Barmherzigkeit

Selbstliebe und Selbstverantwortung im Islam

Selbstliebe und Selbstverantwortung im Islam

السلام عليكم

Meine lieben Geschwister im Islam, liebe Gäste, liebe Menschen

Ich möchte euch heute eine Geschichte erzählen. Die Geschichte von einem Maler, jedes seiner Gemälde sind wahre Kunstwerke. Wahrlich perfekt. Dieser Maler ist ein Portraitmaler. Er malt Menschen. Dabei gibt er sich jedes Mal die größte Mühe, nicht ein Pinselstrich ist anders als er sich das vorher vorgenommen hat. Und jedes Mal, wenn er mit einem Gemälde fertig ist, tritt er von diesem zurück und ist begeistert und voller Entzückung über das, was er gerade geschaffen hat. Schon wieder ein wahres Meisterwerk!

Doch leider muss dieser Maler sehr oft erleben, dass der oder die Portraitierte neben ihn tritt, das Kunstwerk anschaut und sofort anfängt, Dinge zu kritisieren. Guck mal, die Nase ist aber ein bisschen zu groß geraten. Und da, die Falten unter den Augen, wie unschön. Hab ich wirklich so viele graue Haare? Das Portrait von meinem Nachbarn ist viel schöner geworden. Ich denke, dass viele von uns sich hineinversetzen können in diese Menschen. Wenn man Bilder von sich sieht, gucken die meisten erstmal dahin, was nicht so schön aussieht. Wofür sie sich vielleicht insgeheim schämen.

Nun, was aber, wenn der Maler Gott ist. Allah, der euch nach seiner Vorstellung geschaffen hat und für den ihr genauso, wie ihr seid, perfekt seid. Allah kommt nicht daher und denkt sich: Na, die Beine sind aber ein bisschen kurz geraten und dort hätte ich vielleicht ein bisschen weniger dick auftragen sollen. Nein! Allah schaut jeden von euch an und ist begeistert von seinem Meisterwerk. Denn er wollte euch genauso schaffen, wie ihr jetzt hier vor mir sitzt.

Er hat uns von seinem Geist eingehaucht

Gott liebt uns alle voller Liebe, Zuneigung, Barmherzigkeit und Vergebung. Er liebt uns bedingungslos. Bedingungslos. Keine Zweifel, oder wenns oder abers. Denn wie ein Maler hat er etwas von sich in unsere Erschaffung gegeben. Er hat uns etwas von seinem Geist eingehaucht. (Koran 15:28-29).

Und siehe! Dein Erhalter sagte zu den Engeln: Siehe, ich bin im Begriff, einen sterblichen Menschen aus tönendem Ton zu erschaffen, aus dunkler, verwandelter Erde. Und wenn ich ihn vollständig geformt und ihm von meinem Geist eingehaucht habe, fallt nieder vor ihm in Niederwerfung.

Es ist etwas göttliches in uns Menschen. In jedem und jeder von uns. Und so, meine lieben Geschwister im Glauben, wie Islam die Hingabe zu Gott ist, ist unser Glaube auch eine Liebesbeziehung zu allem göttlichen. Es schließt auch ein, dass wir mit uns selber liebevoll umgehen. So, wie Gott sich der Barmherzigkeit verschrieben hat, so ist es auch wichtig, dass wir barmherzig mit uns selbst umgehen.

Selbstverantwortung braucht Selbstliebe

Ich möchte mit euch heute über Selbstliebe sprechen. Ein Wort und ein Konzept, dem oft mit Abneigung begegnet wird. Denn es wird mit Egoismus, Arroganz und Eitelkeit gleichgesetzt. Doch das ist damit garnicht gemeint. Denn dort, wo Liebe ist, ist für solche Dinge kein Platz.

Gott und sein Kunstwerk ernst zu nehmen bedeutet, mit sich selber liebevoll umzugehen und sich gut um sich selbst zu kümmern. Es bedeutet, das göttliche in sich selber zu lieben und die Beziehung zu Gott auf der Basis von Liebe und Dankbarkeit zu gestalten. Es bedeutet auch, die Beziehung zu meinen Mitmenschen auf dieser Basis zu gestalten, denn auch sie sind Meisterwerke, denen Gott von seinem Geist eingehaucht hat.

