Imam Ludovic-Mohamed Zahed – zur Person

Am 28.7.2017 besucht Ludovic-Mohamed Zahed die Ibn Rushd-Goethe Moschee und hält dort die Freitagspredigt. Grund genug, sich seiner Person einmal genauer zu widmen. Ein Text von Henrich Mägdelein.

„DEN Islam gibt es nicht“, mit diesen deutlich differenzierten Worten stellt der Imam und bekennende Homosexuelle Ludovic-Mohamed Zahed gleich von Anfang an klar, dass es keine Konzentriertheit, kein Dogma geben darf. Denn Ludovic weiter, „sind die Gläubigen selbst die weiteren Wegbereiter.“ Der Muslim gestaltet seinen Glauben selbst. Gegen jegliche Form von Besessenheit in extremistischem Verhalten seitens Religionen oder Glaubensrichtungen ist es Pflicht des guten Menschen, eine liberale Position zu besetzen.

Ludovic vertritt die Meinung, dort aufzubegehren, wenn doch erkennbar ist, dass der eigentliche Grund, den Islam zu verteidigen nur darin liegt, Machtpositionen zu festigen, die Vermehrung des eigenen Geldes und Goldes zu sichern, sowie die Kontrolle der Deutungshoheit niemals aus der Hand zu geben. Dass man nun auf Widerstand stösst, so führt Ludovic fort, ergibt sich bereits aus dem Kontext heraus. Denn wo Andersdenkende, und das sah man bereits im 3. Reich, wie im Kommunismus, ihre Stimme erheben, wird es zart ausgedrückt Berührungsängste geben. Der Mensch eben, der anderen Angst einjagt, durch Androhung von Gewalt, leidet ja selber unter erheblicher Furcht. Der Verlust eben der eigenen Macht steht im Vordergrund der Angst.

Ludovic philosophiert und meint, der Koran stelle eine spirituelle Botschaft dar. Wie eben auch andere grosse Werke anderer Religionen. Die Scharia, so Ludovic weiter, sei menschengemacht, und nicht ein Werk, welche vom Himmel fiel.

Der Prophet selber, hier Mohamed angesprochen, auf den sich der Islam bezieht, war alles andere als homophob. Er selber nahm Verfolgte in sein Haus auf, um jene zu beschützen. „Mukhannathun“ wurden die sogenannten weiblichen Männer genannt. Die Geschichte um Sodom und Gomorrha, die immer wieder gerne dafür herhalten muss, dass Homosexuelle Teil des Chaos waren, ist schlichtweg falsch, so der Imam. Denn bei diesem geschichtlichen Beitrag geht es um Vergewaltigung, nicht um Homosexualtität.

Dass der Koran gerne falsch ausgelegt wird, im Sinne der Herrschenden ist aus der Geschichte des Christentums bestens bekannt. Auch die Bibel musste für alles erträgliche und unerträgliche herhalten. Der Koran selber hat explizit keine einzige Stelle, die darauf hinweist, dass Homosexualität verwerflich sei. Selbstredend ermutigt das radikale Kräfte, nach ihrem Werteverständniss, eine neue Interpretation des Koran zu erfinden. Dass der Koran selber, so die Historiker, eine Anzahl von ca. 7000 Interpretationen in den gesamten Suren zulässt, macht die Sache nicht leichter.

Ludovic-Mohamed Zahed selber ist nicht nur am liberalen Aufbau des Korans und des Islams Vorkämpfer, sondern auch ein „Hineinschauer“ in andere Felder von Spiritualität. Über einen langen Weg des Zweifels fand er durch den Zugang zum Buddhismus wieder zurück zu seinem eigentlichen Pfad. Die Tatsache, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg finden sollte, lässt ihn auch schliesslich dahin gelangen, welches man ursprüngliche Herkunft nennt. Der Islam wurde wieder neu entdeckt, und besser denn je. Denn so Ludovic weiter. „war ich überrascht, wie gut es ging.“

Die Vereinbarkeit des Islam mit der Homosexualität ist daher in keinster Weise so befremdlich, wie es augenscheinlich wirkt. Denn alles menschengemachte ist auch menschenvereinbar, solange sich der Akt auf Menschenliebe und Würde bezieht. Die Menschen in den verschiedenen Winkeln der Welt sind wahrlich Veränderungen nicht mehr gewöhnt. Andere Sichtweisen und Perspektiven zu erfassen, weit entfernt vom sogenannten eigenem realem Leben. Hier bietet sich an, aus gemachten Erfahrungen die richtigen Schlüsse zu ziehen, um nicht in die Falle vertrackter Interpretationen zu fallen. Sonst bleibt die Erfahrung einzig und allein nur das, was sie ist. Eine Hülle ohne Leben.

Dafür steht Ludovic-Mohamed Zahed wahrlich nicht, denn seine Mission des liberalen Gedankens scheint eine Medizin sein zu können, wenn sie denn gut gefüllt und proportioniert ist. Gut wirken kann sie, wenn nicht nur der Zeitgeist sich wandelt und eine neue Charakterform des Menschen entsteht. Sondern wenn auch immer wieder Menschen sich erheben, um dem liberalen Grundgedanken eine Stimme zu geben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.