Stellungnahme der Ibn Rushd Goethe Moschee zur Fatwa der ägyptischen Fatwa-Behörde Dar Al-Iftaa

(For English see below)

Wir haben mit großen Bedauern die Fatwa des ägyptischen Fatwa-Amts (Dar Al-Iftaa) zur Kenntnis genommen. Das Fatwa-Amt kritisiert unsere kürzlich gegründete Moschee in Berlin und sagt, dass gemischte Gebete, die von einer Frau (ohne Kopfbedeckung) und einem Mann angeleitet werden, einen „klaren Verstoß gegen die Regeln des Islam“ darstellen. Das Fatwa-Amt schließt ab mit der Feststellung, dass Gebete in unserer Moschee „nicht gültig“ seien.

Auch wenn wir verstehen, dass Wandel immer Kontroversen mit sich bringt, insbesondere wenn es sich um Geschlechterrollen in einem religiösen Kontext handelt, möchten wir das ägyptische Fatwa-Amt höflich darauf hinweisen, dass in der Zeit des islamischen Propheten Mohammed Männer und Frauen gemeinsam in der Moschee gebetet haben. Zudem möchten wir das Fatwa-Amt höflich darauf hinweisen, dass während der jährlichen Pilgerfahrt nach Mekka Frauen und Männer gemeinsam in der Anlage des Haram in Mekka sind. Ihre Körper berühren sich aufgrund des Andrangs zwangsläufig und niemand stellt hier die Gültigkeit der Gebete in Frage. Des Weiteren möchten wir Dar Al-Iftaa höflich daran erinnern, dass in den frühen Zeiten des Islams, als Sklaverei bedauerlicherweise immer noch existierte, Sklavinnen ohne Kopfbedeckung (oder Bedeckung der Brust) gebetet haben. Trotz dieser Art des Betens blieben sie Muslime, ihre Gebete wurden akzeptiert und niemals in Frage gestellt.

Vor allem möchten wir aber höflich darauf hinweisen, dass nur Allah Gebete annehmen oder ablehnen kann – und dass keine Person oder Institution die Position einnehmen kann, für unseren allmächtigen Gott zu sprechen.

Während unsere Stellungnahme sich vor allem auf islamische Traditionen beruft, möchten wir gerne hervorheben, dass Wandel in einer Religion so stattfinden sollte, dass die gesellschaftliche Realität von Geschlechtergerechtigkeit, Gleichberechtigung und der Wahrung der Menschenrechte zur Geltung kommt. Wir sehen dies als einen Akt der Liebe gegenüber unserer Religion und unserer Gemeinde und als Wertschätzung des universellen Prinzips der Gleichberechtigung.


Statement of the Ibn Rushd Goethe Mosque to the Fatwa issued by Dar Al-Iftaa

English:

We received with great sadness and disappointment the edict issued by Dar Al-Iftaa, the Egyptian Fatwa-Institute. It severely criticized our recently established mosque in Berlin, said that the mixed prayers led by a female (without covering her hair) and male Imams, represents a “clear violation of the rules of Islam” and concluded that the prayers conducted in the mosque are ‘not valid’.

While we understand that any change is bound to create controversy, let alone a change that touches on gender roles in a religious space, we respectfully would like to remind Dar Al-Iftaa that during the time of Mohammad the Prophet of Islam, women and men used to pray together in the Mosque; we would like to remind Dar Al-Iftaa that during the annual Islamic pilgrimage to Mecca both men and women pray and stand together in the Haram space. Their body are ultimately pushed and touched in a crammed space and no one questions the validity of their prayer. We also respectfully would like to remind Dar Al-Iftaa that in the early times of Islam, when slavery was sadly still an established institution, Muslim female slaves used to pray without covering their hair (or breasts for that matter). And that despite this way of praying, they remained Muslims, their prayers were accepted and were never put into question.

Most importantly, we respectfully would like to remind Dar Al-Iftaa that only God can accept or reject a prayer – and that no institution or person can place itself in a position as a speaker of our God Almighty.

While we alluded in our statement to our tradition, we would like to emphasize that change can and should take place in a religious place in a manner that reflects the social reality of gender equality and the equal dignity and rights of the human being. We are calling for this change respectfully. We are calling for it as a message of love to our religion and our community, and love for the universal principle of equality.

The Fatwa

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9 Antworten auf „Stellungnahme der Ibn Rushd Goethe Moschee zur Fatwa der ägyptischen Fatwa-Behörde Dar Al-Iftaa“

  1. Thank you for the message of unity, diversity, and love. This openness is welcome and very much needed in today’s world. Please continue charting these waters and nurturing the vulnerable and fringe populations that are often marginalized e.g. women, LGBTQI, etc.

  2. Ein paar Punkte zu ihrer Stellungnahme.

    1. In der Zeit des Propheten haben Frauen und Männer in ein und demselben Raum gebetet aber stets getrennt voneinander. Männer vorne und Frauen hinten und nicht gemischt im Zickzack. Deswegen widerlegt die eigentliche Darstellung des Gebets in der Prophetenmoschee ihrer Ausrede.

    2. Während der Hadsch ist es nicht kontrollierbar wer neben wem betet und so muss man auch als Mann ZWANGSLÄUFIG nebeneinander gebetet werden.

    Da dies aber zwangsläufig geschieht bedeutet es nicht dass es zur Regel wird denn in Moscheen wo man dies kontrollieren kann wird eben auch darauf geachtet dass Männer und Frauen getrennt beten.

    Somit ist ihre Argumentation nicht mehr als ein weiterer Schuss in den Ofen.