Warum ist die Selbstliebe für jede und jeden von uns so wichtig? Nun, weil der liebe Gott uns nicht nur als Meisterwerke erschaffen hat, sondern weil er von uns auch verlangt, dass wir unser Leben selbstverantwortlich gestalten und in die Hand nehmen. Und wie kann ich für etwas Verantwortung übernehmen, was mir nicht wichtig ist? Was ich nicht liebe?

Entdecken wir also das Göttliche in uns. All die wunderbaren Pinselstriche, mit denen wir erschaffen worden sind. Es ist gut, ab und zu von sich selbst zurückzutreten und sich selber in Ruhe zu betrachten. Selber zu erkennen, was Gott wirklich gut gelungen ist und es sich einzugestehen. Und dafür dankbar zu sein.

Liebevoll mit sich selbst zu sein, bedarf auch einen Achtsamen Umgang mit unseren Bedürfnissen und Wünschen. Wie geht es mir gerade? Was brauche ich? Wie kann ich mich gut um mich selbst kümmern? Dies ist der Punkt, an dem Selbstliebe eng verwoben ist mit Selbstverantwortung. Denn wenn ich mich selbst Liebe und Wertschätze, dann muss ich mich auch selber darum kümmern, dass es mir gut geht. Dann kann ich meine emotionalen Bedürfnisse nicht vor meinem nächsten auskippen und erwarten, dass er sich schon darum kümmern wird. Und wenn er das nicht tut, dann bin ich unglaublich sauer und enttäuscht.

Bitte versteht mich nicht falsch. Es ist wichtig und gut, enge Freunde und Beziehungen zu haben. Es ist wichtig und gut, den Menschen unseres Vertrauens mitzuteilen, wie es uns geht. Sie können uns in schweren Stunden trösten, Glücksmomente mit uns teilen und uns Denkanstöße geben. Aber wir dürfen niemals sie alleine für unser Wohlbefinden verantwortlich machen. Wir dürfen diese Verantwortung niemals aus der Hand geben, denn wir machen die Erfüllung unserer Bedürfnisse abhängig von anderen.

Selbstverantwortung im Islam

Selbstverantwortung also. Auch für meine Beziehung zu mir selbst und zu Allah. Die Gottesbeziehung ist im Islam eine sehr direkte, unmittelbare und nahe. So sagt uns Allah in Sure 50, Vers 16:

Wir erschufen gewiss den Menschen und wissen, was ihm sein Inneres einflüstert; und wir sind ihm näher als die Halsschlagader.

Allah ist für uns da, er begleitet uns und weiß wie niemand anderes über unser innerstes und unser Seelenleben Bescheid. Seine Beziehung zu uns basiert auf Barmherzigkeit. Unsere Beziehung zu ihm basiert auf Liebe und dem absoluten Vertrauen in seine Gerechtigkeit.

Aber wir werden am Auferstehungstag gerechte Waagschalen errichten, und keinem Menschen wird im geringsten Unrecht geschehen: denn auch wenn in ihm nur das Gewicht eines Senfkorns (an Guten oder Üblen) in ihm ist, wir werden es hervorbringen.
(21:47).

Ich weiß also, dass Allah am Ende meiner Lebensreise nur meinen Lebensweg betrachten und bewerten wird. Das hat was tröstliches und beruhigendes, denn es wird mir nichts angelastet werden, was außerhalb meiner Kontrolle gelegen hat. Wofür ich nichts kann. Gleichzeitig nimmt es mich in die Plficht. Denn ich kann die Schuld für bestimmte Fehler auch nicht anderen in die Schuhe schieben. Ich bin dafür selber verantwortlich.

Erlaubt mir einen kleinen Exkurs, denn genau das ist für mich ein Wesenskern des Islam und es ist einer der Grundsätze einer emanzipierten, selbstverantwortlichen Glaubenspraxis: Selber nachdenken, selber abwägen, selber entscheiden was man tut. Genau darum geht es uns hier in dieser Moschee mit unserer täglichen Arbeit: Die Menschen ermutigen, sich selber Gedanken über ihre Religion zu machen und nicht alles ungefragt zu übernehmen, was als Tradition weitergereicht oder vom Imam verkündet wird. Selber denken und dort, wo ich nicht genug Wissen habe, selber nachforschen.

