Freitagspredigt vom 03.08.2018

Al-Fatiha

Wir beten 5x am Tag und jedes Mal ist die Al -Fatiha dabei. Sie begleitet uns sozusagen durch den Tag, durch das Jahr, durch unser ganzes Leben als Muslim. Sie ist also sehr wichtig. Aber es kann passieren, wenn man etwas sehr oft sagt, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt. Aus dem Grund möchte ich einfach mal genauer betrachten.

Al-Fatiha bedeutet im Arabischen: „Anfang einer Sache, Einleitung oder Vorwort“.

Sie eröffnet als erste Sure (Kapitel) nicht nur den gesamten Koran-Text, sondern wird auch im rituellen Gebet (as-Salat) am Anfang jeder Rak’a, einem Gebetsabschnitt rezitiert. Ohne die Al-Fatiha ist das rituelle Gebet ungültig.

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Ibn Rushd-Goethe Moschee zertifiziert die CSD Berlin Pride als Halal

Die Ibn Rushd-Goethe Moschee überreicht zum Auftakt des CSD Berlin Pride Umzuges dem Vorstand des Vereins CSD e.V. ein Zertifikat, welches dem Umzug bescheinigt den islamischen Anforderungen an Sitte und Moral vollumfänglich zu entsprechen.

Dazu erklärt die Geschäftsführerin der Ibn Rushd-Goethe Moschee, Seyran Ates:

„Die Überreichung des Zertifikats ist mir eine Herzensangelegenheit. Viel zu lange wurden viel zu viele Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung beleidigt, angegriffen und unterdrückt, auch im Namen des Islam. In unserer Moschee praktizieren wir einen inklusiven Islam, der niemanden aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder seines Geschlechts ausgrenzt und diskriminiert. Wir sind der absoluten Überzeugung, dass sich queer sein und Muslim sein sehr gut miteinander vereinbaren lassen. Am Ende sind wir alle Geschöpfe eines liebenden und barmherzigen Gottes. Und wie kann für einen solchen Gott die Liebe zwischen zwei Menschen haram, also verboten, sein? Im Koran bestätigt Allah, dass er uns als Partnerwesen erschaffen hat und zwischen uns Liebe und Zärtlichkeit hervorbringt. Diese Aussage ist nicht an eine sexuelle Orientierung oder das Geschlecht der Liebenden geknüpft. Denn die Liebe ist universell.“

Freitagspredigt vom 27.07.2018

Goethe und der Islam

Immer wieder fällt der Satz: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland,“ oder so ähnlich. Wer sich mit der Geschichte von Deutschland ein wenig beschäftigt, weiß, dass es so nicht stimmt.

Als das Osmanische Reich die süddeutschen Länder angriff und 1529 vor Wien stand, im Jahr 1548 Österreich einen auf 7 Jahre begrenzten Friedensvertrag mit dem Kalifen Sulaiman II. unterschrieb und die südöstlichen europäischen Länder vom Osmanischen Reich verwaltet wurden, bestand die dringende Notwendigkeit, sich offiziell mit dem Islam zu beschäftigen. In Frankfurt siedelte sich die erste ständige osmanische Vertretung an, Reiseberichte über den Orient waren interessant geworden wie auch die Modewelt, zu Gesellschaften bekleidete man sich orientalisch.

Der Handel Ost-West blühte. Ganze muslimische Truppenteile, Geschenke osmanischer Herrscher, standen im Dienst deutscher Könige. Für sie baute der König von Preußen, Friedrich der Große, sogar eine Moschee, die erste auf deutschem Boden.

Schon seit den Kreuzzügen gab es einzelne europäische Übersetzungen des Korans durch Vertreter der Kirche, aber mehr mit dem Hintergedanken, den Islam damit zu diffamieren.

