Freitagspredigt vom 29.06.2018

Koran und islamische Wissenschaft

بِسْمِ ٱللَّهِ ٱلرَّحْمَـٰنِ ٱلرَّحِيمِ

 َفَلَا يَتَدَبَّرُونَ ٱلْقُرْءَانَ ۚ وَلَوْ كَانَ مِنْ عِندِغَيْرِ ٱللَّهِ لَوَجَدُوا۟ فِيهِ ٱخْتِلَـٰفًۭا كَثِيرًۭا

Sure 4:82 „Sie machen sich keine Gedanken über den Koran. Wäre er von einem anderen als von Allah, so würden sie darin gewiss viel Widerspruch finden.“

Sure 21:30 „Sehen die Ungläubigen denn nicht, dass die Himmel und die Erde vereint waren (als Einheit der Schöpfung), bevor Wir sie auseinander spalteten?“

Wer nachdenkt, wird unweigerlich zu dem Schluss kommen:  Dieser Vers benennt den Anfang von allem, der Schöpfung und Ursprung des Universums. Die Astrophysiker haben ein Wort dafür: der Urknall! Die Theorie der Wissenschaftler wird wohl immer eine Theorie bleiben, aber sie wird heute durch Jahrzehnte lange Forschung unterstützt. Aber vor über 1400 Jahren haben die Wüstenaraber schon diesen Vers gelesen und sich darüber Gedanken gemacht. Auch wenn sie es noch nicht vollkommen verstanden haben, sie haben es einfach akzeptiert.

Weiter gehen die Gedanken: Wieso steht so eine ungeheuerlich wichtige Wahrheit in einem Buch, die man zu der damaligen Zeit noch nicht so richtig verstehen konnte? Es ist eine Mitteilung von Gott an die Menschen, vielleicht für uns heutige Menschen? Der Koran gilt doch für alle Zeiten! Vielleicht haben diese und ähnliche Verse Anstoß gegeben für ein erstes Nachdenken, um es eines Tages zu verstehen, Anstoß für etwas Neues: das wissenschaftliche Arbeiten. Gott betont im Koran ja immer wieder: „Wollt ihr denn nicht wissen? Oder: Wollen sie denn nicht nachdenken?“

Sie schufen damit im Orient ein ganz neues Zeitalter, auf dem auch Europa Jahrhunderte später aufbaute.

Im Koran finden wir viele Verse, die sich auf Naturphänomene beziehen. Im Laufe der Zeit haben sich viel große Gelehrte mit diesen Wundern beschäftigt. Einer davon war Imam al- Ghazali. Er stellt in seinem Buch: „Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften“ fest: „Kurz gesagt, sind alle Wissenschaften in den Werten und Attributen Allahs eingeschlossen, und der Koran ist die Erläuterung Seines Wesens, Seiner Attribute und Seiner Werke. Es gibt keine Begrenzung der Wissenschaften, und im Koran gibt es einen Hinweis auf ihre Vereinigung.

Weiter stellt er fest: „Zu Gottes Werken gehört auch die Bestimmung des menschlichen Wissens von Sonne und Mond und ihren Stationen nach festgelegter Berechnung, wie Gott sagte: ‚Sonne und Mond bewegen sich nach einer festgelegten Berechnung.‘“

Er zitiert auch ibn Mas’ud: „Wenn man Kenntnis von den Wissenschaften der antiken Klassiker und der Neuzeitigen haben möchte, sollte man über den Koran nachdenken.“ Wie auch die Sure 6:38 feststellt: „Nichts haben Wir in dem Buche ausgelassen…“.

Shaykh Muhammad Bakhit Al-Mutî`î – ein Großmufti Angang des 20.Jh.- schreibt in seinem Buch: „Tanbih al-Uqul al-Insani“: „Wer meint, der Koran sei ein Buch zur Darlegung der (islamischen) Gesetze und zur Gesetzgebung, der geht der Wahrheit aus dem Weg. Der Koran ist die Quelle aller Wissenschaften und der menschlichen Zivilisation. Mit seinen Aussagen und Hinweisen hat der Koran Beweismaterial für Wesen und Eigenschaften aller Dinge und ihrer quantitativen und qualitativen Veränderungen und enthält alle Wissenschaften, die sich mit den äußeren Realitäten befassen, seien sie himmlisch oder irdisch.“

Aber dennoch gibt es heute muslimische Gelehrte, die sagen (Ich zitiere Mehdi Golschani (Mitglied der iranischen Akademie der Wissenschaften und Mitglied des Obersten Rats für die Kulturrevolution im Iran): „Der Koran wurde nicht offenbart, um uns Wissenschaft und Technologie zu lehren, vielmehr ist er ein Buch der Rechtleitung. Darum liegt es außerhalb seiner Zielsetzung, von Physik und Naturwissenschaften zu sprechen. Der Koran alles enthält, was für unsere Rechtleitung und Glückseligkeit notwendig ist (sowohl in dieser Welt wie im Jenseits).“

Ich zitiere noch einmal den Vers am Anfang der Predigt: 4:82 Sie machen sich keine Gedanken über den Koran. Wäre er von einem anderen als von Allah, so würden sie darin gewiss viel Widerspruch finden.