Der Koran betont immer wieder, er sei ein Zeichen für Menschen, die nachdenken. Die in ihn und die Schöpfung hineinfühlen und die sich bilden. Wir sind keine Maschinen, es geht nicht um das technische Befolgen von Regeln. Es geht um etwas viel größeres, allumfassenderes, was sich nicht in Regeln und Vorschriften einfangen lässt. Es geht um Liebe und Barmherzigkeit. Das sollen wir begreifen.

Jeder und jede von uns ist ein einzigartiges, wunderbares Licht Gottes

Nun aber zurück zum Zusammenspiel von Selbstliebe und Selbstverantwortung. Für manche Menschen ist diese Selbstverantwortung für das eigene Leben, das eigene Wohlbefinden und den eigenen Lebensweg etwas, dem sie mit Angst begegnen. Es kann sich als überwältigende oder überfordernde Aufgabe darstellen. Als ein viel zu steiniger Weg. Sollte es euch bisweilen auch so gehen, dann bitte ich euch, dass ihr euch daran erinnert, wie bedingungslos Allah euch liebt und wie Nahe er euch ist. Ihr geht diesen Weg nicht alleine. Und jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt.

Der erste Schritt ist ein achtsames hineinhören in sich selber. Ein sich begegnen und kennenlernen. Viele von uns haben ihren inneren Kritiker derart hart trainiert und groß werden lassen, dass sie ein sehr verzerrtes Bild von sich haben. Also, vom Bild zurück treten, es betrachten und kennenlernen. Es gibt viele wunderbare Pinselstriche zu entdecken.

Und wenn ich das Bild lange genug und liebevoll genug anschaue, werde ich Pinselstriche entdecken, die es auf keinem anderen Bild gibt. Die Allah nur mir geschenkt hat und mich damit Einzigartig gemacht hat. Diese Begabungen und Talente hat Allah uns nicht willkürlich geschenkt, sondern weil er möchte, das wir daraus was machen. In Wahrheit ist unser Bild nämlich kein eigenständiges Bild. Es ist ein Puzzleteil. Einzigartig und dennoch Teil eines größeren Ganzen. Und Allah hat gewusst, dass genau dieses Puzzleteil noch gefehlt hat, um das größere Ganze perfekt zu machen. Jeder von uns ist so ein perfektes kleines Puzzleteil. Es ist unsere Verantwortung, diese Talente und Begabungen in uns selbst zu entdecken und die Welt damit zu beschenken.

وَالشَّمْسِ وَضُحَاهَ
وَالْقَمَرِ إِذَا تَلَاهَا
وَالنَّهَارِ إِذَا جَلَّاهَا
وَاللَّيْلِ إِذَا يَغْشَاهَا
وَالسَّمَاءِ وَمَا بَنَاهَا
وَالْأَرْضِ وَمَا طَحَاهَا
وَنَفْسٍ وَمَا سَوَّاهَا

Was sein soll, ist, das ihr eure Talente und Begabungen findet und sie lebt. Nach meiner Überzeugung ist das eine unserer Aufgaben hier auf der Erde. Diese Talente und Begabungen sind ein Geschenk von Allah an euch. Aber sie sind auch euer Geschenk an diese Welt. Sie lassen euch strahlen, wie ein wunderschönes Licht. Es ist dieses Licht, was die Welt braucht. Warum Allah euch geschaffen hat.

Jede und jeder von uns ist ein wunderbares Licht und ein ganz besonderes Puzzleteil. Einzigartig und perfekt. Seien wir uns dessen öfters bewusst. Und beginnen wir damit, uns selbst und andere liebevoll zu behandeln.

Ich danke euch.

