Taqwa

Freitagspredigt vom 14.09.2018

Was ist eigentlich deine Religion?

Eine Khutba zum Begriff Taqwa

Assalamu aleikum wa rahmatullah wa barakatuhu.

In meiner heutigen Khutba geht es um den Begriff Taqwa. Er wird im Koran 285 Mal erwähnt (z.B. in den Suren 92:5-6 und 49:13) und gilt als ein zentraler Begriff.

„Siehe, der gilt bei Gott als edelster von euch, der am meisten Taqwa hat“.

Sura Laila AlQadr

Wir sandten ihn herab in der Nacht des Schicksals. Und was lehrt dich wissen, was die Nacht des Schicksals ist? Die Nacht des Schicksals ist besser als 1000 Monate. In ihr steigen die Engel und der Geist herab nach dem Gebot ihres Herrn, jeder mit seinem Anliegen. Friede währt bis zum Beginn der Morgenröte.

Er, der Koran, ist der Beginn unserer Religion, des Islam.

„Was ist eigentlich deine Religion?“, fragte mich neulich eine Journalistin. „Bist du Muslimin?“

Mein „Ja“ kam zaghaft. Nicht etwa, weil ich nicht weiß, ob ich Muslimin bin, sondern vielmehr weil ich nicht weiß, was eine Religion ist. Was genau heißt Religion?

Ethymologisch kommt das Wort von Religio – laut Wikipedia versteht man darunter die „gewissenhafte Berücksichtigung, Sorgfalt, zu Lateinisch relegere – bedenken, achtgeben, Sorgfalt walten lassen in der Beachtung von Vorzeichen und Vorschriften“.

Die sorgfältige Beachtung von Vorschriften… Als Muslime sind wir hier Experten. Wir finden in unserer Religion gefühlt eine Million Vorschriften, die es zu beachten gilt. Neben den zehn Geboten, die Moses auf dem Berg Sinai empfing, sind hier einige weitere, die mir spontan einfallen:

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Frauenrechte im Islam

Freitagspredigt vom 07.09.2018

von Massud Reza

Dass ich heute die Predigt zu Frauenrechten im Islam halten darf, ist für mich ein sehr besonderes Anliegen, weil das für mich persönlich ein sehr wichtiges und dringendes Thema ist.

Der Islam ist nämlich eine Religion, die häufig mit Gewalt in Verbindung gebracht wird. Eine spezielle Gewalt soll dabei immer eine ganz bestimmte Gruppe treffen, nämlich die Frauen. Es wird gesagt: „Der Islam unterdrückt die Frau“, „der Islam ist frauenfeindlich“, „der Islam schließt Frauen aus dem öffentlichen Leben aus“ etc. Diese Positionen werden nicht nur formuliert, diese werden tatsächlich auch in Teilen der muslimischen Community gelebt. Das sieht man vor allem daran, wenn man den Koran wortwörtlich versteht. In der Sure 4, Vers 176 findet man: „Sie fragen dich um Belehrung. Sag: „Allah belehrt euch über den Erbanteil seitlicher Verwandtschaft. Wenn ein Mann umkommt, der keine Kinder hat, aber eine Schwester, dann steht ihr die Hälfte dessen zu, was er hinterlässt.“

Bestimmte Muslime lesen den Vers und sagen „Aha! Vers spricht gegen Frau, billigt Mann erbrechtliches Privileg zu und bekommt noch durch die heilige Offenbarung eine gewisse göttliche Legitimation.“ Geht man nach einer solchen Lesart vor, hätten wir gewaltige Probleme mit der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Mit dieser Lesart würde man aber zudem auch vieles mehr nicht zur Kenntnis nehmen, wie z.B. eine historisch-konkrete Situation, politische und gesellschaftliche Verhältnisse usw. Lässt man dies alles außer Acht, könnte man nicht verstehen, wieso dieser Vers überhaupt offenbart wurde. In welchem Zusammenhang ist dieser Vers im alten Wüstenarabien überhaupt entstanden?

