Durch einen leichten Tritt in die Flanken bewegte ich mein Pferd dazu, los zu traben. Ohne die geringste Mühe, ohne die Verwendung verbaler Sprache, ohne Peitschenschläge trug das Pferd seine Reiterin genau dorthin, wo sie ankommen wollte. Der mentale Akt des Beschlussfassens schien sich auf das Pferd übertragen zu haben. Das Pferd wusste, ohne die explizite Mitteilung in irgendeiner Form, wo das Ziel lag und wie es dort hinkommen würde. Wir beide, mein Pferd und ich waren beim Reiten eins geworden und erreichten in kurzer Zeit das avisierte Ziel.

Doch nur scheinbar war es der mentale Prozess, der sich übertragen hatte. In Wirklichkeit hatte nicht mein Geist gesprochen, sondern vielmehr mein Körper, der dem Pferd den Weg gewiesen hatte. Durch meine Beschlussfassung und die daraus folgende Ausrichtung meines Blickes hin zum Ziel drehte sich unmerklich meine linke Hüfte leicht nach vorn, die rechte schob sich dabei ebenso unmerklich zurück. Mit der Hüftbewegung ging die Schulterbewegung einher, sowie eine Verlagerung des Gewichtes auf die linke Seite – wenngleich ich doch nach rechts reiten wollte. Mein ganzer Körper trug die Entscheidung, die ich getroffen hatte. Hätte man mir die notwendige Körperhaltung in allen Details beschrieben, hätte ich diese nie umsetzen können. Viel zu kompliziert wären die Details zu vollziehen gewesen. Niemals wäre ich auf diese Weise an mein Ziel gelangt, denn unzählige weitere Informationen hätten noch ergänzt werden müssen. Nur durch mein eigenes regelmäßiges Atmen blieb das Pferd im Trab, nur durch die unabgelenkte Konzentration auf das Ziel fand eine hilfreiche Hormonausschüttung statt und vieles mehr.

Ein paar Tage später versuchte ich beim Spaziergang zu überprüfen, ob das immer so funktioniert. In der Tat, wenn man den Blick auf ein Ziel richtet, ergibt sich der Rest fast von allein. Sind die Füße einmal richtig gesetzt, laufen wir in die richtige Richtung.

Was hat das mit der Frage zu tun, was Religion ist, und was mit dem Islam? Nun, wer es sich als Ziel gewählt hat, ein guter Muslim zu sein, was auch immer das genau heißt, kann gerne alle die Regeln und Anweisungen auswendig lernen. Aber dass er so zum Ziel kommt, möchte ich bezweifeln, denn der Koran ist kein Regelwerk, kein Gesetzbuch. Wesentliches wird fehlen und Details werden falsch verstanden werden oder falsch ausgeführt. Der Koran ist ein Buch der Philosophie, ein Buch zur Hilfe der Entwicklung einer Haltung. Es geht nicht um die Details. Es geht, ganz wie beim Reiten, um eine Haltung.

Im Islam heißt diese Haltung Taqwa. Ich werde den Begriff gleich erklären. Taqwa, so möchte ich behaupten, ist also eine Haltung. Nehmen wir diese Haltung ein, sind unsere Seele und unser Körper in die richtige Richtung gewandt. Dieses Einnehmen der richtigen Richtung möchte ich als Wesenselement unserer Religion, unseres Glaubens bezeichnen.

In den Übersetzungen wird Taqwa häufig mit Furcht wiedergegeben. Sure 92:5-6 z.B. oder 49:13 sprechen von Taqwa als Gottesfurcht. „Ittaq Allah!“, so sagt man es im Imperativ, und übersetzt es mit „Fürchte Gott!“ Eine ungünstige Übersetzung, die vor allem der schwierigen Grammatik geschuldet ist. Neulich sagte ein Imam, es heißt zwar eigentlich etwas anderes, aber weil wir es nun mal so kennen, und weil es in der Deutschen Sprache so funktioniert, werde er es weiter als Gottesfurcht bezeichnen. So tradiert sich die Vorstellung des Islam als unterdrückendes Element.

Bei genauerem Studium erkennt man jedoch: Taqwa bedeutet eigentlich etwas anderes. Etwas im Deutschen grammatikalisch Sperriges, das man bezeichnen kann als „das Gewahrsein, dass es einen Gott gibt“. „Ittaq Allah! – Beachte Gott auf all deinen Wegen. Richte deine Wege danach aus. Indem wir bei der Formulierung unserer Ziele und auf unseren Wegen dorthin davon überzeugt sind, dass es einen barmherzigen Gott gibt, verkörpern wir auch diese Überzeugung.

Die Taqwa Praktizieren heißen „Al Muttaqin“. Die Übersetzung mit „die Frommen“ hilft uns nur bedingt weiter, weil wir nun definieren müssten, was Frömmigkeit bedeutet – also das Einhalten von Regeln, oder das Einnehmen einer Haltung? Murtada Mutahhari, ein zeitgenössischer schiitischer Ayatullah schreibt: „Es ist wichtig festzustellen, dass es bei Taqwa nicht um die Ausführung religiöser Verpflichtungen wie Gebet oder Fasten geht, sondern darum, ein frommes Leben zu führen. Der Begriff der Frömmigkeit ist im Deutschen etwas antiquiert und hat den Hauch einer Konnotation von Unterwerfung und Kindlichkeit. Taqwa hingegen bedeutet durchaus, sich rational mit der Religion zu befassen, um die Zügel für das eigene Leben in der Hand zu haben.

So sagte der Imam Ali: Seid euch gewahr, dass Frömmigkeit ist wie ein gezähmtes Pferd, dessen Reiter die Zügel in der Hand hält, so dass es ihn in den Himmel führt.

In der Literatur und mehr noch bei den Youtube Predigern der Gegenwart, finden wir in Bezug auf den Begriff Taqwa vor allem die Bedeutung von Schutz, womit stets ein äußerer Schutz gemeint ist, nämlich indem man Situationen vermeidet, die einen auf falsche Wege leiten können. Man soll demnach gesellschaftliche Kontexte umgehen, die dazu führen, dass man sich falsch verhält. Ein Mensch hat nach dieser Vorstellung Taqwa, ist sich Gott gewahr, wenn er nicht auf Partys geht, da er dort in Versuchung geraten könnte, Alkohol zu trinken. Ein Mensch, der Taqwa hat geht nicht an den Strand, weil dort zu viel Körper zu sehen ist. Ich halte dies weder für erstrebenswert, noch für durchführbar, da man so praktisch sämtliche sozialen Kontexte vermeiden müsste. Will man keinen Alkohol kaufen, kann man beim Türken einkaufen gehen. Aber will man von Lügen und falschen Nachreden verschont werden, müsste man sich stets und überall von Menschen fernhalten und ein Einsiedlerleben in Wald oder Wüste führen. Die Betonung dieser äußerlichen Art von Taqwa führt im Übrigen meiner Ansicht nach zu Lug und Trug oder zur Spaltung der Gesellschaft – jedenfalls zu nichts Gutem.

Doch gibt es daneben eine andere Definition der Taqwa, nämlich die einer bestimmten inneren Haltung. Taqwa hat, wer in allen Kontexten seines Lebens bedenkt, dass es einen Gott gibt. Taqwa bezieht sich damit auf die Seele des Menschen. Wer sich seelisch-mental sicher ist, was er oder sie will, wird dies vor sich und anderen verkörpern. Wer sich sicher ist, dass es einen Gott gibt, wird seine Entscheidungen so treffen, dass sie Gottes Schöpfung wohl tun. In allen Momenten des Lebens, an allen Orten und zu allen Zeiten zu wissen, dass es Gott gibt, sich damit wohl zu fühlen und dies zu allen Entscheidungsfindungen hinzuzuziehen, nicht aus Angst, sondern aus Liebe und Respekt – das ist Religion, oder zumindest ein wesentliches Element davon. Immer also zu bedenken, dass es Gott gibt.

Durch den Aufbau dieser inneren Haltung ist der Begriff Taqwa die Schnittstelle zwischen Unterwerfung und Freiheit. Während wir Gott gewahr sind und uns als verantwortungsbewussten Teil der göttlichen Schöpfung mit Rechten und Pflichten definieren, sind wir zugleich in all unserem Handeln frei, denn es unterliegt nicht tausenden Gesetzen, sondern einer inneren Einstellung, die unseren Charakter ausmacht und uns beschreibt. Wie werden wir zum Muslim? Durch Taqwa.

Taqwa – das Gewahrsein, dass es einen Gott gibt, leitet uns auf einen guten Weg. Dieser gute Weg ist im Islam klar vorgezeichnet. Es ist der Weg der Barmherzigkeit und der Liebe, der Weg der Freiheit und Selbstbestimmung, und der Weg des Schutzes all derer, die des Schutzes bedürfen.

Wenn wir Gott gewahr sind, gestalten wir eine Welt, in der alle so leben können, wie es Gott wünscht. Die Armen sind gespeist, die Alten versorgt, die Rechte der Schöpfung gewahrt, die Mädchen den Jungen gleich, Frauen nicht geschlagen und Männer nicht geknechtet. Kinder in Schulen, lernend, und auch Erwachsene sich bildend, die Menschen einander gegenüber in Barmherzigkeit und Freundlichkeit auftretend, ohne zu Verurteilen. Ittaq Allah – sind wir uns gewahr, dass es einen Gott gibt und begegnen diesem in Ehrfurcht, so wird sich dies in unserem Körper manifestieren, in unserem Blick, unserem Händedruck, unserer Umarmung, unserem Zuhören und unserer Fähigkeit, Ziele zu benennen und gute Wege zu gehen.

Koran und Thora

Koran und Thora

Immer wieder kommt es zurzeit zu verbalen und auch körperlichen Auseinandersetzungen explizit zwischen Muslimen und Juden. Es sind nicht nur die äußerlichen Zeichen eines Juden, z.B. die Kippa, sondern ebenfalls gedanklicher Hass auf sie, und gerade von Muslimen, die hier bei uns Zuflucht erhoffen. Leider bringen sie das unterschwellige Ablehnen des Judentums aus ihrem Heimatland mit nach Deutschland. Es sind aber auch Deutsche, die lautstark ihre jüdischen Mitmenschen belästigen.

Der Grund ist wahrscheinlich die Auslegungen des Korans, eine Unkenntnis der Geschichte im Orient, eine uralte Abneigung, das von Generation zu Generationen weitergegeben wurde. Dabei haben Juden und Muslime außerordentlich viel gemeinsam. Jedoch meinen sie, dass ihre Religionen unähnlich seien und kaum Gemeinsamkeiten hätten. Durch die Medien wird dieses Dilemma noch gesteigert, sodass sie einander feind gegenüberstehen. Man fragt sich, wer hat davon Nutzen? Meistens diejenigen, die die Macht haben, die Zeitungen als Sensationsmacher.

Die einfachen Muslime und sicher auch Juden werden zu wenig aufgeklärt, dass sie viele religiöse Gemeinsamkeiten haben.

Die Geschehnisse der letzten Zeit haben mich auf den Gedanken für eine Verarbeitung zu dieser Khutba gebracht, um die Grundwerte beider Religionen nebeneinander zu stellen.

Die grundlegendste Gemeinsamkeit beider Religionen und dem Christentum ist ihr monotheistischer Glaube an den Einen Gott, auch wenn sie verschiedene Namen für Ihn haben. Die einen sagen Jahwe, die anderen Allah, den Einen, wiederum andere hier in Deutschland nennen Ihn Gott.

