Freitagspredigt 18.8.2017

Menschenrechte im Islam  

In der Zeitschrift „Berliner Woche“, die jede und jeder in Berlin kostenlos in seinem Briefkasten vorfindet, habe ich am Mittwoch einen Artikel über Seyran Ates gelesen. Sie schreibt unter anderem: „ Wir hoffen, dass unter dem Dachverband der säkularen Muslime noch mehr liberale Moscheen in ganz Europa entstehen“

Wie oft stoßen wir auf Worte wie säkular, liberal. Dazu fehlen eigentlich nur noch die Wörter demokratisch  und humanistisch.

Mir sind sie oft schwammisch, was sie genau bedeuten, kann ich auf der Stelle nicht exakt erklären. Deshalb habe ich mich schlau gemacht, was sie bedeuten und wie sie zum Islam stehen.

 Demokratie: die Regierungsform, bei der eine gewählte Volksvertretung die politische Macht ausübt,  das Wichtigste in einer Demokratie ist die Würde des Menschen

Ein humanistisches Menschenbild in einer Demokratie sieht in jedem Menschen eine eigenständige, in sich wertvolle Persönlichkeit und respektiert die Verschiedenartigkeit verschiedener Menschen.

 Die Würde des Menschen ist unantastbar, seine Persönlichkeit und seine Lebensweise müssen respektiert werden.

Der Mensch hat die Fähigkeit sich zu bilden und zu entwickeln, er hat das Recht seine Talente, Potentiale und Kompetenzen zu entfalten und zu vervollkommnen.

Die schöpferischen Kräfte des Menschen sollen sich kreativ entfalten können.

 Ein humanistisches Menschenbild besagt; dass jeder Mensch das gleiche Recht auf Freiheit hat, das Leben und alle Entscheidungen die dieses Leben beeinflussen, selbst bestimmen zu können. Es geht weiter davon aus, dass der Mensch einzigartig und von Grund auf gut ist. Es besagt, dass der Mensch befähigt und bestrebt ist, Entscheidungen in seinem Leben selbst zu treffen und sein Leben auf moralischer und ethischer Ebene selbst zu bestimmen. Auch auf finanzieller, sozialer, körperlicher, geistiger und seelischer Ebene sollten Entscheidungen selbst getroffen werden können.

 Liberalismus: ist eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche politische Positionen

Gemeinsam ist den unterschiedlichen Ansätzen die hohe Wertschätzung individueller Freiheit und Selbstverantwortung. Jeder Mensch soll leben wie er möchte, solange er nicht die Freiheit anderer tangiert bzw. verletzt. Demokratie wird als Mittel angesehen, die Freiheit der Bürger zu schützen. Meinungs-, Glaubens- und Gewissensfreiheit werden als Voraussetzung der Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung angesehen.

Wir sehen also: Liberalismus steht in enger Beziehung zum Humanismus.

Ich habe einen Aufsatz über Menschenrechte, Religion und Demokratie von Dr. Razavi Rad gelesen und fand ihn bemerkenswert

Er schreibt über den Rang und die Stellung des Menschen aus koranischer Sicht :

Der Mensch wird als bestes Geschöpf des ganzen Universums anerkannt. Bei Gott sind die Würde und Rechte jedes einzelnen Menschen unantastbar, ungeachtet, welcher Religion, Rasse, Kultur, Hautfarbe usw. er angehört. Die Menschen sind wie die Glieder eines Körpers, weil sie alle einen gemeinsamen Schöpfungsursprung haben, einen gemeinsamen Vorfahren, Adam.

17:70: „Und wahrlich, Wir haben die Kinder Adams geehrt und sie über das Land und Meer getragen und sie mit guten Dingen versorgt und sie ausgezeichnet – eine Auszeichnung vor jenen vielen, die Wir erschaffen haben.“

Das bedeutet: in Bezug auf das begriffliche Denken  stehen wir höher als die Engel, deshalb sollten sie sich auch vor Adam, stellvertretend für die ganze Menschheit werfen. Das heißt auch: er ist in der Lage, die Wahrheit des Universums herauszustellen und in allen Bereichen des Lebens seine Kenntnisse zu erweitern.

Im Vers: 95:4  steht: „Wahrlich, Wir haben den Menschen in bester Form erschaffen“, oder  Muhammad Asad übersetzt das so: „Wahrlich, Wir erschaffen den Menschen in bester Gestaltung“.

Ich denke, hier werden ungeachtet seiner natürlichen Beschaffenheit, seiner Vorzüge und Nachteile jeder Mensch mit der Fähigkeit zum bestmöglichen Gebrauch seiner angeborenen Eigenschaften und in seiner Umgebung ausgestattet. Hier wird insbesondere die Moral und Ethik angesprochen. Jeder Mensch hat seine Würde, wenn er die Rechte des anderes respektiert. Also die Grundprinzipien des Islam sind nichts anderes als die Einladung zur Menschlichkeit und die Achtung und der Stellung des Menschen, jeder Mensch muss würdig behandelt werden, auch wenn er nicht so denkt wie ich.  Das ist ein islamisches wie auch humanistisches Menschenbild.

Eines der Rechte des Menschen ist die Gedankenfreiheit. Ich hatte letzten Freitag von Neugier als erste Etappe beim Wissenserwerb gesprochen, er ist ein angeborener Trieb des Menschen, von Allah verliehen,  der ihn antreibt in seiner Wissbegier und der Suche nach der Wahrheit. Dieses Denken, Überlegen, Reflektieren, Schlüsse ziehen, Handeln ist eine besondere Fähigkeit und Merkmal des Menschen.

8:22/23 : „Wahrlich, als die schlimmsten Tiere gelten bei Allah die tauben und stummen, die keinen Verstand haben. Und hätte Allah etwas Gutes in ihnen erkannt, hätte er gewiss sie hörend gemacht. Und wenn Er sie hörend macht, so werden sie sich in Widerwillen wegwenden.“

Immer wieder lädt Allah den Menschen zum Nachdenken ein. Sie sind manifestiert in rund 300 Versen des Koran. Leider  übersehen wohl einige Muslime diese Aufforderungen.

Sie sehen nur ihren Imam, halten sich an seine Worte fest, die sicher gut sind,  anstatt an Allahs Aufforderung zum Nachdenken. Ein Imam ist auch nur ein Mensch und Menschen machen Fehler. Statt dessen sollten sie über das Gesagte kritisch nachdenken und reflektieren.

Ich denke schon, dass es viele Gläubige gibt, die nachdenken, sicher sogar eine eigene Meinung besitzen, aber nicht ihre Wertschätzung und Stellung in der Gemeinde aufgeben wollen.

Aber das ist es, was eine liberale und demokratische Gemeinde braucht.

Und weil wir hier, die versammelt sind nachdenken, sich kritisch mit den Werten, kritisch mit den islamischen Schriften, ja sich kritisch sogar mit dem Koran auseinandersetzen wollen, deshalb feindet man uns an und arbeitet  daraufhin, unsere Moschee in Diskretion zu bringen.

Wir sind offen und jeder, der seine Meinung vortragen möchte, ist eingeladen.

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