Dieser Vers betont, dass es nur Gott sein konnte, der so ein Werk vollbringen konnte mit all seinen Wundern, die wir heute besser verstehen als zur damaligen Zeit im 7. Jahrhundert.    Mit den Worten von Zakir Naiks: Welche Schrift auch immer behauptet, eine göttliche Offenbarung zu sein, muss auch aus Kraft ihrer eigenen Vernunft und Logik akzeptabel sein. Und das stellt der Koran vollkommen unter Beweis, es sind wissenschaftliche Fakten und keine bloßen Hypotheken und Theorien. Das macht den Koran auch so einzigartig.

Albert Einstein stellte fest: Wissenschaft ist ohne Religion lahm, Religion ohne Wissenschaft blind. Wollen wir also sehen, ob Koran und Wissenschaft zusammenpasst, vereinbar oder unvereinbar ist.

Fangen wir mit dem Beginn von allem an, dem Urknall. Die Theorie dazu wird durch beobachtende und experimentelle Daten getragen. Im Koran erklärt der Vers 21:30 den Ursprung des Universums folgendermaßen: Sehen die Ungläubigen (denn) nicht, dass die Himmel und die Erde vereint waren (als eine Einheit der Schöpfung), bevor Wir sie auseinander spalteten?

Für mich gilt gerade dieser Vers als ein Wunder und es beweist, dass es einen Gott gibt, wie konnte sonst ein Buch diese echt wissenschaftliche Wahrheit beinhalten? Die Menschen vor rund 1400 Jahren konnten sich das nicht ausdenken, noch verstanden sie es. Heute wissen wir, dass eine gewaltige gasförmige Masse vor der Bildung des Universums existierte.

Betrachten wir folgenden Vers 21:33: „Und Er ist es, der die Nacht und den Tag erschuf und die Sonne und den Mond. Sie schweben, ein jedes Gestirn auf seiner Laufbahn.“

Das Verb ‚schweben‘: sabaha, im Vers yasbahun bedeutet sozusagen Bewegung eines sich bewegenden Körpers. Es bedeutet, dass das Gestirn nicht einfach nur durch den Raum fliegt, sondern dass es sich dabei auch noch bewegt, also rotiert. Noch deutlicher finden wir es in Sure 36. 40: Weder hat die Sonne den Mond einzuholen, noch eilt die Nacht dem Tage voraus; und alle schweben auf einer Umlaufbahn. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Astronomen die individuellen Umlaufbahnen der Sonne und des Mondes auf ihrer Reise durch den Raum mit ihren eigenen Rotationen präzisiert haben und nun auch die Stellungen der sichtbar gemachten der Sterne im Universum durch Instrumente.

Ein Vers, den ich jahrelang glattweg überlesen hatte, brachte mich dann doch in Erstaunen: Sure 51.47 “Und den Himmel haben Wir mit (Unserer) Kraft erbaut; und siehe, Wir weiten ihn noch aus.”

1916 formulierte Albert Einstein seine allgemeine Relativitätstheorie, die darauf hindeutete, dass sich das Universum entweder ausweitet oder zusammenzieht.  Die Bestätigung der Theorie, dass das Universum expandiert, kam 1929 vom Astronom Edwin Hubble. Als der Koran offenbart wurde, war das Wort ‚Weltraum‘ noch nicht bekannt. Die Menschen benutzten das Wort “Himmel”, um alles zu bezeichnen, was oberhalb der Erde war.  Das Wort ‚Himmel’ steht hier deshalb für Weltraum bzw. für das ganze Universum, das sich ausweitet, genau wie Hubbles Gesetz es aussagt.

Es gibt ungefähr 750 Koranverse, die sich mit Naturerscheinungen beschäftigen. Was bedeuten sie für uns? Es sind wichtige Botschaften an die Wissenschaftler und an gläubige Muslime. Sie vermitteln uns Aspekte der Natur und der ganzen Schöpfung.