Die Juden zitieren als Teil ihres täglichen Gebetes. „Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig.“

Der jüdische Philosoph Maimodes aus dem 13. Jahrhundert sagte: „Gott ist einer. Er ist nicht zwei oder mehr, sondern einer, vereinigt auf eine Weise, die jede Einheit in der Welt übersteigt.“

Klingt das in unseren Ohren als sehr bekannt? Im ersten Teil unserer Schahada, dem muslimischen Glaubensbekenntnis, heißt es: „Ich bezeuge: Es gibt keinen Gott außer Allah.“

Allah bedeutet „der Eine“, ich nenne Ihn auch Gott.

Auf der einen Seite, der jüdischen: „Gott ist einer“- auf der anderen Seite, der islamischen: „kein Gott außer Allah“

Im ersten Vers der Sure „Al-Ikhlas“ heißt es: Sprich: „Er ist Allah, ein Einziger, Allah, der Absolute…“ Und beide Religionen meinen den Einen, den Gleichen! Also dürften beide Religionen gar nicht so unüberbrückbar sein, wie man es doch immer wieder hinstellt.

So gibt es viele weitere Stellen in beiden Schriften, die ähnlich klingen, so in der hebräischen Bibel: „Gott schuf die Himmel und die Erde.“ Und nun die Aussage im Koran Sure7: 54: „Gewiss, euer Herr ist Allah, Der die Himmel und die Erde in sechs Tagen schuf.“

Die Thora ist bei den Juden gleichermaßen das wertvollste Buch, da sie ebenfalls von Gott stammt. Ihr Zentrum sind die 10 Gebote, die Moses auf dem Berg Sinai von Gott empfing. In den Büchern stehen die Gebote und Lehren und das, woran die Juden glauben. Und das wird expliziert im Koran bestätigt. In der Sure 3: 3-4 können wir lesen: „Er sendet dir das Buch mit der Wahrheit in Teilen herab als Bestätigung der früheren Offenbarungen. Und Er hat die Thora und das Evangelium herabgesandt vordem als Rechtleitung für die Menschen.“

Also der Koran bestätigt ganz genau, dass die Schriften der Juden und Christen ebenfalls göttlichen Ursprungs sind. Der Islam mit seinem Koran ist zwar der Höhepunkt der Herabsendungen, weist aber auch darauf hin, dass die Thora und die Evangelien derselben göttlichen Ursprungs sind. Für die damaligen (und das gilt wohl auch heute) Muslime muss das wohl ein Schock gewesen sein. Denn das setzt ja voraus, dass sie auf gleicher Ebene stehen, Jude, Christ und Muslim.

Die mündlich überlieferten Geschichten über Moses liegen zwischen dem 10. Und 6. Jahrhundert vor Chr. Man glaubt, das ein Team jüdischer Priester die 5 Bücher Mose im 5. Jh. vor Chr. zusammengestellt hat, wahrscheinlich 800 Jahre nach der Zeit, in der Mose gelebt haben könnte.

So wie Moses mit den 10 Geboten im Koran erwähnt wird, werden viele andere Propheten, die vor dem Propheten Muhammad, Friede und Segen seien auf ihn, im Koran erwähnt und verehrt. Sie stehen in einer langen Reihe, die die Botschaften von Gott zu ihrer jeweiligen Gesellschaft und in der jeweiligen Zeit gebracht hatten. Die Sure 2:136 besagt. „Wir glauben an Gott und an das, was uns herabgesandt worden ist und was Abraham, Israel, Isaak, Jakob und den Stämmen Israels herabgesandt wurde, und was den Propheten von ihrem Herrn gegeben worden ist. Wir machen zwischen ihnen keinen Unterschied und Ihm sind wir ergeben.“

Wie oft habe ich gehört: Unser Prophet, Friede und Segen seien auf ihn, ist das Siegel, der letzte Prophet und steht deshalb an der Spitze der Propheten. Deshalb ist auch der Islam die höchste Religion, das heißt: Sie steht über alle anderen.

Nein, jeder Prophet hat seine Richtlinien, seine Sendung zu einem ganz bestimmten Volk und zu seiner ganz bestimmten Zeit bekommen. Die Zeiten und die Menschen verändern sich, deshalb muss auch die Botschaft auf dem jeweils neuesten Stand gebracht werden. Sie sind alle gleichberechtigt. Muhammad war nur der letzte in der Reihe der Propheten.

Der Islam und der Judaismus teilen sich gemeinsame Ansichten über das Jüngste Gericht und die Auferstehung. Die jüdischen Schriften sagen aus: Nach dem Tod sitzen die Seelen der Rechtschaffenen neben dem Thron der Ehre im Himmel, während der Koran in Sure 89:27-30 sagt: „O du ruhige Seele, kehre zurück zu deinem Herrn, wohlzufrieden und mit Allahs Wohlwollen. So schließ dich dem Kreis Meiner Diener an. Und tritt ein in Mein Paradies.“ Das heißt: Der Muslim und der Jude glauben an das Jüngste Gericht und daran, dass seine Seele mit Gottes Erbarmen ihren Platz im Paradies finden wird.

Der muslimische Glaube ist auf 5 Säulen aufgebaut. An erster Stelle steht im Islam das Glaubensbekenntnis, was ich schon genannt habe und dass es ein ähnliches Bekenntnis in der jüdischen Religion gibt.

Ebenso ist von zentraler Bedeutung in beiden Religionen das Gebet. Wir beten 5x am Tag, die jüdischen Gläubigen 3x. Die Gebete sollen uns auf der einen Seite an die ständige Anwesenheit von Gott erinnern, bzw. wir sollen uns an Gott erinnern. In den Gebeten loben wir Gott und bitten Ihn und danken Ihm.

Unsere 3. Säule ist Zakat, die soziale Pflichtabgabe. Sie ist als Unterstützung von Bedürftigen gedacht. Sie fördert einerseits die soziale Sicherheit und das Gemeinschaftsgefühl zwischen den Menschen. Sie ist deshalb ein wichtiger Bestandteil jeder islamischen Gesellschaft, da sie jedem Menschen die Lebensgrundlage sichert, ohne dass sich der Empfänger jemandem verpflichtet fühlen muss. Andererseits wird diese Abgabe auch als eine Art innere Reinigung angesehen. Im Koran, Sure 2:177 steht: „…und sein Vermögen ausgibt – wie sehr er es selbst wertschätzen mag – für seine Verwandten und die Waisen und die Bedürftigen und den Reisenden und die Bettler und für das Befreien von Menschen aus Knechtschaft.“

Genauso ist die Zedaka, die Wohltätigkeit gegenüber den Bedürftigen, eine der höchsten Werte im Judentum. Im Leviticus, das ist das 3. Buch des jüdischen Tanachs, oder das 3. Buch Mose, steht: „Wenn ihr die Ernte eures Landes einbringt, sollt ihr das Feld nicht bis zum äußersten Rand abernten. Du sollst keine Nachlese von deiner Ernte halten. In deinem Weinberg sollst du keine Nachlese halten und die abgefallenen Beeren nicht einsammeln. Du sollst sie dem Armen und dem Fremden überlassen. Ich bin der Herr, euer Gott.“ Diese wenigen Sätze erklären sehr gut, wie die Wohltätigkeit der früheren jüdischen Gesellschaft funktionierte.

Ebenfalls ist beiden Religionen das Fasten vorgeschrieben, wenn auch mit unterschiedlicher Dauer.

In beiden Religionen bedeutet es eine innere Einkehr und Besinnung für jeden einzelnen Muslim oder Juden.

Juden fasten an Jom Kippur, d.h. am 10. Tag des siebenten Monats, dem Tag der Versöhnung. Gott fordert von seinem damals auserwählten Volk zur Einhaltung seines Gesetzes des Fastens und der Ruhe auf. Juden bekennen an diesem Tag ihre Sünden und bitten Gott um Vergebung. Sie fasten durchgehend 25 Stunden, vom Sonnenuntergang bis Einbruch der Nacht (etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang) des folgenden Tages. Bis dahin darf weder feste noch flüssige Nahrung eingenommen werden. Wir fasten im Monat Ramadan vom Tagesanbruch bis Sonnenuntergang. Und ebenfalls bitten wir Gott um Vergebung und Barmherzigkeit.

Genauso legen beide Religionen Wert auf das religiöse Pilgern. Als der jüdische Tempel in Jerusalem stand, wurden sie aufgefordert, während der Wallfahrtsfeste dorthin zu pilgern. Heute erinnert in Jerusalem nur noch die Westmauer an das zerstörte Heiligtum der Juden. Heute pilgern, besser „besuchen“ die jüdischen Gläubigen nur noch ihre sogenannte Klagemauer als ein religiöser Brauch.

Die Riten der islamischen Pilgerreise stammen noch aus vorislamischer Zeit, als die Kaaba, ihr Mittelpunkt, ein polytheistischer Wallfahrtsort war. Sie wurde der islamischen Lehre nach von Abraham und seinem Sohn Ismael, der, wie ihr wisst, als Stammvater der Araber gilt, als Haus Gottes und der Menschen gebaut. Vielleicht begann damals schon die Umrundung der Kaaba?

Aber noch ein Element in beiden Religionen ist wichtig. Wir finden sie in der Basmala und an vielen Stellen im Koran: Gott, Allah ist der Barmherzigste und der Allerbarmer. Und bei den Juden heißt es im Ezodus34, 6-7: „Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue. Er bewahrt Tausenden Huld, nimmt Schuld, Frevel und Sünde weg.“ Beide, Jude oder Muslim verlassen sich auf die Barmherzigkeit und Gnade Gottes, auf Seine Führung durch den Koran und den hebräischen Schriften Und Gottes Beispiel folgend werden wir ebenfalls aufgefordert, zu vergeben, miteinander ins Gespräch zu kommen, gemeinsam zu handeln, das Richtige zu tun. Und der mittelalterliche jüdische Maimonides sagte: „Es ist einem Menschen verboten, grausam zu sein und sich der Versöhnung zu verweigern. Wenn ein Mensch, der ihm ein Übel getan hat, ihn um Vergebung bittet, sollte er ihm aus vollem Herzen und willigem Geist vergeben.“

Und der Koran betont. „Allah liebt, die da Gutes tun.“

Es gibt bestimmt noch etliche Aussagen in beiden religiösen Schriften, die als übereinstimmend betrachtet werden können.

Gott hat immer wieder Propheten geschickt, zu allen Zeiten, zu unterschiedlichen Gesellschaften, aber ihre Botschaften waren dieselben, nur Zeit und Ort waren unterschiedlich, da sich ja auch die Menschen in ihrer Gesellschaft geändert haben. So ähneln sich beide Schriften und wenn man über die Aussagen von Gottes Worten nachdenkt, so haben sie sich nie geändert.

Vorbestimmung und Schicksal

Vorbestimmung und Schicksal

Als Ibn Rushd-Goethe Moschee haben wir zwei Namensgeber, die für eines der wesentlichen Konzepte im Islam stehen, nämlich den Gebrauch des eigenen Verstandes zur Deutung dessen, was um uns herum geschieht – zum Verstehen der Handlungen unserer Mitmenschen, zum Interpretieren ihrer Beweggründe, zum Auslegen uns vorliegender Texte. Daraus folgt die Ansicht, der Mensch habe einen freien Willen, aus dem heraus er seine Entscheidungen trifft. Diese Entscheidungen können natürlich durchaus zur Unfreiheit führen; so kann man entscheiden, sich zu opfern, bis hin zum Tod, und damit die eigene Freiheit aufgeben. Entscheidungen treffen wir täglich oder hadern manchmal über Monate oder Jahre. Ohne diese Entscheidungsfreiheit, ohne diesen freien Willen, hätte es keinen Sinn, am Tage des Gerichts von Allah nach unseren Gedanken und Handlungen beurteilt zu werden. So heißt es in der Sure AlZalzal (Das Beben) „Wer nun im Gewicht eines Stäubchens Gutes tut, wird es sehen. Und wer nun im Gewicht eines Stäubchens Schlechtes tut, wird es sehen.“ Der freie Wille ist eine gefühlte Wahrheit. Es fühlt sich so an, und gemäß unserer Logik spricht alles dafür, dass es ihn gibt und wir unsere Taten danach ausrichten.