Im Jahr 1647 wurde die erste einigermaßen neutrale Koran-Übersetzung von André du Ruyer gedruckt, die auch Goethe für seine Studien nutzte und seinem West-Ost-Divan zugutekam. Aber erst die Koranübersetzung von George Sale 1734 in die englische Sprache, die auch bald in Deutsch erschien, setzte neue Maßstäbe durch ihre enge Anbindung an das Original. Sie blieb lange für Europa eine der Hauptquellen für die Kenntnis aller mit dem Koran zusammenhängenden Fragen. „Freitagspredigt vom 27.07.2018“ weiterlesen

Freitagspredigt vom 13.07.2018

Predigt am 13.07.2018 von Seyran Ates

Ihr Lieben, liebe Gemeinde, liebe Gäste!

Vielen Dank, dass Ihr da seid und vielen Dank, dass wir zusammen sein können, um über bestimmte Dinge nachdenken und uns Fragen stellen können.

Wofür ist eine Predigt da? Diese Frage stelle ich mir eigentlich jedes Mal, wenn ich über einer Predigt sitze oder Predigten zuhöre. Warum gibt es Predigten überhaupt, warum ist es notwendig, dass wir predigen? Was ist eine gute Predigt, was ist eine schlechte Predigt und wer bewertet das und muss man das überhaupt bewerten? Muss sie lang sein, muss sie kurz sein? Muss sie überhaupt irgendwie sein, gibt es da überhaupt ein „Muss“? Ich denke ein „Muss“ sollte es nicht geben, sie darf mal kurz sein und mal lang sein, das haben wir in unserer Gemeinde auch schon praktiziert. Der eine sagt, das war viel zu kurz, es hätte länger sein könne, der andere sagt, nein wir schlafen ja fast ein, warum so lang? All das kennen wir. Ich versuche immer, die Mitte irgendwie zu finden und Euch Anregungen zu geben, überhaupt über ein Thema nachzudenken und natürlich, um meine eigene Meinung einfließen zu lassen. Aber auch um zu schauen, was gibt es denn überhaupt in der Welt für ein Thema, um das dann mit Euch – nicht jetzt während der Predigt – aber danach zu besprechen oder einfach mal darüber nachzudenken. Und das sind oft Dinge, die täglich im Alltag passieren und uns anregen oder uns eine Idee geben für die Predigten. Und so ist das oft bei mir, dass wenn ich mich vorbereite zu einem Thema, dann etwas passiert, wo ich denke, nein ich möchte eigentlich genau darüber sprechen. Und so ist es passiert, dass ich gestern eine Beratung gemacht habe im Süden von Berlin. Sechs deutsche Frauen und Männer, die in der Beratungstätigkeit für Flüchtlinge tätig sind haben mich gebeten, sie zum Thema „Kinderehe“ zu beraten. Sie haben einen Fall, der sie fassungslos macht und sie sind ganz verzweifelt. Es war noch ein syrischer Übersetzer dabei. Und so habe ich eine Gruppe von Menschen vorgefunden, die sehr verzweifelt waren. Sehr verzweifelt darüber: „Freitagspredigt vom 13.07.2018“ weiterlesen

Freitagspredigt vom 06.07.2018

Toleranz im Islam

In unserer heutigen Gesellschaft ist Toleranz ein wichtiges Thema und wird z.B. diskutiert in Zusammenhang mit Religiosität, sexuellen Neigungen, kulturellen Unterschieden und prinzipiell Andersdenkenden. Als Begriff wird es erst seit der Zeit der Aufklärung verwendet.

Was ist also Toleranz? Toleranz – man kann auch Duldsamkeit sagen – ist allgemein ein Gewähren lassen anderer oder fremde Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten.

Tolerant sein bedeutet duldsam, nachsichtig, großzügig sein. Dabei wird die Toleranzidee zur Forderung einer Duldung aller Konfessionen, und der Bedeutungsbereich des Toleranzbegriffs wird über das Religiöse hinaus erweitert, auf eine allgemeine Duldung anders Denkender und Handelnder.

Intolerant bedeutet dementsprechend unduldsam, keine andere Meinung oder Weltanschauung als die eigene Meinung gelten lassend.