Sure 10:101 „Sprich: ,Betrachtet, was in den Himmeln und auf Erden ist…‘“

Hier werden die Menschen aufgefordert, ihren Verstand zum Verständnis der Natur zu nutzen. Am besten sind da die Worte von  einem der einflussreichsten iranisch-islamischen Philosophen des letzten Jahrhunderts: Tabat Abayi:  „Der Koran lädt ein zum Nachdenken über himmlische Zeichen, die strahlenden Sterne und die Verschiedenheiten ihrer Zustände und die systematische Ordnung, die sie regiert. Er ermutigt zur Betrachtung über die Schöpfung der Erde, der Meere, der Gebirge, die Schöpfung von Pflanzen und Tieren, der Menschen und ihrer inneren Welt. Auf diese Weise lädt er dazu ein, die Wissenschaften der Natur und Mathematik und aller anderen Gebiete zu studieren, deren Kenntnis im Interesse der Menschheit liegen und der menschlichen Gesellschaft Glückseligkeit bringen. Der Koran lädt unter der Voraussetzung zu diesen Wissenszweigen ein, dass die Menschen durch diese Kenntnisse zur Wahrheit geleitet werden. Andernfalls ist ein Wissen, das der Unterhaltung dient und die Erkenntnis Gottes und der Wahrheit behindert, im Vokabular des Koran gleichbedeutend mit Unwissenheit“

Ich möchte noch einmal den Vers aus der Sura ‚Die Propheten‘ Vers 33 anklingen lassen: Und Er ist es, der die Nacht und den Tag erschuf und die Sonne und den Mond. Sie schweben, ein jedes Gestirn auf seiner Laufbahn.

Die Muslime wussten aufgrund der Aussage im Koran, dass jeder Planet seine Laufbahn hat. Durch ihre Beobachtungen und exakte Forschungen wurde die islamische Himmelskunde für Jahrhunderte zur führenden Astronomie der Welt. Die Muslime entwickelten die verschiedensten und zudem genauesten Beobachtungs- und Messgeräte und Sternkarten. Die Astronomie stellte einen wichtigen Bereich für die Muslime dar, da man zur Verrichtung des Gebets die Himmelsrichtungen kennen musste.

Gott sagt im Koran 78:6-7: Haben wir nicht die Erde zu einem Lager gemacht und die Berge zu Pflöcken? Und weiter in Sure 16:15 Und Er hat feste Berge auf der Erde gegründet, damit sie nicht mit euch wanke… 

Erst im 19. Jh. konnten Wissenschaftler beweisen, dass Berge tiefe Wurzeln unter der Erdoberfläche besitzen.   Das passendste Wort, um diese Berge zu beschreiben, ist das Wort „Pflock”, weil der Großteil des gesamten Pflockes unter der Erdoberfläche verborgen ist.  Genauso sind die Berge wichtig bei der Stabilisierung der Erdkruste. Sie verhindern das Wackeln der Erde.  Die Rolle der Berge als Stabilisatoren der Erde wurde erst im Rahmen der Platten-Tektonik in der 2. Hälfte des 20. Jh. verstanden.

Also Gott wusste schon, was das Richtige ist. Und wir wissen heute durch die Wissenschaft, dass die Erdkruste normal rund 35 km dick ist, aber z.B. ist sie unter dem Himalaya fast 70 km dick, um dieses schwere Gebirge tragen zu können.

Zusammengefasst gibt der heilige Koran uns eine wunderbare und richtige Sichtweise auf unsere Welt, unserer Erde, damit wir als Gottes Stellvertreter sie für uns nutzen können.

Islamische Wissenschaft ist Wissenschaft, die im wissenschaftlichen Geist und mit wissenschaftlicher Methodik von Muslimen getrieben wird. Wissenschaft wird erst dann islamisch sein, wenn sie von gläubigen und praktizierenden Muslimen zu Höchstleistungen erbracht werden. Ohne Bildung bzw. mangelnde Bildung und Kreativität in der muslimischen Welt wird es keinen Fortschritt geben. In der muslimischen Welt blickt man noch zu starr in die Vergangenheit. Man glaubt, wenn der Koran die Wissenschaften schon aufzeigt, weiß man schon alles. Nein, man muss auf ihrer Grundlage forschen und dabei nicht nur die Vergangenheit betrachten, sondern mit den Augen der Gegenwart und Zukunft. Aber ohne freies Denken, gepaart mit Kreativität und Spiritualität, wird es keine Zukunft in den islamischen Wissenschaften geben. Die muslimisch geprägten Länder waren einst die Blüte in den Wissenschaften, heute haben sie noch viel nachzuholen.

Und so bitte ich Gott, es uns leicht zu machen, um nach Wissen zu streben und es auch anzuwenden

 

 

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