Daneben existiert aber auch eine andere gefühlte Wahrheit. Es ist die des Schicksals und der Vorbestimmung. Im Koran finden wir Hinweise darauf zum Beispiel in der Sure AlQadr, aber auch in vielen Geschichten, wie z.B. der Geschichte des Propheten Moussa. Die Vorbestimmung ist ein weithin angesehenes Konzept, mit dem wir in unserem real gelebten Alltag immer wieder konfrontiert werden. Dabei muss man aufpassen, dass man es nicht ad absurdum führt. Wir können uns schwerlich hinstellen und behaupten, es wäre eben Schicksal, dass Kinder verhungern, es wäre eben Schicksal, dass Männer unter Folter qualvoll sterben, wie wir es jetzt gerade wieder in den arabischen Nachrichten gehört haben, oder dass flüchtende Frauen auf Schiffen im Mittelmeer treibend ihre Kinder entbinden müssen, wo es um sie herum viele sichere Häfen gäbe, die sie jedoch nicht aufnehmen wollen. Es ist ein unangenehmer Gedanke, selbst vom Schicksal reich belohnt zu sein, während andere Menschen leiden, und es passt nicht zu unserem Verständnis eines barmherzigen Gottes.

Im Koran lesen wir die Geschichte des Propheten Moussa, Friede sei auf ihm, als schicksalhaft und gütig.

Als Moussa geboren wurde lebten die Hebräer in Ägypten und wurden dort vom Pharao versklavt. Pharao, der die hebräischen Frauen recht gebärfreudig fand, wies eines Tages die Hebammen an, keine männlichen Nachkommen am Leben zu lassen, sondern für deren Tod zu sorgen, was diese allerdings sabotierten. So wandte sich Pharao mit diesem Auftrag an seine Soldaten.

Moussas Mutter versteckte ihr Kind drei Monate lang, doch es kam die Zeit, da musste sie ihn auf andere Weise schützen und tat dies, indem sie ihm ein Körbchen flocht und ihn den Nil hinab auf Reise schickte. Seine Schwester Miriam sollte ihn heimlich durch das Schilf hindurch begleiten und beobachten. So fand die Frau des Pharao Moussa vor, behielt ihn bei sich, und sorgte sozusagen damit für sein Überleben.

Schon als Kind fand ich diese Geschichte wunderschön, und freute mich stets über den Zufall, aus dem Pharaos Frau den Propheten Moussa gefunden hat. Im Koran steht jedoch „wir gaben ihr (der Mutter) das Kind zurück, um ihr Auge zu trocknen“. Es war also gar kein Zufall, dass Moussa gefunden wurde, sondern seine Vorbestimmung. Und später wollte sich Moussas Mutter offenbaren und ihr Glück kundtun, doch „wir stärkten ihr Herz“, so steht es geschrieben, damit sie kein Unglück über sich und ihr Kind bringen würde.

Als Moussa etwas älter aber noch ein Kleinkind war, spielte er auf Pharaos Schoß und riss ihm im Spiel die Krone vom Kopf. Pharao sagte, dieses Kind sei sein Feind und solle getötet werden. Doch wieder intervenierte seine Frau, indem sie vorschlug, Moussas kindlichen Verstand zu testen. Man solle zwei Schalen vor das Kind stellen – eine Schale mit Gold und Edelsteinen, eine andere mit glühender Kohle. Griffe er zum Schmuck, so sei er in Besitz von Verstand und könne in der Tat Pharaos Feind sein; man könne ihn also töten. Griffe er zur glühenden Kohle, so sei dies Beweis seiner Kindlichkeit.

Als Moussa vor den Schalen saß, bewegte er seine Hand zur Schüssel mit den Edelsteinen, doch nun intervenierte der Engel Gabriel, leitete Moussas Hand zur Schüssel mit den glühenden Kohlen, dieser steckte sie in den Mund, verbrannte sich dabei die Zunge und hatte seitdem ein Lispeln.

Dies war Moussas Schicksal und er wurde gerettet. Die involvierten Personen waren Ausführende, die nach ihrem gefühlten freien Willen gehandelt haben, und dennoch waren alle Geschehnisse vorbestimmt.

Auch in unserem ganz alltäglichen Leben gibt es Vorbestimmungen und Schicksale. Sie sind nicht unbedingt so bekannt, aber für uns gleichermaßen bedeutsam. Folgendes habe ich vor Kurzem erlebt.

Ich saß mit meinem Partner zu Hause und dachte mal wieder, wir stecken in einer Sackgasse. „Schatz“, sagte ich zu ihm, „unsere Beziehung ist in einer Sackgasse“. Zu allem Überfluss wollte ich ihm das auch noch illustrieren, bat ihn also um einen Zettel, auf dem ich ihm das aufzeichnen könne. Halbherzig gab mir mein Partner ein beidseitig beschriebenes A4 Blatt, so dass ich entscheiden musste, über welchen Text ich „die Beziehung in der Sackgasse“ zeichnen würde.

Auf einer Seite befand sich sein Arbeitsplan; sie kam nicht in Frage. Auf der anderen Seite befand sich ein eng gedruckter Text, den ich kurz überflog. Hier ist der Text:

Ein Mann kam zu einem chinesischen Meister der Spiritualität und des Glücks und sagte zu ihm: „Meister, mein Leben ist in einer Sackgasse“ ….

„Meister, ich bin in einer Sackgasse. Ich bin unzufrieden und möchte mein Leben verändern, doch habe ich eine Frau und Kinder, ein Haus, einen guten Beruf. Ich kann nichts verändern, doch bin ich zu unzufrieden, um so weiterzuleben wie bisher. Bitte zeige mir, was ich tun kann.“

Der Meister antwortete: „Geh ins Gebirge, da findest du einen Weg. Dort wo der Weg nicht mehr weiter geht, drehst du um und kehrst zurück.“

So ging der Mann viele Tage durch das Gebirge. Teils war der Weg breit und gesäumt von bunten Blumen, teils ging er durch Wälder, und manchmal war er so steinig, dass man kaum darauf laufen konnte. Auch da, wo der Weg so von Dornen übersät war, dass man ihn kaum noch erkennen konnte, entschloss er sich, weiter zu laufen. Nach vielen Tagen kam er an eine hohe Mauer. Diese, so fand er, konnte man beim besten Willen nicht überwinden. Als er an der Mauer entlang schaute, fand er ein daran geheftetes Papier, auf dem stand: „Diese Mauer ist unüberwindbar“. „Ha“, dachte der Mann, „so habe ich also die Stelle gefunden, an der es nicht weitergeht.“

Als er den Meister erneut begrüßte, fragte dieser, was ihn denn gehindert habe, weiterzugehen. Der Mann erzählte von der hohen Mauer. Sie sei in der Tat unüberwindbar gewesen. Und dies habe ja auch auf einem daran befestigten Papier gestanden.

Der Meister schaute ihn an und antwortete: „In der Tat. Die Mauer ist unüberwindbar. Aber hast du nicht die Tür gesehen?“

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„Schatz, unsere Beziehung befindet sich in einer Sackgasse“ – just in diesem Moment wo ich diesen Satz sage, fällt mir also genau dieser Text in die Hände? Und der Text lag schon lange bereit. Er war längst geschrieben und längst dort hinterlegt, als wartete er auf den Moment, wo ich ihn brauchen würde. Wenn jemand meint, ich hätte jeden beliebigen Text für die Lösung meines Problems verwenden können, indem ich ihn passend deute, so möchte ich widersprechen. Der Arbeitsplan hat ja auch nicht dazu gedient. Dass diese Geschichte dort für mich lag, war kein Zufall. Natürlich ist das nur eine kleine Geschichte. Im Verhältnis zur Rettung des Propheten Moussa – oder jedes Menschen – ist sie nichtig. Doch geben mir solche Momente stets ein Gefühl der Aufgehobenheit in dieser Welt und das Gefühl, ein wenig beschützt zu sein.

Ich wünsche uns allen, dass wir unser Schicksal annehmen können, es wertschätzen, und uns daran erfreuen können, auch wenn es uns manchmal auf seltsame Wege leitet.

Al-Fatiha

Al-Fatiha

Wir beten 5x am Tag und jedes Mal ist die Al -Fatiha dabei. Sie begleitet uns sozusagen durch den Tag, durch das Jahr, durch unser ganzes Leben als Muslim. Sie ist also sehr wichtig. Aber es kann passieren, wenn man etwas sehr oft sagt, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt. Aus dem Grund möchte ich einfach mal genauer betrachten.

Al-Fatiha bedeutet im Arabischen: „Anfang einer Sache, Einleitung oder Vorwort“.

Sie eröffnet als erste Sure (Kapitel) nicht nur den gesamten Koran-Text, sondern wird auch im rituellen Gebet (as-Salat) am Anfang jeder Rak’a, einem Gebetsabschnitt rezitiert. Ohne die Al-Fatiha ist das rituelle Gebet ungültig.

Diese Anfangssure hat noch andere Namen, in der ihre Wichtigkeit betont wird. „Umm al-Quran“ – Mutter des Buches, „Fatiha al-Koran“ – Eröffnende des Buches, weil sie die erste Sure ist, wenn man den Koran aufschlägt. Es gibt noch viel andere Namen.

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen mit ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sagte: „Wer ein Gebet verrichtet und dabei nicht die „Mutter des Korans“ rezitiert hat, so ist es gekürzt, unvollständig.“ Und der Prophet wiederholte dies dreimal.

Nach der überwiegenden Auffassung der Gelehrten wurden die sieben Verse der Al-Fatiha in Mekka, also vor der Hijra offenbart.

Neben dieser funktionellen Bedeutung hat die Al-Fatiha aber auch noch besondere Bedeutung. Sie berührt den Kern des Glaubens. Sie lehrt den Tauhid, den Glauben an den ‚Einen Gott‘ und legt das Verhältnis Gottes zu den Menschen in seinen Grundzügen dar. Und in ihr werden auch einige der wichtigsten einige Eigenschaften bzw. Namen Gottes genannt.

Was steht nun in der Fatiha: Als erster Vers steht die Basmala: „Im Namen Allahs des Allerbarmers, des Barmherzigen – Bismi-llahi-r-rahmanir-rahim“.

Dieses steht am Anfang jeder Sure außer der 9. Sure. Die Gelehrten streiten darüber, ob die Basmala ein eigeständiger Vers der Suren ist oder nicht. Diejenigen Quran-Gelehrten, die meinen, die Basmala sei kein eigener Vers, führen u.a. einen Hadith an, worin der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Rezitation “der bedeutendsten Sure des Koran“ mit der Al-Hamdala – dem zweiten Vers also- und nicht mit der Basmala beginnt, das auch A’isha, die Ehefrau des Propheten bestätigt. Darum sagen viele Rezitatoren die Basmala leise auf, so wie ich es tue.