Als Steigerung der Toleranz gilt die Akzeptanz, die gutheißende, zustimmende Haltung gegenüber einer anderen Person und ihrem Verhalten oder gegenüber einer anderen Religion und das Annehmen als höchste Stufe oder das Ablehnen.

Es ist eine wunderbare Eigenschaft eines Menschen, tolerant zu sein. Ein toleranter Mensch besitzt Weisheit und benutzt sein Verständnis und seine Sinne mit offenen Augen. „Freitagspredigt vom 06.07.2018“ weiterlesen

Freitagspredigt vom 29.06.2018

Koran und islamische Wissenschaft

بِسْمِ ٱللَّهِ ٱلرَّحْمَـٰنِ ٱلرَّحِيمِ

 َفَلَا يَتَدَبَّرُونَ ٱلْقُرْءَانَ ۚ وَلَوْ كَانَ مِنْ عِندِغَيْرِ ٱللَّهِ لَوَجَدُوا۟ فِيهِ ٱخْتِلَـٰفًۭا كَثِيرًۭا

Sure 4:82 „Sie machen sich keine Gedanken über den Koran. Wäre er von einem anderen als von Allah, so würden sie darin gewiss viel Widerspruch finden.“

Sure 21:30 „Sehen die Ungläubigen denn nicht, dass die Himmel und die Erde vereint waren (als Einheit der Schöpfung), bevor Wir sie auseinander spalteten?“

Wer nachdenkt, wird unweigerlich zu dem Schluss kommen:  Dieser Vers benennt den Anfang von allem, der Schöpfung und Ursprung des Universums. Die Astrophysiker haben ein Wort dafür: der Urknall! Die Theorie der Wissenschaftler wird wohl immer eine Theorie bleiben, aber sie wird heute durch Jahrzehnte lange Forschung unterstützt. Aber vor über 1400 Jahren haben die Wüstenaraber schon diesen Vers gelesen und sich darüber Gedanken gemacht. Auch wenn sie es noch nicht vollkommen verstanden haben, sie haben es einfach akzeptiert.

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Freitagspredigt vom 22.06.2018

Der Umgang mit Trauer und Leid

Eines unserer Gemeindemitglieder hat einige Khutbas über menschliche Gefühle gehalten. Hier soll sich auch meine heutige Khutba einreihen. Es gab eine Khutba über den Humor und das Lachen, eine über das Zweifeln, und eine über das Glück. Heute spreche ich über das Gefühl vonTrauer und Leid. Wenn es uns befällt, heißen wir es nicht willkommen und zuweilen macht es unser Leben geradezu unerträglich. Der Sinn des Leidens entzieht sich uns meist ganz und gar.

Aber dürfen Muslime überhaupt leiden und trauern? Wenn doch alles von Gott kommt, soll es nicht mit Freude angenommen werden? Wir sagen, alles ist vorbestimmt, alles schon geschrieben, die Tinte ist schon getrocknet. Dennoch leiden wir.

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Freitagspredigt vom 15.06.2018

von Seyran Ates

(Es gilt das gesprochene Wort)

Liebe Kinder,

Liebe Gemeinde,

Meine Damen und Herren,

zunächst einmal ein frohes Zuckerfest, wie es in der Türkei heißt und Eid – Fitr, wie es im Arabischen heißt. Frohes Fest zum Fastenbrechen. Eid Mubarak.

Wie schön und danke Gott, dass der sogenannte Zufall, nennen wir es besser Kismet es so wollte, dass unser Jahresfest auf den ersten Tag des Zuckerfestes fällt. So können wir feiern, dass wir einen Monat Ramadan erleben durften und unsere Moschee schon ein Jahr besteht.

Ich wünsche uns allen jetzt schon ein schönes Fest.

