Koran und Thora- Eine Brücke der Verständigung zwischen beiden Religionen

Freitagspredigt vom 31.08.2018

Immer wieder kommt es zurzeit zu verbalen und auch körperlichen Auseinandersetzungen explizit zwischen Muslimen und Juden. Es sind nicht nur die äußerlichen Zeichen eines Juden, z.B. die Kippa, sondern ebenfalls gedanklicher Hass auf sie, und gerade von Muslimen, die hier bei uns Zuflucht erhoffen. Leider bringen sie das unterschwellige Ablehnen des Judentums aus ihrem Heimatland mit nach Deutschland. Es sind aber auch Deutsche, die lautstark ihre jüdischen Mitmenschen belästigen.

Der Grund ist wahrscheinlich die Auslegungen des Korans, eine Unkenntnis der Geschichte im Orient, eine uralte Abneigung, das von Generation zu Generationen weitergegeben wurde. Dabei haben Juden und Muslime außerordentlich viel gemeinsam. Jedoch meinen sie, dass ihre Religionen unähnlich seien und kaum Gemeinsamkeiten hätten. Durch die Medien wird dieses Dilemma noch gesteigert, sodass sie einander feind gegenüberstehen. Man fragt sich, wer hat davon Nutzen? Meistens diejenigen, die die Macht haben, die Zeitungen als Sensationsmacher.

Die einfachen Muslime und sicher auch Juden werden zu wenig aufgeklärt, dass sie viele religiöse Gemeinsamkeiten haben.

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Freitagspredigt vom 17.08.2018

Khutba 17. 8 2018

Dhul-Hidscha

5.12.1439

Im Namen Gottes des Allerbarmers des Barmherzigen

Ich suche Zuflucht bei Gott, vor den Einflüsterungen des Teufels.

Alles Lob und aller Dank gebühren alleine Gott, dem Einen, der Niemanden neben sich hat.

Nur IHM unterwerfe ich mich und nur IHN bitte ich um Hilfe!

Gott segne Muhammad und die Familie Muhammads!

Friede sei mit Euch liebe Geschwister im Islam und Werte Gäste. Herzlich willkommen bei uns in der Ibn-Ruhsd-Goethe-Moschee inmitten der Johannes Kirche.

Mein Herr, weite mir meine Brust, und mache mir meine Angelegenheit leicht. Und löse den Knoten von meiner Zunge, so dass sie meine Worte verstehen.“(Koran Sure 20, Verse 25-28)

O die ihr glaubt, wenn der Ruf zum Gebet am Freitag erschallt, dann eilet zum Gedenken Allahs und lasset den Handel ruhen. Das ist besser für euch, wenn ihr es nur wüsstet.“(Koran, Sure 62:9)

Heute ist nach dem islamischen Kalender der 5. Dhul-Hidscha 1439.Da wir hier in Europa leben, wo nach dem Christlichen Sonnenkalender gerechnet und gelebt wird, vergisst man als Muslim sehr schnell das islamische Datum, deshalb habe ich bewusst einmal dieses Datum ausgesprochen.

Dhul-Hidscha ist der 12. und letzte Monat des islamischen Jahres. Er gehört zu den heiligen islamischen Monaten und bedeutet „Monat der Pilgerfahrt (Hadsch)“, da die Pilgerfahrt der Muslime in diesem Monat vollzogen wird. Ich werde im zweiten Teil meiner Predigt näher auf diesen Monat eingehen.

Nun die Hadsch ist nur ein Ereignis im Monat Dhul Hidscha. Da ich den Islam von der schiitischen Seite aus kennenlernte, möchte ich hier noch einige andere Ereignisse vorzeigen, die in diesem heiligen Monat geschahen, damit ich mein Wissen weitergebe.

01.Dhul Hidscha/ Fatimas (a.) Hochzeit mit Ali(a.),dem späteren 4. Kalifen und Cousin unseres Propheten Muhammad(s.)

Fatima hatte sich ihren Ehemann selber ausgesucht, denn unser Prophet(s.) wollte es seiner Tochter selber überlassen, wen sie zum Ehemann möchte, also ist es keine Sunna unseres Propheten(s.), das die Eltern bestimmen, wen die Kinder zu heiraten haben und dass die Kinder noch in diesem Jahrhundert zwangsverheiratet werden müssen, bei vielen mit der Begründung , das es Sunna sei., also weil das unser Prophet(s.) so vorgelebt hätte oder es im Koran steht.
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Freitagspredigt vom 10.08.2018