Der Prophetengefährte Ibn Abbas sagte in einem Hadith: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wusste keine Einleitung der Suren, bis ihm Bismi-llahi-r-rahmani-r-rahim“ offenbart wurde.“ Wir sehen also, wenn wir die Überlieferung ernst nehmen, dass die Basmala zu Beginn der Suren nicht als Bestandteil, sondern als eine nicht unbedingte Einleitung anzusehen ist. In der ersten Sure, der Al-Fatiha bekommt sie dennoch die Versnummer 1, sie ist ja der erste Bestandteil der gesamten, durch Verszählung gekennzeichneten Offenbarung, in den anderen ist sie als eine Einleitung zu sehen.

Die Basmala lautet: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“.

Der Name Allah gehört nur unserem Schöpfer allein; er setzt sich zusammen aus dem Artikel „Al-“ und dem arabischen Wort „llah“. Al-llah bedeutet demnach „der Gott“, dh. der alleinige Gott, neben Dem es keine anderen Götter gibt. Dieser Name „Allah“ ist nicht übersetzbar, denn er ist ein Eigenname unseres Schöpfers, der zugleich alle Attribute umfasst, die Ihm zustehen, und zu diesen 99 Attributen oder „Namen“ Allahs, die im Koran genannt werden, gehören auch „der Allerbarmer“ und „der Barmherzige“- „Ar-rahman“ und „Ar-rahim“.

Jeder der beiden Namen hat eine bestimmte Bedeutung, die ihr eigen ist. Wie unterscheiden sie sich? Beide Begriffe haben denselben Ursprung. Dennoch, alle Gelehrten sind einig, dass der Begriff ar-rahman in seiner Bedeutung Allerbarmer eine umfassendere und allgemeinere Form von Barmherzigkeit bezeichnet. Sie umfasst das ganze Diesseits und Jenseits, während die Barmherzigkeit von ar-rahim der Barmherzige sich auf das Jenseits bzw. auf einen Teil Seiner Schöpfung bezieht. Den Gläubigen wurde ja schon im Diesseits Seine Güte gewährt, an ihn und an seine Gesandten zu glauben und seinen Geboten zu folgen, während die Barmherzigkeit von ar-rahman alle anderen Anders- und Nichtgläubigen im Diesseits mit seiner Güte umfasst. Er versorgt sie ja auch und hat ihnen Verstand gegeben. Ar-rahman umfasst jedes Geschöpf, also umfassender.

Sure 33:43: Er ist es, der euch segnet, und seine Engel bitten darum für euch, dass Er euch aus den Finsternissen zum Licht führe. Und Er ist Barmherzig gegen die Gläubigen. Es bedeutet, dass Gott den Gläubigen seine Güte im Diesseits durch den Glauben an Ihn Erfolg gab, während Er im Jenseits ihnen Wohltaten erweist.

Beginnen wir mit der eigentlichen Sure, dem

2. „al-ḥamdu li-llāhi rabbi l-ʿālamīn – Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten

Es ist der aufrichtige Dank für alle unendliche Wohlgaben an die Menschen, z.B. die Versorgung. Ohne dass wir etwas dafür tun müssen, Er versorgt uns, damit wir leben können.

Ibn Abbas, ein Gefährte des Propheten sagte über alhamdu: Es ist der Dank gegenüber Allah und die Unterwerfung ihm gegenüber. Es ist die Anerkennung seiner Wohlgaben, seine Rechtleitung und dass er uns aus dem Nichts erschaffen hat.

Er ist der Besitzer der ganzen Schöpfung, der Herr aller Welten, den Welten der Dschinn und die Welten der Menschen. Er regelt alle Angelegenheiten seiner Geschöpfe. Und dafür gebührt Ihm Dank.

3. „ar-raḥmāni r-raḥīm“ – dem Allerbarmer, dem Barmherzigen.

4 „Māliki yaumi d-dīn“ – dem König (Herrscher) des Gerichts

Din bedeutet Gericht oder Abrechnung. Es ist der Tag, an dem die ganze Schöpfung zur Rechenschaft gezogen wird, so auch die Menschen. Ibn Abbas sagte: Wenn ihre Taten gut waren, dann gut für sie; wenn sie schlecht waren, dann schlecht für sie, außer jenen, denen vergeben wird, denn die Befehlsgewalt gebührt Allah allein.

Wie oft maßen wir uns an, über Leute zu urteilen. Nein, das letzte Wort hat Gott allein. (Das Gleiche kann man auch über das sagen, was man mir und anderen jetzt öfter vorgehalten hat: dass ich zu einer der 72 islamischen Strömungen gehöre, die in die Hölle kommen werden, nur eine ist die richtige. So macht man den Menschen Angst. Nein, nicht die Menschen halten Gericht über die Seele, sondern ausschließlich Gott. Und Er ist der Barmherzige.

5. „Iyyāka naʿbudu wa-iyyāka nastaʿīn“ – Dir allein dienen wir, und Dich bitten wir um Hilfe.

Wir bedürfen Gottes Hilfe. Darum bitten wir Ihn in voller Aufrichtigkeit.

6. „Ihdinā ṣ-Ṣirāṭa l-mustaqīm“ – Führe uns den geraden Weg,

Ich würde zu Gott bitten: Hilf mir dabei, auf dem richtigen Weg zu bleiben und auch standhaft zu bleiben, allen Beschwernissen oder Hindernissen zu trotzen. Natürlich mit Seiner Hilfe! Der gerade Weg bedeutet soviel wie der deutliche oder richtige Weg, auch wenn er nicht ‚gradlinig‘ verläuft.

7. „Ṣirāṭa llaḏīna anʿamta ʿalayhim ġayri l-maġḍūbi ʿalayhim wa-lā ḍ-ḍāllīn“ – den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht (den Weg) derer, die D(ein)em Zorn verfallen sind und irregehen!

Ibn Abbas meint hier wieder: den Weg derjenigen, denen Gott die Gunst unter den Engeln, den Propheten, den Wahrhaftigen, den Rechtschaffenen erwiesen hat und Seinen Gebote Folge leisten und Ihn anbeten. Damit sind die Gläubigen gemeint,

nicht wie diejenigen, die Seinen Zorn erregen aufgrund ihrer Ablehnung Ihm gegenüber. Und Ibn Abbas meint weiter: Die Ungerechten, die den geraden Weg verlassen haben und die den Zorn Allahs erregt haben.

Dschabir b. Abdullah berichtet, und es ist überliefert von Muslim, dass der Prophet sagte: „Allah sagte: ‚Ich habe das Gebet zwischen Mir und Meinem Diener in zwei Teile geteilt, und Meinem Diener wird das zuteil sein, worum er bittet.‘ Wenn der Diener sagt: ‚Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten‘, sagt Allah, der Allmächtige und Majestätische: ‚Mein Diener hat Mich gelobt.‘ Und wenn er sagt: ‚Dem Allerbarmer, dem Barmherzigen‘, sagt Allah, der Allmächtige und Majestätische: ‚Mein Diener hat mich gepriesen.‘ Und wenn er sagt: ‚Herrscher am Tage des Gerichts‘, sagt Allah: ‚Mein Diener hat Mich gerühmt,‘ und manchmal sagt Er: ‚Mein Diener hat alles auf Mich zurückgeführt.‘ Und wenn er sagt: ‚Dir allein dienen wir und Dich allein flehen wir um Hilfe an‘, sagt Er: ‚Dies ist zwischen Mir und Meinem Diener, und Meinem Diener wird das zuteil sein, worum er bittet.‘ Und wenn er sagt: ‚Leite uns auf den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Gnädig bist, nicht derer, denen Du zürnst und nicht der Irrenden‘, sagt Er: ‚Dies ist für Meinen Diener, und Meinem Diener wird das zuteil sein, worum er bittet.‘

Zusammengefasst: Die Fatiha nimmt eine hervorragende Stellung im Koran ein, sie ist die Eröffnende. Sie eröffnet nicht nur den Koran, sondern auch das Gebet und beinhaltet wichtige Glaubensgrundsätze. Wir praktizieren Demut, sie stärkt den Glauben und das Wissen über Gott, es spricht das Diesseits durch unser Bitten und das Jenseits durch unsere Hoffnung an.

Die ganze Sure besteht aus zwei Teilen, sie teilt sich ein in eine Anrufung und Verehrung Gottes und es ist zugleich ein Bittgebet an Ihn. Wir rufen also Gott 17x in 5 Einheiten am Tag an und bitten Ihn jedes Mal um Vergebung und Rechtleitung.

Zum Abschluss bitte ich Gott, dass Er unsere Gebete annimmt und uns verzeiht und uns immer auf Seinen rechten Weg leitet. (Al-Fatiha)

Toleranz im Islam

Toleranz im Islam

In unserer heutigen Gesellschaft ist Toleranz ein wichtiges Thema und wird z.B. diskutiert in Zusammenhang mit Religiosität, sexuellen Neigungen, kulturellen Unterschieden und prinzipiell Andersdenkenden. Als Begriff wird es erst seit der Zeit der Aufklärung verwendet.

Was ist also Toleranz? Toleranz – man kann auch Duldsamkeit sagen – ist allgemein ein Gewähren lassen anderer oder fremde Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten.

Tolerant sein bedeutet duldsam, nachsichtig, großzügig sein. Dabei wird die Toleranzidee zur Forderung einer Duldung aller Konfessionen, und der Bedeutungsbereich des Toleranzbegriffs wird über das Religiöse hinaus erweitert, auf eine allgemeine Duldung anders Denkender und Handelnder.

Intolerant bedeutet dementsprechend unduldsam, keine andere Meinung oder Weltanschauung als die eigene Meinung gelten lassend.

Als Steigerung der Toleranz gilt die Akzeptanz, die gutheißende, zustimmende Haltung gegenüber einer anderen Person und ihrem Verhalten oder gegenüber einer anderen Religion und das Annehmen als höchste Stufe oder das Ablehnen.

Es ist eine wunderbare Eigenschaft eines Menschen, tolerant zu sein. Ein toleranter Mensch besitzt Weisheit und benutzt sein Verständnis und seine Sinne mit offenen Augen.

Hören wir erst einmal, was die „Erklärung von Prinzipien der Toleranz“ der UNESCO von 1995 aussagt:

Artikel 1 sagt aus: „Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt, unserer Ausdrucksformen und Gestaltungsweisen unseres Menschseins in all ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt. Gefördert wird sie durch Wissen, Offenheit, Kommunikation und durch Freiheit des Denkens, der Gewissensentscheidung und des Glaubens. Toleranz ist Harmonie über Unterschiede hinweg. Sie ist nicht nur moralische Verpflichtung, sondern auch eine politische und rechtliche Notwendigkeit. Toleranz ist eine Tugend, die den Frieden ermöglicht, und trägt dazu bei, den Kult des Krieges durch eine Kultur des Friedens zu überwinden.“

Tolle Worte!

Toleranz wird also gegenüber anderen Meinungen und Ideen, aber auch Menschen anderer Hautfarbe, sexueller Orientierung und Religion, Ethnie, Weltanschauung, Herkunft, Abstammung, gegenüber Menschen jeder Nationalität und jeden Geschlechts, jeden Alters und jeder Behinderung ausgeführt. Kurz: Toleranz wird geübt, wer Teil der Mehrheit einer Gesellschaft oder einer Gruppierung ist und Toleranz genießt, der restliche Teil es nicht ist.

Aber ist das wirklich so einfach?

Es gibt unterschiedliche Bedeutungen von Toleranz. Aber es gibt einen Kern des Begriffs: Wir tolerieren nur Dinge, die andere tun oder sagen, wenn das, was sie sagen oder tun, uns stört, mehr noch: Wenn wir da etwas falsch dran finden.