    3. Es stimmt dass Sklavinnen ohne Kopfbedeckung gebetet haben zur Zeit des Propheten, aber wie sie unschwer merken gibt es keine Sklaverei mehr denn sie wurde Schrittweise abgeschafft und deswegen gilt diese Form nicht mehr.

    Wieder eine Ausrede ihrerseits.

    4. Ich stimme ihnen zu dass Gott die Gebete annimmt und aber auch nicht annimmt. Deswegen können sie auch nicht wissen ob Gott ihr „Gebet“ wirklich annimmt.

    Zusammenfassend kann man sagen dass Ihre Stellungnahme nicht mehr oder weniger eine Rechtfertigung ist in der bestimmte Praktiken missdeutet werden und auch aus dem Kontext gerissen werden. Mit wirklichem Wissen hat das wenig zu tun.

    Der Islam ist keinem Wandel unterlegen denn er ist vollkommen. Nur die Muslime sind nicht vollkommen und das merkt man an Gruppen oder Sekten die versuchen den Islam zu verwandeln.

    Anstatt die Religion zu erlauben will man die Religion verändern damit es ihrem individuellen Gelüsten angepasst wird.

    Gruß

  3. Schade das Menschen oder Menschen in einer Behörde entschieden wollen wie andere Menschen zu leben ober nicht zu leben haben!
    Es gibt eine Selbstbestimmung eines jeden Menschen.

  4. Die Fatwa des ägyptischen Fatwa-Amts (Dar Al-Iftaa) ist in Deutschland völlig irrelevant. Sowohl das Fatwa-Amt als auch ihre Kritiker haben nicht die das Grundgesetz verstanden, insbesondere die Artikel 2-5, die diese zwar selbst für sich beanspruchen, ihnen aber nicht zugestehen möchten. Frau Seyran Ates kann, wie jeder Deutsche Staatsbürger, glauben was Sie möchte und niemand hat das Recht ihr dies zu verbieten oder Sie deswegen anzugreifen. Wenn ich die Kommentare zu ihrem Videobeitrag vom 21.Juni lese, kann ich nur zu dem Ergebnis kommen, das die oppositionellen Muslime nicht verstanden haben, dass Deutschland eine humanistische Gesellschaft und demokratischer Rechtsstaat ist, der einzig und alleine die Regeln der Glaubensfreiheit vorgibt und nicht ausländische Fatwa-Ämter, islamische Geistliche oder Muslime, die ein anderes Islamverständnis nicht akzeptieren. Liebe Muslime, ihr könnt nur deshalb frei und friedlich in einem NICHTISLAMISCHEN land, weil die Europäer über Jahrhunderte gegen Religion und Kirche hierfür gefochten haben. Der Islam hat nichts zu diesen Freiheiten beigetragen. Und heute wagt es ihr diese Freiheiten zu missbrauchen um sie Andersdenkenden zu nehmen? Dann verlasst bitte Europa und findet euer Islamglück in einem der 57 islamischen Ländern. Wenn ihr dies ablehnt, fragt euch selbst warum. Vielleicht legt ihr einmal den Koran beiseite und lest Immanuel Kant. Er riet: „Habe den Mut Dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“. Viel Erfolg hierbei!

    1. Ja und nein. Selbstverständlich kann hierzulande jeder – auf dem Boden des GG – tun und lassen, insbesondere auch glauben und praktizieren, wie und was er will. Von mir aus auch an das „Fliegende Spagghettimonster“. Aber z.B. die Katholische Kirche nimmt sich auch das Recht heraus, zu sagen: Ab hier ist das und das nicht mehr katholisch. Das, was dort geschieht, geschieht nicht in unserem Namen.

      Es steht jedem frei, in eine evangelische Landeskirche überzutreten – oder zu einer Fraternität des Fliegenden Spagghettimonsters. Aber natürlich dürfen sie in Kairo auch eine Definition abgeben, was sie davon halten. Dann weiß jeder Muslim: Zumindest in deren Tradition steht das nicht.

  5. Ich glaube hier liegt ein Missverständnis vor. Männer und Frauen beten auch in Ägyptens Moscheen gemeinsam. Nur, aus Rücksicht der besonderen Gebets-Körper-Übungen; beten die Frauen entweder hinter den Männern, oder an einer anderen Seite des Raumes. Kein Mann kniet hinter einer beenden Frau. Das Kopftuch beim Gebet,;bzw. Beim Vorbeten ist Traditiion, und bedeutet, Respekt, genau so wie das Knien.

  6. Leider ist die Fatwa nur auf Arabisch zu lesen. Auch sonst habe ich sie nirgends im Internet gefunden. Gibt es die auch in Englisch oder Deutsch ?

  7. So etwas ist natürlich bedauerlich, und die Stimmung ist von allen Seiten fürchterlich aufgeheizt. Letzteres ist noch bedauerlicher.

    Wenn Sie (ihr) mit Sich (euch) und Ihrem (eurem) Gauben im Reinen seid, ist alles andere „Lametta“.

    Was meinen(t) Sie (ihr) wie die Kirchenobrigkeit geschaut hat, als meine Vorfahren, Unitarier & Methodisten, alle Bilder und Ornamente, selbst das Kruzifix aus den Gebetsräumen entfernten. Heute interessiert das keinen mehr. Unsere Nachbarn, die Quaker waren noch rigoroser und schafften Sitzreihen, Genuflektion, und Kirchengebäude im herkömmlichen Sinne ab, Shaker wiederum, haben den Gottesdienst getanzt und dazu selber gesungen (Musikinstrumente lehnten sie als Teufelszeug ab) …

    Und die Erde dreht sich weiter.

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