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Freitagspredigt vom 03.08.2018

Al-Fatiha

Wir beten 5x am Tag und jedes Mal ist die Al -Fatiha dabei. Sie begleitet uns sozusagen durch den Tag, durch das Jahr, durch unser ganzes Leben als Muslim. Sie ist also sehr wichtig. Aber es kann passieren, wenn man etwas sehr oft sagt, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt. Aus dem Grund möchte ich einfach mal genauer betrachten.

Al-Fatiha bedeutet im Arabischen: „Anfang einer Sache, Einleitung oder Vorwort“.

Sie eröffnet als erste Sure (Kapitel) nicht nur den gesamten Koran-Text, sondern wird auch im rituellen Gebet (as-Salat) am Anfang jeder Rak’a, einem Gebetsabschnitt rezitiert. Ohne die Al-Fatiha ist das rituelle Gebet ungültig.

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Freitagspredigt vom 29.06.2018

Koran und islamische Wissenschaft

بِسْمِ ٱللَّهِ ٱلرَّحْمَـٰنِ ٱلرَّحِيمِ

 َفَلَا يَتَدَبَّرُونَ ٱلْقُرْءَانَ ۚ وَلَوْ كَانَ مِنْ عِندِغَيْرِ ٱللَّهِ لَوَجَدُوا۟ فِيهِ ٱخْتِلَـٰفًۭا كَثِيرًۭا

Sure 4:82 „Sie machen sich keine Gedanken über den Koran. Wäre er von einem anderen als von Allah, so würden sie darin gewiss viel Widerspruch finden.“

Sure 21:30 „Sehen die Ungläubigen denn nicht, dass die Himmel und die Erde vereint waren (als Einheit der Schöpfung), bevor Wir sie auseinander spalteten?“

Wer nachdenkt, wird unweigerlich zu dem Schluss kommen:  Dieser Vers benennt den Anfang von allem, der Schöpfung und Ursprung des Universums. Die Astrophysiker haben ein Wort dafür: der Urknall! Die Theorie der Wissenschaftler wird wohl immer eine Theorie bleiben, aber sie wird heute durch Jahrzehnte lange Forschung unterstützt. Aber vor über 1400 Jahren haben die Wüstenaraber schon diesen Vers gelesen und sich darüber Gedanken gemacht. Auch wenn sie es noch nicht vollkommen verstanden haben, sie haben es einfach akzeptiert.

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Freitagspredigt vom 22.06.2018

Der Umgang mit Trauer und Leid

Eines unserer Gemeindemitglieder hat einige Khutbas über menschliche Gefühle gehalten. Hier soll sich auch meine heutige Khutba einreihen. Es gab eine Khutba über den Humor und das Lachen, eine über das Zweifeln, und eine über das Glück. Heute spreche ich über das Gefühl vonTrauer und Leid. Wenn es uns befällt, heißen wir es nicht willkommen und zuweilen macht es unser Leben geradezu unerträglich. Der Sinn des Leidens entzieht sich uns meist ganz und gar.

Aber dürfen Muslime überhaupt leiden und trauern? Wenn doch alles von Gott kommt, soll es nicht mit Freude angenommen werden? Wir sagen, alles ist vorbestimmt, alles schon geschrieben, die Tinte ist schon getrocknet. Dennoch leiden wir.

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Freitagspredigt vom 15.06.2018

von Seyran Ates

(Es gilt das gesprochene Wort)

Liebe Kinder,

Liebe Gemeinde,

Meine Damen und Herren,

zunächst einmal ein frohes Zuckerfest, wie es in der Türkei heißt und Eid – Fitr, wie es im Arabischen heißt. Frohes Fest zum Fastenbrechen. Eid Mubarak.

Wie schön und danke Gott, dass der sogenannte Zufall, nennen wir es besser Kismet es so wollte, dass unser Jahresfest auf den ersten Tag des Zuckerfestes fällt. So können wir feiern, dass wir einen Monat Ramadan erleben durften und unsere Moschee schon ein Jahr besteht.