Es geht um die gegenseitige Anerkennung in einem Konflikt. Das geht folgendermaßen vor sich: Erstens: Man hat ein Problem mit dem, was andere tun oder denken. Zweitens: Es gibt Gründe, die dafür sprechen, es dennoch zu tolerieren bis, drittens, eine Grenze der Toleranz erreicht ist oder das Problem wird angenommen, es löst sich als Problem auf.

Tolerieren kann ich eigentlich nur das, was da ist und mir missfällt, womit ich ein Problem habe. Also ist Toleranz eine Haltung, etwas zu dulden, was ich eigentlich falsch finde.

Das Gegenteil ist, wenn ich an dem, was andere tun oder denken, nichts auszusetzen habe und das gern als etwas Bereicherndes begrüße, oder wenn das, was die anderen tun, mir egal ist, dann ist das keine Toleranz, wird aber oft mit Toleranz verwechselt.

Unser Wissen voneinander alleine reicht nicht, um Toleranz zu üben. Wir müssen uns gegenseitig besser kennenlernen, um Vorurteile abzubauen und breite Brücken der Verständigung aufbauen. Das kann z.B. ein interreligiöser Dialog für das gegenseitige Verständnis sein. Aber dazu müssten die religiösen Führer der Religionsgemeinschaften diesen Dialog beginnen bzw. vorantreiben, um Vorbilder für die Gemeinden zu werden. Werden sie für diesen Dialog aktiv, setzt sich das bei den einfachen Mitgliedern, bei den einfachen Menschen weiter fort. Wie ich schon vorher betonte, ist Wissen, Freiheit des Denkens, der Gewissensentscheidung von entscheidender Bedeutung. Wenn sich jemand nur leiten lässt ohne sich selbst zu bemühen, der macht nur das nach, was ihm vorgelebt oder gesagt wird. Und oft ist das kein Tolerieren des Anderen, der anderen Religion. Man bleibt zu starr auf das Vorgelebte seit Jahrhunderten. Dennoch, der Gedanke der Toleranz ist aber ein wesentlicher Bestandteil unserer Religion.

Toleranz ist jedoch die Vorbedingung einer friedlichen, theoretischen, Auseinandersetzung um konkurrierende Wahrheitsansprüche.

Wo kann Toleranz z. B. sein? Während die einen die Beschneidung tolerieren, halten andere sie für intolerant. Die einen sind für die Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, andere sehen das wiederum als intolerant an, sie wollen für sie keine gleichen Rechte wie bei einer Ehe von Mann und Frau.

Anderes Beispiel: Die Meinung oder Handlung einer Freundin gefällt mir nicht, das heißt, sie stört mich, ich mag sie nicht, ich lehne sie sozusagen ab. Aber ich mag meine Freundin, also, sollte die Handlung nichts Schlimmes bewirken, kann ich sie tolerieren. Ich mag ihre Handlung nicht, aber ich toleriere sie. Komme ich damit klar, kann ich ihre Handlung, ihre Meinung akzeptieren, weil meine Freundin mir Gründe für ihre Handlung nennt. Es tritt also von meiner Seite eine Akzeptanz hinzu oder wenn das Negative überwiegt, die Zurückweisung als Grenze der Toleranz.

Im religiösen Sinn kann ich eine mir fremde Religion ablehnen, aber im Geiste des Friedens toleriere ich sie. Genauso ist es, wenn man sich auf Menschenrechte oder auf das Recht auf Religionsfreiheit beruft. Ich muss ja keine andere Religion annehmen, aber ich kann die Menschen, die an sie glauben tolerieren.

Die Toleranz kann demnach eine staatliche Haltung sein, die Minderheiten die Erlaubnis gibt, ihrem Glauben gemäß zu leben – und zwar in dem Rahmen, den die Erlaubnis gebende Seite allein festlegt. Alle drei Komponenten – Toleranz, Akzeptanz und Zurückweisung – sind in der Hand der Obrigkeit, und die Tolerierten sind als Bürger zweiter Klasse markiert und geduldet – und auf den Schutz durch den Gesetzgebenden angewiesen. Dies war die Toleranzvorstellung während der goldenen Jahrhunderte im Islam oder in Andalusien vor der Reconquista. Aber dennoch hatten z.B. die Wissenschaftler eine hohe Stellung, egal ob sie Juden, Christen oder Sabäer waren.

Die Gelehrten hatten sich damals öffentlich zu regelmäßigen Diskussionsrunden gestellt. Jeder hatte seine Meinung, seine Vorstellung zu wissenschaftlichen oder religiösen Themen vorgestellt, um darüber mit anderen Gelehrten oder mit dem Publikum zu diskutieren. Der nächste Redner stellte vielleicht seine ganz entgegengesetzte Meinung vor. Egal, wie hart sie stritten, am Ende gingen sie friedlich auseinander. Sie tolerierten die Meinung der anderen, ein Toleranzzeitalter.

So zumindest wünsche ich es auch für die heutigen Gemeinschaften, sich zusammenzusetzen, jeder Ansicht anzuhören, akzeptieren oder nur tolerieren. Es geht doch dabei um die heutige Menschheit und deren Zukunft, die nur im friedlichen Miteinander leben kann.

Zum Tolerieren gehören mindestens 2 Personen. Auch mein Gegenüber muss mich zumindest tolerieren. Toleranz und Akzeptanz kann man nur ausüben, wenn man ebenso toleriert und akzeptiert wird. Das vergisst man einfach zu oft. Mein Gegenüber findet mich ja genauso fremdartig, wie ich ihn.

Dabei ist tolerieren nicht gleich tolerieren. Viele Leute tolerieren z.B. den Flüchtling als leidgeprüfter Mensch, aber als Person, die dem Staat Geld kostet, wo bleibt da oft die Toleranz?

Toleranz ist meist dort, wo mindestens 2 Personen zusammen sind. Auch in unserer Moschee muss mindestens Toleranz herrschen, jeder muss seine Meinung, Vorstellung von einem islamischen Leben auf den Tisch bringen dürfen. Man kann darüber diskutieren und nachdenken und auch bei einer Akzeptanz sich einigen.

Es gibt hier in Deutschland eine Menge liberaler Religionswissenschaftler, aber ich habe einfach das Gefühl, jeder kämpft für sich allein, fühlt sich vielleicht sogar als der mit der „richtigsten“ Meinung. Es tut mir im Herzen weh, wenn ich in ihren Büchern oder Schriften lese, wie sie sich gegenseitig herabwürdigen und auf ihre richtige Meinung oder auf ihre Auslegung bzw. Interpretation des Koran bestehen. Eigentlich wollen sie doch alle dasselbe: einen offenen, toleranten Islam. Vielmehr würde ich sie auf einer Plattform für einen liberalen Islam sehen, anstatt sich gegenseitige Vorwürfe oder einfach Nichtakzeptanz üben. Sie können gemeinsam, auch mit unterschiedlichen Meinungen, viel mehr bewirken, wenn sie eine gemeinsame Diskussionsform finden, an der man sich halten kann. Es ist gut so, wenn man unterschiedlicher Meinung ist, es bereichert unser Leben. Nur so können wir liberal denken, stark sein gegenüber den orthodoxen Gemeinschaften und Religionsgelehrten.

Am Ende muss ich feststellen, dass ich nicht weiß, in wieweit meine Khutbas toleriert, akzeptiert und angenommen werden. Sie vertreten meine Meinung. Aber man kann darüber reden.

Ramadan

Ramadan

Ramadan ist die höchste Schule des Lebens.
Diese gesegnete Fastenzeit ist ein wertvolles Geschenk des Himmels an unser Leben. Die Lektionen Ramadans AlMoubarak sind einmal im Jahr wie eine Erfrischungskur für unser Denken, unser Fühlen, unser Verhalten, unsere Taten, unser Glauben und unser Leben.
Ramadan AlMoubarak ist die Zeit des Fastens, des Verzichts, der Enthaltsamkeit, der inneren Reinigung, des Nachdenkens, der Kraft und des Energietankens, des gesunden Lebens.
Ramadan AlMoubarak ist viel mehr als Verzicht auf Essen und Trinken, auf Egoismus, auf Überfluss und auf Verschwendung und Missachtung unserer Lebensgrundlagen. Ramadan AlMoubarak lehrt und vermittelt uns das Gefühl der Wertschätzung und Dankbarkeit.

In vielen Gegenden dieser Welt ist ein Tropfen sauberes Wasser mehr wert als Geld, und eine Handvoll Reis am Tag rettet ein Menschenleben.
Ramadan AlMoubarak lehrt uns, wie gut es uns geht, und vor allem, Mitgefühl für die Menschen, denen es schlecht geht und die in katastrophaler Armut leben müssen. Zumal unser Wohlstand und unser Wohlergehen auf Kosten und durch Ausbeutung der
ärmsten der Armen beruht. Ramadan AlMoubarak lehrt uns die Gemeinsamkeiten. Alle Gläubigen fasten, beten und
feiern als eine große Familie. Ramadan AlMoubarak lehrt uns abzugeben und zu spenden. Ramadan AlMoubarak ist ein Monat voller gesegneter Geschenke an unsere Gesundheit und unser Leben. In dieser Zeit tanken wir viele positive Energie, Liebe und Glücksgefühle.
Ramadan AlMoubarak ist eine gesunde Quelle.
Ramadan AlMoubarak ist der Frühling des Lebens.

Weltweit kennen viele Religionen das Fasten als Zeremonie, die zur Reinheit und Erleuchtung führen soll. Das Fasten sollte eine Zeit des Betens und des Verzichts auf alle Genüsse sein.
Die Fastenzeit ist Einkehr, Umkehr und Besinnung. Eine Zeitlang auf Gewohntes verzichten ist mehr, als eine alte Tradition.
Es gibt zahlreiche Heilfastenarten und Fastenkuren. Die Natur fastet auch. Bei den Tieren, z.B. zur Brutzeit, beim Winterschlaf und auf ihren Zügen.
Auch Bäume und Pflanzen „fasten“ zu bestimmten Jahreszeiten.
Medizinisch gesehen wird Fasten als die unblutige Operation der Inneren Medizin bezeichnet. Es gibt kaum eine andere Heilmethode, die den Organismus so positiv beeinflusst wie das Fasten.
Das Fasten bewirkt eine Umstimmung und Veränderung des körperlichen und geistig-seelischen Zustands. Es werden die körpereigenen und seelischen Selbstheilungskräfte angeregt, d.h. die Aktivierung des inneren Arztes.
Ich wünsche alle Fastenden eine gesegnete und gesunde Fastenzeit.
Unsere Gedanken und Gefühle sind auch bei Allen, die aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen nicht fasten dürfen oder können.
Zum Ramadan gehören Spenden. Wer nicht spenden kann, der kann zum Spenden aufrufen und wird von Gott genauso gesegnet und geschätzt.
Wir danken Allah, dass wir fasten können und dürfen.
Gott segne Euer Fasten, Eure Gesundheit, Eure Gebete und Euer Leben.

Ramadan

Ramadan

Seit einigen Tagen befinden wir uns im Monat Ramadan, im Islam ein ganz besonderer Monat. Deshalb heißt mein heutiges Thema auch Ramadan. Aus dem Grunde ist es auch wichtig, uns die Zeilen, die im Koran über diese Zeit stehen, in unser Gedächtnis zurückzurufen.

Sure Al-Baqara: 183-185: „Oh ihr, die ihr Glauben erlangt habt! Das Fasten ist für euch verordnet, wie es für jene vor euch verordnet war, auf dass ihr euch Gottes bewusst bleiben möget.