Vorbestimmung und Schicksal

Als Ibn Rushd-Goethe Moschee haben wir zwei Namensgeber, die für eines der wesentlichen Konzepte im Islam stehen, nämlich den Gebrauch des eigenen Verstandes zur Deutung dessen, was um uns herum geschieht – zum Verstehen der Handlungen unserer Mitmenschen, zum Interpretieren ihrer Beweggründe, zum Auslegen uns vorliegender Texte. Daraus folgt die Ansicht, der Mensch habe einen freien Willen, aus dem heraus er seine Entscheidungen trifft. Diese Entscheidungen können natürlich durchaus zur Unfreiheit führen; so kann man entscheiden, sich zu opfern, bis hin zum Tod, und damit die eigene Freiheit aufgeben. Entscheidungen treffen wir täglich oder hadern manchmal über Monate oder Jahre. Ohne diese Entscheidungsfreiheit, ohne diesen freien Willen, hätte es keinen Sinn, am Tage des Gerichts von Allah nach unseren Gedanken und Handlungen beurteilt zu werden. So heißt es in der Sure AlZalzal (Das Beben) „Wer nun im Gewicht eines Stäubchens Gutes tut, wird es sehen. Und wer nun im Gewicht eines Stäubchens Schlechtes tut, wird es sehen.“ Der freie Wille ist eine gefühlte Wahrheit. Es fühlt sich so an, und gemäß unserer Logik spricht alles dafür, dass es ihn gibt und wir unsere Taten danach ausrichten.

Daneben existiert aber auch eine andere gefühlte Wahrheit. Es ist die des Schicksals und der Vorbestimmung. Im Koran finden wir Hinweise darauf zum Beispiel in der Sure AlQadr, aber auch in vielen Geschichten, wie z.B. der Geschichte des Propheten Moussa. Die Vorbestimmung ist ein weithin angesehenes Konzept, mit dem wir in unserem real gelebten Alltag immer wieder konfrontiert werden. Dabei muss man aufpassen, dass man es nicht ad absurdum führt. Wir können uns schwerlich hinstellen und behaupten, es wäre eben Schicksal, dass Kinder verhungern, es wäre eben Schicksal, dass Männer unter Folter qualvoll sterben, wie wir es jetzt gerade wieder in den arabischen Nachrichten gehört haben, oder dass flüchtende Frauen auf Schiffen im Mittelmeer treibend ihre Kinder entbinden müssen, wo es um sie herum viele sichere Häfen gäbe, die sie jedoch nicht aufnehmen wollen. Es ist ein unangenehmer Gedanke, selbst vom Schicksal reich belohnt zu sein, während andere Menschen leiden, und es passt nicht zu unserem Verständnis eines barmherzigen Gottes. „Freitagspredigt vom 10.08.2018“ weiterlesen

Freitagspredigt vom 27.07.2018

Goethe und der Islam

Immer wieder fällt der Satz: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland,“ oder so ähnlich. Wer sich mit der Geschichte von Deutschland ein wenig beschäftigt, weiß, dass es so nicht stimmt.

Als das Osmanische Reich die süddeutschen Länder angriff und 1529 vor Wien stand, im Jahr 1548 Österreich einen auf 7 Jahre begrenzten Friedensvertrag mit dem Kalifen Sulaiman II. unterschrieb und die südöstlichen europäischen Länder vom Osmanischen Reich verwaltet wurden, bestand die dringende Notwendigkeit, sich offiziell mit dem Islam zu beschäftigen. In Frankfurt siedelte sich die erste ständige osmanische Vertretung an, Reiseberichte über den Orient waren interessant geworden wie auch die Modewelt, zu Gesellschaften bekleidete man sich orientalisch.

Der Handel Ost-West blühte. Ganze muslimische Truppenteile, Geschenke osmanischer Herrscher, standen im Dienst deutscher Könige. Für sie baute der König von Preußen, Friedrich der Große, sogar eine Moschee, die erste auf deutschem Boden.

Schon seit den Kreuzzügen gab es einzelne europäische Übersetzungen des Korans durch Vertreter der Kirche, aber mehr mit dem Hintergedanken, den Islam damit zu diffamieren.

Im Jahr 1647 wurde die erste einigermaßen neutrale Koran-Übersetzung von André du Ruyer gedruckt, die auch Goethe für seine Studien nutzte und seinem West-Ost-Divan zugutekam. Aber erst die Koranübersetzung von George Sale 1734 in die englische Sprache, die auch bald in Deutsch erschien, setzte neue Maßstäbe durch ihre enge Anbindung an das Original. Sie blieb lange für Europa eine der Hauptquellen für die Kenntnis aller mit dem Koran zusammenhängenden Fragen. „Freitagspredigt vom 27.07.2018“ weiterlesen

Freitagspredigt vom 13.07.2018

Predigt am 13.07.2018 von Seyran Ates

Ihr Lieben, liebe Gemeinde, liebe Gäste!

Vielen Dank, dass Ihr da seid und vielen Dank, dass wir zusammen sein können, um über bestimmte Dinge nachdenken und uns Fragen stellen können.