Ramadan

Ramadan

Ramadan ist die höchste Schule des Lebens.
Diese gesegnete Fastenzeit ist ein wertvolles Geschenk des Himmels an unser Leben. Die Lektionen Ramadans AlMoubarak sind einmal im Jahr wie eine Erfrischungskur für unser Denken, unser Fühlen, unser Verhalten, unsere Taten, unser Glauben und unser Leben.
Ramadan AlMoubarak ist die Zeit des Fastens, des Verzichts, der Enthaltsamkeit, der inneren Reinigung, des Nachdenkens, der Kraft und des Energietankens, des gesunden Lebens.
Ramadan AlMoubarak ist viel mehr als Verzicht auf Essen und Trinken, auf Egoismus, auf Überfluss und auf Verschwendung und Missachtung unserer Lebensgrundlagen. Ramadan AlMoubarak lehrt und vermittelt uns das Gefühl der Wertschätzung und Dankbarkeit.

In vielen Gegenden dieser Welt ist ein Tropfen sauberes Wasser mehr wert als Geld, und eine Handvoll Reis am Tag rettet ein Menschenleben.
Ramadan AlMoubarak lehrt uns, wie gut es uns geht, und vor allem, Mitgefühl für die Menschen, denen es schlecht geht und die in katastrophaler Armut leben müssen. Zumal unser Wohlstand und unser Wohlergehen auf Kosten und durch Ausbeutung der
ärmsten der Armen beruht. Ramadan AlMoubarak lehrt uns die Gemeinsamkeiten. Alle Gläubigen fasten, beten und
feiern als eine große Familie. Ramadan AlMoubarak lehrt uns abzugeben und zu spenden. Ramadan AlMoubarak ist ein Monat voller gesegneter Geschenke an unsere Gesundheit und unser Leben. In dieser Zeit tanken wir viele positive Energie, Liebe und Glücksgefühle.
Ramadan AlMoubarak ist eine gesunde Quelle.
Ramadan AlMoubarak ist der Frühling des Lebens.

Weltweit kennen viele Religionen das Fasten als Zeremonie, die zur Reinheit und Erleuchtung führen soll. Das Fasten sollte eine Zeit des Betens und des Verzichts auf alle Genüsse sein.
Die Fastenzeit ist Einkehr, Umkehr und Besinnung. Eine Zeitlang auf Gewohntes verzichten ist mehr, als eine alte Tradition.
Es gibt zahlreiche Heilfastenarten und Fastenkuren. Die Natur fastet auch. Bei den Tieren, z.B. zur Brutzeit, beim Winterschlaf und auf ihren Zügen.
Auch Bäume und Pflanzen „fasten“ zu bestimmten Jahreszeiten.
Medizinisch gesehen wird Fasten als die unblutige Operation der Inneren Medizin bezeichnet. Es gibt kaum eine andere Heilmethode, die den Organismus so positiv beeinflusst wie das Fasten.
Das Fasten bewirkt eine Umstimmung und Veränderung des körperlichen und geistig-seelischen Zustands. Es werden die körpereigenen und seelischen Selbstheilungskräfte angeregt, d.h. die Aktivierung des inneren Arztes.
Ich wünsche alle Fastenden eine gesegnete und gesunde Fastenzeit.
Unsere Gedanken und Gefühle sind auch bei Allen, die aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen nicht fasten dürfen oder können.
Zum Ramadan gehören Spenden. Wer nicht spenden kann, der kann zum Spenden aufrufen und wird von Gott genauso gesegnet und geschätzt.
Wir danken Allah, dass wir fasten können und dürfen.
Gott segne Euer Fasten, Eure Gesundheit, Eure Gebete und Euer Leben.

Barmherzigkeit

Barmherzigkeit

Als ich mir über die Khutba Gedanken machte, fiel mir etwas ein:  in einem Monat werden es 16 Jahre, dass ich Muslima bin. Zu Gott hatte ich schon eine gewisse Beziehung, aber vom Islam wusste ich eigentlich kaum etwas. Die Religion machte mir Angst. Fast auf jeder Seite des Koran habe ich gelesen, dass ich Gott fürchten soll. Das habe ich nicht verstanden: Wie kann man jemanden lieben, den man fürchten soll?

Aber bei Gott fühlte ich mich aufgehoben, geliebt. Ich habe mit ihm oft Gespräche geführt. Ich konnte gut mit ihm diskutieren.