Es sind nur eine bestimmte Anzahl von Tagen. Aber wer immer von euch krank ist oder auf einer Reise, soll stattdessen die gleiche Anzahl von anderen Tagen fasten, und in solchen Fällen obliegt es jenen, die es sich leisten können, ein Opfer durch Speisung eines Bedürftigen zu bringen. Und wer immer mehr Gutes tut, als er zu tun verpflichtet ist, tut sich damit selbst Gutes; denn zu fasten ist euch selbst Gutes zu tun – wenn ihr es nur wüsstet.

Es war der Monat Ramadan, in dem der Koran zuerst von droben erteilt wurde, als Rechtleitung für den Menschen und evidenter Beweis dieser Rechtleitung und als Maßstab, mit dem das Wahre vom Falschen zu unterscheiden ist. Darum, wer immer von euch dessen Monat erlebt, soll ihn durchweg fasten. Aber wer krank ist oder auf einer Reise, soll stattdessen die gleiche Anzahl dafür von anderen Tagen fasten. Gott will, dass ihr Erleichterung habt, und will nicht, dass ihr Härte erleidet. Aber Er wünscht, dass ihr die Anzahl der erforderlichen Tage vervollständigt, und dass ihr Gott lobpreist, dass Er euch rechtgeleitet hat, und dass ihr Ihm euren Dank abstattet.“

Eigentlich alles, was wir bedenken, tun oder lassen müssen, wie wir uns zu verhalten haben, kommen in diesen Versen zum Ausdruck.

Aber warum verlangt eigentlich Gott, dass wir einen ganzen Monat lang fasten? Was hat Gott vom Fasten des Menschen und was hat der Mensch davon, sich für einen relativ langen Zeitraum sich abzumühen, auf Sparflamme zu bleiben? In den vorangegangenen Versen finden wir die Antwort: Oh ihr, die ihr Glauben erlangt habt! Das Fasten ist für euch verordnet, wie es für jene vor euch verordnet war, auf dass ihr euch Gottes bewusst bleiben möget. Auch der Prophete Muhammad, Friede und Segen seien auf ihn hat darauf eine Antwort. Er zeigte, als seine Kameraden ihn danach fragten, auf sein Herz und sagte: „Es gibt einen Teil in unserem Körper, dessen Gesundheit bedeutet, dass auch der Rest des Körpers gesund, und dessen Krankheit bedeutet, dass auch der Rest des Körpers krank ist. Es ist das Herz.“

Es meinte damit die seelische und spirituelle Gesundheit und damit den Charakter, das Handeln und die Ausgeglichenheit derjenigen Person. Es geht beim Fasten also nicht um die Strapazen, wenn man Durst oder Hunger kaum noch ertragen kann. Gott gibt uns damit die Möglichkeit, sich mit seinem Inneren auseinanderzusetzen und das klappt nicht oder nur unzureichend, wenn das Fasten nur für eine kurze Zeit wäre. Natürlich ist auch die Erfahrung, Tag für Tag Hunger zu haben wichtig. Es ist nicht das Verständnis für die stets Hungernden, denn von ihnen wird das gleiche Fasten verlangt. Es ist vielmehr das Nachdenken über seine Beziehung zu Gott, zu dessen Schöpfung und über sich selbst.

Es ist das Fasten des Herzens.

Bei Ahmad lesen wir den Hadith: „Wenn der Fastende Lügen, unaufrichtiges und unverantwortliches Handeln nicht unterlässt, braucht Gott nicht von ihm, dass er auf sein Essen und Trinken beim Fasten verzichtet.“ Ich möchte den Satz einmal ganz krass übersetzen: Vielleicht musste Gott zu dieser Kraftanstrengung greifen, um dem Menschen klar zu machen, was richtiges und wahrheitsgemäßes Handeln bedeutet. Gott sagt vielleicht (in Anführungsstrichen): Ok, wenn du nicht willst, dann lasse es! Ich brauche es nicht von dir, aber dir gehen bestimmt später ein paar Pluspunkte verloren.

Noch einmal wiederholt: Das Ziel dieser langen Dauer des Fastens und sicher auch die damit verbundene Härte ist also eine innere, spirituelle Reinigung. Es beinhaltet eine anspruchsvolle Übung zur Selbstbeherrschung.

Das, was Gott von uns mit dem Fasten verlangt, ist das Läutern unseres Herzens durch Selbstkritik und Selbstreflexion.

Nicht nur das Herz fastet, auch die Zunge. Für sie gilt es, sich von jeglicher Form der schlechten Rede zu enthalten. Das bedeutet: Kein schlechtes Gerede über jemanden, kein Lästern, Fluchen, Beleidigen. Übrigens gilt das auch für jeden Tag, aber im Ramadan ist es besser, auf jedes Wort zu achten als eine Voraussetzung für die Reinheit des Herzens.

Weiter geht es in der Sure 2 Vers 186: „Und wenn mein Diener dich nach Mir fragt- siehe, ich bin nahe; ich erhöre den Ruf dessen, der ruft, wann er immer zu Mir ruft: so sollen sie denn auf Mich hören und an Mich glauben, auf dass sie dem rechten Weg folgen mögen.

Es ist die Zeit des Bewusstseins von Gottes Anwesenheit.

Gott wird immer antworten, sicher nicht gleich, denn Er weiß am besten, wann seine Hilfe, seine Antwort vonnöten ist. Jemand mit einem starken Gottesbewusstsein lebt stets sein Leben im Bemühen, nur diejenigen Dinge zu tun, die Gott gefallen. Das Bitten und Fragen bei Gott bezieht sich aber gewiss nicht nur auf diesen besonderen Monat, sondern gilt für alle Tage.

Abu Huraira überlieferte vom Gesandten Allahs, dass Allah sagte: „Jede Handlung des Sohnes von Adam gehört ihm selbst, außer dem Fasten. Es ist Mein, und Ich werde ihn dafür entlohnen. Das Fasten ist ein Schutz. Wenn einer von euch fastet, soll er weder unsittlich noch zu laut sprechen, und wenn ihn jemand beleidigt oder herausfordert, dann soll er sagen: ‘Ich faste.’ Bei Dem, in Dessen Hand die Seele von Muhammad ist, der Atem desjenigen, der fastet, ist bei Allah genehmer als der Duft von Moschus. Der Fastende hat zwei Freuden: Wenn er sein Fasten bricht, erholt er sich, und wenn er seinem Herrn gegenübersteht, hat er Freude an seinem Fasten.“

Der Monat Ramadan bietet dem Menschen die Gelegenheit, intensiver in sich hineinzuschauen, sich von belastenden Gedanken frei zu machen, Ruhe zu finden, wieder zu sich zu kommen, auf den Boden der Tatsachen. In einem Hadith von Ahmad kann man lesen: „Wer richtig fastet, ist nach dem Fasten wie am Tag seiner Geburt.“

Ramadan ist eine Reise in die Tiefe seines eigenen Herzens und Bewusstseins, ein selbstkritisches und ehrliches Nachfragen und Überarbeiten. Das ist das eigentliche Ziel und das der Prophet – Frieden und Segen auf ihn- mit dem großen Dschihad beschrieben hat: al-dschihadu fiy sabil-illah- die Anstrengung auf Gottes Weg“.

Es ist der eigentliche Kampf gegen das Böse im Herzen des eigenen Ichs, die innere Läuterung zur moralischen Vervollkommnung.

Das ist die wichtigste Bedeutung des Fastens, und nicht die körperliche Anstrengung. Aber dabei lernt man den Hunger und den Durst zu beherrschen und stärkt den Willen des Menschen. Der Mensch. Er entdeckt sich neu. Er entdeckt vielleicht neue, vorher nicht geahnte Kräfte und entfaltet sie. Durch das Fasten kann er zu einer neuen Willenskraft finden und sie stärken, um schlechte Eigenschaften zu erkennen und zu überwinden und seine guten Eigenschaften zu stärken.

Etwas aus der wissenschaftlichen Forschung, Thema Fasten: Der Darm ist innen mit einer Zellschicht ausgekleidet, die etwa alle fünf Tage durch Stammzellen erneuert wird. Das ermöglicht eine schnelle Geweberegeneration z.B. nach einer Darmerkrankung. Allerdings lässt diese Fähigkeit im Alter nach. Jetzt konnten amerikanische Forscher bei Mäusen nachweisen, dass eine nur 24-stündige Fastenperiode ausreicht, um die altersbedingt verringerte Aktivität dieser Stammzellen zu reaktivieren. Entscheidend dafür war, dass das kurzzeitige Hungern den Fettabbau in den Zellen verstärkte, Das Fasten aktiviert einen Schalter im Stoffwechsel der Darmstammzellen, so dass sie statt Kohlenhydraten Fett verbrennen. Jetzt weiß ich, dass das Fasten hin und wieder guttut.

In den letzten zehn Nächten im Ramadan kommt Lailatu’l-Qadr, die ‚Nacht der Macht‘, die Nacht des Schicksals, von der Gott sagt, dass sie besser als tausend Monate sei. Es ist die Nacht, in der ein Teil des Korans vor vielen Jahrzehnten zum ersten Mal dem Propheten Mohammad, Friede und Segen Gottes auf ihn, offenbart wurde. In dieser Nacht steigen die Engel von den Himmeln herab.

Es ist gute Sitte unter den Muslimen, in dieser Nacht Gott in Bittgebeten anzuflehen und auch gemeinsam das Tarawih-Gebet abzuhalten. Der Gesandte Allahs sagte, dass ein Du’a, welches in der Lailatu’l-Qadr gesprochen wird, von Allah angenommen wird und die Fehler des Bittenden vergeben werden. Aber ohne das Bezahlen der Zakat Al-Fitr und für das ‘Id (Feiertags)-Gebet am Ende des Monats ist der Ramadan nicht vollständig und wird von Allah nicht angenommen. Das sollte man also nicht vergessen.

Was bedeutet eigentlich das Wort Ramadan?

Es leitet sich von ‚ramad‘ ab, was so viel bedeutet: ‚von der Sonne intensiv erhitzt‘. ‚Das Wort ‚ramda‘ bezeichnet die ‚Hitze der Sonne‘. Ramadan könnte also bedeuten: die falschen und schlechten Handlungen der Gläubigen verbrennen.

Imam Al-Qurtubi, er war einer der hervorragendsten islamischen Wissenschaftler Andalusiens im 13. Jh., sagte: „Er (der Monat) wurde Ramadan genannt, weil er die falschen Handlungen der Leute durch rechtschaffene Taten verbrennt“. Also schlechte Handlungen werden durch gute ersetzt. (Aber es muss wenigstens eine gute Tat überwiegen.)

Was bedeutet dieser Monat noch? Es ist einer der Monate des Friedens.

Es betrifft die Menschen, die Gemeinschaft. Der Ramadan ist eine Zeit, die die Gemeinschaft aller Menschen, aber insbesondere die der Muslime, wiederbelebt und kräftigt und den Glauben stärkt. Und wir sind aufgerufen, uns von allen Streitereien, Anfeindungen fern zu halten, keine Missgunst auf jemandem zu haben, (vielleicht in der Arbeitswelt), den Nachbarn nicht mehr scheel anzusehen. Wie wäre es, ihn vielleicht mit einem Blumenstrauß zu überraschen, zumindest mit einem netten Gruß. Ihr werdet sehen, wie man auch eingefleischte Miesepeter verblüffen kann. Vielleicht klappt es auch in diesem besonderen Monat, unterbrochene familiäre Verbindungen wiederzubeleben.