Ich wünsche uns allen jetzt schon ein schönes Fest.

Suche das Licht nicht im Außen, finde das Licht in dir und lass es aus deinem Herzen strahlen“

Diese Zeilen stammen von Mevlana Dschelaleddin Rumi, einem der bedeutendsten Sufis und Begründer des Ordens der tanzenden Derwische, dem wir unendlich viele Zitate und Gedichte vor allem zum Thema Liebe zu verdanken haben. Aber auch Zitate und Lebensweisheiten, die aus seiner Liebe und Treue zu Gott und den Menschen entstanden sind.

Es ist eine Haltung zum Leben, zum Menschsein und Gott, die aus seinen Worten sprechen, in einer Poesie, die seinesgleichen sucht. Im Westen ist er als Rumi bekannt und verehrt. D.h. auch er ist, wie Ibn Rushd und Goethe ein Brückenbauer zwischen Orient und Okzident. Seine Lehre ist eine Lehre der universellen Rechte und Pflichten der Menschen. So kann man es wohl tatsächlich sagen.
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Freitagspredigt vom 25.05.2018

von Abbas El-Fares

Ramadan ist die höchste Schule des Lebens.
Diese gesegnete Fastenzeit ist ein wertvolles Geschenk des Himmels an unser Leben. Die Lektionen Ramadans AlMoubarak sind einmal im Jahr wie eine Erfrischungskur für unser Denken, unser Fühlen, unser Verhalten, unsere Taten, unser Glauben und unser Leben.
Ramadan AlMoubarak ist die Zeit des Fastens, des Verzichts, der Enthaltsamkeit, der inneren Reinigung, des Nachdenkens, der Kraft und des Energietankens, des gesunden Lebens.
Ramadan AlMoubarak ist viel mehr als Verzicht auf Essen und Trinken, auf Egoismus, auf Überfluss und auf Verschwendung und Missachtung unserer Lebensgrundlagen. Ramadan AlMoubarak lehrt und vermittelt uns das Gefühl der Wertschätzung und Dankbarkeit.

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Freitagspredigt vom 18.05.2018

Ramadan

Seit einigen Tagen befinden wir uns im Monat Ramadan, im Islam ein ganz besonderer Monat. Deshalb heißt mein heutiges Thema auch Ramadan. Aus dem Grunde ist es auch wichtig, uns die Zeilen, die im Koran über diese Zeit stehen, in unser Gedächtnis zurückzurufen.

Sure Al-Baqara: 183-185: „Oh ihr, die ihr Glauben erlangt habt! Das Fasten ist für euch verordnet, wie es für jene vor euch verordnet war, auf dass ihr euch Gottes bewusst bleiben möget.

Es sind nur eine bestimmte Anzahl von Tagen. Aber wer immer von euch krank ist oder auf einer Reise, soll stattdessen die gleiche Anzahl von anderen Tagen fasten, und in solchen Fällen obliegt es jenen, die es sich leisten können, ein Opfer durch Speisung eines Bedürftigen zu bringen. Und wer immer mehr Gutes tut, als er zu tun verpflichtet ist, tut sich damit selbst Gutes; denn zu fasten ist euch selbst Gutes zu tun – wenn ihr es nur wüsstet.