Wofür ist eine Predigt da? Diese Frage stelle ich mir eigentlich jedes Mal, wenn ich über einer Predigt sitze oder Predigten zuhöre. Warum gibt es Predigten überhaupt, warum ist es notwendig, dass wir predigen? Was ist eine gute Predigt, was ist eine schlechte Predigt und wer bewertet das und muss man das überhaupt bewerten? Muss sie lang sein, muss sie kurz sein? Muss sie überhaupt irgendwie sein, gibt es da überhaupt ein „Muss“? Ich denke ein „Muss“ sollte es nicht geben, sie darf mal kurz sein und mal lang sein, das haben wir in unserer Gemeinde auch schon praktiziert. Der eine sagt, das war viel zu kurz, es hätte länger sein könne, der andere sagt, nein wir schlafen ja fast ein, warum so lang? All das kennen wir. Ich versuche immer, die Mitte irgendwie zu finden und Euch Anregungen zu geben, überhaupt über ein Thema nachzudenken und natürlich, um meine eigene Meinung einfließen zu lassen. Aber auch um zu schauen, was gibt es denn überhaupt in der Welt für ein Thema, um das dann mit Euch – nicht jetzt während der Predigt – aber danach zu besprechen oder einfach mal darüber nachzudenken. Und das sind oft Dinge, die täglich im Alltag passieren und uns anregen oder uns eine Idee geben für die Predigten. Und so ist das oft bei mir, dass wenn ich mich vorbereite zu einem Thema, dann etwas passiert, wo ich denke, nein ich möchte eigentlich genau darüber sprechen. Und so ist es passiert, dass ich gestern eine Beratung gemacht habe im Süden von Berlin. Sechs deutsche Frauen und Männer, die in der Beratungstätigkeit für Flüchtlinge tätig sind haben mich gebeten, sie zum Thema „Kinderehe“ zu beraten. Sie haben einen Fall, der sie fassungslos macht und sie sind ganz verzweifelt. Es war noch ein syrischer Übersetzer dabei. Und so habe ich eine Gruppe von Menschen vorgefunden, die sehr verzweifelt waren. Sehr verzweifelt darüber: „Freitagspredigt vom 13.07.2018“ weiterlesen

Freitagspredigt vom 06.07.2018

Toleranz im Islam

In unserer heutigen Gesellschaft ist Toleranz ein wichtiges Thema und wird z.B. diskutiert in Zusammenhang mit Religiosität, sexuellen Neigungen, kulturellen Unterschieden und prinzipiell Andersdenkenden. Als Begriff wird es erst seit der Zeit der Aufklärung verwendet.

Was ist also Toleranz? Toleranz – man kann auch Duldsamkeit sagen – ist allgemein ein Gewähren lassen anderer oder fremde Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten.

Tolerant sein bedeutet duldsam, nachsichtig, großzügig sein. Dabei wird die Toleranzidee zur Forderung einer Duldung aller Konfessionen, und der Bedeutungsbereich des Toleranzbegriffs wird über das Religiöse hinaus erweitert, auf eine allgemeine Duldung anders Denkender und Handelnder.

Intolerant bedeutet dementsprechend unduldsam, keine andere Meinung oder Weltanschauung als die eigene Meinung gelten lassend.

Als Steigerung der Toleranz gilt die Akzeptanz, die gutheißende, zustimmende Haltung gegenüber einer anderen Person und ihrem Verhalten oder gegenüber einer anderen Religion und das Annehmen als höchste Stufe oder das Ablehnen.

Es ist eine wunderbare Eigenschaft eines Menschen, tolerant zu sein. Ein toleranter Mensch besitzt Weisheit und benutzt sein Verständnis und seine Sinne mit offenen Augen. „Freitagspredigt vom 06.07.2018“ weiterlesen

Unser erstes Buch: Die Frauen von Medina

Wir haben zusammen mit Islamwissenschaftler Jesper Petersen unser erstes Buch herausgegeben:

„Die Frauen von Medina – Imaminnen, Gelehrte und Kriegerinnen“

Das Buch gibt einen guten Überblick über die verschiedenen Rollen, die Frauen gemäß der Überlieferungen eingenommen haben und liefert eine gute historische Einordnung dieser Überlieferungen. Wir wollen damit zeigen, dass die Frauenrollen im ursprünglichen Islam deutlich vielfältiger waren, als das heute oft angenommen wird.

Jesper Petersen deckt für uns alte Quellen aud, ohne irgendwas zu beschönigen oder zu vertuschen. Er zeigt was war. Und er überlässt die Interpretation des Geschriebenen seinen Leserinnen und Lesern.

Das Buch kann zum Preis von 10€ inkl. Versand (Deutschland) unter buchservice@ibn-rushd-goethe-moschee.de bestellt werden.

Freitagspredigt vom 12.01.2018

Aberglaube

von Christian Awhan Hermann

Im Dezember des letzten Jahres bin ich sehr häufig über den arabischen Begriff „Schirk“ gestolpert. Auf diversen Internetseiten und in verschiedenen Onlineforen wurde von zumeist selbsternannten Expert*innen zuhauf das Feiern von Weihnachten als „Schirk“ bezeichnet, gern dann in einem Atemzug auch als „Aberglaube“. Überhaupt – so wurde gern dann auch vollmundig erklärt und betont und bekräftigt – alles was nicht zum Islam gehöre, was von Andersgläubigen praktiziert werde, alles andere außer die von ganz wichtigen Experten erlaubten religiösen Praktiken des Islam würden als „Schirk“ und als Aberglaube gelten. Wer nicht exakt den islamischen Regeln entsprechend lebe, sei dann auch gleich ein Ungläubiger, ein Höllenfeuerkandidat und eine Inkarnation des Teufels obendrein.

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