Und es ist die Zeit, vor allem sich selber wiederfinden, aus dem alltäglichen Rhythmus herauszubrechen, mal eine Stunde weniger fernzusehen, dafür alte Freunde aufzusuchen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Was ist noch mache? Ich gehe hinaus, auf die Straße, in den Park, schaue mich um und bewundere die Schönheit von all dem, was ich sehe. Ich verstehe wieder besser das Wunder der Schaffenskraft von Gott. Und ich fühle, wie mein Inneres, mein Herz hingezogen wird zu Gott, dem Schöpfer all dieser Schönheiten. Es ist ein wunderbares Gefühl und ich wünsche es jedem, dass er Ähnliches erfährt.

Es ist einfach die Zeit, sich verstärkt auf Gott zu besinnen, Zeit für tiefe Anbetung und Hinwendung zu Gott. Der Ramadan ist geprägt von Barmherzigkeit, Gottes Barmherzigkeit zu den Menschen und Barmherzigkeit, des Erbarmens und der Nächstenliebe in der Gemeinschaft der Menschen. Wer Gott nahe sein will, kann sich durch Hilfeleistungen, Zuwendungen zu den Bedürftigen beweisen. Jede freiwillige, gute Handlung wird von Gott registriert und sicherlich angenommen. So bitte ich bei Gott für alle Muslime eine wunderbare, gesegnete Zeit.

Möge Gott eure Gebete, euer Fasten und gutes Handeln annehmen. Ich wünsche euch Zufriedenheit, Ruhe und Gelassenheit mit euch selbst und mit eurer Familie, ein offenes Ohr und eine helfende Hand für die Notleidenden, Waisen und allen, die eurer Hilfe bedürfen.

Ich wünsche euch und euren Familien einen segensreichen Fastenmonat, in dem all unsere Gebete erhört werden und unsere Ibadaat angenommen werden. Möge Gott uns die Tore Seiner Barmherzigkeit Güte und Vergebung öffnen. Ich wünsche euch ein gesegneten Monat Ramadan.

Ramadan karim!

Zweifel und Skepsis

Zweifel und Skepsis

Bedeutung

Der Zweifel: Althochdeutsch zwîval aus germanisch twîfla, „doppelt, gespalten, zweifach, zwiefältig“) ist ein Zustand der Unentschiedenheit zwischen mehreren möglichen Annahmen, da entgegengesetzte oder unzureichende Gründe zu keinem sicheren Urteil oder einer Entscheidung führen können.

Er wird auch als Unsicherheit in Bezug auf Vertrauen, Handeln, Entscheidungen, Glauben oder Behauptungen bzw. Vermutungen interpretiert.

So definiert der Duden Zweifel als „Bedenken, schwankende Ungewissheit, ob jemandem, jemandes Äußerung zu glauben ist, ob ein Vorgehen, eine Handlung richtig und gut ist, ob etwas gelingen kann.

Etymologie
Das Wort Zweifel stammt von der Kompositionsform twi ‘zwei’, und dem Suffix -falt. Dies führte zur Wortbedeutung „zwiespältig“.

Die Skepsis:

Aus griech.

  • sképsis = Betrachtung; Bedenken,
  • sképtesthai = schauen, spähen; betrachten

bezeichnet dagegen Bedenken durch kritisches Zweifeln.

Der Begriff “Zweifel / Skepsis“ wurde im Quran 56 mal erwähnt.

Beispiel aus dem Quran :

قُلْ يَا أَيُّهَا النَّاسُ إِن كُنتُمْ فِي شَكٍّ مِّن دِينِي فَلاَ أَعْبُدُ الَّذِينَ تَعْبُدُونَ مِن دُونِ اللّهِ وَلَكِنْ أَعْبُدُ اللّهَ الَّذِي يَتَوَفَّاكُمْ وَأُمِرْتُ أَنْ أَكُونَ مِنَ الْمُؤْمِنِينَ ﴿104﴾ سورة الأعراف 4

Sprich: «O ihr Menschen, wenn ihr im Zweifel über meinen Glauben seid, dann, ich verehre nicht die, welche ihr statt Gott verehrt,

sondern ich verehre nur Gott ,Allah, der euch abberufen wird,

und mir wird geboten, daß ich einer der Gläubigen sei,
[10:105]  (1)

Beispiel aus der Hadith/Überlieferung :

عَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رضي الله عنه قَالَ: جَاءَ نَاسٌ مِنْ أَصْحَابِ النَّبِيِّ صلى الله عليه وسلم فَسَأَلُوهُ: إِنَّا نَجِدُ فِي أَنْفُسِنَا مَا يَتَعَاظَمُ أَحَدُنَا أَنْ يَتَكَلَّمَ بِهِ. قَالَ: „وَقَدْ وَجَدْتُمُوهُ؟“ قَالُوا: نَعَمْ. قَالَ: „ذَاكَ صَرِيحُ الإِيمَانِ“. رواه مسلم.

Abo Hurairah erzählte: “eines Tages fragten die Gefährten des Projektes ihn: wir haben Zweifel/Skepsis, aber wir trauen uns nicht zu äußern!

Dann sagte der Prophet: “das ist der ehrliche Glaube” Moslem Nr. 132 (2)

وللغزالي مقولة يقول فيها: „الشكوك هي الموصلة إلى الحق . فمن لم يشك لم ينظر، ومن لم ينظر لم يبصر، ومن لم يبصر، بقي في العمى والضلال“

Abo Hamed Al Ghazali hat gesagt : Die Zweifel führen zur Richtigkeit, denn wer nicht zweifelt, sucht nichts,

und wer nicht sucht, nimmt nichts wahr,

und wer nichts wahrnimmt, bleibt auf dem Irrweg. (3)

Warum Zweifel gut sind?

7 Wege wie Du sie in Stärke verwandelst.

Es ist besser, sich von Zweifeln beunruhigen zu lassen, als lange im Irrtum zu verweilen.
Alessandro Manzoni (1785-1873), ital. Dichter

Zweifelt ihr manchmal?

An euch?
Oder an dem was ihr tut?

Was ihr glaubt?

Fragt ihr euch manchmal, ob ihr den richtigen Weg gewählt habt?

Ob ihr mit dem was ihr tut wirklich glücklich seid?
Oder vielleicht nerven euch diese Zweifel genauso sehr wie mich?

Lange Zeit dachte ich, dass die Zweifel etwas Schlechtes sind. Da das gesellschaftliche Bild meint “Zweifel sind schlecht”.

Zweifel haben mich lange Zeit beunruhigt, ja manchmal verrückt und unsicher gemacht. Ständig dachte ich, dass ich “schon wieder” auf dem falschen Weg bin.
Heute weiß ich, dass uns Zweifel helfen unseren Weg zu finden.
Ja, Zweifel sind gut und etwas Wunderbares, wenn ihr wisst, wie man mit ihnen umgehen kann.

Wie man mit Zweifeln umgehen kann.

Ich muss Euch gestehen: Ich zweifle super oft. Diese Momente waren alles andere als angenehm. Vielleicht habt Ihr auch ab und an solche Momente.
Wenn meine Zweifel wieder einmal hochkommen, dann lasse ich sie zu. Ich versuche dahinter zu schauen. Warum sind diese Zweifel da? Was wollen sie mir sagen?
Gleichzeitig versuche ich sie realistisch zu sehen – und mich nicht von ihnen überwältigen zu lassen.

7 Wege wie man die Zweifel zu Stärke macht.

1) Zweifel zulassen:

Das Allerwichtigste für mich ist, die Zweifel zuzulassen. Verdränge sie nicht direkt, sondern lass sie kurz zu Dir herüber kommen. Schaue Dir Deine Zweifel in aller Ruhe an und frage Dich vor allem:

Wo kommen die Zweifel her?
Warum zweifelst Du genau in diesem Moment?

Was wollen Deine Zweifel Dir sagen?

2) Mit Freunden reden.

Wenn ich mal wieder zweifle, dann passiert es mir schnell, dass ich alles nur negativ sehe. Oft hilft es mir meine Zweifel mit guten Freunden zu teilen.

3) Persönliches Erfolgstagebuch.

In einem Erfolgstagebuch kannst Du Deine kleinen Erfolge des Tages niederschreiben. Du hältst einfach abends kurz inne und schaust zurück, was Du heute Tolles geschafft hast.

4) „Motivational-Liste“

Vor einiger Zeit habe ich mir eine “Motivational-Liste für schwere Stunden” angelegt. Ich habe einfach ein großes Flip-Chart-Blatt an die Wand gehängt. Darauf schreibe ich jetzt immer wieder kleine aufmunternde

5) Inspirierende Zitate, Videos und Geschichten.

Es hilft mir, inspirierende Zitate, Videos oder Geschichten anzuschauen. Für Zitate kann man einfach eine Liste anlegen.

6) Gehe raus oder Sport treiben.

Sport oder ein Spaziergang helfen mir ungemein meine Gedanken zu sortieren.
Wenn ich Sport mache oder an der frischen Luft spazieren gehe, dann kann ich meine Gedanken in meinem Kopf wieder ordnen.
Mir wird dann oft bewusst, dass meine Zweifel menschlich sind und dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Einfach mal rausgehen und tief durchatmen.

7) Sei dankbar.

Sei dankbar für Deine großartigen Freunde. Sei dankbar dafür, dass Du ein Dach über dem Kopf hast.

Mein Fazit:

  • Zweifel sind gut – sie sind Dein innerer Kompass.
  • Finde Deine eigenen Methoden, um mit Deinen Zweifeln umzugehen.
  • Deine Zweifel zuzulassen und zu überwinden macht Dich stärker.„Zweifel sind der Beginn von Weisheit.“

    – Aristoteles

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  1. Suret Al Araf Nr. 4 Vers 104
  2. Saheh Moslem, Hahith Nr. 132
  3. Das Buch “ Mizan Alamal” Abo Hamed Alghazali, Seite 137

Koran – unerschaffen oder erschaffen

Koran – unerschaffen oder erschaffen

Bald beginnt wieder die Zeit des Ramadans, in dem die koranische Offenbarung vor Jahrhunderten ihren Anfang hatte, von Gott zu den Menschen herniedergesandt wurde.

Der Koran ist ein Kanal der Kommunikation zwischen Gott und Mensch.

Er ist, nach der von allen Muslimen akzeptierten Meinung, die Rede Gottes, die über einen Zeitraum von 23 Jahren dem Propheten Muhammad (alaihi-s-Salatu wa-s-Salam – auf ihn seien Segen und Friede), in der arabischen Sprache geoffenbart wurde.

Was bedeutet also die ‚Rede Gottes?‘ Der Koran gibt selbst die Antwort. Sehen wir uns die Sure 18:109 an. „Sprich: Wäre das Meer Tinte für das Wort meines Herrn, wahrlich, das Meer würde versiegen, ehe die Worte meines Herrn zu Ende gingen, …“. In Sure 31:27: „Und wenn alle Bäume, die auf der Erde sind, Schreibrohre wären und der Ozean Tinte und sieben Ozeane würde sie mit Nachschub versorgen, selbst dann könnte Allas Worte nicht erschöpft werden.“ Das betont die Unendlichkeit der Worte von Gott. Und wenn die Worte nicht ausgehen, unendlich sind, dann kann der Koran nur eine bestimmte Verlautbarung des Gotteswortes sein, das bedeutet: der Koran in seinem Umfang als Text ist begrenzt.

Aber der Koran bezeichnet sich an einigen Stellen selbst als ‚Rede Gottes‘. Steht also doch der Koran und Gottes Wort auf gleicher Ebene?

Fast solange der Koran existiert, solange hat man über ihn diskutiert. Anfang des 8. Jahrhunderts verkündete al-Dschaʿd ibn Dirham zum ersten Mal für die damalige Zeit seine „ketzerischen“ Ideen von der „Erschaffenheit des Korans“ und wurde ebenso wie sein Schüler Dschahm ibn Safwān (gest. 746) hingerichtet.