Es war der Monat Ramadan, in dem der Koran zuerst von droben erteilt wurde, als Rechtleitung für den Menschen und evidenter Beweis dieser Rechtleitung und als Maßstab, mit dem das Wahre vom Falschen zu unterscheiden ist. Darum, wer immer von euch dessen Monat erlebt, soll ihn durchweg fasten. Aber wer krank ist oder auf einer Reise, soll stattdessen die gleiche Anzahl dafür von anderen Tagen fasten. Gott will, dass ihr Erleichterung habt, und will nicht, dass ihr Härte erleidet. Aber Er wünscht, dass ihr die Anzahl der erforderlichen Tage vervollständigt, und dass ihr Gott lobpreist, dass Er euch rechtgeleitet hat, und dass ihr Ihm euren Dank abstattet.“

Eigentlich alles, was wir bedenken, tun oder lassen müssen, wie wir uns zu verhalten haben, kommen in diesen Versen zum Ausdruck. „Freitagspredigt vom 18.05.2018“ weiterlesen

Freitagspredigt vom 11.05.2018

Khutbah Thema: Muttertag- Mütter der Gläubigen

Im Namen Gottes des Allerbarmers des Barmherzigen

Ich suche Zuflucht bei Gott, vor den Einflüsterungen des Teufels.

Alles Lob und aller Dank gebühren alleine Gott, dem Einen, der Niemanden neben sich hat.

Ich bezeuge, dass es nur den Einen Gott gibt,das Muhammad sein Prophet ist und dass ich alle Propheten vor ihm genauso anerkenne und achte und alle heiligen Schriften,die sie erhielten.

Mein islamischer Name ist Zahra, ich bin Muslima und seit August 2017 aktives Gemeindemitglied hier. Gott sei aller Dank dafür! Sonst sitze ich immer Freitags hier auf dem Gebetsteppich um einer Khutbah zuzuhören und heute darf ich diese Predigt halten. Dank sei Gott dafür,dass in unserer Moschee auch Frauen eine Predigt halten können. Schon viele Tage zuvor konnte ich vor Aufregung kaum schlafen und tausende Gedanken schwirrten wie kleine Vögel in meinem Kopf herum.Ich suchte nach einem Thema für meine Predigt,dabei vielen mir so viele ein, die ich sehr interessant fand und ich konnte mich einfach nicht entscheiden.Der 11. Mai, der Tag wo ich die Predigt halten sollte kam immer näher. Gott öffnete mir rechtzeitig die Augen und zeigte mir das Thema meiner ersten Khutbah. Der Vatertag war schon, aber der Muttertag liegt noch vor uns.Ist schon seltsam, das ich als Mutter diesen Tag ganz vergessen hatte.Endlich war mein Thema gefunden.Eine Mutter erinnert an alle Mütter.

Lasst mich bitte um ruhiger zu werden ein kurzes Bittgebet vom Prophet Moses (a.)aus dem heiligen Quran, Sure 20 Ta Ha Verse 25-28 rezitieren: „Freitagspredigt vom 11.05.2018“ weiterlesen

Freitagspredigt vom 04.05.2018

Der Zweifel / Die Skepsis

Bedeutung

Der Zweifel: Althochdeutsch zwîval aus germanisch twîfla, „doppelt, gespalten, zweifach, zwiefältig“) ist ein Zustand der Unentschiedenheit zwischen mehreren möglichen Annahmen, da entgegengesetzte oder unzureichende Gründe zu keinem sicheren Urteil oder einer Entscheidung führen können.

Er wird auch als Unsicherheit in Bezug auf Vertrauen, Handeln, Entscheidungen, Glauben oder Behauptungen bzw. Vermutungen interpretiert.

So definiert der Duden Zweifel als „Bedenken, schwankende Ungewissheit, ob jemandem, jemandes Äußerung zu glauben ist, ob ein Vorgehen, eine Handlung richtig und gut ist, ob etwas gelingen kann.

Etymologie
Das Wort Zweifel stammt von der Kompositionsform twi ‘zwei’, und dem Suffix -falt. Dies führte zur Wortbedeutung „zwiespältig“.

Die Skepsis:

Aus griech.

  • sképsis = Betrachtung; Bedenken,
  • sképtesthai = schauen, spähen; betrachten

bezeichnet dagegen Bedenken durch kritisches Zweifeln.

Der Begriff “Zweifel / Skepsis“ wurde im Quran 56 mal erwähnt. „Freitagspredigt vom 04.05.2018“ weiterlesen