Ich könnte mir jetzt vorstellen, dass manch einer den Kopf schütteln würde. Aber ich habe es einfach so gefühlt.

2-3 Wochen später las ich im Internet in einem Block, dass sich jemand beschwerte, sie lautete sinngemäß: „Ich bin seit 3 Monaten Muslim, habe aber immer noch kein Zeichen von Gott gesehen“. Ich weiß noch, so bei mir dachte: „Du Dummerchen! Mache doch  deine Augen auf, schau dich um! Das, was du siehst, das sind die Zeichen von Gott! Die ganze Natur mit allen Pflanzen, die Erde, Gestein, das sind alles Zeichen Gottes!“

– Warum ich das erzähle? Weil ich denke, die ganze Schöpfung Gottes, die Erde mit ihrer Natur, das Leben und Sterben darin ist schon Gottes Barmherzigkeit. Seine Schöpfung hat Kohle und Erdöl hinterlassen, Gott hat uns also Licht und Wärme gegeben, hat uns gekleidet, ernährt und hat uns seine Liebe gegeben. Ist das nicht die größte und schönste Barmherzigkeit?

Dass wir heute hier stehen und uns freiwillig daran erinnern, dass auch wir barmherzig sein sollen, ist das nicht auch eine Barmherzigkeit von Gott?

– Was bedeutet eigentlich barmherzig sein?

Einige meinen, es wäre nur Mitleid mit den Armen. Wenn es nur das wäre, würden wir echt arm dran sein. Es gehört Gerechtigkeit als Basis allen Zusammenlebens dazu, aber Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit gibt es nicht. Es bedeutet Freiheit, Geschwisterlichkeit, Achtung des Anderen, Hilfsbereitschaft, Güte, Mildtätigkeit, Vergebung, Verzeihen, Großzügigkeit, Mitgefühl, Fürsorge, selbstlose Liebe, eigentlich unsere ganze Ethik.

– Gott hat sich selbst der Barmherzigkeit verschrieben. In Sure 6:54 steht: „Euer Herr hat sich Selbst Barmherzigkeit vorgeschrieben; wenn einer von euch unwissentlich etwas Böses tut und es danach bereut und sich bessert, so ist er Allvergebend, Barmherzig.“

Aber wer genau ist Gott?

In Schriften offenbart er sich selbst, beschreibt sich selbst, so können wir Aussagen über ihn treffen, auch ohne ihn jemals zu sehen. Er stellt sich also dem Menschen vor, teilt sich ihm mit, nennt uns 99 Namen als seine Attribute, seine namentlichen Beifügungen.

Er geht also eine Beziehung mit uns ein, sucht unsere Nähe, aber nicht als Eigennutz, um von uns nur angebetet zu werden, sondern weil er seine Liebe und Barmherzigkeit nicht für sich selbst vorbehalten möchte, sondern für Mitliebende, den Menschen.

Er hat den Menschen erschaffen und bietet ihm gleichzeitig seine Liebe und Barmherzigkeit an, indem er uns von seinem Geist einhauchte. Dadurch versetzte er uns in die Lage, mit Gott zu kommunizieren. Durch das Einhauchen ist  jedem Menschen etwas Göttliches gegeben. Es erlaubt uns das Göttliche wahrzunehmen und das eigene Leben auf Gott hin auszurichten. Gott hat uns also nicht nur erschaffen, er umsorgt uns, ist uns ganz nahe

– Das bedeutet, diese Beziehung ist nicht als Gott-Knecht Beziehung anzusehen, sondern es bedeutet eine Freundschaftsbeziehung. In Sure 4:125  können wir es genau nachlesen: “Und Allah nahm sich Abraham zum Freund“.

        Gott ist die Barmherzigkeit

(Ich beziehe mich auf das Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ von M. Khorchide)

Bei jedem Gebet sprechen wir die Basmala: Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen, des Allerbarmers.

Die beiden Attribute rahman und rahim stammen von rahma, das Barmherzigkeit oder in einem umfassenderen Sinn „Gnade“ bedeutet. Das Wort rahma( Barmherzigkeit leitet sich von dem arabischen Wort rahim ab, was so viel wie Mutterleib bedeutet.