Andererseits soll der Gelehrte Sufyān ath-Thaurī aus Kufa (gest. 778) seine ʿAqīda, den Glaubensgrundlagen, mit dem Glaubenssatz begonnen haben: „Der Koran ist die Rede Gottes, ungeschaffen, von ihm nahm er seinen Anfang und zu ihm kehrt er zurück.“ Wahrscheinlich war das auch die Meinung der muslimischen Bevölkerung. Also 2 Meinungen!

Im 9.Jahrhndert kam es zur sogenannten „Inquisition der Erschaffenheit des Koran“. Mit dieser Lehre stellten sich viele Gelehrte gegen die von anderen muslimischen Gelehrten vertretene Position, wonach der Koran als Rede Gottes präexistent ist, also bereits von aller Ewigkeit her existiert. Der Lehrsatz von der Erschaffenheit des Korans wurde sogar zeitweise zur Staatsdoktrin erhoben, während diejenigen, die sie ablehnten, im Rahmen der Mihna (Prüfung) verfolgt wurden.

Der abbasidische Kalif al-Ma’mūn, der zu dieser Zeit herrschte, schrieb in einem Brief an seinen Gouverneur von Bagdad „Die Menge und große Mehrheit von den Untertanen und das niedrigstehende Volk, die nicht nachdenken und überlegen, und nicht die Argumente und die Rechtleitung nutzen, die Gott zur Verfügung stellt, und nicht durch das Licht der Wissenschaft erleuchtet sind, […] stellen Gott und den Koran, den er herabgesandt hat, auf die gleiche Stufe. Sie stimmen alle darin überein, dass er anfangsewig ist, vom ersten Augenblick an existiert und Gott ihn weder erschaffen, hervorgebracht oder erzeugt hat.“

Es standen demnach zwei gegensätzliche Theorien der Natur des Koran gegenüber: entweder in der Zeit erschaffen, also eine Botschaft in der Zeit hervorgebracht und als göttliche Tat erschaffen oder als eines der göttlichen Attribute, die ja zeitlos und ewig gelten.

Was war geschehen? Es stritten sich im 9. Jahrhundert zwei Richtungen, die rationalistisch ausgerichtete Schule der Mu’taziliten und die Sunniten um Ahmad ibn Hanbal, der auf der Vorstellung bestand, dass der Koran das ewige und unerschaffene Wort Gottes sei. Das Verhältnis der Wesensattribute zum Wesen Gottes war also ein Streitpunkt zwischen den verschiedenen Schulen. Noch heute wird im sunnitischen Islam hanbalitischer Prägung die Lehre von der Erschaffenheit des Korans als häretisch, das heißt ketzerisch abgelehnt und natürlich die anderen Hauptströmungen.

Was sind nun die Handlungs- und Wesenseigenschaften?

Die Handlungsattribute werden von den Wesensattributen anhand von zwei Merkmalen differenziert.

Erstens: Die Wesensattribute sind mit dem Wesen- also Gott identisch und damit unendlich; die Handlungsattribute sind, weil sie Gegensätze zulassen, endlich. Gott hat sich die Barmherzigkeit selbst auferlegt. Meines Erachtens ist sie demnach keine Eigenschaft, die schon immer währte. Sonst bräuchten wir ja nicht um seine Barmherzigkeit bitten. Gott existierte ja, als Er sich die Barmherzigkeit auferlegt hatte.

Zweitens: Die Wesensattribute sind so ewig wie das Wesen. Sie werden einerseits mit der Wesenheit Gottes selbst als eine unteilbare Einheit definiert bzw. damit identifiziert und sind dem Wesen nicht überflüssig. Die Handlungsattribute werden von den Taten bzw. Handlungen vorausgesetzt. Mit anderen Worten: Die Wesenseigenschaften Gottes sind ewige Eigenschaften, welche nur die Wesenheit Gottes voraussetzen. Es sind Eigenschaften der Vollkommenheit, die Gott in seiner Existenz unbedingt bedarf, z.B. Eigenschaften des Lebens, des Wissens, der Allmacht, Ewigkeit.

Tateigenschaften oder Handelseigenschaften müssen existieren, um Gott beschreiben zu können. Ein Beispiel: Die Schöpfung erfüllt die Voraussetzung dafür, um Gott als Schöpfer, al-Khaliq, auszuzeichnen.

Nasr Hamid Abu Zaid schreibt in seinem Buch „Gottes Menschenwort“: Die Theorie der Mu’taziliten im 9.Jahrhundert über das Verhältnis zwischen Mensch, Sprache und dem Korantext konzentriert sich auf den Menschen als Adressaten des Textes. Sie suchten eine Brücke zwischen der Vernunft des Menschen und Gotteswort. Sie betrachteten den Text des Korans als eine von Gott erschaffene Handlung, nicht als seine ewige und wörtliche Äußerung. Sie sahen das Gotteswort also nicht als eine Wesenseinheit an, sondern als ein Attribut der Erschaffenheit, während die Hanbaliten genau das Gegenteil behaupteten. Hanbal soll sich geäußert haben: „Nichts von Gott ist erschaffen, und der Koran ist von Gott“

Mit anderen Worten: Die Mu‘taziliten vertraten die Meinung, dass der Koran zeitlich sei, also erschaffen. Er gehöre nicht zu den Attributen des ewigen göttlichen Wesens. Der Koran ist die Rede Gottes, das heißt, eine Rede ist eine Tat und keine Eigenschaft, folglich gehöre er zu den Tatattributen und nicht zu den Wesensattributen. Nach den Mu‘taziliten benötigt die Rede die Existenz eines Angesprochenen, zu der gesprochen werden kann. Würde die Rede ewig sein, müsste also Gott sich an jemanden wenden, der noch gar nicht existieren würde. Denn ein Wesensattribut ist ewig und bedarf nicht die Existenz einer Welt bzw. der Existenz eines Angesprochenen. Solche Wesenseigenschaften sind Wissen, Macht, Ewigkeit, Leben.

Die Mu‘taliziten meinten, Gott sei wissend durch sein Wesen, hörend durch sein Wesen, mächtig durch sein Wesen. Um Dinge zu wissen, zu hören, braucht Gott keine Eigenschaft, denn alles, was es zu verstehen, zu wissen, zu hören usw. gibt, weiß Gott durch sein Wesen.

Auch die Ibaditen im Maghreb übernahmen die Lehre von der Erschaffenheit des Korans, während im Oman, einem anderen Zentrum der Ibaditen noch im 12, Jahrhundert noch die Meinung über die Unerschaffenheit herrschte. Heute besteht unter den Ibaditen ein Konsens über die Erschaffenheit des Korans.

Ist nun die wohlverwahrte Tafel, oder der Thron, Gottes Stuhl ewig und zeitlos? Wenn das so wäre, würden die Wesensattribute zunehmen. Wenn aber die Tafel in der Zeit erschaffen wurde, dann kann der Text auf der Tafel nicht ewig und unerschaffen sein. So muss man davon ausgehen, dass auch der auf ihr niedergeschriebene Koran erschaffen wurde.

Wenn man sich im Gegenteil für den ewigen Koran entscheidet, so bedeutete das, dass jedes einzelne Geschehen, welches im Koran geschildert wird, vorherbestimmt war. Es bedeutet ein striktes Festhalten an der wörtlichen Bedeutung des Korantextes. Das bedeutet, Aisha musste unbedingt ihre Kette verlieren, um zu den folgenden Ereignissen zu kommen. Oder die Heuchler, die im Koran beschrieben wurden, hatten ja keine andere Wahl als zu heucheln. Das bedingt dann auch, dass sie keine Verantwortung über ihr Heucheln tragen, es ist ja vorhergesehen. Aber wir werden eines fernen Tags doch zur Verantwortung gezogen! Irgendetwas stimmt also meines Erachtens nicht mit der Ewigkeit des Korans. Der Koran ist eine Botschaft und Botschaften sind als einen Text zu betrachten, zumal die chronologische Herabsendung nicht mit der heutigen Struktur des Textes übereinstimmt.

Mohammed Arkoun, ein algerisch-französischer Philosoph und islamischer Gelehrter, 2010 gestorben, meint, die islamische Vernunft sei seit Jahrhunderten durch intellektuelle Ohnmacht, schablonenhaftes Denken und Trägheit bestimmt, die letztlich zu einer Abschaffung jeglicher Freiräume für Kritik geführt hätten. Mit seinem Buch: „Kritik an der islamischen Vernunft“, welches leider noch nicht in Deutsch gibt, verfolgt Arkoun schließlich das Ziel, den Islam mutig und kompromisslos auf alle fehlerhaften Erkenntnisse, Legenden, Parolen und Visionen zu untersuchen, ohne dabei herablassend zu sein.

Ibn Ruschds Aussage über den Koran lautet: „Der Koran ist die Wahrheit selbst, durch ein göttliches Wunder entstanden. Dass er alle Menschen gleichzeitig ansprechen kann, beweist, dass es durch ein Wunder entstanden ist. Der Koran hat eine äußerliche und symbolische Bedeutung für die Ungebildeten und eine innere verborgene Deutung für die Gebildeten.“

Auch für ihn war also der Koran geschaffen.

Muhammad Shahrur meint in seinem 1990 erschienenen Standardwerk: „Die Schrift und der Koran. Eine zeitgenössische Lesung“: „Nur Gottes Wort ist absolut.“ „Der Koran stelle das ‚Siegel der Bücher‘ dar, enthalte also die letzte und endgültige der drei Offenbarungsreligionen. Der Koran beinhalte die absolute Wahrheit Gottes. Diese könne allerdings vom Menschen nur relativ verstanden werden. Daher könne das jeweilige Koranverständnis einer bestimmten Zeit nur für diese Zeit gelten.“ Das heißt: Der erschaffene Koran lässt sich historisch, also zeitgemäß lesen und verstehen. Bei einem unerschaffenen Koran geht das nicht.

Die meisten fortschrittlichen und liberalen Islamwissenschaftler unserer Zeit im arabischen Raum wurden leider wegen ihrer Gedanken Repressalien unterworfen oder ihrer Ämter enthoben.

Und meine Meinung?

Als ich Muslima wurde, bin ich immer wieder über ein Wort gestolpert: ‚Taqwa‘, es wurde damals mit ‚Furcht‘ übersetzt.

Ich konnte das nicht begreifen: Warum soll ich Gott fürchten, wenn ich ihn liebe? Diskussionen darüber waren nicht in meinem Sinn, bis ich eine gute Erklärung bekam: Gottesbewusstsein. Ja, ich bin mir Gottes bewusst, spreche mit ihm, versuche das gut zu machen, was er von mir erwartet. Das heißt: Wenn ich im Koran lese und über das Gelesene nachdenke, mache ich mir meine eigenen Gedanken, beziehe es auf heute und auch auf mich und der Gemeinschaft. Das kann ich aber nicht, wenn ich davon ausgehe, dass der Koran unerschaffen wäre. Die Worte wären ja sinnbildlich in Stein gemeißelt. Nur nicht daran rütteln! Da kann ich nichts auf mich und auf heute beziehen. Aber Gott verlangt in vielen Versen oder Parabeln, dass ich lerne, auch aus den Begebenheiten von vor 1400 Jahren, die der Koran beschreibt, lerne und anwende. Bei historischen Inhalten von damals stelle ich mir die damalige Situation vor und sehe es auch von der heutigen Warte aus und ziehe meine Lehren daraus. Natürlich beachte ich auch verständige Kommentierungen von Gelehrten, die ich zum Verständnis des Korans heranziehe. Also ist für mich der Koran erschaffen.