Zu ihrer morgigen Teilnahme an der Freiheitlichen Akademie in Österreich erklärt Seyran Ateş:

Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass meine Zusage für einen Vortrag bei der Freiheitlichen Akademie in der Öffentlichkeit Diskussionen hervorgerufen hat. Auch wenn ich politisch aus der „linke Ecke“ komme und zu vielen Werten dieser Bewegung heute noch stehe, möchte ich ein Faktum unterstreichen: Bei einem Dialog mit der Gesellschaft zu Fragen Islam, Frauenrechte, Mitbestimmung, Migration und der Zukunft der westlichen Wertegemeinschaften ist es unabdingbar, mit allen politischen Gruppierungen im Gespräch zu stehen. Die FPÖ ist eine Regierungspartei in Österreich, die mehr als 25% aller Stimmen bei den letzten Wahlen erhalten hat. Damit ist es aus meiner Sicht zwingend notwendig, sich mit ihr auseinander zu setzen. Es hat schließlich zum Wachstum populistischer Parteien geführt, dass man sie über Jahre hinweg ignoriert oder bagatellisiert hat und ihnen nicht mit Argumenten entgegen getreten ist. Ich bin als überzeugte Demokratin der Auffassung, dass man auch mit Menschen sprechen muss, die sich am äußeren Rand unserer Demokratie befinden. Nicht, um ihre Meinung zu übernehmen oder Verständnis aufzubringen, sondern um ihnen in der Debatte deutlich zu machen, dass viele ihrer vermeintlichen Lösungen nicht tragfähig sind. Wer mich kennt, weiß, dass ich seit über 30 Jahren auch schwierige Debatten nicht scheue und gleichzeitig immer bei meiner Meinung und meinen Grundüberzeugungen geblieben bin. Ich rede niemandem nach dem Mund. Ich werde nicht rechts-national, weil ich zur FPÖ gehe. Im Gegenteil, ich bleibe Demokratin, die für ein freiheitlich-demokratisches Europa auch dort kämpft, wo es schwierig ist.

Die stellvertretende Geschäftsführerin der Ibn Rushd-Goethe Moschee Marlene Löhr ergänzt:

Überall in Europa sehen wir vermehrt populistische Bewegungen in Parlamenten und Regierungen. Auch in Deutschland haben wir mit der AFD eine rechts-populistische Partei im Bundestag und in vielen Landesparlamenten sitzen. Als Moschee haben wir stets nach dem Grundsatz gehandelt, dass unsere Tür jedem und jeder offen steht und das wir gleichzeitig eine Reihe von unverrückbaren Grundwerten vertreten. Und genauso, wie wir diese Werte täglich im Gespräch mit religiösen Hardlinern verteidigen und für ein friedliches Miteinander werben, tun wir dies auch gegenüber politisch rechten Gruppierungen. Denn wir sind der Überzeugung, dass das Wort die größte Kraft der Demokratie ist. Auch Vertreter der AFD waren bereits bei uns in der Moschee und mussten feststellen, dass wir weder besonders viele Überzeugungen miteinander teilen, noch dass wir uns vereinnahmen lassen. Die Ibn Rushd-Goethe Moschee wird der Ort bleiben, an dem die Gleichberechtigung aller Menschen, ein friedlicher interreligiöser Dialog und Menschen- und Frauenrechte ein zu Hause haben.

Der Vortrag von Frau Ates wird ab Mittwoch, den 14.11.2018, auf dieser Webseite abrufbar und nachlesbar sein. Aufgrund eines vollen Terminkalenders kann Frau Ates Ihnen leider nicht für Einzelstatements oder -interviews zur Verfügung stehen. Wir bitten Sie um Verständnis.

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