Auch wenn beide abgeleitet sind, besteht dennoch ein Unterschied zwischen beiden Begriffen.

     Ar-Rahim, der Allerbarmer steht im Zusammenhang mit Gnade und Vergebung.     Gott als Ar-Rahim kommt zum Beispiel bei der Vergebung der Sünde von Adam zum Ausdruck. Es zeigt die erbarmende Liebe Gottes zu allen Menschen, nicht nur allein zu Adam.

Als Ar-Rahman, der Allbarmherzige, zeigt Gott seine Bereitschaft und seinen Willen zur bedingungslosen Liebe und seine unerschöpfliche Fürsorge zu den Menschen. Seine Liebe, seine Allbarmherzigkeit ist absolut. Sie gilt als eine Wesenseigenschaft Gottes.

Es ist also nicht nur Gottes grenzenlose Bereitschaft zur Vergebung und immerwährender Gnade gegenüber menschlicher Sünden als Ar-Rahim, ich betone nochmals: es ist also nicht nur ein Aspekt der Vergebung und Gnade, nicht nur als der barmherzige Gott, sondern als Ar-Rahman ist er ‚der Gott der Barmherzigkeit`.  Es gibt keine Steigerung, es ist eine Wesensart und damit umfassender als Ar-Rahim.

Gott ist absolut, ersteht außerhalb unserer Zeit und Raum. Seine Entscheidungen trifft er nicht in der Zeit. Die Erwählung des Menschen ist also eine ewige Erwählung. Durch die Schöpfung des Menschen ist er einen Bund mit allen Menschen eingegangen. Das Einzige, zu dem er sich verpflichtet hat, ist im Koran nachzulesen in Sure 6:12: „Er hat sich selbst der Barmherzigkeit verpflichtet.“

Die Barmherzigkeit Gottes drückt sich somit durch  die Erschaffung und des ewigen Auswählens  des Menschen und seiner Beziehung zum ihm aus.

–  50:16: „Wir (Gott) erschufen den Menschen und wissen, was ihm sein Inneres zuflüstert.“ Also er kennt uns ganz genau.

–   2:186: „Und wenn dich (Muhammad) meine Diener nach mir fragen, dann sage ihnen ’Ich bin nah und erfülle den Ruf der Rufenden‘“.

–  Gott nimmt nicht nur den Menschen in seine ewige Liebe und Barmherzigkeit auf.   Er offenbart sich dem Menschen durch seine Barmherzigkeit, er macht sich dadurch für den Menschen begreifbar und zugänglich. Sie drückt sich auch in der Fürsorge für den Menschen aus. Der Mensch kann ihm Vertrauen entgegen bringen. Er ladet den Menschen ein, an seine Barmherzigkeit teilzuhaben, ihn bei Wort zu nehmen.

Gottes Barmherzigkeit schließt auch das Wiederauferstehen im Jenseits ein.

Zusammengefasst: Gotts Barmherzigkeit ist eine Form seiner Liebe zum Menschen. Die Liebe Gottes zum Menschen gründet in seinem ewigen Plan, den Menschen nicht nur zu erschaffen, sondern darüber hinaus sich selbst ihm zu offenbaren und ihn zu seiner Gemeinschaft einzuladen. Der Mensch muss dieses aber in freier Hingabe annehmen, Hingabe an Gott, im Sinne einer Zusage an Gottes Liebe und Barmherzigkeit, das bedeutet ‚Islam‘.

Gottes Barmherzigkeit ist riesengroß, für uns unfassbar, sie ist allbarmherzig.

Er ist der Schöpfer der Welt und darum allmächtig und kann sich immer wieder als barmherzig  erweisen. Er  handelt dabei aus eigenem Entschluss und ohne Eigennutz.

Und wir sollten, auch wenn wir als Menschen Seine Allbarmherzigkeit nie erreichen können, Ihm nacheifern in unserer Barmherzigkeit gegenüber der Gesellschaft.

Gott gibt uns unendlich viel. Und was verlangt er von uns? Eigentlich nur unsere Liebe