Suche das Licht nicht im Außen, finde das Licht in dir und lass es aus deinem Herzen strahlen“

Diese Zeilen stammen von Mevlana Dschelaleddin Rumi, einem der bedeutendsten Sufis und Begründer des Ordens der tanzenden Derwische, dem wir unendlich viele Zitate und Gedichte vor allem zum Thema Liebe zu verdanken haben. Aber auch Zitate und Lebensweisheiten, die aus seiner Liebe und Treue zu Gott und den Menschen entstanden sind.

Es ist eine Haltung zum Leben, zum Menschsein und Gott, die aus seinen Worten sprechen, in einer Poesie, die seinesgleichen sucht. Im Westen ist er als Rumi bekannt und verehrt. D.h. auch er ist, wie Ibn Rushd und Goethe ein Brückenbauer zwischen Orient und Okzident. Seine Lehre ist eine Lehre der universellen Rechte und Pflichten der Menschen. So kann man es wohl tatsächlich sagen.
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Freitagspredigt vom 25.05.2018

von Abbas El-Fares

Ramadan ist die höchste Schule des Lebens.
Diese gesegnete Fastenzeit ist ein wertvolles Geschenk des Himmels an unser Leben. Die Lektionen Ramadans AlMoubarak sind einmal im Jahr wie eine Erfrischungskur für unser Denken, unser Fühlen, unser Verhalten, unsere Taten, unser Glauben und unser Leben.
Ramadan AlMoubarak ist die Zeit des Fastens, des Verzichts, der Enthaltsamkeit, der inneren Reinigung, des Nachdenkens, der Kraft und des Energietankens, des gesunden Lebens.
Ramadan AlMoubarak ist viel mehr als Verzicht auf Essen und Trinken, auf Egoismus, auf Überfluss und auf Verschwendung und Missachtung unserer Lebensgrundlagen. Ramadan AlMoubarak lehrt und vermittelt uns das Gefühl der Wertschätzung und Dankbarkeit.

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Freitagspredigt vom 18.05.2018

Ramadan

Seit einigen Tagen befinden wir uns im Monat Ramadan, im Islam ein ganz besonderer Monat. Deshalb heißt mein heutiges Thema auch Ramadan. Aus dem Grunde ist es auch wichtig, uns die Zeilen, die im Koran über diese Zeit stehen, in unser Gedächtnis zurückzurufen.

Sure Al-Baqara: 183-185: „Oh ihr, die ihr Glauben erlangt habt! Das Fasten ist für euch verordnet, wie es für jene vor euch verordnet war, auf dass ihr euch Gottes bewusst bleiben möget.

Es sind nur eine bestimmte Anzahl von Tagen. Aber wer immer von euch krank ist oder auf einer Reise, soll stattdessen die gleiche Anzahl von anderen Tagen fasten, und in solchen Fällen obliegt es jenen, die es sich leisten können, ein Opfer durch Speisung eines Bedürftigen zu bringen. Und wer immer mehr Gutes tut, als er zu tun verpflichtet ist, tut sich damit selbst Gutes; denn zu fasten ist euch selbst Gutes zu tun – wenn ihr es nur wüsstet.

Es war der Monat Ramadan, in dem der Koran zuerst von droben erteilt wurde, als Rechtleitung für den Menschen und evidenter Beweis dieser Rechtleitung und als Maßstab, mit dem das Wahre vom Falschen zu unterscheiden ist. Darum, wer immer von euch dessen Monat erlebt, soll ihn durchweg fasten. Aber wer krank ist oder auf einer Reise, soll stattdessen die gleiche Anzahl dafür von anderen Tagen fasten. Gott will, dass ihr Erleichterung habt, und will nicht, dass ihr Härte erleidet. Aber Er wünscht, dass ihr die Anzahl der erforderlichen Tage vervollständigt, und dass ihr Gott lobpreist, dass Er euch rechtgeleitet hat, und dass ihr Ihm euren Dank abstattet.“

Eigentlich alles, was wir bedenken, tun oder lassen müssen, wie wir uns zu verhalten haben, kommen in diesen Versen zum Ausdruck. „Freitagspredigt vom 18.05.2018“ weiterlesen